Gebundene Ausgabe:   288 Seiten

Autor: Kerstin Gier

Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Paperback); Auflage: 6 (11. November 2011)

ISBN-13: 978-3785760505

Kurzinhalt:

 

Erster Satz:  „Also wenn ich mich in drei Adjektiven beschreiben müsste, würde ich sagen: erstens: ein Typ zum Pferdestehlen, zweitens: FKK-Anhänger und drittens: allen Späßen und Flirts gegenüber aufgeschlossen.“

Als wir in Leipzig waren und an der Lesung von Kerstin Gier teilnahmen, war es die Autorin selbst, die mich neugierig auf das Buch gemacht hat. Vielleicht lag es daran, dass sie einen großen Teil der amüsantesten Stellen aus dem Buch vorgelesen hat, wer weiß. Auf jeden Fall war es nicht das rosa-rote Cover mit dem Esel und den kleinen Blüten drauf.

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
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Idee: Wer denkt sich nicht: Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte und noch all meine Erinnerungen hätte, dann würde ich einiges anders machen.

Genau den Gedanken hat auch Kati, die Protagonistin, als sie nach einem (unfreiwilligen) Zusammenstoß mit einer U-Bahn im Krankenhaus aufwacht und feststellt, sie ist fünf Jahre in der Zeit zurück gesprungen. Exakt einen Tag, bevor sie Felix, ihren Ehemann kennenlernte.

Ich fand die Idee sehr gut und habe das Buch mehr oder weniger in einem durchgelesen.

Plot: Witzig, spitzig, humorvoll. Es gab Lacher die durch alltägliche Situationen entstanden sind, wie sie vielleicht der ein oder andere schon selbst erlebt hat.

Zum anderen gibt es für die tiefgründigen Leser sicher auch den ein oder anderen Gedanken den das Buch aufwirft.

Nicht so gut gefallen haben mir die Zitate. Ich kann mit Zitaten in Büchern irgendwie nichts anfangen, vor allem, weil sie zum Teil nicht immer zum Text passen und ich auch persönlich nie so genau weiß, was die jetzt mit dem Buch zu tun haben. Ich lese sie, weil sie zum Buch dazu gehören, denke mir aber nichts dabei. Denn ich lese zum entspannen und nicht um im Anschluss tiefgründig darüber nachzudenken. Was nicht heißen soll, ich mache mir im Anschluss gar keine Gedanken über das was ich gelesen habe.

Das Ende der Geschichte war persönlich nicht so mein Fall. Das liegt sicher nicht daran, weil es schlecht ist, das ist es nicht. Sondern eher an meinem Kopfkino. Ich bin ein Mensch der eine klare Linie braucht, die mich hundertprozentig überzeugt, die Protagonistin hat die richtige Entscheidung getroffen. Und diese klare Linie habe ich vermisst, vielleicht weil ich auch bis zum Schluss nicht wusste, welchem Mann ich Kati jetzt ‚gönnen‘ wollte.

Schreibstil: Da gibt es nicht viel zu sagen, ausser: ich liebe ihren Schreibstil.

Es trifft genau meinen Geschmack.

Kerstin Gier scheint eine sehr gute Beobachtungsgabe zu haben. Denn sie schafft es immer wieder Charaktere zu erschaffen, die in einem das Gefühl wecken, oh ja – so einen kenne ich auch. Die kleinen Macken, Fehler und Besonderheiten von Menschen kann sie hervorragend um- und in Szene setzen.

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Ich als Kölnerin musste herzhaft lachen, beim kölschen Dialekt des Taxifahrers. Augenblicklich hatte ich ein Bild von besagtem Herren im Kopf.

Sie macht keinen großen Blabla, verliert sich nicht in seitenweisen Beschreibungen, sondern treibt die Geschichte kontinuierlich nach vorne, durch Dialoge, Gedanken und Handlung. Sie erzeugt Spannung und der Schreibstil lässt (fast immer) eine gute Identifizierung mit den Protagonisten zu.

Charaktere: Mit Kati konnte ich mich bis zum Schluss nicht so richtig identifizieren. Vielleicht lag es daran, weil ich ihr diese Verliebtheit zu Mathias nicht 100 %-zig abnehme. Sie hat auf einmal Zweifel an ihrer Ehe mit Felix – wer hat das nicht in einer längeren Beziehung in der Alltag eingekehrt ist? Aber sie ist nicht so richtig unglücklich. Ich würde die Gefühle gegenüber Mathias eher als ‚Schwärmerei‘ abtun. Dafür war sie nachher in ihrer Beharrlichkeit, dem Schicksal ein Schnippchen zuschlagen, umso überzeugender.

Felix habe ich vom ersten Satz an geliebt, so wie es sich für den männlichen Prota auch gehört. Immer wieder hatte ich zwischendurch das Bedürfnis „Mensch Kati. Er ist der Richtige und nicht Mathias!“, zu rufen.

Mathias war mir ehrlich gesagt am Anfang ziemlich unsympathisch. Erst zum Schluss hin, mochte ich ihn.

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Er erweckte den Eindruck ein Mann zu sein, der genau weiß was er für eine Wirkung auf Frauen hat und genau weiß wie er das weibliche Geschlecht für sich gewinnen kann. Ich hatte das Gefühl, dass er nur deshalb Interesse an Kati zeigte, weil sie eben nicht so war wie all die anderen Frauen, sondern sein ‚Jagdtinstinkt‘ geweckt wurde. Erst im späteren Verlauf der Geschichte, als sie in der Zeit zurück gesprungen war, habe ich ihm seine Gefühle geglaubt. Ich hatte zum Schluss sogar etwas Mitleid mit ihm.


Hintergrund: Durch die Edelstein-Trilogie hat sich Kerstin Gier eine Menge Wissen über Zeitreisen angeeignet die sie auch in diesem Fall nutzt. Sicherlich ist es nicht ganz real wie es zum Zeitsprung kommt und tief im Inneren denke ich, das der Obdachlose da seine Finger im Spiel hatte, aber im Grunde ist es plausibel und erweckt nicht in mir das Gefühl unlogisch zu sein.

Kerstin Gier schafft es, glaubhaft aufzuzeigen, wie lang fünf Jahre sein können. Und selbst wenn man die Absicht hat Dinge anders zu machen, dies manchmal einfach an Gedächtnislücken scheitert, weil man sich schlicht und ergreifend nicht mehr erinnern kann, was alles in der Zeit passiert ist.

 

Fazit: Eine schöne Lektüre für zwischendurch wenn einen das rosa-rote Cover nicht abschreckt. Hätte ich Kerstin Giers Lesung nicht beigewohnt, hätte ich mir das Buch womöglich nicht gekauft, aber ich bereue die Investition nicht, schon alleine wegen der persönlichen Widmung.

Dabei zuzusehen wie Kati versucht dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen und daraus wirklich lustige Situationen entstehen, ist schon komisch und sehr amüsant.

Ein kurzweiliges Lesevergnügen für jemanden der in der Bahn sitzt und einen lästigen Sitznachbarn hat, der einen vollquatscht und sich in drei Adjektiven zu beschreiben versucht.

 

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