Sonntagmittag hatten wir die Möglichkeit ein besonderes Interview zu führen. Beim Wiener Carl Ueberreuter Verlag nahm sich Johann Larcher, Vertriebs- und Marketingleitung und die Autorin Usch Luhn die Zeit unsere Fragen zu beantworten. Usch Luhn saß durch Zufall am Stand des Verlags und war ebenso aufgeschlossen wie Johann Larcher.

Haben Sie das Gefühl, dass Deutsche mehr schreiben und Sie in den letzten Jahren mehr Manuskripte erhalten, als es früher der Fall war?
Johann Larcher: Die Tendenz im Fantasy Bereich ist steigend, da es auch mehr Veröffentlichungen gibt als früher.

 

Wo sehen Sie den Trend für die kommenden ein bis zwei Jahre?
Johann Larcher: Dystopien sind der Trend seit einem halben Jahr im Bereich Fantasy. Die Säule der Kinder- und Jugendbücher wird stärker bzw. größer, da auch mehr Erwachsene diese Bücher lesen. Ich denke aber auch, dass die sozial engagierten Bücher, realistische Geschichten – Pubertät oder zwischenmenschlich Themen – beliebter werden.

Usch Luhn: Die Geschichten konkurrieren aber nicht, eher stehen sie nebeneinander. Gerade Schulen greifen immer häufiger die Themen auf. Denn wenn die Leser packende Geschichten lesen, in denen sie sich wiederfinden, dann werden sie auch angenommen. Man muss andocken können.

 

Auf dem Buchmarkt sieht man immer mehr ausländische Autoren. Warum?
Johann Larcher: Lizenzmärkte sind wichtig. Wir haben eher deutsche Autoren in unserem Programm. Der Lizenzmarkt ist sehr teuer. Denn gute Stoffe müssen entsprechend bezahlt werden.

Usch Luhn: Das deutsche Publikum erfährt nicht, wenn unsere Buchlizenzen ins Ausland verkauft werden. Meine Sachen zum Beispiel werden ins Hebräische übersetzt. Oder viele osteuropäische Verlage publizieren meine Bücher.

Johann Larcher: Die Engländer oder Amerikaner zum Beispiel verkaufen mehr Lizenzen an uns, wohingegen unsere Stoffe in diesen Ländern nicht platziert werden können. Dafür aber verkaufen wir Bilderbücher nach China oder Skandinavien. Andersrum werden die Lizenzen aus diesen Ländern kaum erworben. Im angelsächsischen Raum gibt es ein sehr großes und gutes Autorenpotenzial. Es gibt eine Vielzahl hervorragender deutsche Autoren, aber der Markt hat Platz für mehr.

Usch Luhn: Die Vielfalt ist wichtig. Es freut mich immer, wenn ich andere erfolgreiche Autoren kennenlerne.

 

Wie sehen Sie den Markt für neue, unbekannte Autoren?
Johann Larcher: Manuskripte gibt es genug, aber der Aufwand, sie zu prüfen, ist sehr groß. Empfehlungen schaden nicht, aber sind nicht vorrangig. Wichtig für den Verlag ist, dass der Neuling eine gewisse Professionalität vermittelt, ansonsten kommt nichts bei rum.

Usch Luhn: Als ich angefangen habe, habe ich mich mit 30 Seiten beworben. Meine Geschichte war nicht mal fertig und ich hab’s trotzdem geschafft. Und das mit meinem Erstling. Kommunikation ist wichtig. Man muss aufgeschlossen sein.

 

Wie stehen Sie zum Thema, deutsche Autoren sollen mit deutschen Settings arbeiten und nicht mit amerikanischen oder kanadischen Settings?
Johann Larcher: Das Setting muss glaubhaft sein. Es muss stimmen und passen. Dann ist das kein Problem.

 

Auch hier ein herzliches DANKE für die Zeit und das wunderbare, signierte Rezensionsexemplar von Usch Luhn ‚Unschuld‘, wozu in den nächsten Wochen eine Rezension folgen wird.

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