Aisling Breith lesen, schreiben, hören

Liberty Bell – Das Mädchen aus den Wäldern

Oktober 6


Autor: Johanna Rosen

Erscheinungsdatum: 01. Juni 2013

ISBN-13: 978-3401068046

Verlag: Arena

Gebundene Ausgabe: 375 Seiten

Klappentext:

 

Die Geschichte von Libery Bell und Ernesto wurde uns auf der Leipziger Buchmesse im März von Arena vorgestellt und hat mich neugierig gemacht. Das Buch wurde von einer der renommiertesten, deutschen Autorinnen unter Pseudonym geschrieben, die mit diesem Roman ein neues Genre ausprobieren möchte.

Es ging mal nicht um eine dieser fantastisch angehauchten Liebesgeschichten, wie man sie in den letzten Monaten zuhauf gelesen und gesehen hat. Sondern sie spiegelt den neuen Trend von sogenannten „Contemporary“-Texten (realen Geschichten) wieder. Ich habe mich also auf eine reale Geschichte mit zarter Liebe eingestellt. Umso überraschter war ich über die Wendungen des Buches.

Erster Satz: Eine frühsommerliche Hitze lag über der Stadt.

VN:R_U [1.9.22_1171]
Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
Rating: 4.3/6 (1 vote cast)

Idee: Wenn man den Klappentext und auch die Zusammenfassung vom Einband liest, erwartet man eine ‚zarte Liebesgeschichte‘ zwischen einem Jungen und einem Mädchen, das fernab von Zivilisation aufgewachsen ist. Alleine diese Idee bietet genug Stoff und Spannung, um damit einen Jugendroman zu füllen. Aber daraus einen Thriller zu stricken, der an Verwirrungen und Verstrickungen nur so strotz, macht das Ganze noch mal eine Nummer interessanter, vielschichtiger und tiefer.

Als uns Arena den Text im März vorstellte, dachte ich in der ersten Sekunde an den Film „Nell“ bei dem ebenfalls ein Mädchen in den Wäldern gefunden und in die Zivilisation gebracht wird. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das vielleicht ein kleines Bisschen als Ideengrundstein der Autorin gedient hat.

Achtung:Spoiler Aufklappen

Direkt zu Beginn der Geschichte, noch bevor Kapitel Eins anfängt, liest man zwei Rückblenden von verschiedenen Situationen an unterschiedlichen Orten. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte bringt die Autorin diese Rückblenden, die jeweils nicht aus Sicht vom Erzähler, sondern entweder aus der Sicht des Täters oder des Opfers erzählt werden. Diese Rückblenden sind sehr „entrückt“ erzählt, sodass man am Anfang gar nicht recht versteht, was diese Rückblende zu bedeuten hat. Erst am Ende der jeweiligen Szene wird einem (meist mit nur einem Satz) klar, was da gerade passiert ist.

Plot: Ernesto und seine Freunde fahren in den Wald, um ein Mädchen, was einer der Jungs durch Zufall „entdeckt“ und beim Nacktbaden gefilmt hat, zu suchen. Sie finden sie, verschwinden aber wieder, als sie sehen, wie es eine Art Bisamratte tötet und häutet.

Ernesto kann das Mädchen aus dem Wald aber nicht vergessen und fährt ein zweites Mal hin. Dort angekommen findet er nicht nur Liberty Bell, sondern auch einen seiner Kumpels (Jaden) mit seinem Cousin, die sie in die Ecke drängen und dabei filmen. Es kommt zu einem Unfall, bei dem Liberty Bell den Cousin schwer verletzt und flüchtet. Nachdem Ernesto die Nacht bei ihr im Wald verbracht hat, um es nicht alleine zu lassen, werden sie „Dank“ des verletzten Cousins gefunden. Liberty Bell wird in das örtliche Krankenhaus gebracht und unterliegt fortan ständiger Überwachung. Kaum ist das Mädchen in der Stadt, geschieht ein blutrünstiger Mord an einem alten Mann. Kurz darauf stirbt Ernestos Kumpel Jaden bei einem Unfall…

Und plötzlich steht man mit beiden Beinen in einem waschechten Thriller, bei dem man sich immer wieder fragt, welcher der braven Bürger des Städtchens ist nun der Mörder beziehungsweise Täter.

Mit der Erwartung einer zarten Liebesgeschichte bin ich in das Buch gestartet, die man auch im Grunde bekommt, aber dazu noch eine Hintergrundgeschichte, die verworrener nicht sein kann. Im Laufe des Buches nimmt der Fokus auf die Liebesgeschichte zwischen Liberty Bell und Ernesto immer mehr ab, um viel mehr auf den Grund, Warum sich Liberty Bell überhaupt im Wald aufgehalten hat, zu schwenken.

Im ersten Moment war ich enttäuscht, aber dann wollte ich wissen, warum plötzlich Charaktere starben, die offensichtlich nicht in näherer Verbindung mit der Hauptprotagonistin standen.

Und alles lässt sich auf die beiden Rückblenden zu Beginn des Buches zurückführen.

Achtung:Spoiler Aufklappen

Rückblenden zu Beginn des Buches: Die hingebungsvollen, verliebten Gedanken eines pädophilen Vergewaltigers (wie allerdings erst am Ende der Rückblende klar wird) und die rauschartigen Gedanken einer Frau, die neben einem Kind liegt, das stirbt (was ebenfalls erst am Ende der Rückblende klar wird).

Schreibstil: Erzählt wird aus der Sicht von Ernesto, mal etwas anderes (und Erfrischendes), als immer nur aus der Sicht einer starken Heldin zu lesen. D.h. Liberty Bell lernt man nur durch Ernestos Erzählungen kennen und man befindet sich (fast ausschließlich) im Kopf des Helden. Ich brauchte eine ganze Weile, bis ich mich in die Geschichte eingefunden hatte. Vor allem die Dialoge sind sehr umgangssprachlich geschrieben, sodass ich einige Sätze doppelt lesen musste. Die einzige Erklärung, die ich mir selbst dafür geben kann, ist die, dass aus der Sicht des männlichen Protagonisten erzählt wird, und Jungs immer anders ‚erzählen‘ (cooler, selbstsicherer usw.) als Mädchen. Das ist mir damals auch schon in ‚Unschuld‘ von Usch Luhn aufgefallen, da war auch aus der Sicht des männlichen Protagonisten erzählt. Ich finde diese Art der „Sprache“ immer sehr schwierig, denn es verlangsamt den Lesefluss und ermüdet. Ich mag eine flüssige Schreibe, die sich gut runterlesen lässt, ohne ins Stocken zu geraten. Aber vielleicht braucht man gerade diese, um die Jugendlichen zuerreichen – um anzudocken.

Charaktere: Die Autorin schmeißt Charakter um Charakter in die Geschichte, dass ich von Anfang an den Überblick verloren habe. Selbst jetzt, beim anschließenden Resümee, kann ich nicht mehr sagen, wer alles dabei war, und welche Rolle der oder diejenige gespielt hat (oder ob er oder sie überhaupt eine Rolle hatte). Ich gehe sogar soweit zu behaupten, ein oder zwei Charaktere weniger, hätten der ganzen Geschichte keinen Abbruch getan und würden den Leser nicht so überfordern. Leider führt genau diese Charaktervielfalt dazu, dass sämtliche Nebencharaktere sehr blass erscheinen und sich nicht (außer durch Namen) voneinander unterscheiden. Was bei mir zum Schluss dazu geführt hat, dass es mir „egal“ war, wer da gerade gesprochen hat, weil ich sie sowieso nicht auseinanderhalten konnte.

Achtung:Spoiler Aufklappen

Zum Beispiel hat Ernesto 5 Freunde. Ronan, Salvadors, Jaden, Darayavahush und Mose. Für mich gefühlte zwei Jungs zu viel. Dazu nochmal fünf Mädchen (die aber erst im späteren Verlauf der Geschichte dazukommen und nur eine (Sally) einen wirklichen Teil zur Geschichte beiträgt.

Zu der ganzen Charaktervielfalt kommen dann noch die verschiedenen Orte hinzu. Es gibt zwei Restaurants/Bars, ein Krankenhaus, diverse Jungenzimmer, Häuser und andere Schauplätze, bei denen man aber soweit gut mitkam.

Ernesto, der Hauptprotagonist, ist siebzehn und einziger Sohn des plastischen (halb querschnittsgelähmten) Chirurgen des Ortes. Er hat die Schule fast beendet und soll ab dem Herbst (wie nicht anders zu erwarten) Medizin studieren. Auch jetzt im Nachhinein kann ich nicht wirklich sagen, wie Ernesto „ist“. Sobald es aber um Liberty Bell geht, kämpft er für sie und will sie beschützen. Er fühlt sich für sie verantwortlich, was ihn sehr sympathisch macht.

Liberty Bell ist das Mädchen aus dem Wald. Man lernt sie nur durch ihre Reaktionen und das, was Ernesto über sie denkt, kennen. Das machte es mir als Leserin sehr schwer, mich mit ihr zu identifizieren oder sie „zu verstehen“. Sie ist mutig und entschlossen und lässt sich nicht kleinkriegen. Etwas, was ich sehr an ihr mochte.

Achtung:Spoiler Aufklappen

Ich fand Liberty Bells Eingewöhnung in die neue Umgebung zu schnell. Sie wird vom Wald in die Zivilisation gebracht und bereits wenige Tage später fährt sie Auto und nimmt alles als „selbstverständlich“ hin. Sie stellt zwar Fragen, und ist neugierig, aber stellenweise fand ich das zu wenig. Auch fand ich es seltsam, dass sie Ernesto gegenüber nicht scheuer gewesen ist. Schließlich hat ihre Mutter ihr beigebracht, das Männer „böse“ sind.

Auch Ernestos Einstellung gegenüber seiner Familie finde ich seltsam. Es wird war alles als kühl und unterkühlt bezeichnet, aber als Sohn (mega)reicher Eltern sollte er entweder eine richtige ‚Scheissegal‘-Einstellung haben, oder etwas mehr Interesse zeigen, zumal er sich nicht als der widerspenstige, aufsässige reiche Chirurgensohn darstellt, dem langweilig ist und der nicht weiß, was er mit seiner Freizeit anstellen soll. Stattdessen wird nur berichtet, dass er selten mit seinem Vater spricht (weil er viel arbeitet) und noch weniger mit seiner Mutter. Das ist in meinen Augen ein wenig dünn.

Über den Antagonisten will ich nichts schreiben, denn wenn ich das täte, müsste ich nur spoilern und das würde doch ziemlich viel der Spannung rausnehmen. Nur so viel: Bis zum Schluss ist nicht klar, wer der Täter ist.

Hintergrund: Ich mag gut durchdachte, stimmige Geschichten und Hintergründe.

Achtung:Spoiler Aufklappen

Ein pädophiler Kinderschänder in Oregon, der sich an einem zehnjährigen Mädchen vergehen will. Eine Frau in Kalifornien, die sich in einem Rausch befindet und nicht mitbekommt, dass neben ihr ein Kind stirbt.

Zwei Situationen, die unterschiedlicher nicht sein können und doch unmittelbar miteinander verknüpft sind. 21 Jahre später wird in Oregon ein 17-jähriges junges Mädchen im Wald gefunden und in die Zivilisation gebracht. Was folgt, ist ein toter Vietnamveteran, der auf den ersten Blick so gar nichts mit dem Ereignis zu tun hat. Erst langsam, Schritt für Schritt wird klar, was damals ,1991, wirklich passiert ist.

Ganz ehrlich: Thriller sind nicht mein Genre.

Genauso wie bei Filmen, mag ich „Hollywood“-Geschichten, die einfach „schön“ sind und mich mit einem Lächeln das Buch am Ende weglegen lassen. Bei Thrillern habe ich nicht dieses Gefühl, eher das Gegenteil ist der Fall. Bei Thrillern wird man mit „kranken Köpfen“ konfrontiert, die es durchaus auch in der Realität geben kann. Ich frage mich auch immer wieder, wie man sich als Autor eine solche Geschichte einfallen lassen kann, denn gerade bei Thrillern steht und fällt die Geschichte mit einem „perfekt bösen“ Antagonisten. Und weil ich einfach die heile, schöne Welt mag, gibts bei mir auch selten so „perfekt böse“ Charaktere.

In dieser Geschichte haben wir einen „perfekt bösen“ Antagonist, der mir einen Schauer nach dem Nächsten über den Rücken laufen lässt. Das macht einen guten Thriller aus – das macht ‚Liberty Bell – Das Mädchen aus dem Wald‘ aus.

Achtung:Spoiler Aufklappen

Ich habe mich jedoch gefragt, warum die Autorin die Geschichte in den USA spielen lässt. Bei den vielen Interviews, die wir geführt haben, war heraus zuhören, dass das Setting zur Geschichte passen muss. Und was spricht dagegen, ein kleines verschlafenes Nest irgendwo im Schwarzwald oder in Bayern zu nehmen? Oder ist es deshalb USA geworden, weil das soweit weg liegt und so die Realität von Deutschland fernhält? – Frei nach dem Motto – bei uns in Deutschland gib es so was nicht.

Außerdem sind für mich einige Fragen nicht gelöst worden. Wie ist Libby zu Annie gekommen? Wo hat sich Ruby all die Jahre aufgehalten? Was genau hatte Flavio mit allem zu tun? Es wird zwar klar, warum der Antagonist tut was er tut, aber auch hier ist mir die ein oder andere Verstrickung zu viel eingebaut.  

Fazit: Ein absolutes Überraschungsei. Es täuscht durch einen plätschernden Anfang, um dann mit einem blutigen und spannenden Ende zu enden. Dazwischen gibt es, viel Spannung, ganz viel Rätsel, eine Menge Blut und eine zarte Liebe.

Wer also nach einer rosa-roten Liebesgeschichte sucht, sollte einen großen Bogen um ‚Liberty Bell‘ machen, denn das ist nichts für das schwache, liebesgeschichtenhungrige Mädchen (oder auch Jungen). ‚Libery Bell – Das Mädchen aus den Wäldern‘ ist ein Jugendthriller mit ganz vielen kaputten Charakteren und einem (in meinen Augen) ziemlich pervers, kranken Antagonisten.

VN:R_U [1.9.22_1171]
Bewertung
Rating: 4.0/6 (1 vote cast)
VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0 (from 0 votes)
Abonnieren Sie Aisling Breith per E-Mail

Das Buch aus Blut und Schatten

August 3



Autor:
Robin Wasserman

Originaltitel: Book of blood and shadow

Übersetzer: Bea Reiter

Erscheinungsdatum: 1. Juni 2013

ISBN-13: 978-3401068114

Verlag: Arena

Gebundene Ausgabe: 537 Seiten

Klappentext:

 

Frau Kern vom Arena Verlag hat mir „Das Buch aus Blut und Schatten“ auf der Messe vorgestellt und ich fand es sofort interessant. Verschiedene Charaktere, ein Buch, eine geheime Gesellschaft … Ja, das ist der Stoff, der mich durchaus angezogen hat. Dennoch wird dies für mich eine schwere Rezension, denn so richtig hat mich das Buch nicht überzeugt, obwohl es gut ist.  Ja, richtig gelesen, denn ich glaube einfach, das Thriller nicht mein Genre ist.

Erster Satz: Wahrscheinlich sollte ich mit dem Blut anfangen.

VN:R_U [1.9.22_1171]
Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
Rating: 4.3/6 (1 vote cast)

Idee: Ein altes geheimnisvolles Buch, alte lateinische Briefe und die Jagt hinter einem historischen Geheimnis, gepaart mit ein paar Jugendlichen hört sich nach Abenteuer an. Die Idee ist sicher nicht neu, aber trotzdem ansprechend.

Plot: Alles fängt mit dem Prolog an, der im Grunde das Ende des ersten Buchteils darstellt. Das Buch ist in mehrere Teile unterteilt, die in sich auch immer einen Abschnitt der Handlung abschließen. Da ist z. B. der Teil, der nur in Prag spielt. Diese Aufteilung fand ich total gut und hat mir klasse gefallen. Besonders waren die Briefe von Elizabeth, die Nora übersetzt hat. Man musste sich daran erst an die alte Ausdrucksweise gewöhnen, aber dann gestaltete es sich ganz gut. Auch wenn ich zugeben muss, dass die Länge der Briefe mich zum Schluss hin genervt hat. Insgesamt ein logisch aufgebauter Plot, allerdings kamen für mich keine Szenen total überraschend daher. Thriller lese ich eigentlich nicht, gucke aber ziemlich gern solche Filme. Wenn ich den Fortgang der Geschichte also im Ganzen betrachte, finde ich den Aufbau recht typisch. Mir hat mehr Spannung gefehlt, denn manche Dinge waren für mich  zu vorhersehbar und es gab Stellen in der Erzählung, die mich von der Länge gestört haben. Es hat eben nicht dieses Gefühl eingesetzt, bei dem ich unbedingt weiterlesen möchte.

Schreibstil: Erzählt wird als Ich-Erzähler Noras, im Präteritum. Die Briefe aus Elizabeths Sicht sind dazwischen natürlich eine Abwechslung. Im Allgemeinen kein schlechter Stil. Die Dialoge sind teils witzig und stachen für mich besonders hervor. Was ich nicht so gern mochte, waren die Beschreibungen der Umgebung zwischendurch. Was andere Leser mögen, bringt mich oft zu sehr aus dem Fluss. Mir war es schlichtweg zu detailreich.

Charaktere: Ich mag Bücher, in denen mehrere Charaktere nahezu einen gleichen Stellenwert und Präsenz einnehmen. Sicher sticht Nora durch die Ich-Perspektive  und ihrer wachsenden besonderen Beziehung zu der toten Elizabeth heraus. Sehr mochte ich auch die Beziehung zwischen Nora, ihrem besten Freund Chris und dessen Freundin Adriane. Ein etwas ungewöhnliches Trio, dessen Entstehung und Zusammenhang die Autorin jedoch sehr intensiv darstellt. Max, Noras späteren Freund habe ich als Nerd empfunden. Bei ihm fehlte mir etwas der Tiefgang, obwohl er eine wichtige Rolle spielt, blieb er für unnahbar. Das ist zwar sicher so gewollt, hat mich aber zu sehr von dem Charakter entfernen lassen und so konnte ich Noras tiefe Gefühle für ihn nicht wirklich empfinden. Eli, der plötzlich auftaucht und als Chris Cousin mit auf die Suche nach dem Geheimnis geht, ist interessant. Mir war recht schnell seine Rolle klar, aber das wird nicht jedem Leser so gehen.

Die Figuren wirken bewusst gewählt mit ihren Eigenschaften und ihre Zusammenstellung bleibt etwas konstruiert, obwohl die Autorin es geschafft hat sie natürlich miteinander agieren zu lassen. Dennoch: Nora ist eben das Mädchen mit dem toten Bruder, bei dem man Mitleid hat und das man beschützen möchte. Chris ist der nach außen hin lebenslustige Typ, für den ein Mädchen als bester Freund ganz normal ist. Adriane ist der besondere Mensch, der auch als Freundin von Nora natürlich die gegenseitige Position einnimmt. Sie vollführt lieber Yogaübungen und bringt sich nur Nora und Max zuliebe in Schwierigkeiten. Max, der Nerd, dem man die Beziehung zu Nora eigentlich nicht vermuten lässt. Eli, der undurchsichtige tschechischstämmige Amerikaner, der natürlich die Sprache beherrscht und somit unverzichtbar für den Aufenthalt in Prag ist.

Hintergrund: Ich war nie in Prag und fühlte mich zeitweise von den ganzen Beschreibungen erschlagen. Somit ist mir dieser Part des Buches auch am meisten in Erinnerung geblieben. Ich kann den Hintergrund nicht schlecht bewerten, denn  die Autorin hat ihre Hausaufgaben gemacht. Mir persönlich war es aber zu viel. Ein wenig hatte ich das Gefühl von Reiseführer.

Die Idee, das wirklich existierende Voinich-Manuskript als Grundlage zu nehmen finde ich gut.

Die Autorin hat sich viel Mühe gemacht, so scheint es mir, ihre sämtlichen Charakternotizen und Hintergründe in den Text einzubinden. Für meine Begriffe zu viel des Guten, aber das ist meine persönliche Meinung. Im Grunde ist es nur gut, dass sich so viele Gedanken zu den Charakteren gemacht werden, aber manches hätte Autorenwissen bleiben können.

Fazit: Thriller ist, was lesen anbelangt, einfach nicht mein Ding. Mir hat die Idee wirklich gut gefallen und ich habe mich sehr auf das Buch gefreut, aber ich hätte die Geschichte viel lieber verfilmt gesehen. Leider war mir durch die vielen Erzählungen Noras und die teilweise recht langen Übersetzungen der Briefe etwas der Lesespaß gehemmt. Was noch (im wahrsten Sinne des Wortes) dazu kommt: die Ausmaße dieses Buches. Arena ist für hochwertig aufgemachte Bücher bekannt, aber diese ca. 550 Seiten dickes Papier und die schweren Buchdeckel muten an, unverwüstbar zu sein. Ich wage zu behaupten, dass meine Armmuskeln etwas zugenommen haben.

Die Auflösung am Schluss hat mich etwas unbefriedigt zurückgelassen und im Endeffekt hab ich immer noch keine Ahnung was das Lumen Dei ist, dem alle hinterhergejagt haben. Das Buch war nicht schlecht, eine interessante Story, die zu einem Film taugt, aber eben nicht meins.

Für alle, die Prag lieben, sterbende Charaktere gut finden und Geschichte mögen, die detailreich erzählt werden.

 

VN:R_U [1.9.22_1171]
Bewertung
Rating: 4.0/6 (1 vote cast)
VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0 (from 0 votes)
Abonnieren Sie Aisling Breith per E-Mail

Interview mit Daniela Kern vom Arena Verlag

Mai 18

arena-entdecken_blau_gerade_Logo

Bei Arena hatten wir Zeit in Ruhe im »Hinterzimmer« mit Daniela Kern zu sprechen, die bei Arena für den Online-Bereich verantwortlich ist. Dieses Interview haben wir im Oktober 2012 auf der messe in Frankfurt geführt.

Wie viel Neuerscheinungen hat Arena im Jahr?
Zwischen vier- und fünfhundert. Ein Halbjahreskatalog umfasst ungefähr 250 Titel. Dies umfasst alle Bereich von Büchern für Kleinkinder über Erstleser, Kinderbücher, Jugendbücher und das Taschenbuchprogramm.

Wie hoch ist bei Arena die Auflagenhöhe?
Das kann man pauschal nicht sagen. Es sind immer Einzelfallentscheidungen. Sie resultieren aus der Abwägung, in welchem Zeitraum man mit welcher Nachfrage rechnet. Weder sollen zu viele Bücher zu lange im Lager liegen noch möchte man nach sehr kurzer Zeit nachdrucken müssen.

Bei Reihen, wie z. B. die Edelstein-Trilogie, wird man, sofern der erste Teil gut läuft, den zweiten Teil gleich höher auflegen. Bei Debütautoren sind die Zahlen geringer. 5000 ist keine riesige Auflage, aber schon ganz gut. Man muss eben auch abwägen, was man sich von einem Titel verspricht, um die Höhe festzulegen.

Was glaubt ihr passiert, wenn »Rubinrot« jetzt im Kino anläuft?
Es wird natürlich entsprechende Ausgaben mit Filmcover geben und auch einen Fotoband. So spricht man auch noch mal eine andere Zielgruppe an.

Wie groß sind die Chancen als neuer deutscher Autor bei euch aufgebaut werden?
Die Lektoren sind sehr interessiert an neuen Gesichtern und neuen Namen. Das spiegelt sich vor allem in der Arena Thriller Reihe wieder. Dafür werden immer wieder Autoren angesprochen, die bereits im Erwachsenengenre erfolgreich sind, ob sie ein Jugendbuch schreiben möchten. In der Reihe gibt es keine Lizenztitel, sie wird ausschließlich von deutschen Autoren geschrieben.

Wir sprechen viele Autoren an, aber es passiert auch, dass wir unter den unverlangten Manuskript-Einsendungen jemanden finden.

Arena_VerlagsgebäudeWie wird bei Arena aus dem Stapel unaufgeforderter Manuskripte ausgesiebt?
Man muss sich das so vorstellen: Es gibt ein Regal, in dem alle Einsendungen liegen. Die Lektoren schauen immer wieder durch, wenn es der normale Arbeitsablauf erlaubt und sichten die Einsendungen.

Wie lange dauert die Bearbeitung im Schnitt?
Ein gutes halbes Jahr.

Wie wichtig sind Agenturen?
Was über Agenturen kommt, lässt schon auf gut vorsortierten Stoff schließen. Meist wissen die, was für uns interessant ist und es nimmt natürlich einen großen Teil an Arbeit ab.

Arbeitet ihr immer mit den gleichen Agenturen?
Meistens. Es gibt Agenturen, die speziell im Kinder- und Jugendbuchbereich tätig sind. Da sind die versierten Agenturen, mit denen wir schon länger arbeiten, natürlich kommen aber auch neue Agenturen dazu.

Wie kann man sich die Programmplanung vorstellen?
Es gibt zwei Programmbereiche im Verlag mit jeweils einer Leiterin. Die sitzen tatsächlich mit dem Verleger zusammen und diskutieren, was als nächstes ins Programm kommt.

Wie viel Zeit vergeht, bis ein Buch herauskommt? Wie viel Zeit bekommt ein Autor?
Sobald ein Buch in einem Programm eingeplant ist, gibt es einen Abgabetermin für das Manuskript. Wenn ein Autor ein Manuskript abgibt, stehen 5 – 6 Lektoratsdurchgänge an. Danach geht es erst in die Korrektur an zwei Korrektoren. Dann erst kommt der Druck.

Wie steht ihr zu Reihen?
Ich höre immer wieder, dass es nicht noch eine Reihe geben muss, aber es gibt auch die Leser, die sich wundern, wenn etwas nicht fortgesetzt wird. Wir versuchen eine gesunde Mischung hinzubekommen.

Wie ist das mit Illustratoren und Übersetzern? Sind die angestellt?
Das sind Freiberufler, wobei wir auch hier schon mit manchen länger zusammenarbeiten und manche neu dazu kommen.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Blogs?
Wir gucken uns jeden Blog lange an. Für mich ist wichtig, dass die Rezensionen reflektiert sind. Ich ärgere mich über Rezensionen, in denen der Schritt fehlt, weiter zu denken: Warum hat mir der Protagonist nicht gefallen? Warum fand ich dieses und jenes nicht gut. Auch muss geguckt werden, wie das Buch zum Leser passt. Wenn ich als 25-Jährige schreibe, dass ein Thriller ab zwölf mich nicht packt, heißt das nicht, dass es nichts für Zwölfjährige ist. Mich ärgert, wenn man so weit nicht denkt.

Auch wenn einem ein Buch nicht gefallen hat, muss diese Meinung nachvollziehbar dargestellt sein. Man sollte immer Respekt vor der Arbeit des Autors haben und jedem Buch seine Leserschaft zugestehen. Ich finde es schade, ein Buch als „nicht empfehlenswert“ abzustempeln, nur weil es nicht zu einem gepasst hat.. Es ist besser herauszustellen, für welche Zielgruppe es zu empfehlen ist, denn ich denke, jedes Buch hat seinen Leser. So differenziert würde ich mir die Rezensionen wünschen. Es gibt auch viele Blogs, die das so handhaben.

Werden Blogs auch mal aus dem Verteiler entfernt, wenn die Zusammenarbeit hakt?
Das ist bisher noch nicht passiert.

Ist es schon passiert, dass Leseexemplare von Bloggern nicht rezensiert wurden?
Das kommt vor, aber es passiert selten.

Sollten die Rezensionen in einem bestimmten Zeitrahmen erscheinen?
Es kommt alle halbe Jahre ein neues Programm heraus. Wenn die Rezension innerhalb von zwei bis drei Monaten des aktuellen Programms erscheint, ist das in Ordnung. In dem Zeitraum sind die Bücher aktuell. Ich habe aber auch nichts dagegen, wenn mal ein Titel aus der Backlist besprochen wird.

Vielen Dank für das tolle Interview.

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung
Rating: 6.0/6 (2 votes cast)
VN:F [1.9.22_1171]
Rating: +1 (from 1 vote)
Abonnieren Sie Aisling Breith per E-Mail

Fairy Tale – Verliebt in einen Elf

Dezember 13



Autor:
Cyn Balog

Originaltitel: Fairy Tale

Übersetzer: Hans Link

Erscheinungsdatum: Januar 2012

ISBN-13: 978-3401503769

Verlag: Arena

Broschiert: 278 Seiten

Klappentext:

 

Ich finde das Cover wunderschön und vom Klappentext habe ich mir eine locker leichte Teenieromanze versprochen, die ich dann auch bekam. Mit nur 278 Seiten bot sich das Buch auch gut an als Abwechslung zwischen den ganzen Dystopien und Endzeitromanen, die ich im Regal stehen habe.

Morgan steht kurz vor ihrem „Sweet sixteen“–Geburtstag. Sie ist überglücklich und schon eine halbe Ewigkeit mit Cam zusammen, dem heißen Typen, der für sein Leben gern Football spielt. Doch plötzlich interessiert er sich nicht mehr für die bevorstehende Party und macht sich rar. Zeitgleich taucht ein Neuer an der Schule auf, der sich nach und nach vom uncoolen Schluffi zum begehrten Teenager entwickelt. Pip verbringt viel Zeit mit Morgan und wohnt in Cams Haus. Morgan fällt aus allen Wolken als sie die Zusammenhänge erfährt und will mit aller Kraft verhindern das Cam, der sich als angehender Elfenkönig entpuppt, ihr genommen wird. Gleichzeitig empfindet sie plötzlich etwas für Pip, was ihr gar nicht in den Kram passt. Wird sie ihre große Liebe Cam halten? Und wie geht sie mit dem rosa Klecks um, der neuerdings ständig um Cam herumschwirrt?
Erster Satz: Die meisten finden mich unheimlich.

VN:R_U [1.9.22_1171]
Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
Rating: 4.1/6 (1 vote cast)

Idee: Die Idee ist nett und gefällt mir, aber ich bin kein Fan von Dreiecksbeziehungen, und das schmälert leider beine Begeisterung.

Plot: Die Geschichte startet gemächlich und stellt dem Leser erst mal die Protagonisten und deren Alltag vor. Der ist, durch Morgans Fähigkeit in die Zukunft zu sehen, etwas unkonventionell, verleiht dem Ganzen aber auch eine spannende Note. Ich empfand den Plot jedoch als sehr vorhersehbar. Viel zu früh war mir das Ende klar. Das muss nicht jedem so gehen, denn ich habe oft ein Gespür dafür, wie eine Geschichte ausgeht. Für andere Leser kann der Ablauf der Ereignisse sicher als interessant gelten und eine Überraschung bereithalten.

Schreibstil:
Erzählt wird als Icherzähler aus Morgans Sicht im Präsens. Gut gewählt, da es Raum für die Schlussfolgerungen der Hauptprotagonistin lässt. Zudem ist der Stil spritzig, frisch und frech, was ich sehr mochte. Leider verliert sich die Autorin im Fortgang der Geschichte etwas. Es gibt Wiederholungen und zu lange Ausschweifungen. Sicher hätte man gut und günstig einiges Kürzen können, ohne der Story zu schaden.

Charaktere: Morgan ist ein richtiges Mädchen, dessen Welt aus Highschool, Freund und Mädchenkram besteht. Dazu die Fähigkeit des Hellsehens, die ihr einen gewissen Beliebtheitsstatus verleiht. Sie liebt ihre Familie und ihren Freund, steht für sie ein und will vor allem Cam ganz und gar nicht verlieren. Seit Kindertagen sind sie miteinander befreundet und nichts kann sie trennen. Cam ist zwar der Star des Footballteams aber er gibt nicht damit an, sondern ist eher der ruhige und liebevolle Freund für Morgan. Er findet sich mit der Situation ab, auch mit der körperlichen Veräderung, die damit einhergeht. Pip ist mir zu selbstlos geraten. Zu glatt. Kein Typ, für den ich mein Herz erwärmen konnte, leider. Ich konnte auch nicht nachvollziehen, warum Morgan für ihn Gefühle entwickelt.

Mein Highlight war als Nebenfigur Morgans sizilianische Mutter. Sie erfüllt das Klischee, ist dabei aber einfach nur genial.

Hintergrund:
Sehr gut stellt Cyn Balog die ganze Highschool– und Teenagersituation dar. Teils etwas überspitzt, aber mit viel Charme. Es gab Dinge, die mich etwas gestört haben. Morgans Fähigkeit des Hellsehens wird nicht wirklich begründet, und auch wenn sie für den Plot von Nutzen war, hätte man sie meiner Meinung nicht wirklich gebraucht für die schlussendliche Auflösung des Konflikts. Die körperliche Veräderung von Cam, die kein Mensch außer Morgan sehen kann, finde ich von der Idee gut. Es hapert jedoch in der Umsetzung. Wenn Morgan sich irgendwann zur Umarmung herunterbeugen muss, sollte das doch anderen auffallen, meine ich.

Fazit: Die Idee hat so viel Potenzial, was man noch mehr hätte nutzen können, vor allem, weil die Autorin so einen amüsant frechen Stil aufweist. Als lustig lockere Lektüre für zwischendurch war „Verliebt in einen Elf“ jedoch genau richtig und kann dafür getrost auf jeden Buchstapel landen. Ganz abgesehen davon, dass es chic im Regal zur Geltung kommen kann.

VN:R_U [1.9.22_1171]
Bewertung
Rating: 4.0/6 (1 vote cast)
VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0 (from 0 votes)
Abonnieren Sie Aisling Breith per E-Mail

ARENA Verlag

März 24

Im Rahmen der Buchmesse, haben wir die Zeit genutzt und mit einigen verschiedenen großen Verlagen und deren Außendienstmitarbeitern, oder Vertrieblern gesprochen und ihnen einige Fragen stellen können. Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei Allen bedanken, dass sie so freundlich, geduldig und ausführlich all unsere Fragen beantwortet haben. Wir haben allen Verlagen die gleichen Fragen gestellt und waren sehr überrascht wie unterschiedlich, aber auch wie ähnlich die Antworten ausgefallen sind.

Es folgt das Interview mit Herrn Preuß vom Arena Verlag. Das würzburgerische Unternehmen ist einer der größten Kinder- und Jugendbuchverlage in Deutschland.

 

Haben Sie das Gefühl, dass mehr Leute als früher schreiben und somit auch mehr unverlangt Manuskripte eingereicht werden?

Nein, es sind nicht mehr Einreichungen als früher. Nach den Messen ist es in der Regel immer etwas mehr, als sonst.

 

Wie viele der unverlangt eingereichten Manuskripte werden nachher als Bücher herausgebracht?

Die Veröffentlichungen liegen im unteren Prozentsatz. Meistens sind es circa 1 – 2 %.

 

Wie finden Sie dann die Projekte, die Sie gerne veröffentlichen möchten?

Vieles läuft über Literaturagenturen, die uns Autoren vermitteln. Es werden auch ausländische Lizenzen erworben, die bereits im jeweiligen Land etabliert sind. Wir entwickeln aber auch eigene Projekte, für die wir uns dann gezielt Autoren suchen, die wir uns dafür vorstellen können.

 

Wo sehen Sie den Trend für die kommenden ein bis zwei Jahre?

Im Moment sind Dystopien sehr gefragt und das wird sich auch noch halten. Einen langfristigen Trend sehe ich jedoch eher weg vom Bereich Fantasy und hin zu realistischen Themen.

Wir haben zum Beispiel vor, den Bereich Thriller und Krimi mehr auszubauen.

 

Wie stehen Sie zum Thema, deutsche Autoren sollen mit deutschen Settings arbeiten und nicht mit amerikanischen oder kanadischen Settings?

So pauschal kann man das nicht sehen. Natürlich soll ein deutscher Autor nicht nur deutsche Settings haben. Ich könnte mir auch gut europäische Settings vorstellen.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0 (from 0 votes)
Abonnieren Sie Aisling Breith per E-Mail

Featuring Recent Posts WordPress Widget development by YD