Kurz vor Toresschluss am Samstag auf der Leipziger Buchmesse hatten wir noch die Möglichkeit ein Interview mit Mitarbeiterinnen von der Thienemann-Verlagsgruppe zu führen. Die GmbH besteht aus dem 1849 gegründeten Thienemann Verlag, dem Gabriel Verlag und dem 2010 ‚gestarteten‘ Imprint Planet Girl-Verlag. Das Programm des Gabriel Verlags geht eher in die ökumenische Richtung und möchte Kindern und Eltern mit christlichen Traditionen im Jahres- und Lebenslauf neu vertraut machen. Der Planet-Girl Verlag hingegen ist mehr auf die junge weibliche Leserschaft ausgerichtet und unteranderem mit den „Freche Mädchen, freche Bücher“-Reihe deutschlandweit bekannt.

Frau Unbehaun und Frau Langenströer haben sich viel Zeit genommen und uns unsere Fragen mehr als ausführlich beantwortet.

Haben Sie das Gefühl, dass Deutsche mehr schreiben und Sie in den letzten Jahren mehr Manuskripte erhalten, als es früher der Fall war?
Nein, aber es sind immer noch ziemlich viele.

 

Wie viele Manuskripte erhalten Sie im Jahr?
Circa 2000 unverlangt eingesendete Manuskripte, dazu kommen dann noch die der Agenturen und die von uns in Auftrag gegebenen. Aktuell arbeiten vier Autorinnen an einer neuen Serie, ‚Die Zaubermädchen‘. Der Planet-Girl-Verlag hat diese Serie entwickelt und hat gezielt Autorinnen angesprochen und sie für dieses Projekt verpflichtet.

 

Und wie viele der unverlangt eingereichten Manuskripte werden von Ihnen als Bücher herausgebracht?
Die Realisierungen liegen im unteren einstelligen Bereich.

 

Woran liegt das?
Das hat unterschiedliche Gründe. Ein Teil der unverlangt eingesendeten Manuskripte passen einfach nicht in unser Programm, sondern werden auf ‚Gut Glück‘ verschickt. Ein großer Teil sind aber auch unoriginelle Geschichten oder Stoffe die es bereits massenhaft auf dem Markt gibt. Vieles ist aber auch einfach handwerklich nicht gut gemacht, also schlecht geschrieben.

 

Was muss ein Autor haben um bei Thienemann ‚punkten‘ zu können.
Wir sind immer auf der Suche nach tollen, humorvollen, besonderen Geschichten, die die Leser der einzelnen Altersgruppen ansprechen. Es bringt nichts, wenn man ein Buch schreibt, worüber sich die Erwachsenen amüsieren, aber die Kinder nicht lachen können.

Interessant ist es auch, wenn der Autor verschiedene Genres mischt. Im Planet-Girl Verlag gibt es zum Beispiel die Pferdebücher von Nele Neuhaus. Sie mischt hier den Bereich Krimi mit Pferden, die auf den ersten Blick scheinbar nicht zusammenpassen. Astrid Frank zum Beispiel hat mit ihrem Roman ‚Acher – Legende des roten Landes‘ eine Pferdegeschichte mit historischem Hintergrund geschrieben.

 

Auf dem Buchmarkt sieht man immer mehr ausländische Autoren. Warum?
Überwiegend veröffentlicht die Thienemann Verlag GmbH deutsche Autoren. Im Bereich Fantasy ist es aber in der Tat so, dass eher ausländische, vorwiegend amerikanische Autoren veröffentlich werden. Die Amerikaner gehen dieses Thema anders an und treffen damit eher den Geschmack der Leser.

 

Wie stehen Sie zum Thema, deutsche Autoren sollen nur in deutschen Settings schreiben?
Ausländische Settings sind in Ordnung, wenn sie gut recherchiert und authentisch sind. Wenn man beim Lesen das Gefühl bekommt, der Autor hat z.B. einfach nur New York als Setting ausgesucht, weil er es so toll findet, sich aber weder in der Stadt, noch mit den amerikanischen Gepflogenheiten auskennt, so ist das nicht mehr glaubwürdig.

 

In den Buchhandlungen findet man immer mehr Trilogien. Wird das von den Verlagen so gewünscht?
Nein. Wir legen es nicht darauf an, einen Dreiteiler herauszubringen. Meist sind die dritten Teile längst nicht mehr so gut wie der Erste. Es ist eher so, dass die Autoren die Geschichten direkt auf drei Teile konzipieren und sie so auf dem Markt angeboten werden.

Wir zum Beispiel, verlegen gerne auch Serien. Keine Mehrteiler sondern richtige Serien. ‚Unsere Tierklinik‘ ist da ein schönes Beispiel oder auch ‚Der Robin Hood Club‘. Aber auch die Freche Mädchen Bücher um einige starke Protagonistinnen werden von unseren Leserinnen gewünscht, weil sie einfach gerne wissen wollen, wie es weitergeht.

 

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben.
Sehr gerne. Es waren sehr interessante Fragen.

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