Aisling Breith lesen, schreiben, hören

Grischa – Eisige Wellen (Grischa 2)

Oktober 20


Autor:  Leigh Bardugo

Originaltitel:  Siege and Storm

Übersetzer:  Henning Ahrens

Erscheinungsdatum: 25. Juli 2013

ISBN-13:  978-3551582966

Verlag: Carlsen

Gebundene Ausgabe: 384 Seiten

Klappentext:

„Grischa“ war eine Überraschung für mich. Dass ich mich in diesem russisch angehauchtem Setting so wohl fühle, hätte ich beim lesen von „Grischa – Goldene Flammen“ nicht gedacht. Ich habe mich sehr auf Teil 2 gefreut. Er hat ein bisschen warten müssen, aber dafür hatte ich umso mehr Spaß damit.

Alina und Maljen möchten sich ein neues Leben auf der anderen Seite der Wahren See aufbauen, doch das gestaltet sich gar nicht so einfach. Alina ist geschwächt, da sie ihre Macht nicht benutzt. Der Dunkle ist hinter ihr her, denn er möchte ihr weitere Kräftemehrer verschaffen. Auf dem Weg zurück über das Meer soll die Meeresgeisel gefunden werden, die den zweiten Kräftemehrer darstellt. Doch Alina und Maljen kommt der Freibeuter Sturmhond zur Hilfe und befreit sie aus den Fängen des Dunklen. In Os Alta erfahren sie mehr über den geheimnissvollen Sturmhond und Alina tritt eine wichtige Stellung an.

 

Erster Satz: Früher, lange bevor sie die Wahre See befuhren, hatten der Junge und das Mädchen immer wieder von Schiffen geträumt: Schiffe, randvoll mit Geschichten, verzauberte Schiffe mit Masten aus wohlriechendem Zedernholz und mit Segeln aus purem Gold, von Jungfrauen gesponnen.

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
Rating: 5.3/6 (1 vote cast)

Idee:  Mir hat Sturmhond als neuer wichtiger Charakter  als Element in der Geschichte sehr gut gefallen. Vor allem der Teil, der auf dem Meer passiert war meine Lieblingspassage. Eine gute Idee.

Plot: Für meine Begriffe hat das Buch drei Teile. Einen sehr temporeichen ersten Teil, der viel auf hoher See spielt, einen zweiten, ruhigeren Teil, indem die Charaktere sehr stark hervorstechen und ein fulminantes Finale, indem das Tempo rasch angezogen wird. Ich hätte mir ein wenig von dem spannenden ersten Teil mehr im zweiten gewünscht. Die Handlung funktioniert und bringt auch Wendungen mit sich. Eine Entwicklung in der Geschichte, die ich so nicht erwartet habe, aber es bleibt das Gefühl eines Ungleichgewichts. Der zweite Teil ist sehr geprägt durch die politische Aspekte Rawkas und wie die Figuren damit umgehen. Man sieht viel mehr die Charaktere, was mir gut gefallen hat.

Schreibstil: Leigh Bardugo bleibt sich treu: Prolog und Epilog sind in der dritten Person, der Haupteil als Ich-Erzähler geschrieben. Gerade in der ersten Hälfte bleibt man am Ball und kann das Buch kaum aus der Hand legen, so spannend ist es geschrieben. Die russischen Begriffe sind immer noch kleine Stolpersteine für mich gewesen, aber sie machen eben den besonderen Charme aus und schnell habe ich mich wieder daran gewöhnt und mich nicht im Lesefluss behindern lassen.

Charaktere: Mir ist mit „Eisige Wellen“ Maljen näher gekommen und auch sympathischer in Erinnerung geblieben. Habe ich mich im ersten Teil genau wie Alina vom „Dunklen“ hinreißen lassen, war in der Fortsetzung um die Beziehung zwischen ihr und Maljen von Hoffen und Bangen geprägt. Er schlägt sich gut, mit einer mächtigen Grischa als Freundin, während diese sich selbst neu kennenlernen muss. Alina hat es nicht einfach. Ihre Macht steigert sich und sie muss lernen damit umzugehen um sich nicht in ihr zu verlieren. Sie wächst mit ihren Aufgaben und stellt sich dem Schicksal womöglich nie ein „normales“ Leben zu führen, wie sie mit Maljen zu Anfang hofft. Maljen hingegen erweist sich nicht nur als unübertroffener Fährtensucher, sondern auch als hervorragender Diplomat. Auf nahezu magische Weise schafft er es die Menschen in seinen Bann zu ziehen und versteht sich mit jedem.

Maljen und Alina wirken viel erwachsener als ihr Alter, was ich verzeihe, da dieses Buch eine reine Fantasygeschichte beherbergt.

Sturmhond, als neuer Charakter hat mich gepackt. Er ist alles und doch gut durchdacht. Man muss seine freche Art lieben und oft hatte ich bei ihm ein Grinsen im Gesicht. Ich bin gespannt, was im dritten Teil mit ihm passiert.

Hintergrund: Mir gefällt immer noch diese russisch angehauchte Fantasy-Welt. Leigh Bardugo hat ihr Leben eingehaucht, sodass man  sich ihrem Zauber nicht entziehen kann. Der Leser erfährt mehr über die Hintergründe der Charaktere und auch zu den Kräftemehrern. Sehr gut fand ich, dass auf die Kriegsvorbereitungen eingegangen wird. Ich habe mich wieder wohlgefühlt in Rawka und beglückwünsche die Autorin zu dieser tollen Welt, die sie uns geschenkt hat.

Fazit: Ich bin etwas Reihenmüde in letzter Zeit und jeder Fortsetzung wende ich eine gewisse Skepsis zu, denn meistens steht die Handlung im zweiten Teil einer Trilogie. Die Autorin hat es jedoch geschafft nicht langweilig zu werden oder sich mit an den Haaren herbeigezogenen Handlungen zum finalen Teil zu hangeln. Neue Charaktere bringen interessante Wendungen und so hat die Fortsetzung  mindestens genauso viel Spaß gemacht, wie der Auftakt dieser wundervollen Trilogie. Ich freue mich jetzt schon wieder nach Rawka entführt zu werden und bei diesen Vorlagen kann die Geschichte im dritten Band nur gut werden. Eine klasse Fantasy-Story die nicht zu sehr abschweift, aber genügend Details liefert, um in eine andere Welt abzutauchen.

Für alle die  den ersten Teil gelesen haben ein „Muss“. Alle anderen sollte zu Grischa greifen, um  sich an reine Fantasy heranzutasten und dem russischen Charme erliegen möchten. Für Trilogiemüde, die mal etwas anderes haben wollen.

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Himmelsfern

September 16

Himmelsfern

Price: EUR 18,95


Autor:  Jennifer Benkau

Erscheinungsdatum:  16.September 2013

ISBN-13:  978-3839001431

Verlag:  Script5

Gebundene Ausgabe: 496 Seiten

Klappentext:

 

Himmelsfern – allein der Titel ist so wunderschön. Unterlegt von einem wundervollen Cover, dass einem zuruft: Lies mich! Jennifer Benkau ist die  bei mir meistgelesene Autorin in diesem Jahr, wobei sie sich ganz leise in mein Herz geschlichen hat. Umso mehr habe ich mich gefreut, ihr neuestes Werk unabhängig vorab lesen zu dürfen. Ich werde mich bei meiner Beschreibung kurz fassen, denn die Geschichte sollte absolut nicht gespoilert werden.

Noa lebt mit ihrem Vater in einfachen Verhältnissen. Sie liebt das Poi-Spiel und laute Musik. Während eines U-Bahn Unglücks wird ihr von einem Unbekannten das Leben gerettet. Ein Schutzengel – so glaubt sie. Noa macht sich auf die Suche nach ihrem Retter und trifft dabei auf Marlon. Ihr Leben nimmt eine Wende und sie wird in eine unglaubliche Geschichte gezogen.

Erster Satz: Das Gefühl überkam mich flüchtig wie ein Déjà vu von fallenden Federn und gleichzeitig drängend, als drücke eine Hand gegen meine Brust.

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
Rating: 5.2/6 (1 vote cast)

Idee:  Puh, das wird schwierig zu erklären, ohne etwas zu verraten. Grundsätzlich finde ich die Idee, die mit dem Erinnern zu tun hat, sehr schön. Das, was Marlons eigentliches Problem stellt keine neue Idee dar. Aber ganz egal, es ist ein Buch von Jennifer Benkau und das allein ist Grund genug es zu lesen. 🙂

Plot:  Bis zur Hälfte fand ich die Geschichte richtig super, teils lustig, frisch, jugendlich und dynamisch im Tempo. Dann empfand ich einige Längen, die ich erst anmeckern wollte, was sich aber im Rückblick als passend empfindet. Der Schlussteil war dann wieder schneller im Tempo und auf den letzten Seiten dermaßen emotional, dass ich tatsächlich kaum noch lesen konnte, weil ich vor Rührung weinen musste.

Schreibstil:  Jennifer Benkau schreibt einmalig, das kann ich nur immer wieder betonen. Sie erzählt als Ich-Erzählerin Präsens. Dabei bleibt sie ihrem Stil an sich die meiste Zeit treu. Die Erzählstimme ist jedoch sehr jugendlich und unbeschwert am Beginn, was wunderbar zu Noa passt, man aber von Dark Canopy, Dark Destiny und Stolen Mortality nicht gewöhnt ist. Während der Länge im hinteren Mittelteil habe ich ein wenig von dem Zauber vermisst, den ihre Schreibe sonst mitbringt, aber Frau Benkau findet zum Schluss zurück, um auf den letzten Seiten so pur emotionsvoll den Leser zu packen, dass man das Buch ganz aufgewühlt zuklappt.

Charaktere:  Eine Poi spielende Hauptprotagonistin! Da kann ich nicht anders, als sie zu mögen. Ich würde es selbst gerne können, hab aber keine Geduld dazu. Dann der Name: Noa. Mag ich auch gerne und ganz abgesehen davon, dass sie laute Musik mag, ist sie Jennifer Benkau gut gelungen. Sie wirkt authentisch mit ihren Macken und auch den rotzfrechen Kommentaren.

Dass Marlon so wichtig wird, meint man zunächst gar nicht. Ich mochte ihn, aber er ist nicht unbedingt der Typ, den man anhimmelt. Er hat seine aggressiven Aussetzer, die man im späteren Verlauf des Buches versteht. Außerdem möchte er Noa beschützen und das am besten auch vor sich selbst.

Olivier erscheint mir etwas zu passiv, da hätte man etwas mehr draus machen können, gerade weil er der Antagonist ist.

Ganz toll haben mir wieder Nebencharaktere gefallen: Noas Vater, mit dem ich mich sicher gut verstehen würde, da er doch einen jugendlichen Touch hat und Rosalia, Noas Freundin, die zwar das Klischee der quietschenden besten Freundin erfüllt, aber dennoch ihren Charme hat.

Von Emma würde ich gern mehr hören, diesem Mädchen, dass sich ihrem Schicksal mit Stolz hingibt.

Hintergrund:  Leider muss ich an diesem Punkt etwas meckern. Ich finde es hinkt hier und da mit der Logik, vor allem wenn es um das Vergessen und Erinnern geht. Dinge die erst als so unmöglich angedeutet werden, passieren dann doch. Das hat mich ganz persönlich etwas genervt. Es wird alles erklärt, keine Frage, aber dennoch befindet sich das für mich alles auf ganz dünnem Eis. Mir hat der Antagonist zu wenig Motivation für sein Handeln, oder es ist zumindest so bei mir angekommen.

Was jedoch sehr gut recherchiert wurde, ist das Poispiel. Ich hatte angenommen, das dem eine wichtigere Rolle zuteil wird, aber dem ist nicht so. Dennoch kann man Noa hautnah erleben, wenn sie das Feuer schwingt.

Fazit: Trotz der Längen und dem Hintergrund, die für den Punktabzug verantwortlich sind, kann ich diesem Buch eine wirkliche Leseempfehlung geben. Es könnte mehr gemeckert werden, wenn man ein Erbsenzähler sein möchte. Viel einfacher ist es jedoch sich tragen zu lassen und Zeuge einer Geschichte zu werden, die so bitter und ehrlich ist und zeigt, das Zeit manchmal so irrelevant ist.

Für alle, die über Längen hinwegsehen, tiefe Gefühle lieben und einen nicht ganz so düsteren Jennifer Benkau Roman erleben möchten.

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Interview mit Beatrice Lampe von Piper Fantasy & IVI

Oktober 29

Piper Fantasy feiert dieses Jahr seinen 10. Geburtstag. IVI ist seit dem Frühjahr mit seinem Programm am Markt. Ein kleines Programm, das ich jetzt schon sehr schätze. Zusammen mit dem Programmleiter Carsten Polzin bildet Beatrice Lampe das Team für den Bereich Fantasy und IVI im Piper Verlag. Ich habe mich sehr gefreut, mit ihr sprechen zu können.

Wie wird man Lektor?
Es gibt keinen vorbestimmten Weg zum Lektorenberuf. Wichtig ist, dass man seine Begeisterung für Literatur und Bücher ausdrücken kann und am besten einen entsprechenden Studienabschluss besitzt. Ein Literaturstudium ist von Vorteil, aber nicht Voraussetzung. Ich habe Germanistik studiert und war danach Werbetexterin. Das bin ich im Grunde immer noch, denn ich texte die Titel der Bücher und die Buchtexte. Sogar bei einer Autorenvita muss man richtig einschätzen, welche Infos interessant sind und welche nicht. Welche starken Argumente führt man auf? Was darf ich sagen und was lieber nicht? Diese Kompetenz und meine Begeisterung für Fantasy war eine gute Voraussetzung für den Job.

Dann lektorieren Sie auch die Manuskripte?
Ja. Diese Arbeit stand aber früher sehr viel mehr im Zentrum. Heute sind wir Verlagslektoren eher Projektmanager. Wir müssen abwägen, welche Bücher zu uns passen, was auf dem deutschen und dem internationalen Markt geschieht, welche Autoren gerade gefragt sind. Wie wir an die kommen? Dafür gibt es literarische Agenten, die Autoren vertreten und denen wir gute Angebote machen müssen, damit wir den Zuschlag für ein Manuskript bekommen. Das ist nicht immer sicher, und wir bangen jedes Mal, ob es auch klappt – wie bei einer Auktion. Vielleicht wird man überboten und muss viel Engagement zeigen, um einen Titel am Ende zu bekommen.
Die Buchbranche ist ein sehr aufregender Markt. Und mein Job ist so toll, weil jeder Tag anders ist und ständig neue aufregende Ereignisse passieren.

Wie bewältigt man den Stapel unverlangt eingesandter Manuskripte?
Davon bekommen wir täglich 20–30 Einsendungen. Das können wir nicht alles lesen. Uns hilft eine Assistentin, die vorsortiert und ganz viel wieder zurückschickt. Die Sachen, die sie gut findet, landen auf unseren Tischen. In den seltensten Fällen ist bei den unverlangten Einsendungen wirklich guter Stoff dabei, und selbst dann diskutieren wir sehr intensiv, ob wir ein Projekt wirklich ins Programm nehmen können. Wenn es dann doch eine Standardabsage von uns gibt, heißt das nicht, dass wir es uns nicht angeguckt haben. Wir schauen uns jedes Manuskript an.
Priorität A haben jedoch die wichtigen internationalen Manuskripte. Außerdem gibt es Bücher, die uns Verlage direkt anbieten, die nicht über Agenturen laufen. Das hat Priorität B. Erst auf C kommen die unverlangt eingesandten Manuskripte.
Klar könnte ich den ganzen Tag mit Lesen verbringen, stattdessen muss ich aber sicherstellen, dass unsere Autoren ihre Termine einhalten, dass Manuskripte rechtzeitig zum Übersetzer gehen, kurzfristig für Ersatz sorgen, wenn jemand krank wird. Was kommt aufs Cover? Ist unser Buchtitel schutzfähig? Und was steht im nächsten Fantasy-Newsletter? Mit solchen Dingen beschäftige ich mich tagsüber. Die Manuskripte lese ich nach Feierabend und am Wochenende.

Wie schafft man es, sein eigenes Manuskript als „verlangt“ einzusenden?
Heutzutage ist der einfachste und effektivste Weg über eine namhafte Agentur. Es ist gut für angehende Autoren, sich Unterstützung und Hilfe von literarischen Agenturen zu holen. Wenn man es schafft, den Agenten von seinem Projekt zu überzeugen, hat man gute Chancen; dann ist man schon auf der Autobahn zum Verlag. Schließlich landet das Manuskript eher in unserem Fokus, wenn die Agentur eine große Empfehlung ausspricht.

Was ist das ausschlagende Element? Zählt die Form oder ein Foto?
Ein Foto ist ganz egal. Wichtig finde ich, dass schon das Anschreiben ansprechend und fehlerfrei ist. Ganz oft denken wir: Du schaffst es nicht, in zwei Sätzen zu beschreiben, warum du mir diesen Brief schickst. Wie willst Du dann den Leser auf den ersten zehn Seiten an die Hand nehmen? Im Exposé sollte der Autor erklären können, warum gerade sein Buch wichtig ist und was es besonders macht; was es von der breiten Masse abhebt. Wenn das Exposé stimmig ist, muss ich gar nicht unbedingt das Manuskript komplett lesen, weil ich weiß, dass das Konzept funktioniert. Diese Geschichte kann ich als Lektor gut erzählen – und die können die Buchhändler auch gut den Lesern erzählen.
In der Regel lese ich zuerst das Exposé. Dann informiere ich mich, wer der Autor ist und was er macht. Ist er IT-Techniker oder erst 16? Das spielt für meine Wahrnehmung eine Rolle. Dann lese ich die Leseprobe, und zwar den Romananfang, denn das ist die entscheidende Stelle, die den Leser mitreißen muss. Ein Manuskript muss von der ersten Zeile an gut sein. Ich lese die ersten zehn Seiten, und wenn ich bemerke, dass die Geschichte nicht funktioniert, muss ich aufhören – schließlich habe ich eine große Masse an anderen Manuskripten zu bewältigen. Wenn der Anfang mich jedoch überzeugt, lese ich noch mal 20–30 Seiten. Und wenn die ersten 50 Seiten gut sind, bin ich schon ziemlich positiv gestimmt. Aber das passiert in den wenigsten Fällen bei den unverlangten Einsendungen. Unser Auftrag ist es, das Beste vom Besten zu finden. Geschichten, die viele Leser finden und neue Trends auslösen könnten. Um ein solches Angebot zu liefern, muss man vor allem streng mit sich selber sein und mit den Autoren.

Wie viel hat der Autor mit dem Marketing zu tun?
Eigentlich sehr viel. Es hängt aber davon ab, wie stark er sich einbringen will und wie realistisch seine Vorstellungen sind. Manche Autoren haben ganz große Ideen, was wir als Verlag alles für sie machen könnten. Denen müssen wir manchmal erst klar machen, dass wir nicht nur einen, sondern schrecklich viele Autoren haben, die wir alle mit Marketing unterstützen wollen, obwohl unser Budget begrenzt ist. Wir werben so gut und breit wie möglich; man kann aber auch beobachten, dass große und teure Kampagnen der Konkurrenz auch mal danebengehen und der versprochene Erfolg ausbleibt.
Für uns ist es deshalb das Wichtigste, das Engagement des Autors einzufangen und daraus etwas Besonderes zu machen. Gerade in der Fantasy und im Jugendbuch sind wir ganz eng vernetzt mit dem Onlinemarketing. In diesen beiden Genres ist jede Onlinemaßnahme besser als eine teure Anzeige in der FAZ oder im Spiegel. Und da unsere Zielgruppe viel online ist, ist es sinnvoller, sich eine entsprechende Aktion für sie auszudenken, zum Beispiel eine Livestreamlesung mit dem Autor oder einen Schreibwettbewerb für Fans. Solche Aktionen haben viel mehr Potenzial und bewirken, dass sich ein Buch genau bei den Leuten herumspricht, die es auch lesen wollen.
Wenn unsere Autoren sich in diese Richtung engagieren wollen, stehen ihnen unsere Türen sehr weit offen.

Wie ist das bei den englischen Übersetzungen? Verändern Sie noch etwas an der Geschichte? Wie bringt man die Wirkung des Originals in die deutsche Sprache?
Wir arbeiten mit einem großen Pool an Übersetzern zusammen, die sich in unseren Genres sehr gut auskennen. Wir kennen die Übersetzer auch persönlich, diskutieren mit ihnen über vergangene Projekte und darüber, welche Stoffe sie persönlich interessieren. Schließlich muss ich im Vorfeld sehr genau einschätzen, wen ich mit welchem Projekt beauftrage. Im Nachhinein prüfen wir die Qualität jeder Übersetzung, um auf dem Laufenden zu bleiben. Zum Beispiel wirkt es sich auf den Text aus, wenn ein Übersetzer gerade eine schlechte Phase im Leben hat, und uns fällt auch auf, wenn jemand so gut wie nie zuvor übersetzt hat.
Wichtig ist, dass der deutsche Text in sich stimmig ist. Wir wollen nicht, dass der Leser über Anglizismen stolpert oder sich über viele Rechtschreibfehler ärgern muss. In der Redaktionsphase wird überprüft, dass der Übersetzer auch inhaltlich nichts übersehen hat, wie z. B. dass eine Figur einheitlich ihr Muttermal auf der linken Wange trägt. Wenn im Originaltext ein solcher Fehler auftaucht, dann greifen wir ausnahmsweise ein und korrigieren in der deutschen Fassung.

Welche Tipps haben sie für angehende Autoren?
Michael Peinkofer hat vor kurzem ein ganzes Buch zu dem Thema geschrieben: „Das Zauberer-Handbuch. Schreib deinen eigenen Fantasy-Roman“
Ich persönlich rate: Immer wieder an sich arbeiten. Überzeugt von seinem Stoff sein und trotzdem bereit, sein Manuskript wieder und wieder zu überarbeiten. Ein Autor muss beobachten, was die Konkurrenz macht. Muss am Markt dran bleiben und wissen, was die Leute lesen wollen. Und sich durchaus trauen, einen Stoff erst in zehn Jahren wieder anzufassen, wenn die Zeit dafür reif ist.

Was wird Trend?
Die Zeit der Dystopien ist vorbei. Spätestens in einem Jahr, denke ich. Realistischere Stoffe und Thriller werden auf der Buchmesse gerade in Massen angeboten. Viele Verlage werden deshalb auf Fantasy verzichten, aber da kontern wir und setzen gerade deshalb auf große fantastische Geschichten.

Wie ist IVI entstanden?
IVI ist aus einem bestimmten Grund entstanden. Mit unserem Fantasyprogramm haben wir schon immer nicht nur unsere erwachsenen männlichen Leser angesprochen, sondern auch jüngere und weibliche Leser. Das Problem: Im Buchhandel gibt es für Fantasy und Jugendbuch unterschiedliche Ansprechpartner. Der Einkäufer für Fantasy weiß: Vor meinem Regal stehen meist nur Kerle, warum soll ich die weiblichen All-Age-Titel ins Regal stellen? Deshalb wurden diese Bücher nicht bestellt und damit weniger verkauft. Da mussten wir unsere Strategie ändern. Wir trennten. Uns war klar, dass wir im erwachsenen Fantasyprogramm weiterhin männliche Leser ansprechen. Mit IVI bieten wir nun neuen Autoren eine Bühne, die auch wirklich dahin kommen, wo sie gebraucht werden, nämlich in die Regale der Jugendbucheinkäufer. Das ist uns bereits mit den ersten Büchern ganz gut geglückt. Unser Anspruch: Wir wollen kein riesiges Programm aufbauen und damit den traditionellen Jugendbuchverlagen das Wasser abgraben. IVI bedeutet: Wir machen Bücher für junge (Fantasy-)Leserinnen, wählen aus der Masse an All-Age-Manuskripten pro Programm aber nur die vier allerbesten Titel aus und setzen damit auch in Zukunft statt auf Quantität auf Qualität.

Wie wichtig sind Ihnen die Blogger?
Unsere Blogger sind superwichtig. Gerade für den All-Age-Bereich sind sie unerlässlich und mittlerweile das wichtigste Medium. An ihre Wirkung kommt keine klassische Rezension ran. Die Blogs haben eine ganz eigene Dynamik: Sobald eine Rezension veröffentlicht wird, entwickelt sich in den Kommentaren eine rege Diskussion. Wir sind immer wieder erstaunt, dass manche Leser sich für ein Buch entscheiden, nur weil es ein bestimmter Blogger, dessen Meinung vertraut wird, es empfiehlt. Das zu beobachten ist superspannend: Ich schaue mir deshalb jeden Morgen an, welche neuen Rezensionen in den Blogs erscheinen.

Habt ihr begrenzte Kontingente an Leseexemplaren?
Noch nicht, aber wir überlegen, wie wir das Angebot für unsere Blogger noch besser machen können. Es gibt beispielsweise einen englischen Verlag, der ein Bloggerbelohnungssystem einsetzt. Blogger können sich dort exklusiv registrieren und damit Botschafter des Verlags werden. Der nächste Schritt wäre für uns, dass wir euch Blogger noch näher an unsere Seite holen, damit ihr euch wohlfühlt und auch was davon habt, wenn ihr tolle Rezensionen zu unseren Büchern schreibt.

Wie gehen Sie mit negativen Rezensionen um?
Passiert ständig und ist verständlich. Natürlich finden wir es schade, wenn ein Buch einem Leser einmal nicht gefallen hat, aber wir wollen ja auch lernen und lesen negative Rezensionen deshalb aufmerksam durch. Es ist wichtig, das berechtigte Kritik bei uns ankommt. Die wird nicht zensiert. Aber am Ende zählt: Ein Buch kann noch so viele 5 Sterne Rezensionen haben, wenn es einfach nicht meine Sprache spricht, werde ich es nicht mögen. Deshalb ist es uns ein echtes Anliegen, bei IVI Bücher aus ganz unterschiedlichen Genres, mit ganz unterschiedlichen Themen und Erzählstilen zu bieten.

Vielen Dank für dieses interessante Interview und weiterhin viel Erfolg für Piper Fantasy und IVI!

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Finsteres Gold

Februar 18

Finsteres Gold

Price: EUR 14,99


Gebundene Ausgabe:
352 Seiten

Autor: Carrie Jones

Verlag: cbt (23.Mai 20011)

ISBN-13: 978-3570161128

Originaltitel:  Captivate

Erster Satz: Es gibt merkwürdige Menschen, die gern Sportunterricht haben.

Das Cover des Buches passt zum ersten Band und gefiel mir daher wieder gut. Die deutschen Cover sehen aus wie das Original, was ich klasse finde, denn nicht immer gefallen mir die meist so grundverschiedenen Cover von Büchern.

 

Ich habe mich auf den zweiten Teil sehr gefreut, da ich den ersten so mochte. Was mich zuerst enttäuscht hat: Die Phobien am Anfang der Kapitel mussten weichen. Zwar gibt es nun Elfentipps, aber ich mochte die Phobien und die kamen mir in Teil 2 deutlich zu kurz. Die ersten 50 Seiten kam ich nicht richtig in Fahrt, erst als Betty zum ersten Mal auftaucht, hatte ich wieder das Gefühl in der Geschichte zu sein. Ich mag den Charakter sehr. Leider kommt auch Betty zu kurz. Die Geschichte um Issie und Devyn erinnert einen immer noch daran, dass die Freunde auch noch ein ganz normales Leben haben und sich nicht alles um Elfen dreht. Auch Issie ist mir sehr ans Herz gewachsen. Nick ist mir in einer Hinsicht total unsympathisch und das mag wohl an meinem eigenen Geschmack liegen, aber ich mag es einfach nicht, wenn ein Typ zu seiner Freundin ständig „Baby“ sagt. Da hat’s mich jedes mal geschüttelt. Astley ist mir sehr sympathisch rübergekommen und ich konnte Zara sehr verstehen, dass sie ihm immer mehr vertraut. Cassidy bringt eine neue Komponente in die Geschichte, die sicher noch im dritten Band ausgebaut wird. In diesem Teil passiert eine Sache, womit ich so gar nicht gerechnet habe, dass Zara sich dafür entscheidet, aber das will ich hier nicht weiter erläutern.

Alles in allem fand ich das Buch dennoch gut und ich bin gespannt, was im dritten Teil passiert. Ich hoffe das die Nebencharaktere dort wieder mehr Geltung bekommen und es zu einem würdigen Abschluss kommt.

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