Broschiert: 400 Seiten   

Autor: Alexa Henning von Lange

Verlag: cbt

ISBN-13: 978-3570162842

Erster Satz: „Los! Raus mit dir! Du hast lange genug depressiv rumgesessen.“

Romeo und Julia Geschichten liebe ich grundsätzlich und wenn es gut gemacht ist, wird man das Thema auch nicht leid. Deshalb habe ich zu „Ach wie gut, dass niemand weiß…“ gegriffen. Ich bin wirklich ohne große Erwartungen heran gegangen. Sicher denkt man bei dem Klappentext auch sofort an Bad Boys und an West Side Story. Natürlich hatte es zudem seinen Reiz, eine deutsche Autorin zu lesen, die sich diesem Thema widmet. Doch leider konnte es mich nicht ganz überzeugen.

 

 

Idee: Die Idee ist nicht neu, was nicht tragisch ist, aber das ist der Grund, warum man hier nicht viele Punkte geben kann. Arm und reich, Romeo und Julia. Wenn es wenigstens innovativ interpretiert wäre, aber so eben wirklich nicht herausragend.

Plot: Auch hier empfinde ich den Aufbau als ganz klassisch bei diesem Thema. Der Anfang ist mir etwas zu schnell und auch die Auflösung am Ende rennt ein wenig. Der Großteil der Handlung bezieht sich auf Sinas schwankende Gedanken und ihre Unsicherheit. Die Geschichte beinhaltet so viel Potenzial, was man viel mehr hätte ausschöpfen können. So war die Schwarz-Weiß-Malerei zu plakativ. Sicher war es von der Autorin so gewollt, aber mir sprang es zu sehr ins Auge. Es kann aber sein, dass dies von der Zielgruppe anders gesehen wird.

Schreibstil: Geschrieben in der Ich-Perspektive ist eine Story in meinen Augen ja immer mit einem Pluspunkt versehen. Ich kann auch nicht behaupten, dass der Stil schlecht ist, aber dennoch hat es mich nicht so gepackt. Der Lesesog blieb aus. Dabei wurde das Setting sehr gut dargestellt und das ist etwas, was ich sehr mag. Als Leser konnte ich mir alles bildlich sehr gut vorstellen und ich denke, dass es sehr nah an das herankommt, was Alexa Henning von Lange im Kopf hatte.

Charaktere: Zum einen ist Sina altersentsprechend, was ihre Freundinnen oder Verhalten angeht, zum anderen ist sie aber in vielen Gedankengängen schon zu alt. Manche Situationen reflektiert sie mir zu stark. In anderen Szenen ist ihr Handeln nicht nachvollziehbar.

Achtung:Spoiler Aufklappen

Warum z. B. hat sie ihr erstes Mal so plötzlich mit jemandem, den sie eigentlich nicht kennt und hat mit ihrem Exfreund, mit dem sie ewig zusammen war, nicht geschlafen? Warum fährt man in das gefürchtetste Viertel der Stadt um seine Vespa abzuholen, obwohl es beim ersten Besuch schon gefährlich brenzlig war?

Ich würde von einem Mädchen in ihrem Alter anderes erwarten. Leider hat sie mich irgendwie kalt gelassen. Wer in solch reichen Verhältnissen als eines der beliebtesten Mädchen an der Schule aufwächst, wechselt seine Meinung nicht von heute auf Morgen. Man ist zwar sprunghaft, aber Sina wirkte zunächst auf mich so, dass sie sich in ihrem Leben wohlfühlte. Wieso sollte sie plötzlich an der Sichtweise ihrer Eltern zweifeln, wenn sie es bisher nicht tat. Ihre jüngere Schwester war da schon glaubwürdiger, weil die schon von jeher anders war. Trotz Ich-Perspektive konnte ich also nicht mit der Hauptprotagonistin verschmelzen.

Noah ist ein eher sanfter Bad Boy. Einer, den man nicht erst zähmen muss. Natürlich fährt er das obligatorische Motorrad und dreht krumme Dinger. Er hatte was, aber leider war auch er mir zu wenig präsent. Ich konnte die plötzliche Verliebtheit Sinas nicht nachvollziehen. 

Insgesamt waren mir die Charaktere zu stereotyp und glatt. Da fehlte Tiefe. Die Mutter typisch oberflächlich neureich. Der Vater strenger Staatsanwalt. Die Freundinnen gekünstelt. Leider kamen die Figuren an mich nicht ran.

Hintergrund: Das ganze Setting war mir auch hier zu viel Schwarz und Weiß. Was mich gestört hat, dass immer vom Viertel jenseits des Kanals gesprochen wurde. Es war nicht klar in welcher Stadt es spielt, was nicht weiter schlimm ist, aber man hätte den Vierteln Namen geben können. Der Stadt ein Eigenleben geben können. So gibt es da nur die Brücke, die die Welten trennt und in „Gangsterviertel“ wird sich jedes Klischees bemüht. Das Villenviertel empfand ich da authentischer. Insgesamt hätte man mehr daraus machen können. Etwas weniger von Sinas Gedanken und dafür mehr Szenen, um den Protagonisten einen Grund für den Sinneswandel zu geben. Noahs Motive wurden viel zu wenig abgehandelt. Es fühlte sich eher nach einer passiven Behandlung des Themas an.

Fazit: Ein nicht neues, aber gutes Thema was in meinen Augen unbefriedigend umgesetzt wurde.  Ein eigentlich schöner Schreibstil, der mich mehr gepackt hätte, wäre mehr Arbeit in Charakterentwicklung und Hintergrund geflossen. Mag es daran liegen, dass ich nicht mehr der Zielgruppe entspreche, kann ich dennoch nur sagen, dass es ganz nett war.

Für alle, die der Zielgruppe entsprechen oder weniger kritisch an dieses Genre herangehen.

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
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Bewertung
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Ach wie gut, dass niemand weiß …, 3.0 out of 6 based on 1 rating Abonnieren Sie Aisling Breith per E-Mail