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Interview mit Kai Meyer

August 19

Als ich bei Carlsen für dieses Interview angefragt hatte, hatte ich nicht wirklich damit gerechnet, eine Zusage zu bekommen. Um so schöner war es, auf der Leipziger Buchmesse einem der erfolgreichsten Autoren Deutschlands gegenübersitzen und ihn interviewen zu dürfen.

KaiSchreibst Du gerade an etwas Neuem?
Den neuen Roman für Carlsen habe ich schon abgegeben. Der Arbeitstitel ist „Smile“, aber das fertige Buch wird wohl einen anderen Titel bekommen.

Ist das wieder eine Mischung von Genres, wie Du es gerne machst?
Es ist eine Mischung aus Weltuntergang/Endzeit und einer Geistergeschichte. Ein Roman über die Apokalypse, aber auf keinen Fall eine Dystopie.

Gibt es eine Liebesgeschichte?
Ja, diesmal allerdings sehr zurückgenommen. Der Roman erscheint bei Carlsen unter dem Bittersweet-Label, aber in erster Linie besteht er aus einer Menge Action.

Wird es ein Einzelband oder ein Mehrteiler?
Ein Einzelband, was ich in nächster Zeit wohl wieder häufiger machen werde.

Ist eine Trilogie anstrengender zu verfassen?
Es ist eine andere zeitliche Verpflichtung. Bei ‚Arkadien‘ zum Beispiel wusste ich, es werden drei Jahre. Das war einer der Gründe, warum der Roman auf Sizilien spielt. Wenn ich drei Jahre mit einer Geschichte verbringe – und im Kopf reise ich ja ziemlich intensiv zu den Schauplätzen – dann lasse ich sie lieber irgendwo spielen, wo es hübsch ist.

Als Du die Recherche für ‚Arkadien‘ betrieben hast, waren da Filme wie „Der Pate“ oder die Serie „Die Sopranos“ ein Thema?
Ich hab eher die italienischen Mafiafilme aus den Siebziger angeschaut. Die Atmosphäre der Sechziger und Siebziger sollte in die Geschichte einfließen. So kam auch das Lied „My Death“ in den Roman. Zu der Zeit spielten noch wahnsinnig viele europäische Filme am Mittelmeer, für die Leute war das sehr viel exotischer als heutzutage, wo jeder für hundert Euro in die Karibik fliegen kann. In Italien, Frankreich und Spanien wurden jedes Jahr Hunderte Filme gedreht, ganz anders als heute, und ich wollte diese Atmosphäre haben, die man in all den gleichgeschalteten Hollywoodfilmen und amerikanischen Bestsellern nicht mehr findet.

Fährst Du zu den Schauplätzen?
Zu einigen schon, aber nicht zu allen. Früher habe ich viel mit Bildbänden gearbeitet, heute kann man mithilfe des Internets viel über Google Earth machen. Allerdings war ich für die Arkadien-Bücher auf Sizilien und für ‚Asche und Phönix‘ in Südfrankreich.

Wird Arkadien verfilmt werden?
Es gibt Verhandlungen mit einer deutschen Firma, aber viel mehr darf ich dazu noch nicht sagen. Ehrlich gesagt lohnt es sich auch meist nicht, weil am Ende doch nichts daraus wird. Vielleicht klappt es diesmal, aber die Chancen sind im Filmgeschäft verschwindend klein.

Würdest Du selber das Drehbuch schreiben?
Nein. Ich habe früher Drehbücher geschrieben, aber es ist ein ganz anderes Schreiben. Drehbücher schreibt man auf eine bestimmte Länge und unter ganz bestimmten dramaturgischen Anforderungen. Ich neige zum Beispiel dazu, viel zu lange Dialoge zu schreiben, die für Drehbücher nicht besonders geeignet sind. Ich musste sie damals bei meinen Filmen meist stark kürzen, was ihnen nicht unbedingt gut getan hat.

Mein erstes professionelles Drehbuch war ein Horrorfilm für RTL, „School’s Out“, und hatte in der ersten Szene einen Dialog von acht oder zehn Seiten. Das ging natürlich überhaupt nicht, viel zu lang für ein normales Drehbuch und erst recht für RTL. Es wurde dann auf drei Seiten gekürzt und der Glaubwürdigkeit der Szene hat das nicht besonders gut getan. Letztlich war das allein meine Schuld, mir hätte das von Anfang an klar sein müssen.

Ich habe damals sechs Drehbücher geschrieben und verkauft, davon wurden zwei tatsächlich verfilmt, was ein ganz guter Durchschnitt ist. Ich hatte aber keine Lust mehr auf die endlosen Diskussionen mit den Redakteuren und Produzenten, auf Jugendschutzbestimmungen und all die Konsensentscheidungen. Mein bester Verbündeter war der Regisseur Robert Sigl, der Dinge durchgesetzt hat, die in einem normalen Fernsehfilm nie durchgekommen wären. Dafür gab es dann allerdings auch nachträglich Ärger mit dem Jugendschutz, RTL musste zigtausende Mark an Strafe bezahlen. Was lächerlich war, aber so läuft das eben in Deutschland.

Wie gehst Du mit Kritik um?
Man gewöhnt sich daran, dass es auch Leser gibt, die manche Bücher nicht gut finden. Mir geht es ja genau so mit Romanen anderer Autoren, die viele Leser toll finden und ich trotzdem nicht mag. Am Anfang meiner Karriere, als die Bücher noch nicht so erfolgreich waren, hatte ich fast durchgehend positive Rezensionen. Aber mit den höheren Auflagen kommen ganz zwangsläufig auch negative Meinungen. Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden. Es kommt auch immer darauf an, inwiefern ich eine Kritik nachvollziehen kann. Manchmal trifft ja auch jemand gerade bei älteren Büchern einen wunden Punkt, bei dem ich denke, gut, da hat er nicht unrecht. Und dann gibt es das andere Extrem, oft natürlich bei Amazon, wo ich nach einem Satz nicht weiterlese, weil sich der oder die Verfasserin gleich zu Anfang selbst disqualifiziert. Das passiert übrigens auch bei positiven Rezensionen.

Meine Protagonisten polarisieren öfter mal. Mit Rosa aus den Arkadien-Romanen hatte manch einer Probleme und ist ausgestiegen, weil die Figur am Anfang ein wenig sperrig ist – nur war ja genau das meine Absicht. Figuren müssen sich entwickeln, darum versuche ich gar nicht erst, sie gleich auf der ersten Seite sympathisch zu machen. Und nicht selten ist es ja gerade dieses Raue, das sie dann eben doch wieder liebenswert macht. Tarik aus der Sturmkönige-Trilogie ist anfangs ein versoffenes Wrack, der sich nach einigen Kapiteln zusammenreißt und in den drei Romanen eine große Veränderung durchläuft. Aber um das mitzubekommen, darf man natürlich nicht nach drei Seiten das Buch zuschlagen und gleich mal bei Amazon kommentieren: „Ich werde mit der Figur nicht warm.“ Überhaupt mein spezieller Lieblingssatz in Leserrezensionen.

Was für einen Stellenwert haben Blogger bei Dir?
Ich bemühe mich, einen guten Draht zu den Bloggern zu haben. Letztlich kann ich natürlich nicht jedem Blog folgen, weil ich sonst nichts anderes mehr machen würde. Ich kann auch leider nicht jedes Interview beantworten. Aber Blogger sind ohne Zweifel sehr wichtig und ich freue mich ehrlich über jede gut geschriebene Kritik. Früher bekam ich zwei Leserbriefe die Woche, heute bekomme ich jeden Tag diverse Mails und Facebook-Nachrichten. Sicher gibt es auch Blogger, die ihre Wichtigkeit etwas überschätzen, der eine oder andere wird auch mal dreist – „Schicken Sie mir doch ein signiertes Buch, dann bespreche ich es auch“ –, aber die Allermeisten sind sehr höflich, freundlich und einfach nur sehr angenehm im Umgang.

Viele angehende Autoren scheuen das Kürzen.
Man kann jeden Text kürzen und den meisten tut es ausgesprochen gut. Zwischen meiner ersten Fassung und der Abgabefassung kürze ich eine Menge, da fliegen locker bis zu zwanzig Prozent heraus. Das macht die Figuren klarer und bringt vor allem auch Dialoge auf den Punkt. Man muss nicht jeden Berg und jedes Kleidungsstück über drei Seiten beschreiben.

Hast Du schon immer als ersten Schritt Exposés verfasst?
Ja, von Anfang an. Meine Exposés sind sehr ausführlich, meist vierzig bis fünfzig Seiten lang. Ich lege jede einzelne Szene fest, die meisten Figuren und mittlerweile auch fast immer das Ende. Oder eine Version des Endes, manchmal ändert sich das später beim Schreiben.

Du weichst also schon von Deinen Vorgaben ab?
Zu neunzig Prozent halte ich mich an den Plot. Innerhalb der Kapitel kann sich einiges verändern, aber der Anfang und Ausgang der Szenen entsprechen meist dem Exposé. Dadurch wissen auch die Verlage ziemlich genau, was sie von mir bekommen werden, und es gibt nachträglich keine Diskussionen darüber, größere Teile des Romans umzuschreiben, weil irgendwem plötzlich irgendetwas nicht gefällt.

Arbeitest Du mit Charakterbögen?
Ich hab das ein, zwei Mal versucht, aber dann gemerkt, dass ich bei der Arbeit am Manuskript kaum noch hineinschaue. Bei längeren Geschichten wie etwa der Arkadien-Trilogie kopiere ich mir während des Schreibens einzelne Absätze, die die Charaktere definieren, in eine zweite Datei, die vor allem dann hilfreich wird, wenn ich den nächsten Band beginne. Die Hauptfiguren sind aber meist auch schon im Exposé umrissen, durchaus auch mit allerlei Details.

Wie bist Du auf einen Antagonisten wie Libatique (Asche & Phönix) gekommen, den ich persönlich sehr gut gelungen finde?
Die Faustregel heißt: Der Schurke muss Held seiner eigenen Geschichte sein. Er sieht sich selbst im Recht. Jeder Antagonist braucht eine Motivation, und sei sie für Außenstehende noch so bizarr. Libatiques jahrtausendealter Wunsch ist es, eigene Kunst zu erschaffen, nur ist er nicht in der Lage dazu; deshalb verschlingt er die Talente von Menschen, die begabter sind als er.

Wie sieht Dein Schreiballtag aus?
Ich korrigiere morgens erst die Seiten vom Vortag, das dauert durchaus ein bis zwei Stunden. Danach versuche ich, zehn Seiten zu schreiben. Das geht nur mit einer Menge Selbstdisziplin, aber ohne die ist man als professioneller Autor eh verloren.

Ich bin seit 1995 hauptberuflich Schriftsteller, vorher war ich Journalist. Ich musste damals um zehn Uhr vormittags in der Redaktion sein, bin aber zwischen fünf und sechs aufgestanden, um vorher ein paar Seiten zu schreiben. Irgendwie hab ich es geschafft, das frühe Aufstehen seitdem beizubehalten.

Hast Du Schreibworkshops gemacht, als Du mit dem Schreiben begonnen hast?
Nein, nie. Ich habe eine Reihe amerikanische Bücher über Dramaturgie und ähnliche Dinge gelesen, aber auch erst Jahre nach meinen ersten Romanen. Das klingt immer alles klug und schlüssig, aber ich hab die Erfahrung gemacht, dass ich mich beim Schreiben dann doch wieder mehr oder minder auf mein Bauchgefühl verlasse. Vor allem bei der ersten Fassung des Exposés. Wenn ich es anschließend noch mal durchgehe, lege ich eher bestimmte Regeln und Maßstäbe an, vor allem wenn ich das Gefühl habe, irgendetwas funktioniert nicht. Dann mache ich mir ganz konkret Gedanken über Spannungsaufbau, Charakterisierung und so weiter.

Hast Du Testleser, denen Du Deine Texte gibst?
Hatte ich lange nicht, aber vor einigen Jahren habe ich begonnen, die Texte eben doch einmal einigen Leuten zu geben. Das sind alles Menschen aus der Buchbranche, die einen professionellen Blick darauf haben und mir auch – glaube ich – ziemlich ehrlich ihre Meinung sagen. Daraufhin ändere ich durchaus Dinge, meist eher Details, aber manchmal auch ganze Szenen.

Liest Du selbst noch viel?
Nicht so viel wie früher. Die allermeisten Bücher beginne ich nur interessehalber, lese aber nur wenige bis zum Ende. Anders ist es mit Hörbüchern. Ich laufe jeden Tag anderthalb Stunden mit meinem Hund durch die Felder, und seit ich dabei Hörbücher höre, schaffe ich auch endlich wieder komplette Romane.

Liest Du die Übersetzungen Deiner Bücher?
Nur die Englischen, aber auch das ist eher so ein Querlesen.

Was war die außergewöhnlichste Sprache, in die eines Deiner Bücher übersetzt wurde?
‚Arkadien erwacht‘ ist auf Baskisch erschienen, das ja nur noch in einem kleinen Teil Spaniens gesprochen wird. Ich habe keine Ahnung, wie hoch die Auflage war, aber viel kann das nicht gewesen sein. Dann gab es Bücher auf Hebräisch oder auch in einigen kleineren asiatischen Ländern, von denen ich gar nicht weiß, ob sie eine eigene Sprache haben oder eher Thai oder Chinesisch benutzen.

Stellst Du Dir diese Ausgaben dann auch ins Regal?
Ich müsste von jeder Ausgabe ein Exemplar haben. In der hintersten Ecke meiner Bibliothek gibt es eine Regalwand, in der sie alle stehen. Aber ich würde mir meine eigenen Bücher nie ins Wohnzimmer stellen.

Wie viele Manuskripte liegen bei Dir unverkauft/unveröffentlicht in der Schublade?
Keins. Ich schreibe erst, wenn ich einen Vertrag habe. Ich schließe zuerst die Verträge mit den Verlagen ab, in der Regel für mehrere Bücher, und dann mache ich mich an die Arbeit.

Das heißt, Du verkaufst nur die Idee an den Verlag?
Oft ist es nicht einmal eine Idee. Genau genommen verkaufe ich mich, meinen Namen oder wie man das nennen möchte. Mit Carlsen habe ich etwa anfangs Verträge über drei Bücher abgeschlossen, es gab weder Inhalt noch Titel. Das gesamte Konzept ist erst später entstanden.

Hin und wieder stelle ich mündlich eine bestimmte Idee vor – so war es zum Beispiel bei der Sturmkönige-Trilogie –, gelegentlich schreibe ich auch mal eine Seite auf mit einer ungefähren Richtung, aber in den letzten zehn, zwölf Jahren war das eher die Ausnahme.

Ich mache das ja nun schon eine Weile und habe bei über fünfzig Büchern zweimal die Abgabetermine überschritten – und dann höchstens um zwei, drei Wochen. Wenn man als Autor erfolgreich mit Verlagen arbeiten will, braucht man eine gemeinsame Vertrauensbasis. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass sie ein ordentliches Manuskript bekommen. Das ist eine Frage der Professionalität, die ich umgekehrt ja auch vom Verlag erwarte.

Im „Spiegel“ stand vor einer Weile, dass in Deutschland geschätzt einhundert Autoren hauptberuflich vom Schreiben leben können. Ich weiß nicht, woher die Zahl kam und wie realistisch sie ist, aber Tatsache ist, dass sogar bekannte Autoren oft noch einen zweiten Job haben. Hauptberuflich können das nur Leute machen, die kontinuierlich arbeiten. In der „Welt“ gab es einen Artikel über Julia Kröhndie unter mehreren Pseudonymen schreibt. Da wurde dann die absurde Diskussion geführt, ob das Vielschreiberei sei, mit diesem typisch deutschen Tenor, wer zwei bis drei Bücher im Jahr unter verschiedenen Pseudonymen und in verschiedenen Genres schreibe, müsse zwangsläufig schlecht sein. Das ist völliger Unfug und noch dazu eine Unverschämtheit. Keiner, der professionell in der Branche arbeitet, würde so etwas allen Ernstes behaupten. So etwas kommt meist von Lesern, die keinen Schimmer davon haben, was Geschichtenerzähler antreibt, oder gern auch von Journalisten, die zehn Jahre an einem unveröffentlichten Manuskript hantieren und Selbstzweifel oder mangelnde Disziplin mit Kunstanspruch verwechseln.

Vielen Dank für das tolle Gespräch. Es hat Spaß gemacht!

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Interview mit Daniela Kern vom Arena Verlag

Mai 18

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Bei Arena hatten wir Zeit in Ruhe im »Hinterzimmer« mit Daniela Kern zu sprechen, die bei Arena für den Online-Bereich verantwortlich ist. Dieses Interview haben wir im Oktober 2012 auf der messe in Frankfurt geführt.

Wie viel Neuerscheinungen hat Arena im Jahr?
Zwischen vier- und fünfhundert. Ein Halbjahreskatalog umfasst ungefähr 250 Titel. Dies umfasst alle Bereich von Büchern für Kleinkinder über Erstleser, Kinderbücher, Jugendbücher und das Taschenbuchprogramm.

Wie hoch ist bei Arena die Auflagenhöhe?
Das kann man pauschal nicht sagen. Es sind immer Einzelfallentscheidungen. Sie resultieren aus der Abwägung, in welchem Zeitraum man mit welcher Nachfrage rechnet. Weder sollen zu viele Bücher zu lange im Lager liegen noch möchte man nach sehr kurzer Zeit nachdrucken müssen.

Bei Reihen, wie z. B. die Edelstein-Trilogie, wird man, sofern der erste Teil gut läuft, den zweiten Teil gleich höher auflegen. Bei Debütautoren sind die Zahlen geringer. 5000 ist keine riesige Auflage, aber schon ganz gut. Man muss eben auch abwägen, was man sich von einem Titel verspricht, um die Höhe festzulegen.

Was glaubt ihr passiert, wenn »Rubinrot« jetzt im Kino anläuft?
Es wird natürlich entsprechende Ausgaben mit Filmcover geben und auch einen Fotoband. So spricht man auch noch mal eine andere Zielgruppe an.

Wie groß sind die Chancen als neuer deutscher Autor bei euch aufgebaut werden?
Die Lektoren sind sehr interessiert an neuen Gesichtern und neuen Namen. Das spiegelt sich vor allem in der Arena Thriller Reihe wieder. Dafür werden immer wieder Autoren angesprochen, die bereits im Erwachsenengenre erfolgreich sind, ob sie ein Jugendbuch schreiben möchten. In der Reihe gibt es keine Lizenztitel, sie wird ausschließlich von deutschen Autoren geschrieben.

Wir sprechen viele Autoren an, aber es passiert auch, dass wir unter den unverlangten Manuskript-Einsendungen jemanden finden.

Arena_VerlagsgebäudeWie wird bei Arena aus dem Stapel unaufgeforderter Manuskripte ausgesiebt?
Man muss sich das so vorstellen: Es gibt ein Regal, in dem alle Einsendungen liegen. Die Lektoren schauen immer wieder durch, wenn es der normale Arbeitsablauf erlaubt und sichten die Einsendungen.

Wie lange dauert die Bearbeitung im Schnitt?
Ein gutes halbes Jahr.

Wie wichtig sind Agenturen?
Was über Agenturen kommt, lässt schon auf gut vorsortierten Stoff schließen. Meist wissen die, was für uns interessant ist und es nimmt natürlich einen großen Teil an Arbeit ab.

Arbeitet ihr immer mit den gleichen Agenturen?
Meistens. Es gibt Agenturen, die speziell im Kinder- und Jugendbuchbereich tätig sind. Da sind die versierten Agenturen, mit denen wir schon länger arbeiten, natürlich kommen aber auch neue Agenturen dazu.

Wie kann man sich die Programmplanung vorstellen?
Es gibt zwei Programmbereiche im Verlag mit jeweils einer Leiterin. Die sitzen tatsächlich mit dem Verleger zusammen und diskutieren, was als nächstes ins Programm kommt.

Wie viel Zeit vergeht, bis ein Buch herauskommt? Wie viel Zeit bekommt ein Autor?
Sobald ein Buch in einem Programm eingeplant ist, gibt es einen Abgabetermin für das Manuskript. Wenn ein Autor ein Manuskript abgibt, stehen 5 – 6 Lektoratsdurchgänge an. Danach geht es erst in die Korrektur an zwei Korrektoren. Dann erst kommt der Druck.

Wie steht ihr zu Reihen?
Ich höre immer wieder, dass es nicht noch eine Reihe geben muss, aber es gibt auch die Leser, die sich wundern, wenn etwas nicht fortgesetzt wird. Wir versuchen eine gesunde Mischung hinzubekommen.

Wie ist das mit Illustratoren und Übersetzern? Sind die angestellt?
Das sind Freiberufler, wobei wir auch hier schon mit manchen länger zusammenarbeiten und manche neu dazu kommen.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Blogs?
Wir gucken uns jeden Blog lange an. Für mich ist wichtig, dass die Rezensionen reflektiert sind. Ich ärgere mich über Rezensionen, in denen der Schritt fehlt, weiter zu denken: Warum hat mir der Protagonist nicht gefallen? Warum fand ich dieses und jenes nicht gut. Auch muss geguckt werden, wie das Buch zum Leser passt. Wenn ich als 25-Jährige schreibe, dass ein Thriller ab zwölf mich nicht packt, heißt das nicht, dass es nichts für Zwölfjährige ist. Mich ärgert, wenn man so weit nicht denkt.

Auch wenn einem ein Buch nicht gefallen hat, muss diese Meinung nachvollziehbar dargestellt sein. Man sollte immer Respekt vor der Arbeit des Autors haben und jedem Buch seine Leserschaft zugestehen. Ich finde es schade, ein Buch als „nicht empfehlenswert“ abzustempeln, nur weil es nicht zu einem gepasst hat.. Es ist besser herauszustellen, für welche Zielgruppe es zu empfehlen ist, denn ich denke, jedes Buch hat seinen Leser. So differenziert würde ich mir die Rezensionen wünschen. Es gibt auch viele Blogs, die das so handhaben.

Werden Blogs auch mal aus dem Verteiler entfernt, wenn die Zusammenarbeit hakt?
Das ist bisher noch nicht passiert.

Ist es schon passiert, dass Leseexemplare von Bloggern nicht rezensiert wurden?
Das kommt vor, aber es passiert selten.

Sollten die Rezensionen in einem bestimmten Zeitrahmen erscheinen?
Es kommt alle halbe Jahre ein neues Programm heraus. Wenn die Rezension innerhalb von zwei bis drei Monaten des aktuellen Programms erscheint, ist das in Ordnung. In dem Zeitraum sind die Bücher aktuell. Ich habe aber auch nichts dagegen, wenn mal ein Titel aus der Backlist besprochen wird.

Vielen Dank für das tolle Interview.

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Interview mit Heinke Schöffmann von der Thienemann Verlag GmbH

März 10

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Ein tolles Gespräch führten wir mit Heinke Schöffmann vom Thienemann Verlag.

Was gibt es Neues, seit unserem letzten Interview? Gibt es im Programm Neuorientierungen?

Da in Verlagen die Programmplanung 1-2 Jahre im Voraus feststeht, ist nicht so viel passiert. Man kann natürlich schon sehen welche Schwerpunkte funktionieren. „Wieviel Leben passt in eine Tüte“ hat eine wunderbare Entwicklung gemacht. Da bekommen wir ganz tolle Rezensionen. Uns freuen diese positiven Leserstimmen.

Habt ihr das bei diesem Buch so erwartet?

Als der Titel in unserem Haus gelesen wurde, waren die Meinungen von allen positiv und uns war klar, dass wir diesem Titel zu einem Schwerpunkt machen müssen. Wir haben 100 Erscheinungen im Jahr, davon sind so drei bis fünf Schwerpunkte im Halbjahr. Diese bekommen dann das größte Budget an Marketing und werden Bloggertitel.

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Wird das dann im Team entschieden?

Ja, da gibt es eine große Marketingrunde, wobei wir den Vorschlägen aus dem Lektorat oft folgen. Wenn allerdings die Mehrheit für einen anderen Titel stimmt, entscheiden wir an

ders. So war das z. B. bei „Dummie die Mumie“. Eigentlich gab es einen anderen Schwerpunkt, aber nachdem wir es alle gelesen haben, wurde relativ kurzfristig noch mal umgestrickt, weil es das wert war. Wir haben damit auch recht behalten und es läuft sehr gut.

Ihr habt immer noch einige Mehrteiler im Programm. Wie ist euer Kaufverhalten für die neuen Programme?

Das kommt immer darauf an, was angeboten wird. Wir wollen Mehrteiler vermeiden aber es ist tatsächlich so, das sie stark dominieren. Wir haben jetzt ein Angebot bekommen, was noch nicht geschrieben ist, wo wir die Autorin gefragt haben, ob man es nicht zusammenschnüren kann und wir einen Einzelband mit 600 Seiten machen können.

Bei Mehrteilern muss man oft lange warten, was als Leser manchmal nervt uns aber die Mechanismen bewusst sind, dass es auch Zeit braucht. Wie gehen Verlage damit um?

Im Kinderbuchbereich kann man natürlich nicht so lange warten, weil die Leser sehr schnell aus dem Alter heraus sind, das ist schon manchmal problematisch.

Dann gibt es andere Faktoren. Bei „Touched“ z.B. war der zweite Band einfach noch nicht geschrieben zu dem Zeitpunkt, wo wir ihn gerne nachgeschossen hätten. Da mussten wir zwei Mal schieben. Die Autorin hat länger gebraucht und in diesem Fall muss dann ja auch noch übersetzt werden. Wir hätten es natürlich gerne anders gehabt, gerade weil wir es so früh eingekauft haben. Da gab es das Buch noch gar nicht.

Bei „Homelanders“ konnten wir gleich vier fertige Teile einkaufen, die wir dann alle halbe Jahre herausbringen können. Das ist der Idealfall.

Wieso sind Ebooks kaum günstiger als die Printausgabe?

Wir bringen zum Hardcover das Ebook gleichzeitig heraus, damit der Kunde direkt entscheiden kann, in welcher Form er es haben möchte. Dazu müssen wir eine Mischkalkulation erstellen. Wenn das Ebook viel später auf den Markt kommen würde

, wie zum Beispiel bei unserem „Räuber Hotzenplotz“, da entstehen viel geringere Kosten, vor allem weil sich das Buch schon jahrelang gut verkauft hat. Da haben sich die Herstellungskosten schon amortisiert. Allerdings wenn man es als ein Produkt sieht, das einfach in verschiedenen Erscheinungsformen auf dem Markt kommt, ist es nur logisch, dass es einen Preis gibt.

Einen richtigen Anreiz stellt das Ebook dann nicht dar.

Ich glaube das Ebook wird vor allem dem Taschenbuch stark Konkurrenz machen, weil die Leute sich z. B. für den Urlaub oder unterwegs einen Reader kaufen.

Nach ein paar Jahren wird der Ebookpreis sicher sinken, wenn die Taschenbuchausgabe eines Hardcover erscheint und sich daran orientiert wird.

Kann Selfpublishing ein Sprungbrett sein?

Nele Neuhaus hat auch so angefangen. Vor ca. 6 Jahren. Sie hat die Bücher drucken lassen und dann in der Metzgereikette ihres Mannes vertrieben. Das ist natürlich ideal, weil man breit streuen kann. Dann hat eine Ullsteinlektorin es gelesen und fand es gut.

Ist so ein Buch dann für den Verlag noch interessant?

Wenn die Geschichte gut ist, ja. Natürlich muss es im Fall einer Erscheinung noch durch das Lektorat und Korrektorat.

Wer bestimmt die Auflagenhöhe? Inwieweit hat man als Autor Mitspracherecht beim Cover?

Das bestimmt der Verlag. Er sucht den Covergestalter aus und bestimmt generell die Ausstattung. Kommt es als Hardcover oder Taschenbuch. Wir versuchen aus unserer Erfahrung einzuschätzen, wie der Markt mit dem Buch umgehen wird und versuchen so gut wie möglich zu kalkulieren. Wir müssen natürlich das Geld, was wir im Vorfeld investiert haben wieder reinholen. Also was wir teuer eingekauft haben müssen wir in einer höheren Auflage wieder verkaufen als wie bei einer Neuentdeckung, bei der man nicht so viel Geld in die Hand genommen hat.

Wie hoch sind die Auflagenhöhen?

Im Bilderbuch sind 3.000 viel, Klassiker wie „Jim Knopf“ haben auch schon eine Höhe von 25000 Stück.

Kinderbücher wie „Dumie die Mumie“ verkaufen wir auch 20.000 bis 30.000 mal, aber in mehreren Auflagen.

Im Jugendbuch sind 10.000 zu erreichen echt schwer.

Wenn ein Buch unter eine bestimmte Stückzahl rutscht und unser Vertrieb sieht, dass es gut verkauft wird, bestellen wir eine neue Auflage. Das kann bei einem Buch ein halbes Jahr dauern, beim anderen vielleicht auch zwei. Das beobachten wir ständig. Wenn wir pro Jahr weniger als 200 Stück absetzen überlegen wir uns, ob wir den Titel aus dem Programm nehmen.

Es gab ein Buch von einem anderen Verlag, wo nur der erste Teil erschienen ist. Anscheinend hat es sich nicht genug verkauft. Wonach richtet es sich, auch die Fortsetzung zu verlegen?

Bei „Homelanders“ mussten wir die ersten vier Teile auf einmal kaufen, da bringt man die dann auch. Wenn man wie bei „Touched“ die Titel erst nach und nach bekommt, überlegt man schon. Sollte dann ein zweiter Teil gar nicht laufen, kaufen wir den dritten nicht ein.

Wenn z. B. eine Trilogie schlussendlich abgeschlossen am Markt erhältlich ist, merkt man einen Anstieg in den Abverkaufszahlen?

Der erste Teil zieht dann noch nach. Aber bei allen Mehrteilern, verkauft sich der erste Teil am besten.

Wie verhält es sich mit Lizenzkäufen?

Man kauft häufig nur aufgrund des Exposés, also sprichwörtlich die Katze im Sack. Dann bekommt man ein paar Monate später das ganze Manuskript, danach die Übersetzung. Das ist für den Verlag immer ein hohes Risiko.

Wäre es denn nicht weniger Risiko einen neuen deutschen Autor heranzuziehen und aufzubauen?

Das hat Thienemann sehr lange gemacht. Wir sind der Verlag der Autoren und haben uns lange als solchen verstanden. Michael Ende z. B. haben wir aus dem Stapel gezogen, ebenso Ottfried Preussler. Wir haben Joachim Friedrich und Ralf Isau aufgebaut. Wir arbeiten jetzt mit Janine Wilk. In den letzten vier Jahren haben wir vermehrt Lizenzen aufgemacht, davor hatten wir ganz wenige und lieber unsere Lizenzen ins Ausland verkauft. Den Räuber Hotzenplotz gibt es in 34 Sprachen, da verdienen wir jedes mal mit. Somit lohnt es sich durchaus Autoren zu suchen und aufzubauen und eben den Weg anders herum in das Ausland zu gehen.

 

Vielen Dank für das Gespräch. Es hat Spaß gemacht

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Interviews in Leipzig auf der Buchmesse

März 4

Danny und ich werden in Leipzig wieder Interviews machen. Außerdem treffen wir einige Verlagsmenschen und werden das ein oder andere Gespräch haben. Dieses Jahr werden wir nun endlich auch mal Autoren befragen können. Darunter Kai Meyer und Jennifer Benkau. Hier könnt ihr nun in den Kommentaren eure Fragen hinterlassen.

Was wollt ihr wissen? Was möchtet ihr speziell von Kai Meyer und Jennifer Benkau erfahren? Was drückt euch als Blogger und möchtet es loswerden? Was wünscht ihr euch von den Verlagen?

Ich werde versuchen möglichst alles in Erfahrung zu bringen und weiter zu tragen.

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Interview mit Natalja Schmidt von der Literaturagentur Schmidt & Abrahams

Februar 27

SA - Logo rot

Sehr gefreut habe ich mich über das Interview mit Natalja Schmidt. Die Agentur Schmidt & Abrahams wurde 2005 ins Leben gerufen und vertritt mittlerweile zahlreiche namhafte Autoren.

Was ist der besondere Reiz an dem Beruf der Literaturagentin und macht er immer noch Spaß?

Ja, er macht immer noch Spaß. Es gibt zwar eine gewisse Routine und somit auch Dinge, die nicht mehr so viel Spaß machen, aber da sind immer noch die besonderen Momente. Wenn man sieht, wie aus einem Rohdiamanten ein schön geschliffenes Juwel entsteht, das später im Handel toll präsentiert wird, freut es einen immer.

Wie siebt die Agentur bei den vielen Einsendungen aus?natalja-schmidt

Wir bekommen um die 80 Einsendungen im Monat. Die Vorauswahl macht meine Kollegin Kristina. Direkt abgesagt werden zunächst die Manuskripte, die inhaltlich gar nicht in unser Profil passen. Dann werden die Einsendungen gefiltert, die eindeutig noch nicht so weit sind. Da sind manchmal Bewerbungen von ganz jungen Autoren dabei oder eben unausgereifte Manuskripte. Was zurzeit am Markt zu schwierig zu vermitteln ist, fällt ebenso raus. Mit dem Rest, der danach übrig bleibt, setzen wir uns einmal in der Woche zusammen. Jede stellt die Texte vor, die ihr gefallen haben. Dann legen wir fest, ob wir etwas gleich zur Vermittlung übernehmen oder ein Gutachten erstellen lassen.

Müsst ihr euch einstimmig einig sein, oder gibt es auch den Fall, dass sich eine Person für ein Projekt durchsetzt?

Wenn eine von uns sagt, sie will etwas unbedingt machen, kann sie das natürlich tun, denn schließlich muss sie das Projekt auch betreuen. Meist sind wir uns jedoch einig.

Es hat doch auch viel mit Geschmack zu tun, oder?

Leider ist es einem nicht immer vergönnt, nach dem persönlichen Geschmack zu gehen. Man muss auch schauen, was gerade gut zu verkaufen ist. Da gibt es immer wieder Wellen. Wenn jemand etwas anbietet, was gerade vom Thema gefragt ist, sieht man sich das genauer an. Es ist aber nie schön, einem guten Manuskript eine Absage zu erteilen, weil es gerade nicht vermittelbar ist.

Erteilt ihr immer Standardabsagen, oder gebt ihr auch schon mal ausführlicheres Feedback?

Manchmal ja, aber das ist nicht die Regel. Man läuft sonst Gefahr, bald einen sehr regen Mailwechsel zu führen, der sich bei der Menge an Einsendungen einfach nicht bewältigen lässt. Deshalb gibt es meist die Standardabsage.

Was passiert bei einer Zusage?

Es wird vorab ein Vertrag an den Autor geschickt, damit er sich das ganz in Ruhe durchlesen und vielleicht mit einem Juristen besprechen kann. Nach der Unterzeichnung optimieren wir die Unterlagen. Wir arbeiten am Exposé und – zumindest mit unseren Debütautoren – auch an der Leseprobe, um beides anschließend den Verlagen vorzustellen. Das passiert auf der Messe oder indem wir die Verlage direkt anschreiben. Im besten Fall gibt es mehrere Verlage, die einen Stoff haben wollen, und es kommt zu einer Auktion. Es passiert natürlich auch mal, dass sich gar kein Verlag interessiert und man gemeinsam mit dem Autor oder der Autorin überlegen muss, woran es gelegen hat.

Ist euch auch schon mal ein »dicker Fisch« durch die Lappen gegangen?

Ja. Es gibt immer wieder gute Stoffe, bei denen die Kollegen auch nicht lange zögern. Die Autoren schreiben in der Regel mehrere Agenturen gleichzeitig an, und es kommt schon vor, dass eine andere Agentur schneller war. Das passiert uns, glaube ich, von Zeit zu Zeit allen.

Habt ihr bei erfolgreichem Verkauf dann noch was mit dem Lektorat zu tun?

Nein, zu dem Zeitpunkt haben wir nichts mehr damit zu tun, außer es »klemmt« zwischen Autor und Lektor, dann vermitteln wir schon mal zwischen beiden Parteien. Das Lektorat ist aber Sache des Verlages.

Wie viel Mitspracherecht hat der Autor bei Exposé und Leseprobe, die an den Verlag gehen?

Wir lektorieren die Leseprobe und schicken sie an den Autor, der dann natürlich entscheiden kann, ob er die Vorschläge annimmt, oder nicht. Beim Exposé ist das ein bisschen anders. Die Autoren haben oft Schwierigkeiten, sich kurz zu fassen und meinen – besonders oft in der Fantasy –, dass wirklich alle Personen, Orte und Plotstränge ausführlich erklärt werden müssen. Da bringen wir dann präzise das aufs Blatt, was für die Lektoren der Verlage interessant ist. Wir kürzen die Exposés auf max. vier Seiten.

Wie risikoreich ist ein Genremix?

Hier ist eine pauschale Antwort schwierig. Manche funktionieren gut, manche gar nicht. Gestaltwandler in Kombination mit einer Liebesgeschichte erfreuen sich ja einer großen Beliebtheit. Bei Fantasykrimis hingegen wüsste ich nicht ein Beispiel, welches gut gelaufen ist.

Gibt es in den Genres Richtwerte, wie lang ein Text sein sollte?

Die Verlage zucken natürlich zusammen, wenn man 1000 Seiten geschrieben hat. Alles bis zu 500 Seiten ist aber meist kein Problem.

team-literaturagentur-schmidt-und-abrahamsVerkauft ihr mehr Manuskripte auf den Messen?

Auf den Messen habe ich das Gefühl, dass sonst auch schwerer vermittelbare Stoffe besser zu verkaufen sind, weil man sich gegenübersitzt. So kann man dann die Begeisterung für ein Manuskript im Gespräch besser herüberbringen. Ein Thema, das gerade sehr gesucht wird, lässt sich auch außerhalb der Messen gut verkaufen. Auf den Messen wird natürlich manches direkt verkauft, und man bekommt bei der eigenen Titelliste schnell heraus, welcher Stoff das größte Potenzial besitzt.

Wie unterscheiden sich die Messen?

Leipzig ist eher eine Lesermesse, wo wir auch privat hinfahren würden. Dort gibt es viele Lesungen, viel Show und attraktive Angebote für die Besucher. In Frankfurt, Bologna und London ist ein Großteil des Angebots auf Fachbesucher und Aussteller ausgerichtet, dort überwiegen die Geschäfte. In Frankfurt absolvieren wir ca. 80 Termine in fünf Tagen.

Bekommt ihr bei den ganzen Lizenzgeschäften eure deutschen Autoren da noch unter?

Für deutsche Debütautoren ist es oft schwierig, das kann ich nicht schönreden. Trotzdem gibt es jedes Jahr auch eine Vielzahl von Neuerscheinungen von deutschen Autoren. Bei Thrillern, Sagas und im historischen Bereich gibt es z.B. viele erfolgreiche deutsche Autorinnen und Autoren. Und wir haben insgesamt schon viele Debuts vermitteln können, worüber wir uns immer besonders freuen.

Wird Fantasy irgendwann mal verschwinden?

Ganz verschwinden wird das Genre sicher nicht. Die Fantasy hat sich bei den Lesern etabliert, und einige Titel laufen ja auch immer noch ganz ausgezeichnet (z.B. „Game of Thrones“). Der ganze Hype, der nach »Twilight« kam und die vielen Me-too-Veröffentlichungen jedoch werden wohl weniger und weniger werden.

Was glaubt ihr, wo die Reise hingeht?

Ich glaube, dass wüssten wir alle gern!

Wie haltet ihr es mit den Autoren, die total auf ihre Welt fixiert sind. Schlagt ihr denen auch mal Alternativen vor?

Das hängt ganz stark vom Autor ab. Es gibt Autoren, die sehr vielseitig interessiert sind, und bei diesen bietet es sich an, auch mal neue Themen vorzuschlagen. Andere würde man eher davon absehen. Schließlich ist es wichtig, das der Autor sich mit dem Projekt, an dem er oder sie schreibt, wohl fühlt.

Wie erfolgreich muss man sein, um hauptberuflich als Autor leben zu können?

Das hängt von ganz verschiedenen Faktoren ab. Bei manchen Autoren reicht ein einziges erfolgreiches Buch, um davon leben zu können, Andere schreiben jahrelang mit bescheidenem Erfolg, bis ihre Bücher schließlich bei den Lesern ankommen. Die wenigsten Autoren haben allerdings das Glück, von einem einzigen oder von wenigen Büchern wirklich auskömmlich leben zu können. Viele hauptberufliche Autoren schreiben im Jahr mehrere Titel für verschiedene Verlage oder übernehmen auch mal Auftragsarbeiten unter Pseudonym. 

Ist das ein Auswahlkriterium: Die Einstellung des Autors und die Produktivität?

Nein. Es gibt Autorinnen und Autoren, die sehr langsam sehr gute Bücher schreiben, und die wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Professionalität im Umgang mit Texten wird aber vorausgesetzt.

Wenn ihr von einem Autor überzeugt seid, aber das Manuskript sich nicht verkaufen lassen will, wie lange versucht ihr es?

Es gibt ja nur eine endliche Anzahl von Verlagen, denen man ein Manuskript anbieten kann. Erst bietet man es den großen Verlagen an, einfach weil Garantiezahlungen und Auflagenhöhen hier für die Autoren am vorteilhaftesten sind, und danach den mittleren und kleinen Verlagen. Manchmal sagen wir aber auch: Okay, damit hast du dich zwar beworben, aber leg diesen Stoff doch vielleicht erst einmal in die Schublade und lass uns zusammen etwas Neues entwickeln. 

Wie lange ist man bei euch unter Vertrag?

In der Regel machen wir unbefristete Verträge, manchmal aber auch zuerst einen Jahresvertrag, der dann verlängert werden kann. Viele unserer Autoren sind schon seit den Anfangsjahren bei uns, aber manchmal – wie in jeder Beziehung – merkt man aus verschiedenen Gründen, dass man gemeinsam nicht weiterkommt. Prinzipiell streben wir aber immer eine langfristige Zusammenarbeit an. Uns geht es weniger um One-Hit-Wonder als darum, Autoren aufzubauen.

Vielen Dank für die Zeit und das nette Gespräch!

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Interview mit Heike Herd–Reppner vom Ravensburger Verlag

Februar 3

Mir ist Ravensburger seit meiner Kindheit ein Begriff und verbinde es vor allem mit Kinderbüchern, Spielen und Puzzeln. Im Jugendbuchbereich galt meine Verbindung eher zu Schullektüre, wie zum Beispiel „Die Wolke“.

2012 habe ich die Entdeckung von „Lost Girl“ und „Verräter der Magie“ gemacht. Ich habe mich sehr gefreut, als Heike Herd-Reppner, die Pressereferentin von Ravensburger, einem Interviewtermin zugestimmt hat.

 

Wird das Programm von Ravensburger im Bereich Jugendbuch/Junge Erwachsene weiter ausgebaut?Heike-Herd-Reppner

Angefangen mit den Pappbilderbüchern, wird man mit Ravensburger groß. Das Programm ist sehr breit gefächert. Der Bereich Jugendbuch / Junge Erwachsene ist eine feste Größe unseres Programms. Wir planen in der Regel zwei Jahre im Voraus und überlegen, was ist interessant, was passt in unser Programm? Übrigens, wir feiern 2013 „50 Jahre Ravensburger Kinder- und Jugend-Taschenbücher“ mit einem besonderen Programm.

 

Was wird denn in Zukunft interessant?

2014 ist bereits geplant und momentan sind die Programmleiter und Lektoren auf der Messe unterwegs um neue Titel für 2015 zu finden. Ich bin selbst sehr gespannt, was sie mitbringen. Im Kinderbuchbereich kehrt gerade der Humor wieder zurück. Ein Beispiel für Leser ab zwölf Jahren ist: „Jungs sind keine Hamster“. Unsere Neuentdeckung Rebecca Wild verknüpft im Jugendbuch mit „Verräter der Magie“ Humor mit Fantastik.

Es gibt unter den Jugendlichen und den ‚All–Agern‘ ganz unterschiedliche Interessen und wir möchten für jeden gerne etwas dabei haben.

 

Einige Meinungen gehen in Richtung reale Liebesgeschichten. Was sagen Sie dazu?

Das beobachten unsere Lektoren auch. Es wird viel Realistisches angeboten. Ich vermute, der fantastische/mythische Bereich bleibt uns noch erhalten – die Community ist groß!.

 

Legen Sie Wert darauf etwas andere Geschichten zu finden? So wie bei „Lost Girl“ oder „Verräter der Magie“, die nicht gerade stereotyp für ein Genre sind?

Das versucht jeder Verlag. Eine ‚Panem‘-Kopie würde nicht funktionieren. Wir versuchen das Interesse der Leser an einem Stoff aufzugreifen und einen neuen Aspekt zu finden.

 

Ist es bei Ihnen auch so, dass viel über Lizenzen passiert, oder haben sie auch so Perlen zwischen den unaufgefordert eingesandten Manuskripten gefunden?

Es wird wirklich jede Einsendung angeschaut und deshalb dauert das Sichten auch einige Zeit. Ein Tipp für junge Autoren ist die Zusammenarbeit mit einer Literaturagentur.

In Österreich gibt es auch das Institut für Kinder- und Jugendliteratur, das Manuskripte prüft (kostenpflichtig) (www.jugendliteratur.net). Wenn man sich wirklich beruflich in Richtung Autor orientieren möchte, ist das eine ganz gute Investition, da sie/er eine kompetente Einschätzung und Rückmeldung zum Manuskript bekommt. .

Marlene Röder ist ein Beispiel für eine Ravensburger Entdeckung. Sie schickte uns ein unaufgefordertes Manuskript, das unsere damalige Programmleiterin im Zug ins Wochenende zu lesen angefangen hat. Sie hat Marlene praktisch aus dem Zug angerufen und gesagt: „Das nehme ich.“

 

Wie handhabt der Verlag das Herausgeben von Rezensionsexemplaren?

Wir haben ein begrenztes Kontingent und müssen Schwerpunkte setzen. Wir schätzen sehr die Zusammenarbeit mit den Bloggern und freuen uns auf Feedback zu unseren Titeln. Aus zeitlichen Gründen schaffen wir es jedoch nicht, die vielen Anfragen direkt zu beantworten. Daher verlagern wir auf Aktionen bei ‚Lovelybooks‘,  ‚Blogg dein Buch‘ oder ähnliche. Dort freuen wir uns über jede Bewerbung.

 

Vielen Dank für das Interview Frau Herd-Reppner.

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Interview mit Renate Grubert von Random House

Januar 27

RandomHouse

Ein tolles informatives Interview durfte ich mit Renate Grubert, der Presseleitung der Verlage cbt und cbj der Random House Verlagsgruppe führen.

 

Es gibt immer mehr E-Books. Wieso unterscheiden sich in Deutschland die Preise zwischen E-Book und Printausgabe kaum?Renate-Grubert

Wir haben natürlich das Buchpreisbindungsgesetz in Deutschland. Man kann die Bücher also nicht einfach zu einem Preis verkaufen, der uns gefällt. Außerdem passieren beim E-Book eine ganze Reihe Arbeiten, wie auch beim gedruckten Buch. Lektorat, Marketing und Rechte bleiben im Arbeitsaufwand gleich. Das Honorar und die Gehälter der Verlagsmitarbeiter müssen genau so bezahlt werden, wie beim gedruckten Buch. Im Grunde fallen beim E-Book nur der Druck und das Material weg. Dieser Unterschied macht dann den geringen Preisunterschied aus.

 

Warum ist das in Amerika anders?

Dort gibt es das Buchpreisbindungsgesetz nicht. In Deutschland müsste man dann schon bei den Selbstverlegern gucken. Denn wenn sie selbst ein Buch als E-Book herausgeben, können sie den Preis selbst bestimmen. Da muss keine Bearbeitung vom Verlag bezahlt werden und somit kann entsprechend günstig das Angebot ausfallen. Damit jedoch bekannt zu werden ist hier in Deutschland schwierig, weil ihnen einfach der Vertrieb fehlt.

 

Kann es dennoch ein Sprungbrett sein, so wie bei Amanda Hocking?

Amanda Hocking ist ein Glücksfall, deshalb möchte ich nicht wirklich eine Prognose wagen. Natürlich kann das passieren, aber die Vermarktung spielt hier in Europa eine große Rolle. Ein selbst verlegtes E-Book muss natürlich entsprechend bekannt machen über Social Media Kanäle, Blogs und Internetportale. Möglicherweise gelingt es, wenn sie ein gut vernetzter Mensch sind. Dennoch wage ich es zu bezweifeln, denn bei all den Bemühungen, wird es nicht dazu reichen, davon zu leben. Also Hobby gesehen, ist das natürlich ein anderes Ding.

 

Sicher haben sich viele Verlage um Amanda Hocking gerissen, als es den Hype in Amerika gab. Wie gehen sie mit der Kritik an ihr um?

Ich lese die Kritiken und nehme sie war. Amanda Hocking ist ein amerikanisches Phänomen in jeder Schattierung. Vielleicht findet es deshalb nicht genau den gleichen Widerhall bei unseren Leserinnen. Das sind jedoch Vermutungen. Wir analysieren das natürlich. Man kann im Vorfeld nicht sagen: Es war ein Erfolg in Amerika, es wird bei uns auch einer sein. Wir arbeiten aber daran und versuchen alles das zu realisieren, damit es so wird. Der Lesegeschmack jedoch, das stellen wir fest, ist in Amerika ein anderer als bei uns.

 

Woran machen sie im Verlag fest, welches Buch sich gut verkaufen lässt?

Wir haben eine sehr gut eingespielte Lektoratsmannschaft. Die Lektoren bei uns sind sehr erfahrene Produktmanager. Im Ausland setzten wir auf Scouts, den Trüffelschweinen in literarischer Hinsicht. Sie suchen im englisch/amerikanischen, französischen oder italienischen Markt Produktionen, welche die deutschen Leser interessieren könnten. Dann geht es auf die Auktionen, wo wir auf die Bücher, die als Spitzentitel gehandelt werden, bieten. Wenn ein Titel im Ausland bereits erfolgreich verkauft wurde, ist das auch ein gutes Argument für den Kauf. Dementsprechend wird dann das Marketing ausgerichtet.

Wir haben auch deutschsprachige Autoren, die wir als Bestsellerautoren sehen und gut kennen. Auch hier wird der Rahmen des Marketings dann entsprechend aufgebaut.

 

Wer legt das Programm fest?

Das sind die Programmleiter zusammen mit dem Verlagsleiter und der Vertriebsleitung, im Bestfall mit dem gesamten Marketing.

 

Gab es auch schon den Fall, dass sie ein Manuskript abgelehnt haben und es bei einem anderen Verlag ein Bestseller wurde?

Ja, das gab es und man fühlt sich nicht gut dabei. Leider ist es nicht vermeidbar. Wir prüfen natürlich ganz viele Manuskripte und wägen ab was wir ins Programm aufnehmen, aber das kann passieren. Allein im Kinder- und Jugendbuchbereich werden so viele tausend Novitäten im Jahr herausgebracht. Potenziell lesen unsere Lektoren viel mehr Bücher, zigtausende Manuskripte. Da kann es passieren und da muss man eine gewisse Frustrationstoleranz entwickeln.

Aber wir haben Gründe für jede Ablehnung und das wird verschriftlicht. Das lesen mehrere Personen, sodass wir Gegendarstellungen bekommen und dann muss das entscheiden werden.

 

Im Allgemeinen höre ich immer wieder, dass sich Leser mehr in sich abgeschlossene Bücher oder Zweiteiler wünschen. Sehen sie das im Verlag auch so?

Ja, gerade unsere deutschen Originale, wie z. B. Liberty 9, werden bewusst als Zweiteiler oder als Einzelband produziert. Ich denke, der Überdruss an Trilogien ist groß im Handel. Bestenfalls funktioniert ein Mehrteiler durch rasche Taktung der Erscheinungstermine. Der Leser möchte nicht gerne zwei Jahre warten, sonst verliert er die Lust. Sowohl dem Verlag als auch dem Leser ist daran gelegen, Freunde beim Lesen zu haben, was schnelle Lieferzeiten positiv bedingen.

Aber manchmal sind die Bücher noch gar nicht geschrieben und dann müssen wir halt warten.

 

Bei Autoren, mit denen der Verlag gut zusammenarbeitet: Werden da schon mal Vorschläge gemacht, was geschrieben werden könnte?

Das passiert wechselseitig im Austausch mit dem Lektorat. Natürlich nicht gegen die Neigungen des Autors, denn der muss ja den Stoff leben. Nur dann bringt er ihn richtig zu Papier. Wir suchen da gemeinsam die passenden Themen.

 

Wie viel Mitspracherecht hat man als Autor?

Das ist unterschiedlich. Eindeutig ist die Sache bei der Titelformulierung, die liegt beim Verlag. Ebenso beim Cover. Da haben wir Agenturen, die sich nur darauf spezialisiert haben. Gerade bei Spitzentiteln legen wir dem Autor Vorschläge vor, die wir für richtig erachten. Es wird auch schon mal ausgetauscht, allerdings sind die Cover- und Titelgestaltung recht festgelegt.

Es würde auch zu weit führen, bei der Menge an Autoren, die wir betreuen.

 

Kann man überhaupt als Autor vom Schreiben leben?

Ganz allgemein kann ich das über Kinder- und Jugendbuch sagen, dass von all den Autoren, die sie hier auf der Messe vertreten finden, nur 10 % davon ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Leider ist das so. Der Traum ist von vielen da, aber die Honorare können nicht so groß sein. Die ganze Arbeit von der Verlagsseite braucht auch eine monetäre Energie.

Wenn man wirklich den Wunsch hat, das ist mein Lebensberuf, muss man sehr hart arbeiten und gleichzeitig Glück haben, dass es dann auch klappt.

 

Es hat viel mit Glück zu tun?

Es braucht natürlich erst mal strategisch eine Positionierung. Sie müssen den richtigen Verlag haben und selbstverständlich auch die Inhalte, die gelesen werden. Sonst nützt das beste Buch nichts.

 

Gibt es immer eine Standardabsage?

Mehr als tausend Einsendungen im Jahr sind nur mit einem Vorlektorat zu schaffen. Die Manuskripte werden angelesen und wahnsinnig viel mehr, als eine Standardabsage, kann man nicht machen.

 

Wird dabei auch mal ein Manuskript gefunden oder passiert alles über Lizenzen und Agenturen?

Ich lege den Autoren ans Herz: Sucht euch einen Agenten, der euch berät, das sind heute die sichersten Pforten in den Verlag. Der Markt ist vielfältig und die Literaturagenten können hilfreich sagen: Ich versuche dich bei dem Verlag unterzubringen, weil dein Text das dieses und jenes bietet.

Wir als Verlag können es gar nicht schaffen aus den tausenden Manuskripten so zu sichten, dass wir tatsächlich ein Programm finden. Drei Programme im Jahr bei der ganzen Random House Gruppe, mit gewissen Plätzen, Spitzentiteln, Marketingschwerpunkte, Reihenplätze usw., da muss sehr zügig klar sein, was im nächsten Programm der Nachfolgetitel von jeglichem Buch ist. Wir besetzen Programmplätze und können nicht schauen, was reinkommt. Das ist ein ganz anderer Planugsvorgang.

 

Wie lange dauert es, bis ein Manuskript von der ersten Einsendung beim Verlag, oder vom Kauf der Lizenz, im Buchladen erscheint?

Das kann langsam vonstattengehen, aber auch recht schnell, innerhalb von drei Monaten. In so einem Fall liegt allerdings etwas vor, was nur noch übersetzt werden muss. Das ist nicht der Normalfall. In der Regel braucht es ein Jahr.

 

Wie wichtig sind euch Blogger?

Wir haben in den letzten Jahren einen relativ großen Bloggerverteiler aufgebaut. Das sind mehrere hundert Personen, die wir so gut es geht, auch in unserer Presseabteilung betreuen und mit denen wir uns austauschen. Ich denke in den Blogs wird heute ganz viel Rezensionsarbeit geleistet, die früher von großen Printmedien bewältigt wurde. Da findet eine Verlagerung statt, der wir uns sehr wohl bewusst sind. Aber es ist sicher auch eine aufwendige Arbeit, mit den Blogs den Kontakt zu pflegen.

 

Wird ausgesiebt?

Wir haben einen Bloggerbogen, der ausgefüllt werden muss. Es gibt ein Anforderungsprofil und wir schauen ganz genau auf den Rücklauf. Eine gute Präsentation auf dem Blog ist wichtig. Ist die Verlinkung so gut, dass man die Bücher auch kaufen kann. All das muss stimmen. Erst dann funktioniert auch mittelfristig die Zusammenarbeit. Sicher müssen wir damit leben, wenn einmal ein Buch einfach abgegriffen wird, aber das wird nicht so häufig passieren. Wir gucken da schon genau.

 

Gibt es gewisse Kontingente bei den einzelnen Titeln?

Ja, das ist ganz klar, das muss auch so sein. Wir müssen uns in der Presse ja auch überlegen, wen wir damit ansprechen möchten und wie wir in die Promotion einsteigen wollen. Endlos geht das nicht, weil es auch kostet.

 

Wie gehen sie mit einer nicht so guten Rezension um?

Dann lass ich sie so stehen. Ich mache gar nichts. Ich kann nur ermuntern immer das zu schreiben, was man fühlt. Alles andere eignet sich nicht und ein Verriss, ein richtiger Verriss, ist vollkommen in Ordnung. Solange er sehr gut begründet ist und analytisch vorgegangen wird. Da steht dann sicher mehr Text, als bei einer begeisterten Rezension.

 

Vielen Dank an Frau Grubert für das tolle Interview. Es hat Spaß gemacht.


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Interview mit Franka Zastrow von der literarischen Agentur Thomas Schlück

Januar 9

Ein ganz tolles Gespräch durfte ich mit Franka Zastrow von der Agentur Schlück führen. Frau Zastrow war zuvor jahrelang bei der Agentur Meller beschäftigt. Die Agentur Schlück ist sehr bekannt und vertritt zahlreiche namenhafte Autoren.

FrankaZastrowWas macht den Reiz aus an dem Beruf Literaturagentin aus, und wie wird man Agentin?
Mein Werdegang war so: Ich habe Englisch und Französisch studiert, eigentlich auf Lehramt. Bücher waren schon immer meine Leidenschaft. Am Ende des Studiums war mit meiner Fächerkombination die Einstellungssituation nicht einfach, und es stellte sich die Frage, ob ich mir auch was anderes vorstellen könnte. Dann habe ich von einem Aufbaustaudiengang erfahren: Buchwissenschaft an der LMU München ­­– ein einjähriger sehr praktisch ausgerichteter Kurs, der von Menschen aus dem Verlagswesen gestaltet und begleitet wurde. Dabei erfuhr ich auch über den Beruf des Agenten, und meine Neugier war geweckt. Ich habe mich dann um ein Praktikum in der Agentur Michael Meller bemüht und hatte das Glück, danach als Agentin dort arbeiten zu können.

Andere Agenten haben andere Laufbahnen, sind vielleicht nach einer Lektorenkarriere  aus einem Verlag ausgestiegen, waren Buchhändler oder Übersetzer mit Kontakten ins Ausland. Unser Firmengründer Thomas Schlück ist von Hause aus  Bankkaufmann, hat sich dann als Übersetzer selbstständig gemacht, und aus den Kontakten zu Autoren, ausländischen und deutschen Verlagen entstand dann vor 40 Jahren die Agentur.  Es gibt also die unterschiedlichsten Wege hin zu unserem Beruf – einen traditionellen Ausbildungsgang gibt es bislang nicht.

Aufgrund ihre langjährigen Erfahrung auch bei der Agentur Meller: Arbeiten Agenturen unterschiedlich?
Im Großen und Ganzen arbeitet man sehr ähnlich. Es gibt hier und da Unterschiede, was aber dann an den Größenverhältnissen oder an den inneren Strukturen der Agentur liegt. Wir haben z.B. eine separate Vertragsabteilung, in anderen Agenturen ist das anders geregelt.

Die grundsätzlichen Arbeitsfelder und Aufgaben wie Autorenbetreuung und Textarbeit sind jedoch gleich. Auch die Agenturvereinbarungen sind meist sehr ähnlich – wie z. B. die Regelung zur Provisionsbeteiligung im Erfolgsfall.

Wie bewältigen Sie  unverlangte Manuskripte?
Als Erstes guckt man natürlich auf die Form. Ein ordentliches Anschreiben, wo mein Name richtig geschrieben wird, ist schon mal wunderbar. Der freundliche, stilistisch einwandfreie Brief ist ein Türöffner. Ein Allerweltsschreiben oder eine Rundmail mag ich nicht. Es ist wie eine Bewerbung bei einem Arbeitgeber. Ein Autor muss sich gut überlegen, wie er in der Welt draußen wahrgenommen werden soll, und auch bei einer Mail müssen gewisse Formalitäten eingehalten werden. Stimmt der erste Eindruck, gucke ich auch immer auf  die Vita oder Bibliografie, und dann springe ich schon zum Exposé.

Das Aussieben findet dann relativ schnell statt. Man hat sich das über die Jahre angeeignet. Wir prüfen auch auf Genretreue. Wenn jemand einen Liebesroman schreiben möchte, soll es das auch sein. Zudem muss mich die Geschichte einfach überzeugen. Da muss eine Stimme, eine Geschichte zu sehen sein. Eine Leseprobe von 50 bis 100 Seiten nehme ich mit nach Hause und lese das auf dem E-book–Reader.

Lesen sie die Probe auch zu Ende oder fällen sie ihr Urteil schon nach den ersten Seiten?
Ich merke schon nach den ersten Seiten, ob mich der Stoff interessiert. Das geht dem Leser im Buchladen sicher nicht anders. Der liest die Rückseite, findet das Cover schön und den Titel interessant. Dann liest er mal rein, und wenn die ersten drei vier Seiten gut sind, springt er vielleicht noch mal ein paar Seiten weiter, und wenn dann noch kein Funke da war, kauft er es nicht. Das ist beim Manuskript ganz genau so. Ich könnte es mir auch zeitlich nicht leisten. Die ersten fünf bis zehn Seiten sind da entscheidend.

Gibt es grundsätzlich eine Standardabsage?
80–90 % der Fälle erhalten von mir eine standardisierte Absage. Wenn man bereits einen längeren telefonischen oder Mail-Kontakt aufgebaut hatte, und ich das Gefühl habe, da ist jemand schon auf dem richtigen Weg oder hat eine tolle Idee, spreche ich auch gelegentlich am Telefon über meine Bewegründe zur Absage. Wenn eine Idee gut ist, aber einfach zu spät, weil es der Markt nicht verlangt, begründe ich das auch, oder ich schreibe in paar Sätze mehr. Es sind Mengen an Einsendungen zu bewältigen, und es ist auch oft bitter, wenn man Absagen verschicken muss. Manchmal entscheide ich aus dem Bauch heraus, ob ich etwas zu einem abgelehnten Manuskript sage.

Ist es sinnig vorher per Mail oder Telefon anzufragen, ob das Thema interessiert?
Das ist unterschiedlich. Ich telefoniere sehr gerne, und da kann ein nettes Telefonat schon hilfreich sein bei der Anbahnung. Das geht zwar nicht immer, gerade im Vormessestress muss ich auf eine Email verweisen. Man tut sich auch manchmal schwer, wenn man einen Anrufer hat, der wirklich minutiös seine gesamte Geschichte erzählen möchte. Natürlich kann ich nicht viel dazu sagen, wenn ich keine Seite gelesen habe. Wünschenswert ist es, wenn Autoren ihre Geschichte in ein paar Sätzen zusammenfassen  können. Ein Tipp für Autoren: Bevor man schreibt, überlegen was man schreiben will. Nicht nachschreiben, aber wissen, in welchen Bereich man sich bewegen möchte. Was würde ich gerne schreiben? Sich das Genre sehr bewusst machen. Sich disziplinieren, was den Inhalt angeht. Das kann man dann auch in vier bis fünf Sätzen wiedergeben wie z.B.: Ich habe einen Frauenroman geschrieben, die Zielgruppe ist 25+, die Heldin ist kurz vor dem 30. Geburtstag, und sie stellt fest, da sind 17 Dinge auf ihrer Liste, die sie bis zum 30. erleben wollte noch unerledigt. Jetzt macht sie sich daran die Liste abzuarbeiten. Mit vielen Höhen und Tiefen, Abenteuer, und dabei läuft  ihr auch noch der richtige Mann über den Weg

Es ist nicht jedermanns Sache, das zusammenzufassen, aber man kann es üben. Und wie bei einem Vorstellungsgespräch, wo man nach seiner Qualifikation gefragt wird, so gilt auch hier:  Was zeichnet diesen Text aus? Was macht ihn besser als andere? Da können Autoren noch sehr viel an sich arbeiten. Ich verstehe eine gewisse Scheu an die Öffentlichkeit zu treten mit seinem ganz eigenen Werk, mit dem man nun zwei Jahre allein zusammen verbracht hat. Aber der Autor hat sich dabei was gedacht und möchte, dass es jemand da draußen lesen soll. Dann muss er sich auch die Mühe machen, die richtige Verpackung drum herum zu finden. Ich lese eine originelle nette Mail lieber als „Sehr geehrte Damen und Herren“. Wenn alles passt, und ich sehe, da ist eine Autorin, die auch kritisch mit sich selbst ist, ist das toll. Es bringt nichts, als Autor zu sagen, der Text ist perfekt und muss genau so vom Verlag gedruckt werden. Es gibt einen Austausch mit mir und dem Lektor, dessen muss man sich bewusst sein. Es braucht schon Selbstbewusstsein aber auch Kritikfähigkeit. Der Autor soll wissen: Die Agentin kann mir helfen da draußen wahrgenommen zu werden und hat auch dementsprechende Erfahrung, und deshalb höre ich auf sie, und helfe mit, da draußen meinen Weg zu finden.

Bei erfolgreichem Vertrag: Was passiert mit dem Manuskript bevor es an den Verlag geht?
Das kommt darauf an, in welchem Stadium das Manuskript bei uns ankommt. Ist da nur Idee und Leseprobe, ist es der Erstling oder wurde schon veröffentlicht? Hier durchlaufen wir mit dem Autor unterschiedliche Arbeitsphasen. Manchmal fängt man auch bei der Form an, und zeigt dem Autor, wie er den Text besser formatieren kann.

Wenn in meinen Augen ein Text vorzeigbar ist, dann schlage ich diesen Lektoren am Telefon, bei persönlichen Gesprächen oder per E-mail vor. Dabei lege ich großen Wert darauf, den Text und seinen Autor aussagekräftig vorzustellen, und ich begründe auch meist, warum ich denke, dass es bei dem bestimmten Verlag gut passt.

Dann fängt natürlich das Warten an, aber wir haken auch schon mal nach, um den Autoren Feedback zu geben. Wer hat schon abgesagt, von wem können wir bald eine Antwort erwarten und wer hat es noch nicht gelesen.

Haben sie auch schon mal ein Manuskript abgelehnt, was bei einem Verlag dann doch ein „dicker Fisch“ wurde?
Ein „dicker Fisch“ nicht, aber eine „Kaulquappe“. Mir ist auch schon passiert, dass ich eine Autorin während meiner Zeit bei Meller abgelehnt habe, die dann bei Schlück angenommen wurde. Jetzt sind wir wieder in einer Familie. Aber ich bereue meine Entscheidungen nicht. Es gab immer Gründe dafür, die waren zu einem bestimmten Zeitpunkt berechtigt. Das geht wohl jedem Agenten so.

Ich habe es mit einem Sachbuch erlebt, was ich spannend fand, aber schwierig zu vermitteln, und ich habe es abgelehnt. Als ich dann eines Abends „Titel, Themen, Temperamente“ mit meinem Mann geschaut habe, hielt der Moderator plötzlich dieses Buch in die Kamera. Da denkt man schon: „Oh ne, das hab ich abgelehnt!“

Es ist sicher auch Geschmackssache!
Ja, das ist es, und wenn Sie eine Absage bekommen, heißt das nicht, dass ein anderer Lektor/Agent das Manuskript nicht gut findet. Es ist wie mit einem Film im Kino: Sie selbst finden ihn total gut, und ihr Freund findet ihn schlecht. Die Meinung ist oft subjektiv. Eine eigene Lesefreude ist schon Voraussetzung. Gepaart mit dem Blick auf den Markt lässt sich so der Text einschätzen. Selbst wenn ich einen Roman schön finde, muss ich ihn verkaufen können, und wenn da ein Genre bedient wird, was gerade nicht so gut geht, hilft alles nichts.

Lohnt es sich dann, zu einem späteren Zeitpunkt sich mit seinem Manuskript noch mal zu bewerben? Erinnert man sich als Agent überhaupt an jede Einsendung?
Schon. Das kommt aber von Fall zu Fall darauf an. Manche Autoren fragen, ob sie noch mal überarbeiten können. Es lohnt sich auch immer mehrere Agenturen gleichzeitig anzusprechen, wobei man das natürlich erwähnen sollte, dass man sich auch anderweitig bewirbt. Das ist vollkommen legitim, denn so eine Prüfung dauert ja meist  mehrere Wochen. Falls sich der Autor in der Zwischenzeit für eine andere Agentur entschieden hat, möchten wir das allerdings gerne wissen, damit wir nicht unnötig Zeit investieren.

Sollte man ein Foto beifügen?
Ich finde das immer nett, aber es beeinflusst mich nicht Es ist einfach eine schöne Ergänzung.

Wo geht der Trend hin? Wie planen Sie?
Wir planen zwei – drei Jahre im Voraus und kennen die Verkaufszahlen unserer Autoren. Man überlegt gemeinsam, wo die Reise hingeht. Natürlich sind wir darauf bedacht, den Autor langfristig weiterhin zu vermitteln. Spannung wird immer gesucht. Im Jugendbuchbereich wird es wieder realistischer. Im Frauengenre erotischer. Es ist schwer, in die Zukunft zu schauen. Man guckt schon, was läuft momentan gut und was ist ausgereizt. Wir schlagen unseren Autoren auch Richtungen vor, spüren nach, wo seine Talente liegen Dabei soll er nicht verbogen werden, er muss sich schon damit wohlfühlen.

Es scheint ein hartes Geschäft zu sein.
Es ist schwierig, aber eine wunderbare Aufgabe. Ein Hobby und eine Leidenschaft – das Lesen und die Bücher. Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen. Es ist immer wieder spannend zu erleben, wie aus einer kleinen Idee, die man vielleicht mitentwickelt hat, ein Buch wird, das dann in der Buchhandlung liegt.

Vielen Dank für dieses tolle Interview und die Zeit, die Sie sich genommen haben Frau Zastrow.

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Interview mit Beatrice Lampe von Piper Fantasy & IVI

Oktober 29

Piper Fantasy feiert dieses Jahr seinen 10. Geburtstag. IVI ist seit dem Frühjahr mit seinem Programm am Markt. Ein kleines Programm, das ich jetzt schon sehr schätze. Zusammen mit dem Programmleiter Carsten Polzin bildet Beatrice Lampe das Team für den Bereich Fantasy und IVI im Piper Verlag. Ich habe mich sehr gefreut, mit ihr sprechen zu können.

Wie wird man Lektor?
Es gibt keinen vorbestimmten Weg zum Lektorenberuf. Wichtig ist, dass man seine Begeisterung für Literatur und Bücher ausdrücken kann und am besten einen entsprechenden Studienabschluss besitzt. Ein Literaturstudium ist von Vorteil, aber nicht Voraussetzung. Ich habe Germanistik studiert und war danach Werbetexterin. Das bin ich im Grunde immer noch, denn ich texte die Titel der Bücher und die Buchtexte. Sogar bei einer Autorenvita muss man richtig einschätzen, welche Infos interessant sind und welche nicht. Welche starken Argumente führt man auf? Was darf ich sagen und was lieber nicht? Diese Kompetenz und meine Begeisterung für Fantasy war eine gute Voraussetzung für den Job.

Dann lektorieren Sie auch die Manuskripte?
Ja. Diese Arbeit stand aber früher sehr viel mehr im Zentrum. Heute sind wir Verlagslektoren eher Projektmanager. Wir müssen abwägen, welche Bücher zu uns passen, was auf dem deutschen und dem internationalen Markt geschieht, welche Autoren gerade gefragt sind. Wie wir an die kommen? Dafür gibt es literarische Agenten, die Autoren vertreten und denen wir gute Angebote machen müssen, damit wir den Zuschlag für ein Manuskript bekommen. Das ist nicht immer sicher, und wir bangen jedes Mal, ob es auch klappt – wie bei einer Auktion. Vielleicht wird man überboten und muss viel Engagement zeigen, um einen Titel am Ende zu bekommen.
Die Buchbranche ist ein sehr aufregender Markt. Und mein Job ist so toll, weil jeder Tag anders ist und ständig neue aufregende Ereignisse passieren.

Wie bewältigt man den Stapel unverlangt eingesandter Manuskripte?
Davon bekommen wir täglich 20–30 Einsendungen. Das können wir nicht alles lesen. Uns hilft eine Assistentin, die vorsortiert und ganz viel wieder zurückschickt. Die Sachen, die sie gut findet, landen auf unseren Tischen. In den seltensten Fällen ist bei den unverlangten Einsendungen wirklich guter Stoff dabei, und selbst dann diskutieren wir sehr intensiv, ob wir ein Projekt wirklich ins Programm nehmen können. Wenn es dann doch eine Standardabsage von uns gibt, heißt das nicht, dass wir es uns nicht angeguckt haben. Wir schauen uns jedes Manuskript an.
Priorität A haben jedoch die wichtigen internationalen Manuskripte. Außerdem gibt es Bücher, die uns Verlage direkt anbieten, die nicht über Agenturen laufen. Das hat Priorität B. Erst auf C kommen die unverlangt eingesandten Manuskripte.
Klar könnte ich den ganzen Tag mit Lesen verbringen, stattdessen muss ich aber sicherstellen, dass unsere Autoren ihre Termine einhalten, dass Manuskripte rechtzeitig zum Übersetzer gehen, kurzfristig für Ersatz sorgen, wenn jemand krank wird. Was kommt aufs Cover? Ist unser Buchtitel schutzfähig? Und was steht im nächsten Fantasy-Newsletter? Mit solchen Dingen beschäftige ich mich tagsüber. Die Manuskripte lese ich nach Feierabend und am Wochenende.

Wie schafft man es, sein eigenes Manuskript als „verlangt“ einzusenden?
Heutzutage ist der einfachste und effektivste Weg über eine namhafte Agentur. Es ist gut für angehende Autoren, sich Unterstützung und Hilfe von literarischen Agenturen zu holen. Wenn man es schafft, den Agenten von seinem Projekt zu überzeugen, hat man gute Chancen; dann ist man schon auf der Autobahn zum Verlag. Schließlich landet das Manuskript eher in unserem Fokus, wenn die Agentur eine große Empfehlung ausspricht.

Was ist das ausschlagende Element? Zählt die Form oder ein Foto?
Ein Foto ist ganz egal. Wichtig finde ich, dass schon das Anschreiben ansprechend und fehlerfrei ist. Ganz oft denken wir: Du schaffst es nicht, in zwei Sätzen zu beschreiben, warum du mir diesen Brief schickst. Wie willst Du dann den Leser auf den ersten zehn Seiten an die Hand nehmen? Im Exposé sollte der Autor erklären können, warum gerade sein Buch wichtig ist und was es besonders macht; was es von der breiten Masse abhebt. Wenn das Exposé stimmig ist, muss ich gar nicht unbedingt das Manuskript komplett lesen, weil ich weiß, dass das Konzept funktioniert. Diese Geschichte kann ich als Lektor gut erzählen – und die können die Buchhändler auch gut den Lesern erzählen.
In der Regel lese ich zuerst das Exposé. Dann informiere ich mich, wer der Autor ist und was er macht. Ist er IT-Techniker oder erst 16? Das spielt für meine Wahrnehmung eine Rolle. Dann lese ich die Leseprobe, und zwar den Romananfang, denn das ist die entscheidende Stelle, die den Leser mitreißen muss. Ein Manuskript muss von der ersten Zeile an gut sein. Ich lese die ersten zehn Seiten, und wenn ich bemerke, dass die Geschichte nicht funktioniert, muss ich aufhören – schließlich habe ich eine große Masse an anderen Manuskripten zu bewältigen. Wenn der Anfang mich jedoch überzeugt, lese ich noch mal 20–30 Seiten. Und wenn die ersten 50 Seiten gut sind, bin ich schon ziemlich positiv gestimmt. Aber das passiert in den wenigsten Fällen bei den unverlangten Einsendungen. Unser Auftrag ist es, das Beste vom Besten zu finden. Geschichten, die viele Leser finden und neue Trends auslösen könnten. Um ein solches Angebot zu liefern, muss man vor allem streng mit sich selber sein und mit den Autoren.

Wie viel hat der Autor mit dem Marketing zu tun?
Eigentlich sehr viel. Es hängt aber davon ab, wie stark er sich einbringen will und wie realistisch seine Vorstellungen sind. Manche Autoren haben ganz große Ideen, was wir als Verlag alles für sie machen könnten. Denen müssen wir manchmal erst klar machen, dass wir nicht nur einen, sondern schrecklich viele Autoren haben, die wir alle mit Marketing unterstützen wollen, obwohl unser Budget begrenzt ist. Wir werben so gut und breit wie möglich; man kann aber auch beobachten, dass große und teure Kampagnen der Konkurrenz auch mal danebengehen und der versprochene Erfolg ausbleibt.
Für uns ist es deshalb das Wichtigste, das Engagement des Autors einzufangen und daraus etwas Besonderes zu machen. Gerade in der Fantasy und im Jugendbuch sind wir ganz eng vernetzt mit dem Onlinemarketing. In diesen beiden Genres ist jede Onlinemaßnahme besser als eine teure Anzeige in der FAZ oder im Spiegel. Und da unsere Zielgruppe viel online ist, ist es sinnvoller, sich eine entsprechende Aktion für sie auszudenken, zum Beispiel eine Livestreamlesung mit dem Autor oder einen Schreibwettbewerb für Fans. Solche Aktionen haben viel mehr Potenzial und bewirken, dass sich ein Buch genau bei den Leuten herumspricht, die es auch lesen wollen.
Wenn unsere Autoren sich in diese Richtung engagieren wollen, stehen ihnen unsere Türen sehr weit offen.

Wie ist das bei den englischen Übersetzungen? Verändern Sie noch etwas an der Geschichte? Wie bringt man die Wirkung des Originals in die deutsche Sprache?
Wir arbeiten mit einem großen Pool an Übersetzern zusammen, die sich in unseren Genres sehr gut auskennen. Wir kennen die Übersetzer auch persönlich, diskutieren mit ihnen über vergangene Projekte und darüber, welche Stoffe sie persönlich interessieren. Schließlich muss ich im Vorfeld sehr genau einschätzen, wen ich mit welchem Projekt beauftrage. Im Nachhinein prüfen wir die Qualität jeder Übersetzung, um auf dem Laufenden zu bleiben. Zum Beispiel wirkt es sich auf den Text aus, wenn ein Übersetzer gerade eine schlechte Phase im Leben hat, und uns fällt auch auf, wenn jemand so gut wie nie zuvor übersetzt hat.
Wichtig ist, dass der deutsche Text in sich stimmig ist. Wir wollen nicht, dass der Leser über Anglizismen stolpert oder sich über viele Rechtschreibfehler ärgern muss. In der Redaktionsphase wird überprüft, dass der Übersetzer auch inhaltlich nichts übersehen hat, wie z. B. dass eine Figur einheitlich ihr Muttermal auf der linken Wange trägt. Wenn im Originaltext ein solcher Fehler auftaucht, dann greifen wir ausnahmsweise ein und korrigieren in der deutschen Fassung.

Welche Tipps haben sie für angehende Autoren?
Michael Peinkofer hat vor kurzem ein ganzes Buch zu dem Thema geschrieben: „Das Zauberer-Handbuch. Schreib deinen eigenen Fantasy-Roman“
Ich persönlich rate: Immer wieder an sich arbeiten. Überzeugt von seinem Stoff sein und trotzdem bereit, sein Manuskript wieder und wieder zu überarbeiten. Ein Autor muss beobachten, was die Konkurrenz macht. Muss am Markt dran bleiben und wissen, was die Leute lesen wollen. Und sich durchaus trauen, einen Stoff erst in zehn Jahren wieder anzufassen, wenn die Zeit dafür reif ist.

Was wird Trend?
Die Zeit der Dystopien ist vorbei. Spätestens in einem Jahr, denke ich. Realistischere Stoffe und Thriller werden auf der Buchmesse gerade in Massen angeboten. Viele Verlage werden deshalb auf Fantasy verzichten, aber da kontern wir und setzen gerade deshalb auf große fantastische Geschichten.

Wie ist IVI entstanden?
IVI ist aus einem bestimmten Grund entstanden. Mit unserem Fantasyprogramm haben wir schon immer nicht nur unsere erwachsenen männlichen Leser angesprochen, sondern auch jüngere und weibliche Leser. Das Problem: Im Buchhandel gibt es für Fantasy und Jugendbuch unterschiedliche Ansprechpartner. Der Einkäufer für Fantasy weiß: Vor meinem Regal stehen meist nur Kerle, warum soll ich die weiblichen All-Age-Titel ins Regal stellen? Deshalb wurden diese Bücher nicht bestellt und damit weniger verkauft. Da mussten wir unsere Strategie ändern. Wir trennten. Uns war klar, dass wir im erwachsenen Fantasyprogramm weiterhin männliche Leser ansprechen. Mit IVI bieten wir nun neuen Autoren eine Bühne, die auch wirklich dahin kommen, wo sie gebraucht werden, nämlich in die Regale der Jugendbucheinkäufer. Das ist uns bereits mit den ersten Büchern ganz gut geglückt. Unser Anspruch: Wir wollen kein riesiges Programm aufbauen und damit den traditionellen Jugendbuchverlagen das Wasser abgraben. IVI bedeutet: Wir machen Bücher für junge (Fantasy-)Leserinnen, wählen aus der Masse an All-Age-Manuskripten pro Programm aber nur die vier allerbesten Titel aus und setzen damit auch in Zukunft statt auf Quantität auf Qualität.

Wie wichtig sind Ihnen die Blogger?
Unsere Blogger sind superwichtig. Gerade für den All-Age-Bereich sind sie unerlässlich und mittlerweile das wichtigste Medium. An ihre Wirkung kommt keine klassische Rezension ran. Die Blogs haben eine ganz eigene Dynamik: Sobald eine Rezension veröffentlicht wird, entwickelt sich in den Kommentaren eine rege Diskussion. Wir sind immer wieder erstaunt, dass manche Leser sich für ein Buch entscheiden, nur weil es ein bestimmter Blogger, dessen Meinung vertraut wird, es empfiehlt. Das zu beobachten ist superspannend: Ich schaue mir deshalb jeden Morgen an, welche neuen Rezensionen in den Blogs erscheinen.

Habt ihr begrenzte Kontingente an Leseexemplaren?
Noch nicht, aber wir überlegen, wie wir das Angebot für unsere Blogger noch besser machen können. Es gibt beispielsweise einen englischen Verlag, der ein Bloggerbelohnungssystem einsetzt. Blogger können sich dort exklusiv registrieren und damit Botschafter des Verlags werden. Der nächste Schritt wäre für uns, dass wir euch Blogger noch näher an unsere Seite holen, damit ihr euch wohlfühlt und auch was davon habt, wenn ihr tolle Rezensionen zu unseren Büchern schreibt.

Wie gehen Sie mit negativen Rezensionen um?
Passiert ständig und ist verständlich. Natürlich finden wir es schade, wenn ein Buch einem Leser einmal nicht gefallen hat, aber wir wollen ja auch lernen und lesen negative Rezensionen deshalb aufmerksam durch. Es ist wichtig, das berechtigte Kritik bei uns ankommt. Die wird nicht zensiert. Aber am Ende zählt: Ein Buch kann noch so viele 5 Sterne Rezensionen haben, wenn es einfach nicht meine Sprache spricht, werde ich es nicht mögen. Deshalb ist es uns ein echtes Anliegen, bei IVI Bücher aus ganz unterschiedlichen Genres, mit ganz unterschiedlichen Themen und Erzählstilen zu bieten.

Vielen Dank für dieses interessante Interview und weiterhin viel Erfolg für Piper Fantasy und IVI!

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Interview mit der Literaturagentur AVA

Oktober 17

Ein sehr nettes Gespräch durfte ich mit Roman Hocke führen. Herr Hocke hat langjährige Erfahrung in der Branche und arbeitet seit 1997 als Literaturagent und seit 2001 bei der AVA (www.ava-international.de) in München.

Was macht den Reiz am Beruf Lektor aus?
Es ist ein tolles Erlebnis, gute Geschichten zu entdecken. Die Herausforderung ist, den Autor mit seiner Geschichte so in ein Verlagsprogramm zu platzieren, dass er möglichst viele Leser erreicht.

Wie findet man aus der Flut von Manuskripten das richtige heraus?
Wir haben ein sehr ausgeklügeltes Filtersystem. Erst wird gesichtet und vorsortiert. Dabei fallen Manuskripte heraus, die nicht gut sind oder die nicht in unserem Bereich liegen. Kochbücher z. B. kann ich leider nicht beurteilen, weil ich davon nichts verstehe. Wir konzentrieren uns auf die Bereiche, von denen wir eine Ahnung haben.

Bekommen sie viele Manuskripte, die nicht in ihrem Bereich liegen?
Ja, z. B. Gedichte oder auch allerlei Lebenserinnerungen. Aber die Qualität der Einsendungen ist im Laufe der letzten Jahre sehr viel besser geworden. Sehr groß ist der Anteil an interessanten Autoren und Büchern geworden, die uns in den letzten Jahren erreichen. Die Autoren informieren sich offensichtlich besser und gehen zielgerichteter vor. Trotzdem bekommen wir immer noch eine große Anzahl Manuskripte von Leuten, die eher träumen, Schriftsteller zu sein, als dass sie tatsächlich Schriftsteller sind.

Was passiert nach der Filterung?
Nach Lektüre wollen wir den Autor kennenlernen. Was für eine Weltvorstellung hat er? Wie denkt er? Ist er so interessant wie sein Manuskript? Wir schauen, ob die Chemie stimmt. Erst dann unterbreiten wir ihm ein Vertragsangebot.

Also spielt die Persönlichkeit eine Rolle?
Die Innenwelt des Autors spielt sogar eine sehr wichtige Rolle. Wenn die Erzählungen eines Autors so interessant sind, dass ich ihm buchstäblich an den Lippen hänge, weil er so eine interessante Sicht auf die Welt hat, so ist das wunderbar. Ich muss einfach spüren, dass ihn ein spannendes Welterlebnis entflammt, das macht mich neugierig. Denn wenn es mich neugierig macht, dann macht es einen Verleger neugierig und damit auch die Vertreter und die Buchhändler, schlussendlich die Leser. Dieses Feuer muss man spüren, erleben. Es geht ja nicht nur um das Erzählen und dessen Sog, um Leser in den Bann einer Geschichte zu ziehen. Das ist neben Talent auch viel Technik nötig, zu einem guten Teil kann man das auch lernen. Es geht auch darum, ob die Welten, die da erzählt werden, auch bedeutungsvoll, ja im wahrsten Sinne des Wortes wertvoll sind. Welche Werte herrschen vor? Wie leben die Protagonisten diese Werte? Die Faszination für Welt und Werte können sie nicht nur an einem Manuskript feststellen, sondern verstärkt auch beim Menschen, der das Buch schreibt.

Zählt bei einer Manuskripteinsendung die Form? Ist ein Foto von Vorteil?
Die Form vermittelt einen ersten Eindruck. Wenn alles zu klein gedruckt ist, hat man schon keine Lust zu lesen, da muss man sich zu sehr konzentrieren. Es muss nicht 100%ig die Normseite sein, aber eine angenehme Lektüreform. Manuskripte müssen einfach lesefreundlich sein. Ein Porträtfoto unterstützt diesen ersten Eindruck, da man sich buchstäblich ein Bild von dem Autor machen kann, auch wenn nur ein sehr oberflächiges. Ein Autor sollte in einer Biografie auch ein wenig mehr von sich preisgeben als die nackten Lebensdaten. Was treibt ihn an? Wann hat er das Schreiben für sich entdeckt? Ist es ein plötzlich neu eingetretenes Bedürfnis oder hat er/sie als Kind schon geschrieben oder ist es da ein Talent, das sogar in der Familie, in den Genen liegt? Was ist das, was sich da Luft verschaffen muss? Das sind für mich alles wichtige Informationen – wie professionell ein Autor schreibt, ob es nur aus einer Laune heraus entsteht oder ob es ihm ein Bedürfnis ist, das in ihm angelegt ist und heraus muss. Das sind ganz wichtige und entscheidende Kriterien.

Wie wichtig ist es, ein kurzes Exposé abzugeben?
Normalerweise ist es ganz gut, wenn man mit einem Kurztext auf einer halben Seite sagt, worum es in der Geschichte geht. Das kann durchaus in Form eines Werbetextes geschehen. Daran kann ich erkennen, ob die Geschichte mich neugierig macht oder nicht, oder ob es diese Art von Geschichte auf dem Markt schon gibt. Wir bekommen z. B. immer noch sehr viele Manuskripte mit Vampiren. Diese Autoren haben nach all der Bücherflut keine wirkliche Chance mehr. Mir geht es darum, einen Geschmack auf die Geschichte zu bekommen, eine kleine Vorstellung, um zu sehen, ob sie mich reizt. Wenn das der Fall ist, wünsche ich mir ein ausführliches Exposé, um zu sehen, wie sich die Architektur einer Geschichte zusammensetzt und wie kunstvoll sie aufgebaut ist. Und schließlich bedarf es noch einer Leseprobe, um den Tonfall der Erzählung, die Erzählhaltung einschätzen zu können. Und was ich noch dringend brauche, ist Zeit, denn – was viele Autoren nicht wahrhaben wollen: Lesen bedarf Zeit. Es gibt Autoren, stellen Sie sich vor, die kommen auf die Messe, legen ihr Manuskript vor und fragen, ob man “mal eben schnell“ lesen kann. Wenn man ein Manuskript jedoch anständig lesen will, braucht das viele Stunden.

Was passiert bei einem Vertrag mit ihnen? Was passiert mit dem Manuskript? Wird es lektoriert?
Nach Abschluss eines Vertrages entwickeln wir gemeinsam mit dem Autor eine Editionsstrategie und dann arbeiten wir an der Optimierung des Manuskriptes. Erst einmal müssen wir feststellen, welchen Markt die Geschichte haben könnte, ob als historischer Roman oder als Familiensage. Dann wird in enger Zusammenarbeit mit dem Autor die Geschichte optimiert, damit sie nicht nur auf das richtige verkäuferische Gleis gestellt werden kann, sondern vor allem um die Geschichte noch mal origineller, dichter zu  gestalten, noch einen Dreh spannender, damit der Leser staunen und erleben kann. Dann bereiten wir unsere Präsentationsunterlagen vor, bestehend aus Kurztext, Exposé, einer Leseprobe und Angaben zu dem Autor. Anschließend beginnt die Akquisitionsphase …

Lektorieren sie das komplette Manuskript?
Wir machen ein dramaturgisches Lektorat, kein redaktionelles. Wir weisen den Autor zwar auch auf stilistische Probleme hin, auf schiefe Bilder und unstimmige Logik, raten auch, das Rechtschreibprogramm über den Text laufen zu lassen. Die Geschichte ist wie ein Gebäude, das sich im Bau befindet. Bei der Konstruktion wirken wir ein, sagen: Stärke den Pfeiler oder stütze diese Wand ab, damit es einfach von der Architektur her stimmig und kraftvoll wird.

Wie lange dauert der Prozess, bis es dann an die Verlage geht?
Das hängt von dem jeweiligen Autor ab und kann ein halbes Jahr oder ein Jahr dauern, manchmal nur 3 Monate. Das liegt daran, ob beispielsweise der Autor einen Beruf hat. Da wirken viele Faktoren ein.

Wie bekommt man das Gespür für Trends?
Trends kann man nicht bedienen. Sie entstehen. Entweder sie sind mit dabei oder nicht. Wenn man sich den Trend erst bewusst macht und ihn erkennt, ist er im Grunde schon wieder vorbei.

Also ist es Glück, ob man den Trend trifft?
Immer. Das ganze Leben besteht aus viel Einsatz und Glück.

Schlagen sie den Autoren auch vor: Mach doch mal so was, damit könnte es klappen?
Ein Stoff muss immer aus der Innenwelt des Autor kommen. Etwas aufsetzen geht immer schief.

 

Vielen Dank, dass sie sich Zeit genommen und sich den Fragen gestellt haben. Es war sehr interessant und aufschlussreich.


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