Aisling Breith lesen, schreiben, hören
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Interview

Interview mit Kai Meyer

August 19

Als ich bei Carlsen für dieses Interview angefragt hatte, hatte ich nicht wirklich damit gerechnet, eine Zusage zu bekommen. Um so schöner war es, auf der Leipziger Buchmesse einem der erfolgreichsten Autoren Deutschlands gegenübersitzen und ihn interviewen zu dürfen.

Interview mit Jennifer Benkau

Juli 12

Richtig toll war das Treffen mit Jennifer Benkau. Bei einem Kaffee im ruhigeren Teil der Messe, sprachen wir über das Schreiben und ihren Weg in die Verlagswelt.

Liest Du Deine veröffentlichten Bücher selbst noch mal?

Es kommt vor, das ich irgendetwas nachgucken will. Natürlich bei einer Lesung. Richtig festlesen kann ich mich, wenn zwischen Schreiben, Überarbeiten und das gedruckte Buch in Händen halten viel Zeit vergangen ist. Manchmal ärgere ich mich dann über Formulierungen, denke aber an anderen Stellen: „Wo kommt das denn her? Das hab ich geschrieben?“

 

Wieviel Zeit vergeht von der ersten Rohfassung bis zum ersten Leser?

Zwischen ein paar Jahren und ein paar Monaten. Das ist ganz schwer zu sagen. Das nächste Buch, was von mir im Sommer erscheint, habe ich im Winter 2008 geschrieben. Mein Erstling ist erst jetzt soweit, dass er veröffentlicht werden kann. Ich habe lange für das Überarbeiten gebraucht und ihn dann auch ein Jahr liegen lassen, nur um wieder von vorne anzufangen. „Dark Destiny“ habe ich im letzten Frühjahr bis Sommer geschrieben. Das war relativ schnell.

 

War es von Anfang an als Zweiteiler geplant?

Angeboten wurde es als Trilogie oder Dilogie. Als ich es angefangen habe zu schreiben, war es noch nicht für den Verlag, sondern für mich. Ich merkte dann, dass die Geschichte keinen dritten Teil braucht.

 

Wie stehst Du zu Trilogien?

Ich persönlich mag lieber Einzelbände. Bei Trilogien lese ich oft nur den ersten und letzten Band, weil der Zweite mich meist nicht so begeistert. Für Autoren ist es bei einer Trilogie natürlich spannend, was in der Wartezeit zwischen den Fortsetzungen passiert. Es bildet sich eine Fangemeinde, und wenn der zweite Teil erscheint, zieht der Erste noch mal an.

Die Gefahr beim Einzelband liegt darin, dass er eine Zeit im Buchhandel liegt und dann doch relativ schnell wieder in Vergessenheit gerät. Das ist zumindest mein Gefühl.

 

Liest Du selbst noch Bücher?

Ja. Natürlich weniger, wenn ich viel schreiben muss, weil der Termin drückt oder ich eben das Bedürfnis habe, alles rauszulassen. An solchen Tagen sehe ich dann abends lieber einer Serie. Aber normalerweise muss es ein Buch pro Woche sein.

 

Hast Du noch einen anderen Job oder arbeitest Du hauptberuflich als Autorin?

Mittlerweile hauptberuflich. Mein Mann übernimmt im Haushalt ebenso viel wie ich und meine beiden großen Kinder sind relativ selbständig. Wir arbeiten beide mehr als vierzig Stunden in der Woche, da muss man hier und da Abstriche machen. Das Mama – Taxi kann ich zum Beispiel nicht anbieten.

 

Welchen Beruf hast Du ursprünglich ausgeübt?

Ich habe eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau gemacht. Sicherheit und ein solider Beruf sollte es sein. Während mein Mann Karriere gemacht hat, habe ich die Kinder großgezogen und ganz nebenbei mit dem Schreiben angefangen.

 

Überarbeitest Du noch viel, gerade jetzt bei dem Erstling?

Die Überarbeitungsphasen hören nie auf. Gerade den Erstling habe ich 50 Mal überarbeitet. Der einzige Roman, den ich nie leid werde. Bei allen anderen kam der Punkt, an dem man keine Lust mehr hatte und das Manuskript in– und auswendig kannte.

 

Streichst Du gerne?

In der Regel schon, aber gerade wenn aus dem Lektorat ein Vorschlag zum Streichen kommt, kann es wehtun. Wenn ich aber dann die gekürzte Version lese, sehe ich, wie gut es war, den unnötigen Ballast loszuwerden.

 

Musst Du für manche Szenen kämpfen, dass sie bleiben?

Kämpfen nicht wirklich, aber wir legen unsere Argumente dar und treffen uns meistens auf der Mitte.

 

Wird eins Deiner Bücher in andere Sprachen übersetzt?

Mein erstes veröffentlichtes Buch: „Nybbas Blut“. Eine klassische Dark Romance Geschichte. Das wird gerade für den amerikanischen E-Book-Markt übersetzt. Ich habe schon die erste Leseprobe bekommen. Den eigenen Text, den man in und auswendig kennt, auf englisch zu lesen ist unglaublich spannend und aufregend.

Die Hauptübersetzungsarbeit macht eine Deutsche. Eine Amerikanerin macht praktisch als Muttersprachlerin das Lektorat.

 

Ich finde es schön, das „Dark Canopy“ ein englischer Titel ist! Wer hat den Titel gefunden?

Das war mein Arbeitstitel. Eigentlich sucht der Verlag den Titel aus, weil man als Autor keinen Überblick hat, welche Titel es schon gibt und was gut am Markt ankommt. Bei „Dark Canopy“ war ich überrascht, als ich das Cover bekam und der Arbeitstitel darauf stand. Ich habe direkt meine Lektorin angerufen und nachgefragt. Die bestätigte mir, dass der Titel so bleibt, was mich sehr gefreut hat.

 

Hast Du als Autor Mitspracherecht beim Cover?

Nein. Ich kann natürlich sagen, wenn etwas gar nicht geht, aber dafür muss man einen guten Grund haben. Bis jetzt habe ich mich immer auf den Verlag verlassen. Bislang gefallen mir auch alle sehr gut. Das erste Cover gefiel mir damals zunächst gar nicht, aber es hat sich herausgestellt, dass das Buch durch Titel und Cover gut lief. Die Leser Leute wussten, was sie zu erwarten haben.

 

Jetzt erscheinen „Stolen Mortality“ und „Himmelsfern“. Was bedeuten diese Bücher für Dich?

„Stolen Mortality“ ist mein Erstling und bei dem kann ich immer noch lachen und weinen. Da existiert eine starke emotionale Bindung. Aber auch „Himmelsfern“ (ebenfalls Arbeitstitel), das viel später geschrieben wurde, bedeutet sehr viel. Damit habe ich meinen Agenten bekommen und auch den Verlag „Script 5“. Der Agent hat „Himmelsfern“ innerhalb von ein paar Stunden genommen und der Verlag ebenfalls. Freitags wurde der Titel angeboten und Dienstags war der Vertrag bei mir.

 

Der Cliffhanger bei Dark Canopy ist ja sehr gemein! Wie kam es zu der Entscheidung?

Wir mussten den Cut irgendwo in dem Bereich machen und dann habe ich diese Stelle bewusst gewählt.

 

Der Klappentext von Dark Destiny ist ja auch nicht ohne! Woher kam der?
Den hat die Lektorin geschrieben. Er ist gemein und ich hätte das so nicht gemacht.

 

Bist Du jemand der plant? Plottest Du?

Ja, ich muss. Es geht gar nicht ohne. Der Verlag würde das Buch nicht kaufen, wenn er nicht ungefähr erfährt, was passiert.

 

Hältst Du Dich beim Schreiben dann daran?

Es kann natürlich passieren, das eine Figur eine bessere Idee hat und anders handeln möchte. Dann geht der Plot natürlich zur Seite. Es wird spannend, wenn ich selbst nicht weiß, was auf den nächsten zehn Seiten passiert. In solchen Situationen kommt bei mir dieser Schreibfluss auf, mit dem ich 20 Seiten am Tag schreibe, weil ich selber wissen will, wie es weitergeht. Dann ist das Schreiben nicht mehr Arbeit und es ist aufregend, wenn jedes Buch und jede Freizeitaktivität links liegen gelassen wird.

 

Entwickelst Du Charakterbögen?

Gar nicht. Es kommt schon mal vor, dass ich ein Begleitheft mit den Nebenfiguren mache, die ich selbst nicht so im Kopf habe. Die Hauptcharaktere kommen so wie sie sind bei mir an und ich habe nicht das Gefühl, dass ich da viel dran machen muss. Ich mache mir mehr Gedanken um die Nebenfiguren als um die Hauptfiguren, weil diese einfach stimmig sind. Da muss ich nicht überlegen wie sie reagieren.

 

Entwickeln Deine Charaktere Eigenleben?

Ja, sie stellen sich dann schon mal quer und entwickeln einen Knoten im Gehirn. Dann passiert auf einmal nichts mehr und alles fühlt sich falsch an. Oft hilft es zwei Seiten zurückzuspringen und etwas zu ändern, damit wieder alles passt.

 

Wie hast Du Dich mit Deinen Sachen beworben?

Ich habe erst recherchiert. Wer bietet welches Programm? Was kann ich in etwa erwarten? Ich habe erst mal nur eine E-Mail geschrieben. Darin habe ich erklärt, dass ich auf der Suche nach einer Agentur bin, was ich habe und in welche Richtung es geht. Recht schnell kam die Antwort mit der Bitte um Exposé und Leseprobe. Zwei Stunden später kam schon die Zusage. Es ist nicht die Regel, das es so schnell geht, aber der Agent hatte gerade Zeit und der Text gefiel auf Anhieb.

„Dark Canopy“ habe ich dann auch angeboten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich aber erst 100 Seiten Rohfassung. „Himmelsfern“ war fertig und vom Verlag direkt genommen. „Dark Canopy“ wurde auf der Messe mit angeboten. Der Verlag wollte es mit der Bedingung, dass es im Sommer (innerhalb 2-3Monate) fertig sein müsse, weil sie das gerne vorziehen würden. Zu dem Zeitpunkt konnte man Dystopien noch gut auf den Markt bringen. Ich habe es dann tatsächlich fertigbekommen, sodass es im März 2012 erscheinen konnte. So rutschte“Himmelsfern“ erst nach hinten.

 

Was ist es für ein Gefühl, in acht Wochen aus einer 100 Seiten Rohfassung einen Roman zu schreiben?

Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe, wie aus dem Hobby Arbeit wurde. Bei „Dark Canopy“ kamen dann auch noch private Gründe dazu, die mich beim Schreiben gehemmt haben. Ich habe viel zu spät angefangen, und wenn man das dann so „runterschreiben“ muss, ist man zum Schluss froh, wenn es vorbei ist.

 

Wie läuft es dann ab, wenn die Rohfassung fertig ist?

Die Rohfassung bekommen meine Testleser und die überarbeitete Fassung geht dann zum Verlag. Dort wird mit dem Lektorat zusammen daran gefeilt. Wobei man bei Änderungen aufpassen muss, da sie sich durchs ganze Buch ziehen. Logikfehler in Büchern findet man in der gedruckten Fassung im Endeffekt dann, wenn zu viel daran gearbeitet wurde. Das passiert eben. Der Verlag hat noch eigene Testleser, die vorab eine Tendenz geben, wie das Buch ankommt.

 

Wie war das in Deinen Anfängen. Hast Du Testleser in Schreibforen gesucht?

Ich habe mit Fanfiction angefangen zu schreiben und dort findet man sich so. Ich habe noch eine Testleserin aus dieser Zeit und mittlerweile drei Kolleginnen, die den Sprung in einen Verlag geschafft haben.

 

Bist Du noch in Schreibforen unterwegs?

Nicht mehr den gleichen Seiten wie früher, aber grundsätzlich schon. Es gibt für veröffentlichte Autoren eigene Foren, wo man wieder andere Kollegen kennenlernt. Das ist ganz spannend, weil man dort seinen früheren Idolen über den Weg läuft. Ich bin immer noch in der Büchereule vertreten und versuche ein bisschen Zeit zu finden.

 

Liest Du noch „beta“ für andere?

Wenig. Ich habe noch zwei bis drei liebe Kolleginnen, mit denen ich gegenseitig Korrektur lese. Das ist dann aber eher so, dass man ein Problem hat und um Rat fragt. Oder man wird gefragt, ob man ein Buch vorab lesen darf, was immer ganz schön ist.

 

Wie viele Manuskripte hast Du noch in der Schublade liegen?

Drei Fertige, aber die sind alle nicht auf dem Level, den ich abgeben würde. Eins habe ich geschrieben als ich 16 war, dass ich vor ein paar Jahren endlich zu Ende gebracht habe. Das ist zwar nett und ich lese es gerne, aber nichts, was ich abgeben würde.

 

Hast Du Schreibworkshops mitgemacht?

Nein ich habe „Learning by doing“ und „Try and Error“ angewendet. Einfach viel Kritik holen. Ich habe immer die Kritik von denen geholt, die am Ehrlichsten waren. Die Kritik, die am meisten wehtut.

 

Du hast Erfahrungen mit zwei Verlagen, arbeiten die unterschiedlich?

Es ist ein sehr kleiner und ein sehr großer Verlag und die arbeiten natürlich unterschiedlich. Das ist auch das, was ich von Kollegen höre. Jeder Verlag hat seine Vorgehensweise und auch jeder Lektor arbeitet unterschiedlich. Beim Sieben Verlag arbeite ich mit der Lektorin am fünften Buch zusammen, da ist nicht mehr so viel im Text markiert. Wir sind so gut aufeinander abgestimmt, sie streicht nichts mehr an von dem sie weiß, dass ich es nicht streichen möchte und Stellen, die sie immer wieder streichen wird, schreibe ich direkt anders. Es ist schön, wenn man weiß, wie der andere tickt. Dann ist es auch kaum noch Arbeit. Es ist aber auch schön, wenn man von einem anderen Lektor wieder neue Anreize bekommt.

 

Vielen Dank für dieses tolle Gespräch!

Interview mit Josephine Angelini

Juni 24

Während der Buchmesse in Leipzig 2013 hatten wir die Möglichkeit, ein spontanes Interview mit Bestseller Autorin Josephine Angelini führen zu dürfen. Sie hat Anfang März den dritten (und letzten Teil) der „Göttlich“-Saga bei uns in Deutschland veröffentlicht. ACHTUNG! Wir haben auch auch über den dritten Teil, „Göttlich verliebt“ gesprochen. Es könnten evtl. Spoiler enthalten sein.

Das Interview haben wir auf Englisch geführt. Hier die deutsche Übersetzung. Wenn ihr gerne auch das Englische lesen wollt, bitte hier klicken:  Orginal Interview

 

JosieVielen Dank für das spontane Interview.

Sehr gerne. Ich bin schon sehr gespannt.

 

Wann hast du beschlossen ein Vollzeit-Autor zu werden?

Ich habe Theater an der NYU (New York University) studiert. Da kam ich mit einer ganzen Menge Text, vor allem von Shakespeare, in Berührung. Damals wusste ich nicht, ob ich eine Schriftstellerin sein könnte. Es hat eine ganze Zeit gedauert, bis ich das herausgefunden habe. Ungefähr vor zehn Jahren zog ich nach Los Angeles und ich dachte: „Vielleicht bin ich ein Drehbuchautor?“ Ich wusste nicht genau, wo ich wirklich hingehörte, bis ich „Göttlich: Verdammt“ schrieb. Ich wusste nicht, ob ich es tun könnte, bis ich es wirklich tat. Und dann dachte ich: „Mhm, vielleicht bin ich eine Schriftstellerin?“ Als ich das Buch dann beendet hatte, dachte ich: „Ich bin eine Schriftstellerin! Ich hab es geschafft ein ganzes Buch zu schreiben!“ *lacht* Ich war sehr schüchtern und es war ein sehr langsamer Prozess.

 

Ich denke jeder ist sehr schüchtern über seine eigene Schreibe, weil man nicht weiß, ob es gut oder schlecht ist, oder ob andere Leute es mögen.

Oder ob du etwas zu sagen hast. Es ist nicht nur ob du ein guter oder ein schlechter Autor bist, sondern ob das, was du schreibst, einen Wert hat. Viele Schreiben, ohne andere Menschen zu fragen wie sie den Text finden. Für mich war es andersherum. Ich dachte, ich hätte niemanden den ich fragen könnte. Dann schrieb ich das Buch und fand Jemanden.

 

Unterstützt dich deine Familie?

Ja, auf jeden Fall.

 

Wenn du deine Bücher beendest, erstellst du dann eine Art Exposé?

Ich schiebe das solange vor mir her, bis mein Herausgeber sagt: „Gib uns ein Exposé.“ Denn ich bin wirklich schlecht darin. Wenn du ein ganzes Buch schreibst und du musst das anschließend in ein paar wenige Seiten zusammenpressen – das ist unmöglich.

 

Wie viele Seiten haben deine Bücher? Hast du einen Wordcount?

Das erste Buch hat 120.000 Wörter. Das Zweite hat sogar mehr, rund 130.000. Und das letzte Buch hat ungefähr 180.000. Es ist also ein sehr langes Buch. Meine Bücher sind ungefähr 45.000 Wörter länger als der Durchschnitt in meinem Genre. Ich weiß, dass Deutschland eine Menge Giganten dieser Länge hat. Und ich hörte, dass die deutsche Übersetzung wundervoll sein soll.

So, ja, meine Bücher sind sehr lang.

 

Waren deine Bücher von Anfang an, als Trilogie geplant?

Ich habe es mit drei Büchern geplant. Ich bin mit Star Wars aufgewachsen. Als ich die Filme als Kind das erste Mal sah, war ich überwältigt. Ich denke, dass dies einen großen Einfluss auf mein Schreiben hat. Ich plane meine Bücher nach dem Drei-Phasen-Modell. Das erste Buch ist der Anfang, dann eine dunkle Mitte und ein triumphales Ende.

Als ich damals die Outlines für „Göttlich: verdammt“ erstellte, waren die sehr detailliert. Von Teil zwei und drei gab es lediglich die Ideen. Aber ich wusste vom ersten Moment, dass es ein Dreiteiler wird.

 

Hast du eine Lieblingsszene in deinen Büchern?

Im ersten Buch war es definitiv die Szene in der Lucas und Helen vom Himmel fallen. Ich hatte diese Szene von Anfang an in meinem Kopf. Ich habe darauf gewartet, sie schreiben zu können. Und ich würde mich sehr freuen, diese Szene in dem Film zu sehen. *lacht*

Im zweiten Buch war es die Szene von dem finalen Kampf. Dort wo Helen verletzt wird und Zack derjenige ist, der ihr erzählt, wie sie alle retten kann. Auch diese Szene hatte ich von Anfang an in meinem Kopf. Und ich war ein wenig besorgt. Besonders weil Zack einer dieser Charaktere ist, die du nicht magst, und am Ende wird er zum Held. Mein Verleger sagte immer wieder: „Wir mögen Zack nicht.“ Weil ich wusste, wie das zweite Buch enden sollte, habe ich ihnen immer wieder gesagt: „Ihr müsst warten. Wenn ihr das Ende gelesen habt, werdet ihr Zack mögen.“

 

Du hast also für ihn gekämpft?

Ja, weil ich eben diese Szene im Kopf hatte.

 

Wenn du ein neues Buch beginnst – arbeitest du die Charaktere aus, oder hast du alles in deinem Kopf?

Ich schreibe alles auf. Ich mache eine ganze Menge Vorarbeit. Eine ganze Menge des Buches ist geschrieben, bevor ich überhaupt ein Wort aufschreibe. Ich erstelle sehr detaillierte Outlines und schreibe meine Charaktere gemeinsam mit meiner Storyline. Ich schreibe sie ’side-by-side‘, weil ich denke Charakter formt den Plot und der Plot formt den Charakter. Ich muss entscheiden ob der Charakter, der etwas Bestimmtes tut, auch derjenige ist, der diese Entscheidung treffen kann. Wenn er es nicht ist, muss ich meinen Charakter ändern. Sie sind miteinander verknüpft.

Bevor ich also überhaupt anfange zu schreiben, stelle ich sicher, dass Plot und Charaktere sehr gut ausgearbeitet sind. Ich denke du bleibst in deiner Geschichte schnell auf der Strecke, wenn du nicht vorher alles genau planst. Vor allem, wenn du vorhast, mehr als ein Buch zu schreiben.

 

Schreibst du durcheinander? Wechselst du zum Beispiel zu einer anderen Szene, wenn du in der anderen nicht mehr weiter kommst?

Nein. Ich schreibe nacheinander. Wenn ich eine Szene schreibe und merke, dass die so nicht funktioniert, gehe ich zurück und prüfe meine Notizen. Dann ändere ich ein paar Dinge, vor allem wenn ich mitten im Schreiben bin und vorher dachte es macht Sinn aber dann feststelle es funktioniert so nicht. Dennoch schreibe ich nacheinander. Ich mag das Gefühl was ich habe, wenn meine Charaktere wachsen und sich die Geschichte zu entwicklen beginnt.

 

Wie viele Manuskripte befinden sich in deinem Schreibtisch?

Vier. Drei der Göttlich-Trilogie und das erste Buch einer neuen Trilogie. Und ich habe die Outlines für ein Unbeendetes. Da es sehr kompliziert ist, habe ich bis jetzt nur eine wage Idee aber nichts Konkretes. Und da sind noch einige Drehbücher, die ich nie verkauft habe.

 

Kann man die denn nicht in Buchmanuskripte umwandeln?

Ich habe schon mal darüber nachgedacht. Vielleicht hätte ich ein oder zwei die es wert wären, aber das eine ist für sehr junge Leser (10 – 12 Jährige) – und das andere ist keine Fantasy. Und ich weiß nicht, ob ich daran zurzeit Interesse habe. Ich genieße es, Fantasy zu schreiben. Ich denke, das ist auch der Grund, warum ich nie Drehbücher verkauft habe. Denn ich habe nie das geschrieben, was ich wirklich schreiben wollte – bis ich mit ‚Göttlich: verdammt‘ begonnen habe.

 

Dein neues Projekt wird also auch Fantasy sein?

*breites Grinsen* oh ja.

 

Mit einer Liebesgeschichte?

*noch breiteres Lächeln* Ja. Es wird eine Liebesgeschichte geben. Aber nicht so romantisch wie in ‚Göttlich‘. Es wird etwas komplizierter als ‚Ich liebe dich für immer‘-Liebe. Aber es wird definitiv eine Liebesgeschichte geben.

 

Orion, Lucas und Helen sind ein typische Dreiecksbeziehung. Hast du sie geschrieben, weil du es magst, oder weil fast jedes Buch in diesem Genre eine Dreiecksbeziehung benutzt?

Ich denke man schreibt, was man mag, und ich mag es. Natürlich habe ich es auch in anderen Büchern gelesen. Aber es ist jetzt nicht eins dieser Dinge, die du tust, weil es andere auch tun. Ich mag Dreiecksbeziehung. Sie sind eine Menge Spaß. Nicht Teil von einer zu sein, aber davon zu lesen.

 

Ich mag Orion und ich mag Lucas, aber für mich war es immer Lucas. Für mich war Orion immer nur der beste Freund, nie der feste Freund.

Ich denke eine Menge Leute haben einen Freund/Kumpel und denken: „Ich bekomme das hin.“ Da gibt es diesen tollen Freund/Kumpel und ihr habt viel gemeinsam, versteht euch gut und du denkst zu dir selbst: „Er ist gut für mich. Ich möchte ein Date mit ihm haben.“ So sollte es sein, aber dann merkst du, dass es nicht das Richtige ist. Ich denke eine Menge Mädchen fühlen so.

 

Für mich war es nie eine Dreiecksbeziehung, obwohl ich wusste, es war eine. Orion war für mich immer nur der beste Freund. Er hatte nie eine wirkliche Chance.

Jeder denkt anders darüber und das macht es so spannend. Mein Manager sagte: „Ich möchte, dass sie mit Orion zusammenkommt. Er ist besser für sie.“ Jeder hat einen anderen Geschmack. Ich mag das.

 

Wie beliebt ist Fantasy in den USA?

Es ist sehr beliebt. Vor allem wenn ein Film daraus gemacht wird. Fantasy-Filme sind so gut geworden. Mittlerweile sind Dinge möglich, die vor zwanzig oder dreißig Jahren undenkbar waren.

Ich denke, dass die Leute viel offener gegenüber Fantasy geworden sind, weil es mehr Mainstream geworden ist. Aber ich denke, dass alles kommt und geht. Fantasy wird ein paar Jahre In sein und dann auslaufen. Dann schreibe ich Bücher, die keiner mehr lesen wird, aber ich werde noch immer Bücher schreiben. *lacht*.

 

Im Moment sieht es danach aus, als ob Hollywood aus jedem Besteller einen Film macht. Wie denkst du darüber?

Genauso ist es aber. Der Grund: Gutes Marketing, denn Filme sind sehr teuer geworden. Wenn ein Buch also eine Menge Leser hat, wird oft ein Film daraus, denn es ist ’sicher‘ für die Studios. Wenn man Millionen von Dollars in die Produktion steckt, solltest du sichergehen, dass jemand den Film auch sehen will.

 

Während deiner Lesung aus ‚Göttlich: verliebt‘ hast du verraten, dass ‚Göttlich: verdammt‘ verfilmt werden wird.

*lächelt*. Ja, aber bis jetzt ist noch nichts konkret. Wir sind noch immer in der Findungsphase.

 

Würdest du gerne eine kleine Rolle in dem Film bekommen? So wie Stephenie Meyer sie hatte?

Keine Ahnung. Ich könnte eine Kellnerin sein oder so etwas in der Richtung. Alles, bei dem kein Text dabei ist. *lacht.*

 

Wirst du das Drehbuch schreiben?

Wir haben das noch nicht besprochen. Ich würde mich darüber freuen, aber ich bin nicht so jemand der sagt: „Wenn ich nicht das Drehbuch schreibe – wird dieser Film nicht gemacht!“ Das ist nicht meine Art. Aber ich würde mich freuen, ein Teil davon zu werden.

 

Magst du die deutschen Buchcover?

Sie sind wunderschön. Sie gehören zu meinen Favoriten, aber ich könnte nicht sagen welches mein Lieblingscover ist, weil sie alle so großartig sind.

 

In wie viele Sprachen wurde dein Buch übersetzt?

Sprachen ist ein bisschen tricky. Aber es wurde in 25 verschiedene Länder verkauft. Ich bekomme zu jeder Übersetzung einige Exemplare zugeschickt.

 

Hast du so eine Art Schrank, in den du die Bücher stellst?

Ja. Mein ‚Vanity Shelf‘. Dort steht das erste Buch in allen Sprachen, in das es übersetzt wurde. Ich habe es, weil ich das Glück hatte, verlegt worden zu sein. Darüber bin ich sehr glücklich und es ist etwas, woran ich mich immerzu erinnern möchte.

 

 

Wir unterhielten uns fast eine halbe Stunde mit Josie und wir möchten an dieser Stelle dem Oetinger Verlag und der Autorin für ihre Zeit danken.

Vielleicht bietet sich irgendwann nochmal die Gelegenheit mit ihr zu reden – dann natürlich über ihr neues Fantasy-Projekt, auf das wir jetzt schon sehr gespannt sind.

Interview mit Daniela Kern vom Arena Verlag

Mai 18

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Bei Arena hatten wir Zeit in Ruhe im »Hinterzimmer« mit Daniela Kern zu sprechen, die bei Arena für den Online-Bereich verantwortlich ist. Dieses Interview haben wir im Oktober 2012 auf der messe in Frankfurt geführt.

Wie viel Neuerscheinungen hat Arena im Jahr?
Zwischen vier- und fünfhundert. Ein Halbjahreskatalog umfasst ungefähr 250 Titel. Dies umfasst alle Bereich von Büchern für Kleinkinder über Erstleser, Kinderbücher, Jugendbücher und das Taschenbuchprogramm.

Wie hoch ist bei Arena die Auflagenhöhe?
Das kann man pauschal nicht sagen. Es sind immer Einzelfallentscheidungen. Sie resultieren aus der Abwägung, in welchem Zeitraum man mit welcher Nachfrage rechnet. Weder sollen zu viele Bücher zu lange im Lager liegen noch möchte man nach sehr kurzer Zeit nachdrucken müssen.

Bei Reihen, wie z. B. die Edelstein-Trilogie, wird man, sofern der erste Teil gut läuft, den zweiten Teil gleich höher auflegen. Bei Debütautoren sind die Zahlen geringer. 5000 ist keine riesige Auflage, aber schon ganz gut. Man muss eben auch abwägen, was man sich von einem Titel verspricht, um die Höhe festzulegen.

Was glaubt ihr passiert, wenn »Rubinrot« jetzt im Kino anläuft?
Es wird natürlich entsprechende Ausgaben mit Filmcover geben und auch einen Fotoband. So spricht man auch noch mal eine andere Zielgruppe an.

Wie groß sind die Chancen als neuer deutscher Autor bei euch aufgebaut werden?
Die Lektoren sind sehr interessiert an neuen Gesichtern und neuen Namen. Das spiegelt sich vor allem in der Arena Thriller Reihe wieder. Dafür werden immer wieder Autoren angesprochen, die bereits im Erwachsenengenre erfolgreich sind, ob sie ein Jugendbuch schreiben möchten. In der Reihe gibt es keine Lizenztitel, sie wird ausschließlich von deutschen Autoren geschrieben.

Wir sprechen viele Autoren an, aber es passiert auch, dass wir unter den unverlangten Manuskript-Einsendungen jemanden finden.

Arena_VerlagsgebäudeWie wird bei Arena aus dem Stapel unaufgeforderter Manuskripte ausgesiebt?
Man muss sich das so vorstellen: Es gibt ein Regal, in dem alle Einsendungen liegen. Die Lektoren schauen immer wieder durch, wenn es der normale Arbeitsablauf erlaubt und sichten die Einsendungen.

Wie lange dauert die Bearbeitung im Schnitt?
Ein gutes halbes Jahr.

Wie wichtig sind Agenturen?
Was über Agenturen kommt, lässt schon auf gut vorsortierten Stoff schließen. Meist wissen die, was für uns interessant ist und es nimmt natürlich einen großen Teil an Arbeit ab.

Arbeitet ihr immer mit den gleichen Agenturen?
Meistens. Es gibt Agenturen, die speziell im Kinder- und Jugendbuchbereich tätig sind. Da sind die versierten Agenturen, mit denen wir schon länger arbeiten, natürlich kommen aber auch neue Agenturen dazu.

Wie kann man sich die Programmplanung vorstellen?
Es gibt zwei Programmbereiche im Verlag mit jeweils einer Leiterin. Die sitzen tatsächlich mit dem Verleger zusammen und diskutieren, was als nächstes ins Programm kommt.

Wie viel Zeit vergeht, bis ein Buch herauskommt? Wie viel Zeit bekommt ein Autor?
Sobald ein Buch in einem Programm eingeplant ist, gibt es einen Abgabetermin für das Manuskript. Wenn ein Autor ein Manuskript abgibt, stehen 5 – 6 Lektoratsdurchgänge an. Danach geht es erst in die Korrektur an zwei Korrektoren. Dann erst kommt der Druck.

Wie steht ihr zu Reihen?
Ich höre immer wieder, dass es nicht noch eine Reihe geben muss, aber es gibt auch die Leser, die sich wundern, wenn etwas nicht fortgesetzt wird. Wir versuchen eine gesunde Mischung hinzubekommen.

Wie ist das mit Illustratoren und Übersetzern? Sind die angestellt?
Das sind Freiberufler, wobei wir auch hier schon mit manchen länger zusammenarbeiten und manche neu dazu kommen.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Blogs?
Wir gucken uns jeden Blog lange an. Für mich ist wichtig, dass die Rezensionen reflektiert sind. Ich ärgere mich über Rezensionen, in denen der Schritt fehlt, weiter zu denken: Warum hat mir der Protagonist nicht gefallen? Warum fand ich dieses und jenes nicht gut. Auch muss geguckt werden, wie das Buch zum Leser passt. Wenn ich als 25-Jährige schreibe, dass ein Thriller ab zwölf mich nicht packt, heißt das nicht, dass es nichts für Zwölfjährige ist. Mich ärgert, wenn man so weit nicht denkt.

Auch wenn einem ein Buch nicht gefallen hat, muss diese Meinung nachvollziehbar dargestellt sein. Man sollte immer Respekt vor der Arbeit des Autors haben und jedem Buch seine Leserschaft zugestehen. Ich finde es schade, ein Buch als „nicht empfehlenswert“ abzustempeln, nur weil es nicht zu einem gepasst hat.. Es ist besser herauszustellen, für welche Zielgruppe es zu empfehlen ist, denn ich denke, jedes Buch hat seinen Leser. So differenziert würde ich mir die Rezensionen wünschen. Es gibt auch viele Blogs, die das so handhaben.

Werden Blogs auch mal aus dem Verteiler entfernt, wenn die Zusammenarbeit hakt?
Das ist bisher noch nicht passiert.

Ist es schon passiert, dass Leseexemplare von Bloggern nicht rezensiert wurden?
Das kommt vor, aber es passiert selten.

Sollten die Rezensionen in einem bestimmten Zeitrahmen erscheinen?
Es kommt alle halbe Jahre ein neues Programm heraus. Wenn die Rezension innerhalb von zwei bis drei Monaten des aktuellen Programms erscheint, ist das in Ordnung. In dem Zeitraum sind die Bücher aktuell. Ich habe aber auch nichts dagegen, wenn mal ein Titel aus der Backlist besprochen wird.

Vielen Dank für das tolle Interview.

Interview mit Heinke Schöffmann von der Thienemann Verlag GmbH

März 10

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Ein tolles Gespräch führten wir mit Heinke Schöffmann vom Thienemann Verlag.

Was gibt es Neues, seit unserem letzten Interview? Gibt es im Programm Neuorientierungen?

Da in Verlagen die Programmplanung 1-2 Jahre im Voraus feststeht, ist nicht so viel passiert. Man kann natürlich schon sehen welche Schwerpunkte funktionieren. „Wieviel Leben passt in eine Tüte“ hat eine wunderbare Entwicklung gemacht. Da bekommen wir ganz tolle Rezensionen. Uns freuen diese positiven Leserstimmen.

Habt ihr das bei diesem Buch so erwartet?

Als der Titel in unserem Haus gelesen wurde, waren die Meinungen von allen positiv und uns war klar, dass wir diesem Titel zu einem Schwerpunkt machen müssen. Wir haben 100 Erscheinungen im Jahr, davon sind so drei bis fünf Schwerpunkte im Halbjahr. Diese bekommen dann das größte Budget an Marketing und werden Bloggertitel.

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Wird das dann im Team entschieden?

Ja, da gibt es eine große Marketingrunde, wobei wir den Vorschlägen aus dem Lektorat oft folgen. Wenn allerdings die Mehrheit für einen anderen Titel stimmt, entscheiden wir an

ders. So war das z. B. bei „Dummie die Mumie“. Eigentlich gab es einen anderen Schwerpunkt, aber nachdem wir es alle gelesen haben, wurde relativ kurzfristig noch mal umgestrickt, weil es das wert war. Wir haben damit auch recht behalten und es läuft sehr gut.

Ihr habt immer noch einige Mehrteiler im Programm. Wie ist euer Kaufverhalten für die neuen Programme?

Das kommt immer darauf an, was angeboten wird. Wir wollen Mehrteiler vermeiden aber es ist tatsächlich so, das sie stark dominieren. Wir haben jetzt ein Angebot bekommen, was noch nicht geschrieben ist, wo wir die Autorin gefragt haben, ob man es nicht zusammenschnüren kann und wir einen Einzelband mit 600 Seiten machen können.

Bei Mehrteilern muss man oft lange warten, was als Leser manchmal nervt uns aber die Mechanismen bewusst sind, dass es auch Zeit braucht. Wie gehen Verlage damit um?

Im Kinderbuchbereich kann man natürlich nicht so lange warten, weil die Leser sehr schnell aus dem Alter heraus sind, das ist schon manchmal problematisch.

Dann gibt es andere Faktoren. Bei „Touched“ z.B. war der zweite Band einfach noch nicht geschrieben zu dem Zeitpunkt, wo wir ihn gerne nachgeschossen hätten. Da mussten wir zwei Mal schieben. Die Autorin hat länger gebraucht und in diesem Fall muss dann ja auch noch übersetzt werden. Wir hätten es natürlich gerne anders gehabt, gerade weil wir es so früh eingekauft haben. Da gab es das Buch noch gar nicht.

Bei „Homelanders“ konnten wir gleich vier fertige Teile einkaufen, die wir dann alle halbe Jahre herausbringen können. Das ist der Idealfall.

Wieso sind Ebooks kaum günstiger als die Printausgabe?

Wir bringen zum Hardcover das Ebook gleichzeitig heraus, damit der Kunde direkt entscheiden kann, in welcher Form er es haben möchte. Dazu müssen wir eine Mischkalkulation erstellen. Wenn das Ebook viel später auf den Markt kommen würde

, wie zum Beispiel bei unserem „Räuber Hotzenplotz“, da entstehen viel geringere Kosten, vor allem weil sich das Buch schon jahrelang gut verkauft hat. Da haben sich die Herstellungskosten schon amortisiert. Allerdings wenn man es als ein Produkt sieht, das einfach in verschiedenen Erscheinungsformen auf dem Markt kommt, ist es nur logisch, dass es einen Preis gibt.

Einen richtigen Anreiz stellt das Ebook dann nicht dar.

Ich glaube das Ebook wird vor allem dem Taschenbuch stark Konkurrenz machen, weil die Leute sich z. B. für den Urlaub oder unterwegs einen Reader kaufen.

Nach ein paar Jahren wird der Ebookpreis sicher sinken, wenn die Taschenbuchausgabe eines Hardcover erscheint und sich daran orientiert wird.

Kann Selfpublishing ein Sprungbrett sein?

Nele Neuhaus hat auch so angefangen. Vor ca. 6 Jahren. Sie hat die Bücher drucken lassen und dann in der Metzgereikette ihres Mannes vertrieben. Das ist natürlich ideal, weil man breit streuen kann. Dann hat eine Ullsteinlektorin es gelesen und fand es gut.

Ist so ein Buch dann für den Verlag noch interessant?

Wenn die Geschichte gut ist, ja. Natürlich muss es im Fall einer Erscheinung noch durch das Lektorat und Korrektorat.

Wer bestimmt die Auflagenhöhe? Inwieweit hat man als Autor Mitspracherecht beim Cover?

Das bestimmt der Verlag. Er sucht den Covergestalter aus und bestimmt generell die Ausstattung. Kommt es als Hardcover oder Taschenbuch. Wir versuchen aus unserer Erfahrung einzuschätzen, wie der Markt mit dem Buch umgehen wird und versuchen so gut wie möglich zu kalkulieren. Wir müssen natürlich das Geld, was wir im Vorfeld investiert haben wieder reinholen. Also was wir teuer eingekauft haben müssen wir in einer höheren Auflage wieder verkaufen als wie bei einer Neuentdeckung, bei der man nicht so viel Geld in die Hand genommen hat.

Wie hoch sind die Auflagenhöhen?

Im Bilderbuch sind 3.000 viel, Klassiker wie „Jim Knopf“ haben auch schon eine Höhe von 25000 Stück.

Kinderbücher wie „Dumie die Mumie“ verkaufen wir auch 20.000 bis 30.000 mal, aber in mehreren Auflagen.

Im Jugendbuch sind 10.000 zu erreichen echt schwer.

Wenn ein Buch unter eine bestimmte Stückzahl rutscht und unser Vertrieb sieht, dass es gut verkauft wird, bestellen wir eine neue Auflage. Das kann bei einem Buch ein halbes Jahr dauern, beim anderen vielleicht auch zwei. Das beobachten wir ständig. Wenn wir pro Jahr weniger als 200 Stück absetzen überlegen wir uns, ob wir den Titel aus dem Programm nehmen.

Es gab ein Buch von einem anderen Verlag, wo nur der erste Teil erschienen ist. Anscheinend hat es sich nicht genug verkauft. Wonach richtet es sich, auch die Fortsetzung zu verlegen?

Bei „Homelanders“ mussten wir die ersten vier Teile auf einmal kaufen, da bringt man die dann auch. Wenn man wie bei „Touched“ die Titel erst nach und nach bekommt, überlegt man schon. Sollte dann ein zweiter Teil gar nicht laufen, kaufen wir den dritten nicht ein.

Wenn z. B. eine Trilogie schlussendlich abgeschlossen am Markt erhältlich ist, merkt man einen Anstieg in den Abverkaufszahlen?

Der erste Teil zieht dann noch nach. Aber bei allen Mehrteilern, verkauft sich der erste Teil am besten.

Wie verhält es sich mit Lizenzkäufen?

Man kauft häufig nur aufgrund des Exposés, also sprichwörtlich die Katze im Sack. Dann bekommt man ein paar Monate später das ganze Manuskript, danach die Übersetzung. Das ist für den Verlag immer ein hohes Risiko.

Wäre es denn nicht weniger Risiko einen neuen deutschen Autor heranzuziehen und aufzubauen?

Das hat Thienemann sehr lange gemacht. Wir sind der Verlag der Autoren und haben uns lange als solchen verstanden. Michael Ende z. B. haben wir aus dem Stapel gezogen, ebenso Ottfried Preussler. Wir haben Joachim Friedrich und Ralf Isau aufgebaut. Wir arbeiten jetzt mit Janine Wilk. In den letzten vier Jahren haben wir vermehrt Lizenzen aufgemacht, davor hatten wir ganz wenige und lieber unsere Lizenzen ins Ausland verkauft. Den Räuber Hotzenplotz gibt es in 34 Sprachen, da verdienen wir jedes mal mit. Somit lohnt es sich durchaus Autoren zu suchen und aufzubauen und eben den Weg anders herum in das Ausland zu gehen.

 

Vielen Dank für das Gespräch. Es hat Spaß gemacht

Interviews in Leipzig auf der Buchmesse

März 4

Danny und ich werden in Leipzig wieder Interviews machen. Außerdem treffen wir einige Verlagsmenschen und werden das ein oder andere Gespräch haben. Dieses Jahr werden wir nun endlich auch mal Autoren befragen können. Darunter Kai Meyer und Jennifer Benkau. Hier könnt ihr nun in den Kommentaren eure Fragen hinterlassen.

Was wollt ihr wissen? Was möchtet ihr speziell von Kai Meyer und Jennifer Benkau erfahren? Was drückt euch als Blogger und möchtet es loswerden? Was wünscht ihr euch von den Verlagen?

Ich werde versuchen möglichst alles in Erfahrung zu bringen und weiter zu tragen.

Interview mit Natalja Schmidt von der Literaturagentur Schmidt & Abrahams

Februar 27

SA - Logo rot

Sehr gefreut habe ich mich über das Interview mit Natalja Schmidt. Die Agentur Schmidt & Abrahams wurde 2005 ins Leben gerufen und vertritt mittlerweile zahlreiche namhafte Autoren.

Was ist der besondere Reiz an dem Beruf der Literaturagentin und macht er immer noch Spaß?

Ja, er macht immer noch Spaß. Es gibt zwar eine gewisse Routine und somit auch Dinge, die nicht mehr so viel Spaß machen, aber da sind immer noch die besonderen Momente. Wenn man sieht, wie aus einem Rohdiamanten ein schön geschliffenes Juwel entsteht, das später im Handel toll präsentiert wird, freut es einen immer.

Wie siebt die Agentur bei den vielen Einsendungen aus?natalja-schmidt

Wir bekommen um die 80 Einsendungen im Monat. Die Vorauswahl macht meine Kollegin Kristina. Direkt abgesagt werden zunächst die Manuskripte, die inhaltlich gar nicht in unser Profil passen. Dann werden die Einsendungen gefiltert, die eindeutig noch nicht so weit sind. Da sind manchmal Bewerbungen von ganz jungen Autoren dabei oder eben unausgereifte Manuskripte. Was zurzeit am Markt zu schwierig zu vermitteln ist, fällt ebenso raus. Mit dem Rest, der danach übrig bleibt, setzen wir uns einmal in der Woche zusammen. Jede stellt die Texte vor, die ihr gefallen haben. Dann legen wir fest, ob wir etwas gleich zur Vermittlung übernehmen oder ein Gutachten erstellen lassen.

Müsst ihr euch einstimmig einig sein, oder gibt es auch den Fall, dass sich eine Person für ein Projekt durchsetzt?

Wenn eine von uns sagt, sie will etwas unbedingt machen, kann sie das natürlich tun, denn schließlich muss sie das Projekt auch betreuen. Meist sind wir uns jedoch einig.

Es hat doch auch viel mit Geschmack zu tun, oder?

Leider ist es einem nicht immer vergönnt, nach dem persönlichen Geschmack zu gehen. Man muss auch schauen, was gerade gut zu verkaufen ist. Da gibt es immer wieder Wellen. Wenn jemand etwas anbietet, was gerade vom Thema gefragt ist, sieht man sich das genauer an. Es ist aber nie schön, einem guten Manuskript eine Absage zu erteilen, weil es gerade nicht vermittelbar ist.

Erteilt ihr immer Standardabsagen, oder gebt ihr auch schon mal ausführlicheres Feedback?

Manchmal ja, aber das ist nicht die Regel. Man läuft sonst Gefahr, bald einen sehr regen Mailwechsel zu führen, der sich bei der Menge an Einsendungen einfach nicht bewältigen lässt. Deshalb gibt es meist die Standardabsage.

Was passiert bei einer Zusage?

Es wird vorab ein Vertrag an den Autor geschickt, damit er sich das ganz in Ruhe durchlesen und vielleicht mit einem Juristen besprechen kann. Nach der Unterzeichnung optimieren wir die Unterlagen. Wir arbeiten am Exposé und – zumindest mit unseren Debütautoren – auch an der Leseprobe, um beides anschließend den Verlagen vorzustellen. Das passiert auf der Messe oder indem wir die Verlage direkt anschreiben. Im besten Fall gibt es mehrere Verlage, die einen Stoff haben wollen, und es kommt zu einer Auktion. Es passiert natürlich auch mal, dass sich gar kein Verlag interessiert und man gemeinsam mit dem Autor oder der Autorin überlegen muss, woran es gelegen hat.

Ist euch auch schon mal ein »dicker Fisch« durch die Lappen gegangen?

Ja. Es gibt immer wieder gute Stoffe, bei denen die Kollegen auch nicht lange zögern. Die Autoren schreiben in der Regel mehrere Agenturen gleichzeitig an, und es kommt schon vor, dass eine andere Agentur schneller war. Das passiert uns, glaube ich, von Zeit zu Zeit allen.

Habt ihr bei erfolgreichem Verkauf dann noch was mit dem Lektorat zu tun?

Nein, zu dem Zeitpunkt haben wir nichts mehr damit zu tun, außer es »klemmt« zwischen Autor und Lektor, dann vermitteln wir schon mal zwischen beiden Parteien. Das Lektorat ist aber Sache des Verlages.

Wie viel Mitspracherecht hat der Autor bei Exposé und Leseprobe, die an den Verlag gehen?

Wir lektorieren die Leseprobe und schicken sie an den Autor, der dann natürlich entscheiden kann, ob er die Vorschläge annimmt, oder nicht. Beim Exposé ist das ein bisschen anders. Die Autoren haben oft Schwierigkeiten, sich kurz zu fassen und meinen – besonders oft in der Fantasy –, dass wirklich alle Personen, Orte und Plotstränge ausführlich erklärt werden müssen. Da bringen wir dann präzise das aufs Blatt, was für die Lektoren der Verlage interessant ist. Wir kürzen die Exposés auf max. vier Seiten.

Wie risikoreich ist ein Genremix?

Hier ist eine pauschale Antwort schwierig. Manche funktionieren gut, manche gar nicht. Gestaltwandler in Kombination mit einer Liebesgeschichte erfreuen sich ja einer großen Beliebtheit. Bei Fantasykrimis hingegen wüsste ich nicht ein Beispiel, welches gut gelaufen ist.

Gibt es in den Genres Richtwerte, wie lang ein Text sein sollte?

Die Verlage zucken natürlich zusammen, wenn man 1000 Seiten geschrieben hat. Alles bis zu 500 Seiten ist aber meist kein Problem.

team-literaturagentur-schmidt-und-abrahamsVerkauft ihr mehr Manuskripte auf den Messen?

Auf den Messen habe ich das Gefühl, dass sonst auch schwerer vermittelbare Stoffe besser zu verkaufen sind, weil man sich gegenübersitzt. So kann man dann die Begeisterung für ein Manuskript im Gespräch besser herüberbringen. Ein Thema, das gerade sehr gesucht wird, lässt sich auch außerhalb der Messen gut verkaufen. Auf den Messen wird natürlich manches direkt verkauft, und man bekommt bei der eigenen Titelliste schnell heraus, welcher Stoff das größte Potenzial besitzt.

Wie unterscheiden sich die Messen?

Leipzig ist eher eine Lesermesse, wo wir auch privat hinfahren würden. Dort gibt es viele Lesungen, viel Show und attraktive Angebote für die Besucher. In Frankfurt, Bologna und London ist ein Großteil des Angebots auf Fachbesucher und Aussteller ausgerichtet, dort überwiegen die Geschäfte. In Frankfurt absolvieren wir ca. 80 Termine in fünf Tagen.

Bekommt ihr bei den ganzen Lizenzgeschäften eure deutschen Autoren da noch unter?

Für deutsche Debütautoren ist es oft schwierig, das kann ich nicht schönreden. Trotzdem gibt es jedes Jahr auch eine Vielzahl von Neuerscheinungen von deutschen Autoren. Bei Thrillern, Sagas und im historischen Bereich gibt es z.B. viele erfolgreiche deutsche Autorinnen und Autoren. Und wir haben insgesamt schon viele Debuts vermitteln können, worüber wir uns immer besonders freuen.

Wird Fantasy irgendwann mal verschwinden?

Ganz verschwinden wird das Genre sicher nicht. Die Fantasy hat sich bei den Lesern etabliert, und einige Titel laufen ja auch immer noch ganz ausgezeichnet (z.B. „Game of Thrones“). Der ganze Hype, der nach »Twilight« kam und die vielen Me-too-Veröffentlichungen jedoch werden wohl weniger und weniger werden.

Was glaubt ihr, wo die Reise hingeht?

Ich glaube, dass wüssten wir alle gern!

Wie haltet ihr es mit den Autoren, die total auf ihre Welt fixiert sind. Schlagt ihr denen auch mal Alternativen vor?

Das hängt ganz stark vom Autor ab. Es gibt Autoren, die sehr vielseitig interessiert sind, und bei diesen bietet es sich an, auch mal neue Themen vorzuschlagen. Andere würde man eher davon absehen. Schließlich ist es wichtig, das der Autor sich mit dem Projekt, an dem er oder sie schreibt, wohl fühlt.

Wie erfolgreich muss man sein, um hauptberuflich als Autor leben zu können?

Das hängt von ganz verschiedenen Faktoren ab. Bei manchen Autoren reicht ein einziges erfolgreiches Buch, um davon leben zu können, Andere schreiben jahrelang mit bescheidenem Erfolg, bis ihre Bücher schließlich bei den Lesern ankommen. Die wenigsten Autoren haben allerdings das Glück, von einem einzigen oder von wenigen Büchern wirklich auskömmlich leben zu können. Viele hauptberufliche Autoren schreiben im Jahr mehrere Titel für verschiedene Verlage oder übernehmen auch mal Auftragsarbeiten unter Pseudonym. 

Ist das ein Auswahlkriterium: Die Einstellung des Autors und die Produktivität?

Nein. Es gibt Autorinnen und Autoren, die sehr langsam sehr gute Bücher schreiben, und die wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Professionalität im Umgang mit Texten wird aber vorausgesetzt.

Wenn ihr von einem Autor überzeugt seid, aber das Manuskript sich nicht verkaufen lassen will, wie lange versucht ihr es?

Es gibt ja nur eine endliche Anzahl von Verlagen, denen man ein Manuskript anbieten kann. Erst bietet man es den großen Verlagen an, einfach weil Garantiezahlungen und Auflagenhöhen hier für die Autoren am vorteilhaftesten sind, und danach den mittleren und kleinen Verlagen. Manchmal sagen wir aber auch: Okay, damit hast du dich zwar beworben, aber leg diesen Stoff doch vielleicht erst einmal in die Schublade und lass uns zusammen etwas Neues entwickeln. 

Wie lange ist man bei euch unter Vertrag?

In der Regel machen wir unbefristete Verträge, manchmal aber auch zuerst einen Jahresvertrag, der dann verlängert werden kann. Viele unserer Autoren sind schon seit den Anfangsjahren bei uns, aber manchmal – wie in jeder Beziehung – merkt man aus verschiedenen Gründen, dass man gemeinsam nicht weiterkommt. Prinzipiell streben wir aber immer eine langfristige Zusammenarbeit an. Uns geht es weniger um One-Hit-Wonder als darum, Autoren aufzubauen.

Vielen Dank für die Zeit und das nette Gespräch!

Interview mit Heike Herd–Reppner vom Ravensburger Verlag

Februar 3

Mir ist Ravensburger seit meiner Kindheit ein Begriff und verbinde es vor allem mit Kinderbüchern, Spielen und Puzzeln. Im Jugendbuchbereich galt meine Verbindung eher zu Schullektüre, wie zum Beispiel „Die Wolke“.

2012 habe ich die Entdeckung von „Lost Girl“ und „Verräter der Magie“ gemacht. Ich habe mich sehr gefreut, als Heike Herd-Reppner, die Pressereferentin von Ravensburger, einem Interviewtermin zugestimmt hat.

 

Wird das Programm von Ravensburger im Bereich Jugendbuch/Junge Erwachsene weiter ausgebaut?Heike-Herd-Reppner

Angefangen mit den Pappbilderbüchern, wird man mit Ravensburger groß. Das Programm ist sehr breit gefächert. Der Bereich Jugendbuch / Junge Erwachsene ist eine feste Größe unseres Programms. Wir planen in der Regel zwei Jahre im Voraus und überlegen, was ist interessant, was passt in unser Programm? Übrigens, wir feiern 2013 „50 Jahre Ravensburger Kinder- und Jugend-Taschenbücher“ mit einem besonderen Programm.

 

Was wird denn in Zukunft interessant?

2014 ist bereits geplant und momentan sind die Programmleiter und Lektoren auf der Messe unterwegs um neue Titel für 2015 zu finden. Ich bin selbst sehr gespannt, was sie mitbringen. Im Kinderbuchbereich kehrt gerade der Humor wieder zurück. Ein Beispiel für Leser ab zwölf Jahren ist: „Jungs sind keine Hamster“. Unsere Neuentdeckung Rebecca Wild verknüpft im Jugendbuch mit „Verräter der Magie“ Humor mit Fantastik.

Es gibt unter den Jugendlichen und den ‚All–Agern‘ ganz unterschiedliche Interessen und wir möchten für jeden gerne etwas dabei haben.

 

Einige Meinungen gehen in Richtung reale Liebesgeschichten. Was sagen Sie dazu?

Das beobachten unsere Lektoren auch. Es wird viel Realistisches angeboten. Ich vermute, der fantastische/mythische Bereich bleibt uns noch erhalten – die Community ist groß!.

 

Legen Sie Wert darauf etwas andere Geschichten zu finden? So wie bei „Lost Girl“ oder „Verräter der Magie“, die nicht gerade stereotyp für ein Genre sind?

Das versucht jeder Verlag. Eine ‚Panem‘-Kopie würde nicht funktionieren. Wir versuchen das Interesse der Leser an einem Stoff aufzugreifen und einen neuen Aspekt zu finden.

 

Ist es bei Ihnen auch so, dass viel über Lizenzen passiert, oder haben sie auch so Perlen zwischen den unaufgefordert eingesandten Manuskripten gefunden?

Es wird wirklich jede Einsendung angeschaut und deshalb dauert das Sichten auch einige Zeit. Ein Tipp für junge Autoren ist die Zusammenarbeit mit einer Literaturagentur.

In Österreich gibt es auch das Institut für Kinder- und Jugendliteratur, das Manuskripte prüft (kostenpflichtig) (www.jugendliteratur.net). Wenn man sich wirklich beruflich in Richtung Autor orientieren möchte, ist das eine ganz gute Investition, da sie/er eine kompetente Einschätzung und Rückmeldung zum Manuskript bekommt. .

Marlene Röder ist ein Beispiel für eine Ravensburger Entdeckung. Sie schickte uns ein unaufgefordertes Manuskript, das unsere damalige Programmleiterin im Zug ins Wochenende zu lesen angefangen hat. Sie hat Marlene praktisch aus dem Zug angerufen und gesagt: „Das nehme ich.“

 

Wie handhabt der Verlag das Herausgeben von Rezensionsexemplaren?

Wir haben ein begrenztes Kontingent und müssen Schwerpunkte setzen. Wir schätzen sehr die Zusammenarbeit mit den Bloggern und freuen uns auf Feedback zu unseren Titeln. Aus zeitlichen Gründen schaffen wir es jedoch nicht, die vielen Anfragen direkt zu beantworten. Daher verlagern wir auf Aktionen bei ‚Lovelybooks‘,  ‚Blogg dein Buch‘ oder ähnliche. Dort freuen wir uns über jede Bewerbung.

 

Vielen Dank für das Interview Frau Herd-Reppner.

Interview mit Renate Grubert von Random House

Januar 27

RandomHouse

Ein tolles informatives Interview durfte ich mit Renate Grubert, der Presseleitung der Verlage cbt und cbj der Random House Verlagsgruppe führen.

 

Es gibt immer mehr E-Books. Wieso unterscheiden sich in Deutschland die Preise zwischen E-Book und Printausgabe kaum?Renate-Grubert

Wir haben natürlich das Buchpreisbindungsgesetz in Deutschland. Man kann die Bücher also nicht einfach zu einem Preis verkaufen, der uns gefällt. Außerdem passieren beim E-Book eine ganze Reihe Arbeiten, wie auch beim gedruckten Buch. Lektorat, Marketing und Rechte bleiben im Arbeitsaufwand gleich. Das Honorar und die Gehälter der Verlagsmitarbeiter müssen genau so bezahlt werden, wie beim gedruckten Buch. Im Grunde fallen beim E-Book nur der Druck und das Material weg. Dieser Unterschied macht dann den geringen Preisunterschied aus.

 

Warum ist das in Amerika anders?

Dort gibt es das Buchpreisbindungsgesetz nicht. In Deutschland müsste man dann schon bei den Selbstverlegern gucken. Denn wenn sie selbst ein Buch als E-Book herausgeben, können sie den Preis selbst bestimmen. Da muss keine Bearbeitung vom Verlag bezahlt werden und somit kann entsprechend günstig das Angebot ausfallen. Damit jedoch bekannt zu werden ist hier in Deutschland schwierig, weil ihnen einfach der Vertrieb fehlt.

 

Kann es dennoch ein Sprungbrett sein, so wie bei Amanda Hocking?

Amanda Hocking ist ein Glücksfall, deshalb möchte ich nicht wirklich eine Prognose wagen. Natürlich kann das passieren, aber die Vermarktung spielt hier in Europa eine große Rolle. Ein selbst verlegtes E-Book muss natürlich entsprechend bekannt machen über Social Media Kanäle, Blogs und Internetportale. Möglicherweise gelingt es, wenn sie ein gut vernetzter Mensch sind. Dennoch wage ich es zu bezweifeln, denn bei all den Bemühungen, wird es nicht dazu reichen, davon zu leben. Also Hobby gesehen, ist das natürlich ein anderes Ding.

 

Sicher haben sich viele Verlage um Amanda Hocking gerissen, als es den Hype in Amerika gab. Wie gehen sie mit der Kritik an ihr um?

Ich lese die Kritiken und nehme sie war. Amanda Hocking ist ein amerikanisches Phänomen in jeder Schattierung. Vielleicht findet es deshalb nicht genau den gleichen Widerhall bei unseren Leserinnen. Das sind jedoch Vermutungen. Wir analysieren das natürlich. Man kann im Vorfeld nicht sagen: Es war ein Erfolg in Amerika, es wird bei uns auch einer sein. Wir arbeiten aber daran und versuchen alles das zu realisieren, damit es so wird. Der Lesegeschmack jedoch, das stellen wir fest, ist in Amerika ein anderer als bei uns.

 

Woran machen sie im Verlag fest, welches Buch sich gut verkaufen lässt?

Wir haben eine sehr gut eingespielte Lektoratsmannschaft. Die Lektoren bei uns sind sehr erfahrene Produktmanager. Im Ausland setzten wir auf Scouts, den Trüffelschweinen in literarischer Hinsicht. Sie suchen im englisch/amerikanischen, französischen oder italienischen Markt Produktionen, welche die deutschen Leser interessieren könnten. Dann geht es auf die Auktionen, wo wir auf die Bücher, die als Spitzentitel gehandelt werden, bieten. Wenn ein Titel im Ausland bereits erfolgreich verkauft wurde, ist das auch ein gutes Argument für den Kauf. Dementsprechend wird dann das Marketing ausgerichtet.

Wir haben auch deutschsprachige Autoren, die wir als Bestsellerautoren sehen und gut kennen. Auch hier wird der Rahmen des Marketings dann entsprechend aufgebaut.

 

Wer legt das Programm fest?

Das sind die Programmleiter zusammen mit dem Verlagsleiter und der Vertriebsleitung, im Bestfall mit dem gesamten Marketing.

 

Gab es auch schon den Fall, dass sie ein Manuskript abgelehnt haben und es bei einem anderen Verlag ein Bestseller wurde?

Ja, das gab es und man fühlt sich nicht gut dabei. Leider ist es nicht vermeidbar. Wir prüfen natürlich ganz viele Manuskripte und wägen ab was wir ins Programm aufnehmen, aber das kann passieren. Allein im Kinder- und Jugendbuchbereich werden so viele tausend Novitäten im Jahr herausgebracht. Potenziell lesen unsere Lektoren viel mehr Bücher, zigtausende Manuskripte. Da kann es passieren und da muss man eine gewisse Frustrationstoleranz entwickeln.

Aber wir haben Gründe für jede Ablehnung und das wird verschriftlicht. Das lesen mehrere Personen, sodass wir Gegendarstellungen bekommen und dann muss das entscheiden werden.

 

Im Allgemeinen höre ich immer wieder, dass sich Leser mehr in sich abgeschlossene Bücher oder Zweiteiler wünschen. Sehen sie das im Verlag auch so?

Ja, gerade unsere deutschen Originale, wie z. B. Liberty 9, werden bewusst als Zweiteiler oder als Einzelband produziert. Ich denke, der Überdruss an Trilogien ist groß im Handel. Bestenfalls funktioniert ein Mehrteiler durch rasche Taktung der Erscheinungstermine. Der Leser möchte nicht gerne zwei Jahre warten, sonst verliert er die Lust. Sowohl dem Verlag als auch dem Leser ist daran gelegen, Freunde beim Lesen zu haben, was schnelle Lieferzeiten positiv bedingen.

Aber manchmal sind die Bücher noch gar nicht geschrieben und dann müssen wir halt warten.

 

Bei Autoren, mit denen der Verlag gut zusammenarbeitet: Werden da schon mal Vorschläge gemacht, was geschrieben werden könnte?

Das passiert wechselseitig im Austausch mit dem Lektorat. Natürlich nicht gegen die Neigungen des Autors, denn der muss ja den Stoff leben. Nur dann bringt er ihn richtig zu Papier. Wir suchen da gemeinsam die passenden Themen.

 

Wie viel Mitspracherecht hat man als Autor?

Das ist unterschiedlich. Eindeutig ist die Sache bei der Titelformulierung, die liegt beim Verlag. Ebenso beim Cover. Da haben wir Agenturen, die sich nur darauf spezialisiert haben. Gerade bei Spitzentiteln legen wir dem Autor Vorschläge vor, die wir für richtig erachten. Es wird auch schon mal ausgetauscht, allerdings sind die Cover- und Titelgestaltung recht festgelegt.

Es würde auch zu weit führen, bei der Menge an Autoren, die wir betreuen.

 

Kann man überhaupt als Autor vom Schreiben leben?

Ganz allgemein kann ich das über Kinder- und Jugendbuch sagen, dass von all den Autoren, die sie hier auf der Messe vertreten finden, nur 10 % davon ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Leider ist das so. Der Traum ist von vielen da, aber die Honorare können nicht so groß sein. Die ganze Arbeit von der Verlagsseite braucht auch eine monetäre Energie.

Wenn man wirklich den Wunsch hat, das ist mein Lebensberuf, muss man sehr hart arbeiten und gleichzeitig Glück haben, dass es dann auch klappt.

 

Es hat viel mit Glück zu tun?

Es braucht natürlich erst mal strategisch eine Positionierung. Sie müssen den richtigen Verlag haben und selbstverständlich auch die Inhalte, die gelesen werden. Sonst nützt das beste Buch nichts.

 

Gibt es immer eine Standardabsage?

Mehr als tausend Einsendungen im Jahr sind nur mit einem Vorlektorat zu schaffen. Die Manuskripte werden angelesen und wahnsinnig viel mehr, als eine Standardabsage, kann man nicht machen.

 

Wird dabei auch mal ein Manuskript gefunden oder passiert alles über Lizenzen und Agenturen?

Ich lege den Autoren ans Herz: Sucht euch einen Agenten, der euch berät, das sind heute die sichersten Pforten in den Verlag. Der Markt ist vielfältig und die Literaturagenten können hilfreich sagen: Ich versuche dich bei dem Verlag unterzubringen, weil dein Text das dieses und jenes bietet.

Wir als Verlag können es gar nicht schaffen aus den tausenden Manuskripten so zu sichten, dass wir tatsächlich ein Programm finden. Drei Programme im Jahr bei der ganzen Random House Gruppe, mit gewissen Plätzen, Spitzentiteln, Marketingschwerpunkte, Reihenplätze usw., da muss sehr zügig klar sein, was im nächsten Programm der Nachfolgetitel von jeglichem Buch ist. Wir besetzen Programmplätze und können nicht schauen, was reinkommt. Das ist ein ganz anderer Planugsvorgang.

 

Wie lange dauert es, bis ein Manuskript von der ersten Einsendung beim Verlag, oder vom Kauf der Lizenz, im Buchladen erscheint?

Das kann langsam vonstattengehen, aber auch recht schnell, innerhalb von drei Monaten. In so einem Fall liegt allerdings etwas vor, was nur noch übersetzt werden muss. Das ist nicht der Normalfall. In der Regel braucht es ein Jahr.

 

Wie wichtig sind euch Blogger?

Wir haben in den letzten Jahren einen relativ großen Bloggerverteiler aufgebaut. Das sind mehrere hundert Personen, die wir so gut es geht, auch in unserer Presseabteilung betreuen und mit denen wir uns austauschen. Ich denke in den Blogs wird heute ganz viel Rezensionsarbeit geleistet, die früher von großen Printmedien bewältigt wurde. Da findet eine Verlagerung statt, der wir uns sehr wohl bewusst sind. Aber es ist sicher auch eine aufwendige Arbeit, mit den Blogs den Kontakt zu pflegen.

 

Wird ausgesiebt?

Wir haben einen Bloggerbogen, der ausgefüllt werden muss. Es gibt ein Anforderungsprofil und wir schauen ganz genau auf den Rücklauf. Eine gute Präsentation auf dem Blog ist wichtig. Ist die Verlinkung so gut, dass man die Bücher auch kaufen kann. All das muss stimmen. Erst dann funktioniert auch mittelfristig die Zusammenarbeit. Sicher müssen wir damit leben, wenn einmal ein Buch einfach abgegriffen wird, aber das wird nicht so häufig passieren. Wir gucken da schon genau.

 

Gibt es gewisse Kontingente bei den einzelnen Titeln?

Ja, das ist ganz klar, das muss auch so sein. Wir müssen uns in der Presse ja auch überlegen, wen wir damit ansprechen möchten und wie wir in die Promotion einsteigen wollen. Endlos geht das nicht, weil es auch kostet.

 

Wie gehen sie mit einer nicht so guten Rezension um?

Dann lass ich sie so stehen. Ich mache gar nichts. Ich kann nur ermuntern immer das zu schreiben, was man fühlt. Alles andere eignet sich nicht und ein Verriss, ein richtiger Verriss, ist vollkommen in Ordnung. Solange er sehr gut begründet ist und analytisch vorgegangen wird. Da steht dann sicher mehr Text, als bei einer begeisterten Rezension.

 

Vielen Dank an Frau Grubert für das tolle Interview. Es hat Spaß gemacht.


Interview mit Franka Zastrow von der literarischen Agentur Thomas Schlück

Januar 9

Ein ganz tolles Gespräch durfte ich mit Franka Zastrow von der Agentur Schlück führen. Frau Zastrow war zuvor jahrelang bei der Agentur Meller beschäftigt. Die Agentur Schlück ist sehr bekannt und vertritt zahlreiche namenhafte Autoren.

FrankaZastrowWas macht den Reiz aus an dem Beruf Literaturagentin aus, und wie wird man Agentin?
Mein Werdegang war so: Ich habe Englisch und Französisch studiert, eigentlich auf Lehramt. Bücher waren schon immer meine Leidenschaft. Am Ende des Studiums war mit meiner Fächerkombination die Einstellungssituation nicht einfach, und es stellte sich die Frage, ob ich mir auch was anderes vorstellen könnte. Dann habe ich von einem Aufbaustaudiengang erfahren: Buchwissenschaft an der LMU München ­­– ein einjähriger sehr praktisch ausgerichteter Kurs, der von Menschen aus dem Verlagswesen gestaltet und begleitet wurde. Dabei erfuhr ich auch über den Beruf des Agenten, und meine Neugier war geweckt. Ich habe mich dann um ein Praktikum in der Agentur Michael Meller bemüht und hatte das Glück, danach als Agentin dort arbeiten zu können.

Andere Agenten haben andere Laufbahnen, sind vielleicht nach einer Lektorenkarriere  aus einem Verlag ausgestiegen, waren Buchhändler oder Übersetzer mit Kontakten ins Ausland. Unser Firmengründer Thomas Schlück ist von Hause aus  Bankkaufmann, hat sich dann als Übersetzer selbstständig gemacht, und aus den Kontakten zu Autoren, ausländischen und deutschen Verlagen entstand dann vor 40 Jahren die Agentur.  Es gibt also die unterschiedlichsten Wege hin zu unserem Beruf – einen traditionellen Ausbildungsgang gibt es bislang nicht.

Aufgrund ihre langjährigen Erfahrung auch bei der Agentur Meller: Arbeiten Agenturen unterschiedlich?
Im Großen und Ganzen arbeitet man sehr ähnlich. Es gibt hier und da Unterschiede, was aber dann an den Größenverhältnissen oder an den inneren Strukturen der Agentur liegt. Wir haben z.B. eine separate Vertragsabteilung, in anderen Agenturen ist das anders geregelt.

Die grundsätzlichen Arbeitsfelder und Aufgaben wie Autorenbetreuung und Textarbeit sind jedoch gleich. Auch die Agenturvereinbarungen sind meist sehr ähnlich – wie z. B. die Regelung zur Provisionsbeteiligung im Erfolgsfall.

Wie bewältigen Sie  unverlangte Manuskripte?
Als Erstes guckt man natürlich auf die Form. Ein ordentliches Anschreiben, wo mein Name richtig geschrieben wird, ist schon mal wunderbar. Der freundliche, stilistisch einwandfreie Brief ist ein Türöffner. Ein Allerweltsschreiben oder eine Rundmail mag ich nicht. Es ist wie eine Bewerbung bei einem Arbeitgeber. Ein Autor muss sich gut überlegen, wie er in der Welt draußen wahrgenommen werden soll, und auch bei einer Mail müssen gewisse Formalitäten eingehalten werden. Stimmt der erste Eindruck, gucke ich auch immer auf  die Vita oder Bibliografie, und dann springe ich schon zum Exposé.

Das Aussieben findet dann relativ schnell statt. Man hat sich das über die Jahre angeeignet. Wir prüfen auch auf Genretreue. Wenn jemand einen Liebesroman schreiben möchte, soll es das auch sein. Zudem muss mich die Geschichte einfach überzeugen. Da muss eine Stimme, eine Geschichte zu sehen sein. Eine Leseprobe von 50 bis 100 Seiten nehme ich mit nach Hause und lese das auf dem E-book–Reader.

Lesen sie die Probe auch zu Ende oder fällen sie ihr Urteil schon nach den ersten Seiten?
Ich merke schon nach den ersten Seiten, ob mich der Stoff interessiert. Das geht dem Leser im Buchladen sicher nicht anders. Der liest die Rückseite, findet das Cover schön und den Titel interessant. Dann liest er mal rein, und wenn die ersten drei vier Seiten gut sind, springt er vielleicht noch mal ein paar Seiten weiter, und wenn dann noch kein Funke da war, kauft er es nicht. Das ist beim Manuskript ganz genau so. Ich könnte es mir auch zeitlich nicht leisten. Die ersten fünf bis zehn Seiten sind da entscheidend.

Gibt es grundsätzlich eine Standardabsage?
80–90 % der Fälle erhalten von mir eine standardisierte Absage. Wenn man bereits einen längeren telefonischen oder Mail-Kontakt aufgebaut hatte, und ich das Gefühl habe, da ist jemand schon auf dem richtigen Weg oder hat eine tolle Idee, spreche ich auch gelegentlich am Telefon über meine Bewegründe zur Absage. Wenn eine Idee gut ist, aber einfach zu spät, weil es der Markt nicht verlangt, begründe ich das auch, oder ich schreibe in paar Sätze mehr. Es sind Mengen an Einsendungen zu bewältigen, und es ist auch oft bitter, wenn man Absagen verschicken muss. Manchmal entscheide ich aus dem Bauch heraus, ob ich etwas zu einem abgelehnten Manuskript sage.

Ist es sinnig vorher per Mail oder Telefon anzufragen, ob das Thema interessiert?
Das ist unterschiedlich. Ich telefoniere sehr gerne, und da kann ein nettes Telefonat schon hilfreich sein bei der Anbahnung. Das geht zwar nicht immer, gerade im Vormessestress muss ich auf eine Email verweisen. Man tut sich auch manchmal schwer, wenn man einen Anrufer hat, der wirklich minutiös seine gesamte Geschichte erzählen möchte. Natürlich kann ich nicht viel dazu sagen, wenn ich keine Seite gelesen habe. Wünschenswert ist es, wenn Autoren ihre Geschichte in ein paar Sätzen zusammenfassen  können. Ein Tipp für Autoren: Bevor man schreibt, überlegen was man schreiben will. Nicht nachschreiben, aber wissen, in welchen Bereich man sich bewegen möchte. Was würde ich gerne schreiben? Sich das Genre sehr bewusst machen. Sich disziplinieren, was den Inhalt angeht. Das kann man dann auch in vier bis fünf Sätzen wiedergeben wie z.B.: Ich habe einen Frauenroman geschrieben, die Zielgruppe ist 25+, die Heldin ist kurz vor dem 30. Geburtstag, und sie stellt fest, da sind 17 Dinge auf ihrer Liste, die sie bis zum 30. erleben wollte noch unerledigt. Jetzt macht sie sich daran die Liste abzuarbeiten. Mit vielen Höhen und Tiefen, Abenteuer, und dabei läuft  ihr auch noch der richtige Mann über den Weg

Es ist nicht jedermanns Sache, das zusammenzufassen, aber man kann es üben. Und wie bei einem Vorstellungsgespräch, wo man nach seiner Qualifikation gefragt wird, so gilt auch hier:  Was zeichnet diesen Text aus? Was macht ihn besser als andere? Da können Autoren noch sehr viel an sich arbeiten. Ich verstehe eine gewisse Scheu an die Öffentlichkeit zu treten mit seinem ganz eigenen Werk, mit dem man nun zwei Jahre allein zusammen verbracht hat. Aber der Autor hat sich dabei was gedacht und möchte, dass es jemand da draußen lesen soll. Dann muss er sich auch die Mühe machen, die richtige Verpackung drum herum zu finden. Ich lese eine originelle nette Mail lieber als „Sehr geehrte Damen und Herren“. Wenn alles passt, und ich sehe, da ist eine Autorin, die auch kritisch mit sich selbst ist, ist das toll. Es bringt nichts, als Autor zu sagen, der Text ist perfekt und muss genau so vom Verlag gedruckt werden. Es gibt einen Austausch mit mir und dem Lektor, dessen muss man sich bewusst sein. Es braucht schon Selbstbewusstsein aber auch Kritikfähigkeit. Der Autor soll wissen: Die Agentin kann mir helfen da draußen wahrgenommen zu werden und hat auch dementsprechende Erfahrung, und deshalb höre ich auf sie, und helfe mit, da draußen meinen Weg zu finden.

Bei erfolgreichem Vertrag: Was passiert mit dem Manuskript bevor es an den Verlag geht?
Das kommt darauf an, in welchem Stadium das Manuskript bei uns ankommt. Ist da nur Idee und Leseprobe, ist es der Erstling oder wurde schon veröffentlicht? Hier durchlaufen wir mit dem Autor unterschiedliche Arbeitsphasen. Manchmal fängt man auch bei der Form an, und zeigt dem Autor, wie er den Text besser formatieren kann.

Wenn in meinen Augen ein Text vorzeigbar ist, dann schlage ich diesen Lektoren am Telefon, bei persönlichen Gesprächen oder per E-mail vor. Dabei lege ich großen Wert darauf, den Text und seinen Autor aussagekräftig vorzustellen, und ich begründe auch meist, warum ich denke, dass es bei dem bestimmten Verlag gut passt.

Dann fängt natürlich das Warten an, aber wir haken auch schon mal nach, um den Autoren Feedback zu geben. Wer hat schon abgesagt, von wem können wir bald eine Antwort erwarten und wer hat es noch nicht gelesen.

Haben sie auch schon mal ein Manuskript abgelehnt, was bei einem Verlag dann doch ein „dicker Fisch“ wurde?
Ein „dicker Fisch“ nicht, aber eine „Kaulquappe“. Mir ist auch schon passiert, dass ich eine Autorin während meiner Zeit bei Meller abgelehnt habe, die dann bei Schlück angenommen wurde. Jetzt sind wir wieder in einer Familie. Aber ich bereue meine Entscheidungen nicht. Es gab immer Gründe dafür, die waren zu einem bestimmten Zeitpunkt berechtigt. Das geht wohl jedem Agenten so.

Ich habe es mit einem Sachbuch erlebt, was ich spannend fand, aber schwierig zu vermitteln, und ich habe es abgelehnt. Als ich dann eines Abends „Titel, Themen, Temperamente“ mit meinem Mann geschaut habe, hielt der Moderator plötzlich dieses Buch in die Kamera. Da denkt man schon: „Oh ne, das hab ich abgelehnt!“

Es ist sicher auch Geschmackssache!
Ja, das ist es, und wenn Sie eine Absage bekommen, heißt das nicht, dass ein anderer Lektor/Agent das Manuskript nicht gut findet. Es ist wie mit einem Film im Kino: Sie selbst finden ihn total gut, und ihr Freund findet ihn schlecht. Die Meinung ist oft subjektiv. Eine eigene Lesefreude ist schon Voraussetzung. Gepaart mit dem Blick auf den Markt lässt sich so der Text einschätzen. Selbst wenn ich einen Roman schön finde, muss ich ihn verkaufen können, und wenn da ein Genre bedient wird, was gerade nicht so gut geht, hilft alles nichts.

Lohnt es sich dann, zu einem späteren Zeitpunkt sich mit seinem Manuskript noch mal zu bewerben? Erinnert man sich als Agent überhaupt an jede Einsendung?
Schon. Das kommt aber von Fall zu Fall darauf an. Manche Autoren fragen, ob sie noch mal überarbeiten können. Es lohnt sich auch immer mehrere Agenturen gleichzeitig anzusprechen, wobei man das natürlich erwähnen sollte, dass man sich auch anderweitig bewirbt. Das ist vollkommen legitim, denn so eine Prüfung dauert ja meist  mehrere Wochen. Falls sich der Autor in der Zwischenzeit für eine andere Agentur entschieden hat, möchten wir das allerdings gerne wissen, damit wir nicht unnötig Zeit investieren.

Sollte man ein Foto beifügen?
Ich finde das immer nett, aber es beeinflusst mich nicht Es ist einfach eine schöne Ergänzung.

Wo geht der Trend hin? Wie planen Sie?
Wir planen zwei – drei Jahre im Voraus und kennen die Verkaufszahlen unserer Autoren. Man überlegt gemeinsam, wo die Reise hingeht. Natürlich sind wir darauf bedacht, den Autor langfristig weiterhin zu vermitteln. Spannung wird immer gesucht. Im Jugendbuchbereich wird es wieder realistischer. Im Frauengenre erotischer. Es ist schwer, in die Zukunft zu schauen. Man guckt schon, was läuft momentan gut und was ist ausgereizt. Wir schlagen unseren Autoren auch Richtungen vor, spüren nach, wo seine Talente liegen Dabei soll er nicht verbogen werden, er muss sich schon damit wohlfühlen.

Es scheint ein hartes Geschäft zu sein.
Es ist schwierig, aber eine wunderbare Aufgabe. Ein Hobby und eine Leidenschaft – das Lesen und die Bücher. Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen. Es ist immer wieder spannend zu erleben, wie aus einer kleinen Idee, die man vielleicht mitentwickelt hat, ein Buch wird, das dann in der Buchhandlung liegt.

Vielen Dank für dieses tolle Interview und die Zeit, die Sie sich genommen haben Frau Zastrow.

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