Aisling Breith lesen, schreiben, hören

Ach wie gut, dass niemand weiß …

Mai 15


Broschiert: 400 Seiten   

Autor: Alexa Henning von Lange

Verlag: cbt

ISBN-13: 978-3570162842

Erster Satz: „Los! Raus mit dir! Du hast lange genug depressiv rumgesessen.“

Romeo und Julia Geschichten liebe ich grundsätzlich und wenn es gut gemacht ist, wird man das Thema auch nicht leid. Deshalb habe ich zu „Ach wie gut, dass niemand weiß…“ gegriffen. Ich bin wirklich ohne große Erwartungen heran gegangen. Sicher denkt man bei dem Klappentext auch sofort an Bad Boys und an West Side Story. Natürlich hatte es zudem seinen Reiz, eine deutsche Autorin zu lesen, die sich diesem Thema widmet. Doch leider konnte es mich nicht ganz überzeugen.

 

 

Idee: Die Idee ist nicht neu, was nicht tragisch ist, aber das ist der Grund, warum man hier nicht viele Punkte geben kann. Arm und reich, Romeo und Julia. Wenn es wenigstens innovativ interpretiert wäre, aber so eben wirklich nicht herausragend.

Plot: Auch hier empfinde ich den Aufbau als ganz klassisch bei diesem Thema. Der Anfang ist mir etwas zu schnell und auch die Auflösung am Ende rennt ein wenig. Der Großteil der Handlung bezieht sich auf Sinas schwankende Gedanken und ihre Unsicherheit. Die Geschichte beinhaltet so viel Potenzial, was man viel mehr hätte ausschöpfen können. So war die Schwarz-Weiß-Malerei zu plakativ. Sicher war es von der Autorin so gewollt, aber mir sprang es zu sehr ins Auge. Es kann aber sein, dass dies von der Zielgruppe anders gesehen wird.

Schreibstil: Geschrieben in der Ich-Perspektive ist eine Story in meinen Augen ja immer mit einem Pluspunkt versehen. Ich kann auch nicht behaupten, dass der Stil schlecht ist, aber dennoch hat es mich nicht so gepackt. Der Lesesog blieb aus. Dabei wurde das Setting sehr gut dargestellt und das ist etwas, was ich sehr mag. Als Leser konnte ich mir alles bildlich sehr gut vorstellen und ich denke, dass es sehr nah an das herankommt, was Alexa Henning von Lange im Kopf hatte.

Charaktere: Zum einen ist Sina altersentsprechend, was ihre Freundinnen oder Verhalten angeht, zum anderen ist sie aber in vielen Gedankengängen schon zu alt. Manche Situationen reflektiert sie mir zu stark. In anderen Szenen ist ihr Handeln nicht nachvollziehbar.

Achtung:Spoiler Aufklappen

Warum z. B. hat sie ihr erstes Mal so plötzlich mit jemandem, den sie eigentlich nicht kennt und hat mit ihrem Exfreund, mit dem sie ewig zusammen war, nicht geschlafen? Warum fährt man in das gefürchtetste Viertel der Stadt um seine Vespa abzuholen, obwohl es beim ersten Besuch schon gefährlich brenzlig war?

Ich würde von einem Mädchen in ihrem Alter anderes erwarten. Leider hat sie mich irgendwie kalt gelassen. Wer in solch reichen Verhältnissen als eines der beliebtesten Mädchen an der Schule aufwächst, wechselt seine Meinung nicht von heute auf Morgen. Man ist zwar sprunghaft, aber Sina wirkte zunächst auf mich so, dass sie sich in ihrem Leben wohlfühlte. Wieso sollte sie plötzlich an der Sichtweise ihrer Eltern zweifeln, wenn sie es bisher nicht tat. Ihre jüngere Schwester war da schon glaubwürdiger, weil die schon von jeher anders war. Trotz Ich-Perspektive konnte ich also nicht mit der Hauptprotagonistin verschmelzen.

Noah ist ein eher sanfter Bad Boy. Einer, den man nicht erst zähmen muss. Natürlich fährt er das obligatorische Motorrad und dreht krumme Dinger. Er hatte was, aber leider war auch er mir zu wenig präsent. Ich konnte die plötzliche Verliebtheit Sinas nicht nachvollziehen. 

Insgesamt waren mir die Charaktere zu stereotyp und glatt. Da fehlte Tiefe. Die Mutter typisch oberflächlich neureich. Der Vater strenger Staatsanwalt. Die Freundinnen gekünstelt. Leider kamen die Figuren an mich nicht ran.

Hintergrund: Das ganze Setting war mir auch hier zu viel Schwarz und Weiß. Was mich gestört hat, dass immer vom Viertel jenseits des Kanals gesprochen wurde. Es war nicht klar in welcher Stadt es spielt, was nicht weiter schlimm ist, aber man hätte den Vierteln Namen geben können. Der Stadt ein Eigenleben geben können. So gibt es da nur die Brücke, die die Welten trennt und in „Gangsterviertel“ wird sich jedes Klischees bemüht. Das Villenviertel empfand ich da authentischer. Insgesamt hätte man mehr daraus machen können. Etwas weniger von Sinas Gedanken und dafür mehr Szenen, um den Protagonisten einen Grund für den Sinneswandel zu geben. Noahs Motive wurden viel zu wenig abgehandelt. Es fühlte sich eher nach einer passiven Behandlung des Themas an.

Fazit: Ein nicht neues, aber gutes Thema was in meinen Augen unbefriedigend umgesetzt wurde.  Ein eigentlich schöner Schreibstil, der mich mehr gepackt hätte, wäre mehr Arbeit in Charakterentwicklung und Hintergrund geflossen. Mag es daran liegen, dass ich nicht mehr der Zielgruppe entspreche, kann ich dennoch nur sagen, dass es ganz nett war.

Für alle, die der Zielgruppe entsprechen oder weniger kritisch an dieses Genre herangehen.

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
Rating: 3.3/6 (1 vote cast)

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Verlieb Dich nie in einen Vargas

August 28



Autor:
Sarah Ockler

Originaltitel: The Book of Broken Hearts

Übersetzer: Katrin Weingran

Erscheinungsdatum: 26. August 2013

ISBN-13: 978-3570162729

Verlag: cbt

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten

Klappentext:

Da habe ich mit etwas sommerlich leichtem gerechnet, fand das Cover zu kitschig, um eine wirklich gute Story zu erwarten, und habe einfach nur auf ein nettes Romeo und Julia Geplänkel für zwischendurch gehofft. Was habe ich bekommen? Ein Buch, das ernster ist, als man meint und!mich! zu Tränen gerührt hat.

Judes Papi hat  frühzeitig Alzheimer. Um ihn bei sich zu halten schmiedet sie einen Plan, nachdem sie Papis alte Harley gefunden hat. Das Teil soll wieder fahren und einen Vater-Tochter Trip ermöglichen. Nur wer repariert das Ganze? Um Kosten zu sparen, wird kurzerhand der unerfahrenste Mitarbeiter eines Biker-Laden angeheuert. Zu spät merkt Jude, dass es sich bei dem smarten Puertoricaner um Emilio Vargas handelt. Jüngster Spross einer, von ihren Schwestern erklärten, Herzensbrecherdynastie. Doch Jude kann nicht anders. Emilio ist süß und versteht sich prima mit Papi, der beim Werkeln an der Harley er selbst bleibt. Doch die Krankheit schreitet voran und das Dreigestirn in Form von Judes Schwestern reisen an. Jetzt kann sie Emilios Identität nicht mehr verbergen. Aber der Kampf um Emilio bleibt nicht der einzige.

Erster Satz: Das Gesetz der Wahrscheinlichkeit sieht vor, dass ein Mädchen mit drei älteren Schwestern wenigstens ein Paar süße Shorts erben sollte, die ihm tasächlich passen.

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
Rating: 4.9/6 (1 vote cast)

Idee: Nicht neu, wenn man den Part der Liebesgeschichte ansieht. Zusammen mit der Geschichte um den kranken Vater jedoch gut.

Plot: Nach Beenden des Buches dachte ich: Toller Aufbau. Vom lustig amüsanten Anfang wird es immer ernster, bis ich zum Schluss einfach nur noch traurig war. Ganz allmählich führt uns die Autorin in diese Situation. Manchmal war ich mir allerdings nicht gerade sicher, welche Kernhandlung das Buch hat. Ist es die Liebesgeschichte oder das Drama um die Krankheit des Vaters. Der Titel des Buches hätte passender gewählt werden können. Für mich steht nicht die Lovestory im Vordergrund, sondern Judes Selbstbehauptung und -findung. Dennoch finde ich das alles schlüssig zusammen findet und das Timing gut passt. Zudem ein Buch, was mich gefesselt hat und ich kaum aus der Hand legen konnte.

Schreibstil: Ich mochte sehr das jugendlich  Flapsige am Anfang. Es wirk aus Judes Sicht als Icherzählerin im Präteritum wunderbar passend und man merkt auch am Stil die Entwicklung der Protagonistin.  Die spanischen Worteinwürfe waren toll, aber durch ihre Häufigkeit etwas gewöhnungsbedürftig beim Lesen, da erst mal die Aussprache sitzen musste.

Charaktere: Mir haben die Charaktere sehr gefallen. Jude fand ich  authentisch. Passend zum Plot entwickelt sich auch das junge unbeschwerte Mädchen in eine ernste Richtung. Sie übernimmt  Verantwortung und kümmert sich mit viel Hingabe um ihren Papi. Natürlich will sie nicht wahrhaben, dass Papi immer öfter Aussetzer hat. Gegenüber ihrer drei Schwestern hat sie sich noch nie behauptet, wird aber durch die Situation unweigerlich damit konfrontiert. Emilio ist natürlich auf den ersten Blick ein Bad Boy. Ein Biker der gerne oben ohne schraubt und das klischeehafte Lächeln samt Grübchen aufweist. Aber Jude erkennt, dass Emilio eine verletzliche und sensible Seite hat. Er ist anders als  seine Brüder, da er einen schweren Schicksalsschlag mit sich herumträgt.

So traurig es auch ist, musste ich mich sehr über Judes Vater amüsieren. Er ist einfach sympathisch und wird meine Lieblingsfigur in dieser Geschichte bleiben.

Die Figuren haben ihre eigenen Macken, was ich gut finde. In meinen Augen ist Jude, wenn auch teils überdreht, altersentsprechend. Emilio ebenso, auch wenn er im ersten Moment dem Klischee entspricht.

Hintergrund: Mit Alzheimer wird hier natürlich ein heftiges Thema angesprochen, scheint mir aber gut recherchiert zu sein. Ebenso die Reparatur an der Harley wirkt authentisch. Mir hat das Einstreuen der spanischen Worter gut gefallen, weil es so das Setting viel näher gebracht hat.

Fazit: Ich hatte viel Spaß beim Lesen. Auch wenn Klappentext und vor allem das Cover etwas irre führen. Wer eine Liebesgeschichte such, findet sie, aber für mich steht die Krankheit des Vaters und Judes Entwicklung dahingehend mehr im Fokus. Am Anfang musste ich lachen und am Ende weinen, jedoch fand ich das Buch klasse. Eben weil es überrascht und für mich eine Wichtige Message trägt. Das Leben ist zu kurz, drum sollte man es genießen und manchmal einfach loslassen.

Für alle, die ein sommerliches Buch mit ernstem Hintergrund mögen.

 

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Der Geschmack von Glück

August 24

Der Geschmack von Glück

Price: EUR 17,90


Autor:
Jennifer E. Smith

Originaltitel: This Is What Happy Looks Like

Übersetzer: Ingo Herzke

Erscheinungsdatum: 25. Juli 2013

ISBN-13: 978-3551583048

Verlag: Carlsen

Gebundene Ausgabe: 384 Seiten

Klappentext:

 

Ein so schöner Titel: „Der Geschmack von Glück“. Mädchen verliebt sich in Filmstar. Ja das weckt Jungmädchenträume in mir und musste natürlich gelesen werden. Die Geschichte um Elli und Graham hat mich nicht enttäuscht und mir eine kurze, aber wudervoll leichte Lesezeit beschert.

Elli schreibt schon seit Monaten mit dem smarten Graham, allerdings kennen sich die Teenager nur als „G“ und „E“. Elli ahnt nicht, dass sich dahinter der Teenagerstar Graham Larkin verbirgt. Als Graham merkt, dass er sich zu Elli hingezogen fühlt, drängt er den Regisseur die Dreharbeiten für seinen neuen Film in das schöne Städtchen Henley zu legen. Ellis Heimat! Nach kurzen Irrungen finden sich die beiden und stellen sich nicht nur den Unannehmlichkeiten, die Grahams Berühmtheit mit sich bringt, sondern auch Ellis Geheimnis um ihre Herkunft.

Erster Satz: Hey, wir werden hier ziemlich überziehen.

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
Rating: 5.4/6 (2 votes cast)

Idee: Die Idee ist sicher nicht neu, aber einfach zu süß. Vor allem weil „Er“ ein Filmstar ist. Ganz nach meinem Geschmack.

Plot: Immer wieder ist die Geschichte mit E-Mails gespickt, was das Ganze auflockert. Dabei sticht gerade der Mailwechsel am Anfang heraus. Ich musste dabei grinsen und hätte mir gerne mehr davon gewünscht, allerdings trennen nur noch einzelne Mails später die Kapitel voneinander. Es gibt sehr viele Gedankengänge, teilweise ist die Handlung ausführlich , um dann wieder einen Zeitsprung zu haben. Der Story dadurch eine Dynamik zu geben ist leider nicht gut geglückt, aber es bringt einen auch nicht total aus dem Lesefluss. Der Fortgang der Geschichte passt perfekt in den Sommer. Sicher geht der Plot auch ein tiefgründiges Thema an, der Glücksfindung, überlädt damit die Geschichte jedoch nicht.

Schreibstil: Das Buch ist als allwissender Autor in der dritten Person im Präteritum geschrieben. Eigentlich nicht so mein bevorzugtes Stil, dennoch konnte mich der Text überzeugen. Ich kannte Jennifer E. Smith schon von „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ und schon da fand ich es toll wie sie dem Leser die Umgebung nahe bringt. Ich habe das Salz geschmeckt und die Meeresluft Henleys gerochen. Außerdem habe ich noch mehr Lust, Amerikas Nordostküste zu besuchen. Die Geschichte lässt sich schnell und flüssig lesen, sodass es mir fast ein wenig zu schnell ging. Es war deshalb ein Pagetuner, weil mir der ganze Charme, den der Ort, die Protagonisten und die Idee mit sich bringt, so gut gefallen hat.

Charaktere: Ich mochte Elli, die so locker leicht durchs Leben geht, obwohl sie ein Familiengeheimnis mit sich herum trägt. Zu ihrer Mutter hat sie ein ganz besonderes Verhältnis. Elli ist jung und unbeschwert, trotz allem und trägt eine gewisse Leichtigkeit mit sich. Sie hat ihre ganz eigenen Vorstellung von Glück, die im Grunde nicht in Graham Larkins Hollywood–Welt passt.

Graham ist ein Teenstar, durch Zufall entdeckt und schnell zu Ruhm gekommen. Eigentlich entstammt der smarte Junge einer ganz normalen Familie und vermisst diese sehr. Ein bisschen hat mir die Überheblichkeit gefehlt, die ich bei einem Star erwarte. Er war mir etwas zu gelassen, vernünftig und normal. Zu perfekt. Trotzdem mochte ich ihn sehr.

Mein Highlight: Quinn! Ich habe ja eine Vorliebe für die Nebencharaktere. Sie ist einfach sympathisch und hätte ruhig eine größere Rolle verdient. Eine tolle beste Freundin.

Hintergrund: Darüber lässt sich streiten. Zum einen fand ich den Rummel in dem Küstenstädtchen gut umgesetzt. Das alle Leute aufgeregt sind. Zum anderen habe ich die Geschichte mit den Paparazzi nicht so wirklich abgekauft. Erst sind alle wie wild hinter Graham her und dann ist da plötzlich niemand mehr, um doch wieder überraschend aufzutauchen. Dafür haben mich die Beschreibungen des Settings überzeugt.

Fazit: Eine sommerlich leichte Lektüre die mir Spaß gemacht hat und ein Thema behandelt was ich gerade heute sehr wichtig finde. Man ist umgeben von der Medienwelt, alles geht höher , schneller, weiter. Jeder kann , wenn auch kurz, zum Star werden. Aber braucht es das, um Glück zu finden? Elli und Graham zeigen, dass es mehr gibt als nur Blitzlicht.

Für alle, die ein leichtes und ebenso nachdenkliches Buch mögen, dass schnell gelesen ist.

 

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