Aisling Breith lesen, schreiben, hören

Interview mit Beatrice Lampe von Piper Fantasy & IVI

Oktober 29

Piper Fantasy feiert dieses Jahr seinen 10. Geburtstag. IVI ist seit dem Frühjahr mit seinem Programm am Markt. Ein kleines Programm, das ich jetzt schon sehr schätze. Zusammen mit dem Programmleiter Carsten Polzin bildet Beatrice Lampe das Team für den Bereich Fantasy und IVI im Piper Verlag. Ich habe mich sehr gefreut, mit ihr sprechen zu können.

Wie wird man Lektor?
Es gibt keinen vorbestimmten Weg zum Lektorenberuf. Wichtig ist, dass man seine Begeisterung für Literatur und Bücher ausdrücken kann und am besten einen entsprechenden Studienabschluss besitzt. Ein Literaturstudium ist von Vorteil, aber nicht Voraussetzung. Ich habe Germanistik studiert und war danach Werbetexterin. Das bin ich im Grunde immer noch, denn ich texte die Titel der Bücher und die Buchtexte. Sogar bei einer Autorenvita muss man richtig einschätzen, welche Infos interessant sind und welche nicht. Welche starken Argumente führt man auf? Was darf ich sagen und was lieber nicht? Diese Kompetenz und meine Begeisterung für Fantasy war eine gute Voraussetzung für den Job.

Dann lektorieren Sie auch die Manuskripte?
Ja. Diese Arbeit stand aber früher sehr viel mehr im Zentrum. Heute sind wir Verlagslektoren eher Projektmanager. Wir müssen abwägen, welche Bücher zu uns passen, was auf dem deutschen und dem internationalen Markt geschieht, welche Autoren gerade gefragt sind. Wie wir an die kommen? Dafür gibt es literarische Agenten, die Autoren vertreten und denen wir gute Angebote machen müssen, damit wir den Zuschlag für ein Manuskript bekommen. Das ist nicht immer sicher, und wir bangen jedes Mal, ob es auch klappt – wie bei einer Auktion. Vielleicht wird man überboten und muss viel Engagement zeigen, um einen Titel am Ende zu bekommen.
Die Buchbranche ist ein sehr aufregender Markt. Und mein Job ist so toll, weil jeder Tag anders ist und ständig neue aufregende Ereignisse passieren.

Wie bewältigt man den Stapel unverlangt eingesandter Manuskripte?
Davon bekommen wir täglich 20–30 Einsendungen. Das können wir nicht alles lesen. Uns hilft eine Assistentin, die vorsortiert und ganz viel wieder zurückschickt. Die Sachen, die sie gut findet, landen auf unseren Tischen. In den seltensten Fällen ist bei den unverlangten Einsendungen wirklich guter Stoff dabei, und selbst dann diskutieren wir sehr intensiv, ob wir ein Projekt wirklich ins Programm nehmen können. Wenn es dann doch eine Standardabsage von uns gibt, heißt das nicht, dass wir es uns nicht angeguckt haben. Wir schauen uns jedes Manuskript an.
Priorität A haben jedoch die wichtigen internationalen Manuskripte. Außerdem gibt es Bücher, die uns Verlage direkt anbieten, die nicht über Agenturen laufen. Das hat Priorität B. Erst auf C kommen die unverlangt eingesandten Manuskripte.
Klar könnte ich den ganzen Tag mit Lesen verbringen, stattdessen muss ich aber sicherstellen, dass unsere Autoren ihre Termine einhalten, dass Manuskripte rechtzeitig zum Übersetzer gehen, kurzfristig für Ersatz sorgen, wenn jemand krank wird. Was kommt aufs Cover? Ist unser Buchtitel schutzfähig? Und was steht im nächsten Fantasy-Newsletter? Mit solchen Dingen beschäftige ich mich tagsüber. Die Manuskripte lese ich nach Feierabend und am Wochenende.

Wie schafft man es, sein eigenes Manuskript als „verlangt“ einzusenden?
Heutzutage ist der einfachste und effektivste Weg über eine namhafte Agentur. Es ist gut für angehende Autoren, sich Unterstützung und Hilfe von literarischen Agenturen zu holen. Wenn man es schafft, den Agenten von seinem Projekt zu überzeugen, hat man gute Chancen; dann ist man schon auf der Autobahn zum Verlag. Schließlich landet das Manuskript eher in unserem Fokus, wenn die Agentur eine große Empfehlung ausspricht.

Was ist das ausschlagende Element? Zählt die Form oder ein Foto?
Ein Foto ist ganz egal. Wichtig finde ich, dass schon das Anschreiben ansprechend und fehlerfrei ist. Ganz oft denken wir: Du schaffst es nicht, in zwei Sätzen zu beschreiben, warum du mir diesen Brief schickst. Wie willst Du dann den Leser auf den ersten zehn Seiten an die Hand nehmen? Im Exposé sollte der Autor erklären können, warum gerade sein Buch wichtig ist und was es besonders macht; was es von der breiten Masse abhebt. Wenn das Exposé stimmig ist, muss ich gar nicht unbedingt das Manuskript komplett lesen, weil ich weiß, dass das Konzept funktioniert. Diese Geschichte kann ich als Lektor gut erzählen – und die können die Buchhändler auch gut den Lesern erzählen.
In der Regel lese ich zuerst das Exposé. Dann informiere ich mich, wer der Autor ist und was er macht. Ist er IT-Techniker oder erst 16? Das spielt für meine Wahrnehmung eine Rolle. Dann lese ich die Leseprobe, und zwar den Romananfang, denn das ist die entscheidende Stelle, die den Leser mitreißen muss. Ein Manuskript muss von der ersten Zeile an gut sein. Ich lese die ersten zehn Seiten, und wenn ich bemerke, dass die Geschichte nicht funktioniert, muss ich aufhören – schließlich habe ich eine große Masse an anderen Manuskripten zu bewältigen. Wenn der Anfang mich jedoch überzeugt, lese ich noch mal 20–30 Seiten. Und wenn die ersten 50 Seiten gut sind, bin ich schon ziemlich positiv gestimmt. Aber das passiert in den wenigsten Fällen bei den unverlangten Einsendungen. Unser Auftrag ist es, das Beste vom Besten zu finden. Geschichten, die viele Leser finden und neue Trends auslösen könnten. Um ein solches Angebot zu liefern, muss man vor allem streng mit sich selber sein und mit den Autoren.

Wie viel hat der Autor mit dem Marketing zu tun?
Eigentlich sehr viel. Es hängt aber davon ab, wie stark er sich einbringen will und wie realistisch seine Vorstellungen sind. Manche Autoren haben ganz große Ideen, was wir als Verlag alles für sie machen könnten. Denen müssen wir manchmal erst klar machen, dass wir nicht nur einen, sondern schrecklich viele Autoren haben, die wir alle mit Marketing unterstützen wollen, obwohl unser Budget begrenzt ist. Wir werben so gut und breit wie möglich; man kann aber auch beobachten, dass große und teure Kampagnen der Konkurrenz auch mal danebengehen und der versprochene Erfolg ausbleibt.
Für uns ist es deshalb das Wichtigste, das Engagement des Autors einzufangen und daraus etwas Besonderes zu machen. Gerade in der Fantasy und im Jugendbuch sind wir ganz eng vernetzt mit dem Onlinemarketing. In diesen beiden Genres ist jede Onlinemaßnahme besser als eine teure Anzeige in der FAZ oder im Spiegel. Und da unsere Zielgruppe viel online ist, ist es sinnvoller, sich eine entsprechende Aktion für sie auszudenken, zum Beispiel eine Livestreamlesung mit dem Autor oder einen Schreibwettbewerb für Fans. Solche Aktionen haben viel mehr Potenzial und bewirken, dass sich ein Buch genau bei den Leuten herumspricht, die es auch lesen wollen.
Wenn unsere Autoren sich in diese Richtung engagieren wollen, stehen ihnen unsere Türen sehr weit offen.

Wie ist das bei den englischen Übersetzungen? Verändern Sie noch etwas an der Geschichte? Wie bringt man die Wirkung des Originals in die deutsche Sprache?
Wir arbeiten mit einem großen Pool an Übersetzern zusammen, die sich in unseren Genres sehr gut auskennen. Wir kennen die Übersetzer auch persönlich, diskutieren mit ihnen über vergangene Projekte und darüber, welche Stoffe sie persönlich interessieren. Schließlich muss ich im Vorfeld sehr genau einschätzen, wen ich mit welchem Projekt beauftrage. Im Nachhinein prüfen wir die Qualität jeder Übersetzung, um auf dem Laufenden zu bleiben. Zum Beispiel wirkt es sich auf den Text aus, wenn ein Übersetzer gerade eine schlechte Phase im Leben hat, und uns fällt auch auf, wenn jemand so gut wie nie zuvor übersetzt hat.
Wichtig ist, dass der deutsche Text in sich stimmig ist. Wir wollen nicht, dass der Leser über Anglizismen stolpert oder sich über viele Rechtschreibfehler ärgern muss. In der Redaktionsphase wird überprüft, dass der Übersetzer auch inhaltlich nichts übersehen hat, wie z. B. dass eine Figur einheitlich ihr Muttermal auf der linken Wange trägt. Wenn im Originaltext ein solcher Fehler auftaucht, dann greifen wir ausnahmsweise ein und korrigieren in der deutschen Fassung.

Welche Tipps haben sie für angehende Autoren?
Michael Peinkofer hat vor kurzem ein ganzes Buch zu dem Thema geschrieben: „Das Zauberer-Handbuch. Schreib deinen eigenen Fantasy-Roman“
Ich persönlich rate: Immer wieder an sich arbeiten. Überzeugt von seinem Stoff sein und trotzdem bereit, sein Manuskript wieder und wieder zu überarbeiten. Ein Autor muss beobachten, was die Konkurrenz macht. Muss am Markt dran bleiben und wissen, was die Leute lesen wollen. Und sich durchaus trauen, einen Stoff erst in zehn Jahren wieder anzufassen, wenn die Zeit dafür reif ist.

Was wird Trend?
Die Zeit der Dystopien ist vorbei. Spätestens in einem Jahr, denke ich. Realistischere Stoffe und Thriller werden auf der Buchmesse gerade in Massen angeboten. Viele Verlage werden deshalb auf Fantasy verzichten, aber da kontern wir und setzen gerade deshalb auf große fantastische Geschichten.

Wie ist IVI entstanden?
IVI ist aus einem bestimmten Grund entstanden. Mit unserem Fantasyprogramm haben wir schon immer nicht nur unsere erwachsenen männlichen Leser angesprochen, sondern auch jüngere und weibliche Leser. Das Problem: Im Buchhandel gibt es für Fantasy und Jugendbuch unterschiedliche Ansprechpartner. Der Einkäufer für Fantasy weiß: Vor meinem Regal stehen meist nur Kerle, warum soll ich die weiblichen All-Age-Titel ins Regal stellen? Deshalb wurden diese Bücher nicht bestellt und damit weniger verkauft. Da mussten wir unsere Strategie ändern. Wir trennten. Uns war klar, dass wir im erwachsenen Fantasyprogramm weiterhin männliche Leser ansprechen. Mit IVI bieten wir nun neuen Autoren eine Bühne, die auch wirklich dahin kommen, wo sie gebraucht werden, nämlich in die Regale der Jugendbucheinkäufer. Das ist uns bereits mit den ersten Büchern ganz gut geglückt. Unser Anspruch: Wir wollen kein riesiges Programm aufbauen und damit den traditionellen Jugendbuchverlagen das Wasser abgraben. IVI bedeutet: Wir machen Bücher für junge (Fantasy-)Leserinnen, wählen aus der Masse an All-Age-Manuskripten pro Programm aber nur die vier allerbesten Titel aus und setzen damit auch in Zukunft statt auf Quantität auf Qualität.

Wie wichtig sind Ihnen die Blogger?
Unsere Blogger sind superwichtig. Gerade für den All-Age-Bereich sind sie unerlässlich und mittlerweile das wichtigste Medium. An ihre Wirkung kommt keine klassische Rezension ran. Die Blogs haben eine ganz eigene Dynamik: Sobald eine Rezension veröffentlicht wird, entwickelt sich in den Kommentaren eine rege Diskussion. Wir sind immer wieder erstaunt, dass manche Leser sich für ein Buch entscheiden, nur weil es ein bestimmter Blogger, dessen Meinung vertraut wird, es empfiehlt. Das zu beobachten ist superspannend: Ich schaue mir deshalb jeden Morgen an, welche neuen Rezensionen in den Blogs erscheinen.

Habt ihr begrenzte Kontingente an Leseexemplaren?
Noch nicht, aber wir überlegen, wie wir das Angebot für unsere Blogger noch besser machen können. Es gibt beispielsweise einen englischen Verlag, der ein Bloggerbelohnungssystem einsetzt. Blogger können sich dort exklusiv registrieren und damit Botschafter des Verlags werden. Der nächste Schritt wäre für uns, dass wir euch Blogger noch näher an unsere Seite holen, damit ihr euch wohlfühlt und auch was davon habt, wenn ihr tolle Rezensionen zu unseren Büchern schreibt.

Wie gehen Sie mit negativen Rezensionen um?
Passiert ständig und ist verständlich. Natürlich finden wir es schade, wenn ein Buch einem Leser einmal nicht gefallen hat, aber wir wollen ja auch lernen und lesen negative Rezensionen deshalb aufmerksam durch. Es ist wichtig, das berechtigte Kritik bei uns ankommt. Die wird nicht zensiert. Aber am Ende zählt: Ein Buch kann noch so viele 5 Sterne Rezensionen haben, wenn es einfach nicht meine Sprache spricht, werde ich es nicht mögen. Deshalb ist es uns ein echtes Anliegen, bei IVI Bücher aus ganz unterschiedlichen Genres, mit ganz unterschiedlichen Themen und Erzählstilen zu bieten.

Vielen Dank für dieses interessante Interview und weiterhin viel Erfolg für Piper Fantasy und IVI!

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Lost Girl – Im Schatten der Anderen

Oktober 27



Autor:
Sangu Mandanna

Originaltitel: The Lost Girl

Übersetzer: Wolfram Ströle

Erscheinungsdatum: 1.Juli 2012

ISBN-13: 978-3473400805

Verlag: Ravensburger Buchverlag

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten

Klappentext:

 

Allein der Klappentext hat mich total neugierig gemacht. Das Cover ist natürlich auch nicht zu verachten. Für mich war es ein neues Thema und deshalb fing ich an, ganz ohne Erwartungen zu lesen.
Erster Satz: Ich weiß noch, wie ich mit Mina Ma in der Stadt war.

Obwohl ich es immer mache, möchte ich den Inhalt nicht zwingend selbst wiedergeben, da ich sicher zu viel von der Handlung verraten würde. In diesem Fall möchte ich das nicht, denn man würde zu viel verraten und meiner Meinung nach den Lesespaß mindern. Ich rate wirklich dazu, sich am Klappentext Appetit zu holen und in die Geschichte hineinschubsen zu lassen.

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
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Idee: Mir gefiel die Idee des „Echos“, eines Doppelgängers sehr gut. Vor allem, weil Amarras Echo wirklich jedes Detail ihres Lebens kopieren können muss.

Plot: Das Buch ist in drei Abschnitte eingeteilt, was stimmig und gut ist. Dabei spielen die Teile an verschiedenen Orten. Im ersten Teil lernen wir Amarras Echo kennen und ihr Leben. Die Aufgabe, alles zu kopieren, die Gestik zu lernen und Familienmitglieder zu lieben, die man noch nie live gesehen hat, sind des Echos ganzer Tagesinhalt. Außerdem erlebt der Leser, wie sich das Echo selbst findet und einen eigenen Namen sucht. Sie nennt sich „Eva“.

In den ersten beiden Teilen hat mich Sangu Mandanna  total mitgenommen. Das Tempo der Geschichte ist perfekt. Nicht zu schnell, aber auch nicht so langsam, dass es langatmig wäre. Leider ändert dich das etwas im dritten Teil. Dort zieht der Fortgang der Geschichte an und manche Zusammenhänge sind zu zufällig. Dennoch passt alles und im Grunde hat mich das im Gesamtbild nicht so gravierend gestört.

Schreibstil: Erzählt wird als Icherzähler aus der Sicht des Echos  im Präteritum. Kein besonders hervorstechender Stil, aber es lässt sich flüssig lesen.  Allerdings schafft es die Autorin, den Leser direkt abzuholen und in die Geschichte zu ziehen. Man muss einfach weiterlesen.
Vor allem hat mir aber gefallen, wie sie die Nebencharaktere in die Geschichte einbindet. Obwohl manche von denen eine ganze Weile im Buch nicht primär vorkommen, sind sie dennoch präsent.

Der ganze Text hat einen ausgewogenen Anteil an Dialogen und übriger Handlung. Dabei mochte ich die Dialoge sehr, da sie recht authentisch wirken. Teilweise kommen sie ohne viele Schnörkel aus. Das gefiel mir richtig gut.

Charaktere: Amarra und ihr Echo sind sehr unterschiedlich. Eva muss ständig überlegen und sich selbst maßregeln, damit sie so wie ihre Andere reagiert. Dabei entdeckt sie natürlich auch ihre eigenen Charakterzüge, die sie als gutes Echo eigentlich nicht haben darf. Bis zu einem gewissen Punkt fügt sie sich ihrem Leben, aber ihre tiefen, verbotenen  Gefühle zu ihrem Vormund Sean lösen etwas in ihr aus, was sie immer weiter treibt für sich  einzustehen.

Sean ist ein toller Charakter, den man mögen muss. Allerdings hätte ich mir mehr von ihm gewünscht. Durch Evas Gedanken ist er immer präsent und dadurch  so sympathisch herübergekommen.

Die Nebencharaktere haben beim Erschaffen und Umsetzen sehr viel Liebe erhalten. So viel, das einem sogar die Antagonisten, die „Meister“ auch sehr gut gefallen. Alle sind auch bei Abwesenheit sehr präsent und man hat das Gefühl, das jeder Charakter für die Geschichte sehr wichtig ist.

Hintergrund: Tja, jetzt kommen wir an den Punkt, wo ich zwiegespalten bin. Sieht man sich das ganze Setting an und die Art, wie die Autorin ihre eigenen Hintergründe hat einfließen lassen, ist es super recherchiert in meinen Augen. Jedoch weiß ich weder wie die Echos gemacht werden, noch was sie nun genau sind. Klone? Der ganze Hintergrund mit den „Meistern“, der „Meisterei“ und dem „Machen“ von Echos  bleibt dem Leser verborgen. Da würde ich gerne mehr wissen.

Fazit: Ein wunderbares, tolles Buch. Angefangen vom wunderschönen schlichten Cover, bis hin zur spannenden Geschichte. Im letzten Absatz des Textes war ich dann  zufrieden und schlug das Buch einerseits mit einem Grinsen, andererseits mit fragendem Blick zu. Auf der Homepage spricht die Autorin von eine Fortsetzung, die aber vermutlich nur erscheint, wenn sich dieses Buch gut verkauft. Grundsätzlich ist es ein Einzelband. Aber es bleiben genügend Fragen, die einfach beantwortet werden müssen. Also hoffe ich auf eine Fortsetzung.

Wer genervt vom Mainstreamgenre ist, findet in Lost Girl eine gelungene Abwechslung. Die Geschichte bietet Persönlichkeit, Liebe und berührt. Die Echos sind eine interessante Erfindung. Dennoch hat man das Gefühl einer realistischen Geschichte. Sie regt zum Nachdenken an. Vor allem was Trauer anbelangt, aber auch die Einzigartigkeit jedes Menschen. Natürlich auch was Macht über andere Personen anbelangt und wie weit der Mensch „Gott“ spielen darf.

Ein wunderbares Buch.

 

 

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Frankfurter Buchmesse 2012

Oktober 21

Frankfurter Buchmesse

So ein tolles Wochenende! Trotz der Anstrengungen ein regelrechter Urlaub für mich.

Am Freitag bin ich um vier Uhr aufgestanden, um mich rechtzeitig von Claudia mitnehmen zu lassen. Besser gesagt von ihrem Mann, der uns bestens chauffiert hat und auch noch mal ein dickes „Danke“ ernten darf. Unterwegs haben wir noch Sandra aufgegabelt. Also war die Fahrt schon ein Erlebnis, denn ich habe die beiden zum ersten Mal getroffen, wobei wir doch alle Inselmädchen der Phantastikinsel sind. Aber bei einem gemeinsamen Thema versteht man sich sofort.

Kaum auf der Frankfurter Buchmesse angekommen und akklimatisiert, hechtete ich schon zu meinem ersten Interviewtermin mit der Agentur AVA international. Ich war total geflashed, als ich in der Halle der Literaturagenturen stand. Wow! So viele Agenturen. Aber seht selbst:

Danach ging es immer im Wechsel: halbe Stunde Interview, Pause mit Hallenwechsel und wieder Interview. Gegen Ende des ersten Messetages hatte ich klingende Ohren und die ersten Anzeichen von Heiserkeit, nicht zu vergessen die Schmerzen in Waden und Füßen. Aber es hat sich definitiv gelohnt.

Von der Buchmesse ging es ab ins Hotel. Für fünf Minuten ins Zimmer, nur um im Anschluss die nächste Bahn, die mich zum Restaurant gebracht hat, zu erwischen. Auf dem Weg dorthin traf ich dann auch schon Rebecca und wurde von Nicole erkannt. Wir hatten ein wunderbares Bloggertreffen mit wirklich netten Inselmädchen. Nun weiß ich auch endlich, was Frankfurter „grüne Soße“ ist. Das Essen war sehr lecker! Danke, Cat, dass Du diese Location gewählt hast.

Da ich sehr lange auf den Beinen war und noch lange zum Hotel zurück fahren musste, habe ich mich recht früh verabschiedet. Im Hotel traf ich später auf Danny, die leider den Tag nicht freimachen konnte und erst nach Feierabend mit dem Auto nach Frankfurt gesaust kam.

Samstag haben wir prompt verschlafen und es in letzter Minute ohne Frühstück zum ersten Interview mit Ink geschafft. Der Morgen verlief wie der Freitag: Halle 6, Halle 3, Halle 6, Halle 3 usw. Dann haben wir endlich was gegessen um uns nachmittags umzusehen, nein, eher rumschubsten zu lassen. Es war viel zu voll. Aus Leipzig waren wir ja schon einiges gewöhnt, aber die Masse in Frankfurt war noch heftiger. Sobald etwas nach „umsonst“ aussah, grapsten alle mal hinein. So mussten wir tatenlos dabei zu sehen, wie unser „Frühstücksteller“ (bestehend aus Milkaschokoladentäfelchen) bei Thienemann ganz frech geplündert wurde.

Danny hat sich schnell noch eine Widmung von Kim Winter ergattert, bevor wir bei der Lesung und Interview mit Marie Lu in der ersten Reihe saßen. Danach mussten wir zum nächsten Termin. Zu meinem Glück war Marie Lu immer noch bei der Signierstunde und ich konnte doch noch eine Widmung und Foto bekommen.

Total geplättet sind wir auf Dannys Tipp hin nach Kelsterbach gefahren, um lecker zu essen. Nur zu empfehlen: Planet Airport Bar & Restaurant

Sehr Müde und mit gefühlten 50000 Wörtern am Samstag weniger haben wir dann am Sonntag ausgeschlafen und gemütlich gefrühstückt. Oder besser: uns quer durch das Mövenpick Hotel Frühstücksbuffet geschlemmt.

Wieder auf der Buchmesse angekommen haben wir das letzte Interview mit Arena gemacht um uns anschließend wieder durch die Menge schubsen zu lassen. Da am Sonntag auch Verkauf war, bildeten sich endlose Schlangen an den Kassen. Es war so voll, dass wir das Weite gesucht und uns auf den Weg nach Hause gemacht haben. Bei unserem Zwischenstopp in Köln, wo Danny wohnt, haben wir noch superlecker im Moyos gegessen. Für mich ging es dann im Zug nach Hause. Erschöpft, schwer beladen und glücklich.

Das war eine tolle Frankfurter Buchmesse und wir freuen uns schon auf die Leipziger Buchmesse!

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Bewertung geändert

Oktober 21

Ich habe schon länger darüber nachgedacht, die einzelnen Punkte der Bewertung verschieden zu Gewichten. Das liegt daran, dass gerade der Punkt Idee schon mal dafür sort, ein Buch besser zu bewerten, als mir mein Bauchgefühl sagt. Deshalb habe ich heute die Gewichtung verteilt. Das betrifft natürlich die bisherigen Bewertungen und ich werde erst nach und nach kontrollieren, ob ich ältere Rezensionen ind der Gesamtwertung ändern muss. Und so wird gewichtet:

Idee: 1

Plot: 3

Schreibstil: 5

Charaktere: 5

Hintergrund: 2

Je höher der Wert, desto wichitger ist der Punkt.

Was haltet ihr von dieser Gewichtung? Oder würdet ihr das anders machen?

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Das Letzte Zeichen

Oktober 18

Das letzte Zeichen

Price: EUR 8,99

Autor: Gemma Malley

Originaltitel: The Killables

Übersetzer: Friedrich Pflüger

Erscheinungsdatum: 8. Juni 2012

ISBN-13: 978-3570308172

Verlag: cbt

Taschenbuch: 352 Seiten

Klappentext:

 

Erster Satz: Augen und Nase verklebt von Dreck und Staub.

Ich hatte das Buch seit Erscheinen im Hinterkopf, weil mich der Klappentext einfach ansprach. Sehr neugierig habe ich mich dann diesem „schreiend“ pinken Taschenbuch gewidmet.

Evie lebt in einem von Rangzeichen dominierten Welt. in der sich jeder Bewohner als Baby der „Neutaufe“ unterzieht. Dabei wird die Amygdala (der Teil des Gehirns, in dem Angst entsteht) entfernt und macht den Menschen gut. Jeder strebt danach ein „A“ zu werden, ein Mensch, befreit vom Bösen und durch und durch gut. Evie selbst trägt Rang „B“. Keiner weiß, dass sie sich trotz der Avancen von Lucas, der ein „A“ ist, sich mit dessen Bruder Raffy trifft, den sie heimlich liebt. Eines Tages hört Evie, das Raffy auf Rang „K“ gestuft werden soll, was eine erneute „Neutaufe“ bedeutet, nach der Raffy Evie sicher vergessen wird. Evie ist hin und hergerissen. Sie liebt Raffy, ist Lucas versprochen und weiß, dass ihr Verhalten böse ist und sie jederzeit Gefahr läuft, herabgestuft zu werden. Für wen entscheidet sie sich, und kann sie Raffy vor der Neutaufe bewahren?

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
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Idee: Die Rangabzeichen sind ein interessanter Aspekt und auch der Zeitpunkt, zu dem die Geschichte spielt, liegt nicht in unvorstellbaren Weiten. Die abgeschottete, von Mauern umringte Stadt und die Idee mit der Amygdala, deren Entfernen die Menschen „gut“ macht, geben eine gute Grundlage.

Plot: Der Anfang konnte mich nicht fesseln. Man war zu sehr bei Evies Gedanken, was ich ja grundsätzlich mag, aber hier, in meinen Augen, nicht gut gelöst war. Wenn diese etwas monotone Wirkung des Anfangs von der Autorin so beabsichtigt war, ist das in Ordnung, mein Fall war es nicht. Auch die gesamte Entwicklung der Geschichte war zwar nachvollziehbar, aber hat mich nicht vom Hocker gehauen. Leider. Der Höhepunkt am Schluss ging mir zu glatt und zu schnell. Außerdem habe ich Logikfehler entdeckt, oder es hat sich zumindest so angefühlt. Man hätte mehr aus dem Plot machen können. Mehr Dramatik zwischendurch und nicht nur kurz vor Ende. Es war mir unmöglich so richtig abzutauchen.

Schreibstil: Keine Ahnung, ob es an der Übersetzung lag, aber ich fand den Stil langweilig. Erzählt wird in der dritten Person im Präteritum. Es gibt auch Perspektivenwechsel, aber selbst die haben es nicht geschafft bei mir Spannung zu erzeugen. Die ganze Zeit über habe ich mich von dem Geschehen distanziert gefühlt. Es kamen keine Emotionen an. Sicher ist der Stil einfach und leicht zu lesen, aber mehr als solide kann ich ihn nicht bezeichnen. Schade, denn da hätte man einiges mehr an Tempo in die Geschichte und  Brisanz in den Stil legen können. Der Klappentext verspricht so viel, dessen die Autorin in meinen Augen  nicht gerecht geworden ist. Was ich auch sehr schade fand, waren die einfachen Benennungen. Die Stadt hat keinen Eigennamen, ebenso einfallslos die Bezeichnung der  „Bösen“. Sowieso habe ich das Wort „böse“ viel zu oft gelesen.

Charaktere: Evie ist mir zu flach. Sie nervt und es gibt es kaum Entwicklung bei dieser Figur. Am Ende dann gibt es eine zu plötzliche Wendung, die aber auch nicht überzeugt.

Raffy, ihr Freund stellt den Rebell dar. Und obwohl er Gefühlsausbrüchen zeigt, kommt man ihm nicht nah. Ich habe sein Handeln auch nicht immer verstanden und eigentlich ist er für mich der unsymhatischere von den beiden Brüdern.

Lucas dagegen zeigt am meisten Entwicklung und spielt seine Rolle perfekt. Ein Charakter, der mir richtig gut gefallen hat und auch toll rüberkommt. Ohne groß zu spoilern: Er trägt ein zu einem interessanten Aspekt der Geschichte bei.

Selbst die Dreiecksbeziehung  der Jugendlichen bringt zu wenig Spannung. Evie ist zwar verwirrt, was die Gefühle für die beiden Jungs anbelangt, aber wirklich verstanden habe ich sie nicht.

Auch die Nebenrollen hatten gute Ansätze, wurde leider für meine Begriffe nicht genug ungesetzt.

Hintergrund: Es wird einiges erklärt und hört sich schlüssig an, aber überzeugt nur oberflächlich. Ich persönlich finde den Zeitraum knapp gewählt. Eigentlich müssten sich noch genug Menschen an die Zeit vor der „Schreckenszeit“, nach der die Stadt errichtet wurde, erinnern können. Dass sich die Menschen freiwillig in so ein strenges, Angst einflößendes System begeben, kann ich nicht nachvollziehen.

Fazit: Schade. So enttäuscht war ich selten. „Das letzte Zeichen“ ist der Auftakt einer Trilogie, die ich nicht weiter lesen werde. Nur um Lukas tut es mir leid. Was mit ihm passiert, wüsste ich schon gerne, aber dazu hätten der Stil und die Umsetzung der Idee besser sein müssen. Für all diejenigen, die noch nie eine Dystopie gelesen haben, könnte es allerdings ein gutes Buch und der Einstig in dieses Genre sein.

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Interview mit der Literaturagentur AVA

Oktober 17

Ein sehr nettes Gespräch durfte ich mit Roman Hocke führen. Herr Hocke hat langjährige Erfahrung in der Branche und arbeitet seit 1997 als Literaturagent und seit 2001 bei der AVA (www.ava-international.de) in München.

Was macht den Reiz am Beruf Lektor aus?
Es ist ein tolles Erlebnis, gute Geschichten zu entdecken. Die Herausforderung ist, den Autor mit seiner Geschichte so in ein Verlagsprogramm zu platzieren, dass er möglichst viele Leser erreicht.

Wie findet man aus der Flut von Manuskripten das richtige heraus?
Wir haben ein sehr ausgeklügeltes Filtersystem. Erst wird gesichtet und vorsortiert. Dabei fallen Manuskripte heraus, die nicht gut sind oder die nicht in unserem Bereich liegen. Kochbücher z. B. kann ich leider nicht beurteilen, weil ich davon nichts verstehe. Wir konzentrieren uns auf die Bereiche, von denen wir eine Ahnung haben.

Bekommen sie viele Manuskripte, die nicht in ihrem Bereich liegen?
Ja, z. B. Gedichte oder auch allerlei Lebenserinnerungen. Aber die Qualität der Einsendungen ist im Laufe der letzten Jahre sehr viel besser geworden. Sehr groß ist der Anteil an interessanten Autoren und Büchern geworden, die uns in den letzten Jahren erreichen. Die Autoren informieren sich offensichtlich besser und gehen zielgerichteter vor. Trotzdem bekommen wir immer noch eine große Anzahl Manuskripte von Leuten, die eher träumen, Schriftsteller zu sein, als dass sie tatsächlich Schriftsteller sind.

Was passiert nach der Filterung?
Nach Lektüre wollen wir den Autor kennenlernen. Was für eine Weltvorstellung hat er? Wie denkt er? Ist er so interessant wie sein Manuskript? Wir schauen, ob die Chemie stimmt. Erst dann unterbreiten wir ihm ein Vertragsangebot.

Also spielt die Persönlichkeit eine Rolle?
Die Innenwelt des Autors spielt sogar eine sehr wichtige Rolle. Wenn die Erzählungen eines Autors so interessant sind, dass ich ihm buchstäblich an den Lippen hänge, weil er so eine interessante Sicht auf die Welt hat, so ist das wunderbar. Ich muss einfach spüren, dass ihn ein spannendes Welterlebnis entflammt, das macht mich neugierig. Denn wenn es mich neugierig macht, dann macht es einen Verleger neugierig und damit auch die Vertreter und die Buchhändler, schlussendlich die Leser. Dieses Feuer muss man spüren, erleben. Es geht ja nicht nur um das Erzählen und dessen Sog, um Leser in den Bann einer Geschichte zu ziehen. Das ist neben Talent auch viel Technik nötig, zu einem guten Teil kann man das auch lernen. Es geht auch darum, ob die Welten, die da erzählt werden, auch bedeutungsvoll, ja im wahrsten Sinne des Wortes wertvoll sind. Welche Werte herrschen vor? Wie leben die Protagonisten diese Werte? Die Faszination für Welt und Werte können sie nicht nur an einem Manuskript feststellen, sondern verstärkt auch beim Menschen, der das Buch schreibt.

Zählt bei einer Manuskripteinsendung die Form? Ist ein Foto von Vorteil?
Die Form vermittelt einen ersten Eindruck. Wenn alles zu klein gedruckt ist, hat man schon keine Lust zu lesen, da muss man sich zu sehr konzentrieren. Es muss nicht 100%ig die Normseite sein, aber eine angenehme Lektüreform. Manuskripte müssen einfach lesefreundlich sein. Ein Porträtfoto unterstützt diesen ersten Eindruck, da man sich buchstäblich ein Bild von dem Autor machen kann, auch wenn nur ein sehr oberflächiges. Ein Autor sollte in einer Biografie auch ein wenig mehr von sich preisgeben als die nackten Lebensdaten. Was treibt ihn an? Wann hat er das Schreiben für sich entdeckt? Ist es ein plötzlich neu eingetretenes Bedürfnis oder hat er/sie als Kind schon geschrieben oder ist es da ein Talent, das sogar in der Familie, in den Genen liegt? Was ist das, was sich da Luft verschaffen muss? Das sind für mich alles wichtige Informationen – wie professionell ein Autor schreibt, ob es nur aus einer Laune heraus entsteht oder ob es ihm ein Bedürfnis ist, das in ihm angelegt ist und heraus muss. Das sind ganz wichtige und entscheidende Kriterien.

Wie wichtig ist es, ein kurzes Exposé abzugeben?
Normalerweise ist es ganz gut, wenn man mit einem Kurztext auf einer halben Seite sagt, worum es in der Geschichte geht. Das kann durchaus in Form eines Werbetextes geschehen. Daran kann ich erkennen, ob die Geschichte mich neugierig macht oder nicht, oder ob es diese Art von Geschichte auf dem Markt schon gibt. Wir bekommen z. B. immer noch sehr viele Manuskripte mit Vampiren. Diese Autoren haben nach all der Bücherflut keine wirkliche Chance mehr. Mir geht es darum, einen Geschmack auf die Geschichte zu bekommen, eine kleine Vorstellung, um zu sehen, ob sie mich reizt. Wenn das der Fall ist, wünsche ich mir ein ausführliches Exposé, um zu sehen, wie sich die Architektur einer Geschichte zusammensetzt und wie kunstvoll sie aufgebaut ist. Und schließlich bedarf es noch einer Leseprobe, um den Tonfall der Erzählung, die Erzählhaltung einschätzen zu können. Und was ich noch dringend brauche, ist Zeit, denn – was viele Autoren nicht wahrhaben wollen: Lesen bedarf Zeit. Es gibt Autoren, stellen Sie sich vor, die kommen auf die Messe, legen ihr Manuskript vor und fragen, ob man “mal eben schnell“ lesen kann. Wenn man ein Manuskript jedoch anständig lesen will, braucht das viele Stunden.

Was passiert bei einem Vertrag mit ihnen? Was passiert mit dem Manuskript? Wird es lektoriert?
Nach Abschluss eines Vertrages entwickeln wir gemeinsam mit dem Autor eine Editionsstrategie und dann arbeiten wir an der Optimierung des Manuskriptes. Erst einmal müssen wir feststellen, welchen Markt die Geschichte haben könnte, ob als historischer Roman oder als Familiensage. Dann wird in enger Zusammenarbeit mit dem Autor die Geschichte optimiert, damit sie nicht nur auf das richtige verkäuferische Gleis gestellt werden kann, sondern vor allem um die Geschichte noch mal origineller, dichter zu  gestalten, noch einen Dreh spannender, damit der Leser staunen und erleben kann. Dann bereiten wir unsere Präsentationsunterlagen vor, bestehend aus Kurztext, Exposé, einer Leseprobe und Angaben zu dem Autor. Anschließend beginnt die Akquisitionsphase …

Lektorieren sie das komplette Manuskript?
Wir machen ein dramaturgisches Lektorat, kein redaktionelles. Wir weisen den Autor zwar auch auf stilistische Probleme hin, auf schiefe Bilder und unstimmige Logik, raten auch, das Rechtschreibprogramm über den Text laufen zu lassen. Die Geschichte ist wie ein Gebäude, das sich im Bau befindet. Bei der Konstruktion wirken wir ein, sagen: Stärke den Pfeiler oder stütze diese Wand ab, damit es einfach von der Architektur her stimmig und kraftvoll wird.

Wie lange dauert der Prozess, bis es dann an die Verlage geht?
Das hängt von dem jeweiligen Autor ab und kann ein halbes Jahr oder ein Jahr dauern, manchmal nur 3 Monate. Das liegt daran, ob beispielsweise der Autor einen Beruf hat. Da wirken viele Faktoren ein.

Wie bekommt man das Gespür für Trends?
Trends kann man nicht bedienen. Sie entstehen. Entweder sie sind mit dabei oder nicht. Wenn man sich den Trend erst bewusst macht und ihn erkennt, ist er im Grunde schon wieder vorbei.

Also ist es Glück, ob man den Trend trifft?
Immer. Das ganze Leben besteht aus viel Einsatz und Glück.

Schlagen sie den Autoren auch vor: Mach doch mal so was, damit könnte es klappen?
Ein Stoff muss immer aus der Innenwelt des Autor kommen. Etwas aufsetzen geht immer schief.

 

Vielen Dank, dass sie sich Zeit genommen und sich den Fragen gestellt haben. Es war sehr interessant und aufschlussreich.


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Monatsrückblick September

Oktober 10

Viel gelesen habe ich im September und schon ist er vorbei und der Monatsrückblick steht an. Der private Stress wurde weniger, dafür habe ich mich meinem Mini–SuB gewidmet und komme gut voran.







Gelesen habe ich  „Die fünf Leben der Daisy West“ wofür ich überraschend von Blogg dein Buch ausgewählt wurde. Die Story hat mehr Potenzial, als im Buch genutzt wurde. Ausbaufähig, aber dennoch habe ich es gemocht.

Auf „Seelenflüstern“ war ich sehr gespannt und wurde nicht enttäuscht. Das Cover ist so wunderschön und auch der Inhalt des Buches hat mich begeistert.

Von „Slide“ war ich etwas überrascht. Eine sympathische Hauptprotagonistin und ein spannender Plot. Super für Zwischendurch.

„Ashes“ hat mich total überzeugt. Was für ein toller Stil und wie erdrückend und spannend in der Handlung. Für mich ein „Muss“ unter den Endzeitromanen.

Sehr verliebt bin ich in „Legend“. Zwar habe ich mir die Figuren etwas älter vorgestellt, aber letztendlich finde ich es immer noch schade, dass ich es schon fertig gelesen habe. Ein Buch, was ich ein zweites Mal lesen könnte.

Etwas kleben geblieben bin ich mit „K-das letzte Zeichen“. Ich bin ungefähr bei der Hälfte und noch nicht überzeugt.

 



Gehört habe ich „Göttlich verloren“. Danny hatte das Buch schon gelesen und rezensiert. Leider kann ich ihre Begeisterung nicht teilen. Vielleicht liegt das an der gekürzten Fassung, vielleicht an dem ganzen Göttergewusel.

„Das verbotene Eden“ fand ich ganz gut, bis auf die Sprecherin. Vielleicht sollte sie es lieber lassen, männlich oder alt klingen zu wollen. Ich hoffe doch sehr, dass für die Fortsetzung jemand anderes genommen wird.

Geschrieben habe ich gar nicht. Auch Betalesen stand diesen Monat nicht zur Debatte. Bis auf einen Blick in den Anfang von Dannys aktuellem Projekt. Ich hoffe sehr, dass sie bald soweit ist, dass ich eine komplette Fassung bekomme, die ich lesen darf.

Die Vorbereitungen zur Messe sind im vollen Gange. Ich bin schon so gespannt und aufgeregt. Es stehen einige Interviewtermine an und ihr dürft gespannt sein, denn es wird sich in den nächsten Wochen einiges auf dem Blog davon veröffentlicht.

Sehr freue ich mich auch auf das Wiedersehen mit Danny. Das wird sicher ein lustiges Messewochenende. Ich werde auf der Hinfahrt auch noch andere Bloggerinnen kennenlernen, worauf ich auch gespannt bin.

Die Archivseite des Blogs hat sich etwas geändert, aber ist immer noch nicht so, wie ich es mir vorstelle.

Der Oktober bringt den Herbst mit sich. Nicht meine Jahreszeit, mit all dem Regen, matschigen Blättern und kürzeren Tagen. Ein Vorteil jedoch: Jetzt wird es mit Tee, Wolldecke und Buch gemütlich. Ich wünsche allen einen schnupfenfreien Start in den Herbst.

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Legend – Fallender Himmel

Oktober 2

Legend 01 - Fallender Himmel

Price: EUR 17,95

Autor: Marie Lu

Originaltitel: Legend

Übersetzer: Sandra Knuffinke, Jessika Komina

Erscheinungsdatum: 10. September 2012

ISBN-13: 978-3841421494

Verlag: Loewe

Gebundene Ausgabe: 363 Seiten

Kurzinhalt:

 

Kann man sich dem Hype wirklich entziehen? Wohl kaum, und ich bin froh darüber, denn zunächst war ich nicht sicher, ob ich das Buch lesen möchte. Ich fand das Cover erst nicht ansprechend, was aber live und in weiß–gold doch gut ist. Irgendwie war der Klappentext nett, aber nicht so appetitanregend. ‚Legend‘ war schon auf der Liste der Bücher, die ich irgendwann mal lesen möchte, aber der Hype und die guten Kritiken haben mich schlussendlich sehr neugierig gemacht.

Erster Satz: „Meine Mutter glaubt, dass ich tot bin.“

June ist das Wunderkind der Republik und die jüngste Absolventin der Drake–Militärkademie. Ihre erste offizielle Mission ist auch gleich eine persönliche. Sie soll den Mörder ihres Bruders aufspüren. Day, der meistgesuchte Verbrecher des Landes. Im Zuge einer Undercoveraktion findet sie ihn tatsächlich – unwissentlich – und verliebt sich, nicht nur in ihn, sondern auch in die Geborgenheit, die ihr das Zusammenleben auf der Straße mit ihm und seiner Freundin Tess geben. Als sie herausfindet, wer er wirklich ist, liefert sie ihn ans Messer. Gemeinsam jedoch kommen sie nach und nach hinter die Wahrheit der „Seuche“, die die Armenviertel und auch Days Familie regelmäßig heimsucht. Ändert June ihre Meinung? Wird Day gerettet?

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
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Idee: Der Klassiker lässt grüßen: Romeo und Julia. Bis auf das Ende, soviel sei gesagt. Und da man mich mit diesem Schema immer wieder begeistern kann und Marie Lu die Idee in ein tolles Gewand gekleidet und zu ihrer eigenen gemacht hat, kann ich sie nur gut finden.

Plot: Gerade durch den Perspektivenwechsel ist der Plot sehr spannend. Mir fielen keine Lücken auf und im Grunde bin ich begeistert, denn mir war die ganze Zeit so, als säße ich im Kino und gucke einen spannenden Film. Allerdings wurden mir einige Schlüsse zu einfach gezogen. Da hatte ich ein Gefühl wie bei manchen Romanverfilmungen, bei denen man denkt: Im Buch ist das sicher länger, da haben sie gekürzt.

Schreibstil: Jeden Moment, den ich lesen konnte, habe ich entgegengefiebert. Erster Pluspunkt: Perspektivenwechsel. Zweiter Pluspunkt: Icherzähler. Ganz kleiner Miniminuspunkt: Manchmal musste ich nachsehen, wer gerade erzählt. Ich war im Bann und habe die Seiten so schnell gelesen, dass ich mich vorm Ende gefürchtet habe, nur weil das Buch dann vorbei war. Ein regelrechter „Pageturner“. Und toll geschrieben. Da war nichts, was mir zu viel war oder mich gelangweilt hat. Auch die immer wieder auftauchenden Rückblenden waren passen platziert und so in die Geschichte geflochten, dass mich das keineswegs gestört hat.

Charaktere: June und Day sind sich sehr ähnlich. Man könnte das als Manko sehen, aber ich empfand es mit dem Hintergrund dieser Geschichte genau richtig. Beide haben auf ihre Weise mit dem Verlust der Familie zu kämpfen. Beide haben eine sehr gute Auffassungsgabe und körperliche Talente. In Sekundenbruchteilen analysieren sie ihre Umgebung und handeln überlegt. June war mir richtig sympathisch, den trotz ihres Wunderkindstatus kommt sie nicht arrogant daher. Und Day? Ach ja, was soll ich sagen? Wenn der Hauptprotagonist blonde lange Haare und blaue Augen hat, ist es um mich geschehen. Wenn er dann noch so taff und doch gefühlvoll angelegt ist… Ja, ich freue mich auf ein Wiedersehen mit ihm.

Ein ganz großen Kritikpunkt habe ich jedoch: Die beiden sind mit 15 Jahren eindeutig zu jung angelegt. Das wollte nicht in meinen Kopf und ich habe währen des Lesens irgendwann beschlossen das für mich einfach abzuändern und sie älter zu machen. Sorry, Frau Lu, aber dass verstehe ich immer noch nicht. Die Motivation der beiden passt vielleicht noch, aber nicht das Handeln an sich.

Auch wenn Metias nur einen kurzen Auftritt hat, ist er doch immer präsent, was an Junes Erinnerungen liegt. Ein starker Charakter, der auch nach seinem Tod in die Geschicke der Geschichte eingreift.

Thomas ist sehr klar strukturiert und im Endeffekt war mir klar, welche Rolle er in der Geschichte einnimmt. Aber das passt zu ihm.

Ich hoffe es gibt ein Wiedersehen mit Tess. Ich mag diese kleinen quirligen Mädchencharaktere, die den Optimismus und die Leichtigkeit in die Geschichten bringen.

Hintergrund: Ich weiß zwar immer noch nicht genau, wie sich diese Staatsform gebildet hat, aber am Ende der Trilogie ist man sicher schlauer. Ich mag die ganze Welt. Fragt mich nicht warum, aber das Kino fand ich toll beschrieben. Aber auch alles andere war schlüssig und meiner Meinung nach durchdacht. Sogar die Uniformen wechselten der Veranstaltungen entsprechend. Ausserdem konnte man den Rang erkennen. Ebenso die Unterteilung der Stadtteile und auch das Erkennungsmerkmal eines „Lake“–Bürgers, wie Tess und Day, die alle anderen Bewohner mit Cousin oder Cousine anreden. Solch netten kleinen Details machen die Welt lebendig.

Fazit: Legendär! Ich kann nicht anders als zu sagen: Her mit der Fortsetzung und Gott sei Dank ist es eine Trilogie! Ja ihr lest richtig. Noch nie war es mir so zuwider das Ende zu lesen, weil ich nun warten muss um wieder mit den Protas in die Welt einzutauchen. Ein Buch, was ich ein zweites Mal lesen würde. Und da ich schon gelesen habe, dass die Filmrechte verkauft sind, freue ich mich auch schon darauf. ‚Legend‘ ist filmreif. Der Hype ist absolut gerechtfertigt. Wer auf starke Charaktere steht und die ein oder andere heftige Szene verträgt, sollte sich darauf einlassen und sich vom Lesesog mitreißen lassen.

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