Aisling Breith lesen, schreiben, hören

Stempeln-Rückschau auf Dezember 2011

Dezember 10

Aktion-Stempeln


Aus einem spontanen Gedanken während einer Facbook-Diskussion enstanden, starte ich heute mit der „Aktion Stempeln“. Wer

Die „Aktion Stempeln“ geht in die zweite Runde. Dabei werde ich ein Jahr zurück in den Dezember 2011 schauen. Wer über die Aktion genaueres wissen möchte, schaut bitte hier nach: http://aislingbreith.de/2013/10/28/aktion-stempeln/

Der Dezember war der Monat, indem ich zum ersten Mal angefangen habe zwei Bücher gleichzeitig zu lesen. Im Endeffekt hat Delirium über House of Night 6 gesiegt, aber der Auftakt dieser tollen Dystopie-Trilogie hat mich ins neue Jahr begleitet und ist erst im Januar dran.

Tatsächlich hatte ich vergessen im Klinsch mit den beiden Bücher gestanden zu haben. House of Night habe ich nie beendet und werde es auch nicht. Zu viele Fortsetzungen und wirklich toll finde ich die Serie nicht mehr.

So muss ich feststellen, dass ich so richtig nur ein Buch gelesen habe und das war gleichzeitig Abschluss einer Trilogie, die ich eventuell noch mal lesen werde.

Mit einem Klick auf das Cover geratet ihr zur  Rezension!

 Habt ihr das Buch gelesen? Könnt ihr euch erinnern oder seit ihr ganz anderer Meinung?

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Interview mit Kai Meyer

August 19

Als ich bei Carlsen für dieses Interview angefragt hatte, hatte ich nicht wirklich damit gerechnet, eine Zusage zu bekommen. Um so schöner war es, auf der Leipziger Buchmesse einem der erfolgreichsten Autoren Deutschlands gegenübersitzen und ihn interviewen zu dürfen.

KaiSchreibst Du gerade an etwas Neuem?
Den neuen Roman für Carlsen habe ich schon abgegeben. Der Arbeitstitel ist „Smile“, aber das fertige Buch wird wohl einen anderen Titel bekommen.

Ist das wieder eine Mischung von Genres, wie Du es gerne machst?
Es ist eine Mischung aus Weltuntergang/Endzeit und einer Geistergeschichte. Ein Roman über die Apokalypse, aber auf keinen Fall eine Dystopie.

Gibt es eine Liebesgeschichte?
Ja, diesmal allerdings sehr zurückgenommen. Der Roman erscheint bei Carlsen unter dem Bittersweet-Label, aber in erster Linie besteht er aus einer Menge Action.

Wird es ein Einzelband oder ein Mehrteiler?
Ein Einzelband, was ich in nächster Zeit wohl wieder häufiger machen werde.

Ist eine Trilogie anstrengender zu verfassen?
Es ist eine andere zeitliche Verpflichtung. Bei ‚Arkadien‘ zum Beispiel wusste ich, es werden drei Jahre. Das war einer der Gründe, warum der Roman auf Sizilien spielt. Wenn ich drei Jahre mit einer Geschichte verbringe – und im Kopf reise ich ja ziemlich intensiv zu den Schauplätzen – dann lasse ich sie lieber irgendwo spielen, wo es hübsch ist.

Als Du die Recherche für ‚Arkadien‘ betrieben hast, waren da Filme wie „Der Pate“ oder die Serie „Die Sopranos“ ein Thema?
Ich hab eher die italienischen Mafiafilme aus den Siebziger angeschaut. Die Atmosphäre der Sechziger und Siebziger sollte in die Geschichte einfließen. So kam auch das Lied „My Death“ in den Roman. Zu der Zeit spielten noch wahnsinnig viele europäische Filme am Mittelmeer, für die Leute war das sehr viel exotischer als heutzutage, wo jeder für hundert Euro in die Karibik fliegen kann. In Italien, Frankreich und Spanien wurden jedes Jahr Hunderte Filme gedreht, ganz anders als heute, und ich wollte diese Atmosphäre haben, die man in all den gleichgeschalteten Hollywoodfilmen und amerikanischen Bestsellern nicht mehr findet.

Fährst Du zu den Schauplätzen?
Zu einigen schon, aber nicht zu allen. Früher habe ich viel mit Bildbänden gearbeitet, heute kann man mithilfe des Internets viel über Google Earth machen. Allerdings war ich für die Arkadien-Bücher auf Sizilien und für ‚Asche und Phönix‘ in Südfrankreich.

Wird Arkadien verfilmt werden?
Es gibt Verhandlungen mit einer deutschen Firma, aber viel mehr darf ich dazu noch nicht sagen. Ehrlich gesagt lohnt es sich auch meist nicht, weil am Ende doch nichts daraus wird. Vielleicht klappt es diesmal, aber die Chancen sind im Filmgeschäft verschwindend klein.

Würdest Du selber das Drehbuch schreiben?
Nein. Ich habe früher Drehbücher geschrieben, aber es ist ein ganz anderes Schreiben. Drehbücher schreibt man auf eine bestimmte Länge und unter ganz bestimmten dramaturgischen Anforderungen. Ich neige zum Beispiel dazu, viel zu lange Dialoge zu schreiben, die für Drehbücher nicht besonders geeignet sind. Ich musste sie damals bei meinen Filmen meist stark kürzen, was ihnen nicht unbedingt gut getan hat.

Mein erstes professionelles Drehbuch war ein Horrorfilm für RTL, „School’s Out“, und hatte in der ersten Szene einen Dialog von acht oder zehn Seiten. Das ging natürlich überhaupt nicht, viel zu lang für ein normales Drehbuch und erst recht für RTL. Es wurde dann auf drei Seiten gekürzt und der Glaubwürdigkeit der Szene hat das nicht besonders gut getan. Letztlich war das allein meine Schuld, mir hätte das von Anfang an klar sein müssen.

Ich habe damals sechs Drehbücher geschrieben und verkauft, davon wurden zwei tatsächlich verfilmt, was ein ganz guter Durchschnitt ist. Ich hatte aber keine Lust mehr auf die endlosen Diskussionen mit den Redakteuren und Produzenten, auf Jugendschutzbestimmungen und all die Konsensentscheidungen. Mein bester Verbündeter war der Regisseur Robert Sigl, der Dinge durchgesetzt hat, die in einem normalen Fernsehfilm nie durchgekommen wären. Dafür gab es dann allerdings auch nachträglich Ärger mit dem Jugendschutz, RTL musste zigtausende Mark an Strafe bezahlen. Was lächerlich war, aber so läuft das eben in Deutschland.

Wie gehst Du mit Kritik um?
Man gewöhnt sich daran, dass es auch Leser gibt, die manche Bücher nicht gut finden. Mir geht es ja genau so mit Romanen anderer Autoren, die viele Leser toll finden und ich trotzdem nicht mag. Am Anfang meiner Karriere, als die Bücher noch nicht so erfolgreich waren, hatte ich fast durchgehend positive Rezensionen. Aber mit den höheren Auflagen kommen ganz zwangsläufig auch negative Meinungen. Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden. Es kommt auch immer darauf an, inwiefern ich eine Kritik nachvollziehen kann. Manchmal trifft ja auch jemand gerade bei älteren Büchern einen wunden Punkt, bei dem ich denke, gut, da hat er nicht unrecht. Und dann gibt es das andere Extrem, oft natürlich bei Amazon, wo ich nach einem Satz nicht weiterlese, weil sich der oder die Verfasserin gleich zu Anfang selbst disqualifiziert. Das passiert übrigens auch bei positiven Rezensionen.

Meine Protagonisten polarisieren öfter mal. Mit Rosa aus den Arkadien-Romanen hatte manch einer Probleme und ist ausgestiegen, weil die Figur am Anfang ein wenig sperrig ist – nur war ja genau das meine Absicht. Figuren müssen sich entwickeln, darum versuche ich gar nicht erst, sie gleich auf der ersten Seite sympathisch zu machen. Und nicht selten ist es ja gerade dieses Raue, das sie dann eben doch wieder liebenswert macht. Tarik aus der Sturmkönige-Trilogie ist anfangs ein versoffenes Wrack, der sich nach einigen Kapiteln zusammenreißt und in den drei Romanen eine große Veränderung durchläuft. Aber um das mitzubekommen, darf man natürlich nicht nach drei Seiten das Buch zuschlagen und gleich mal bei Amazon kommentieren: „Ich werde mit der Figur nicht warm.“ Überhaupt mein spezieller Lieblingssatz in Leserrezensionen.

Was für einen Stellenwert haben Blogger bei Dir?
Ich bemühe mich, einen guten Draht zu den Bloggern zu haben. Letztlich kann ich natürlich nicht jedem Blog folgen, weil ich sonst nichts anderes mehr machen würde. Ich kann auch leider nicht jedes Interview beantworten. Aber Blogger sind ohne Zweifel sehr wichtig und ich freue mich ehrlich über jede gut geschriebene Kritik. Früher bekam ich zwei Leserbriefe die Woche, heute bekomme ich jeden Tag diverse Mails und Facebook-Nachrichten. Sicher gibt es auch Blogger, die ihre Wichtigkeit etwas überschätzen, der eine oder andere wird auch mal dreist – „Schicken Sie mir doch ein signiertes Buch, dann bespreche ich es auch“ –, aber die Allermeisten sind sehr höflich, freundlich und einfach nur sehr angenehm im Umgang.

Viele angehende Autoren scheuen das Kürzen.
Man kann jeden Text kürzen und den meisten tut es ausgesprochen gut. Zwischen meiner ersten Fassung und der Abgabefassung kürze ich eine Menge, da fliegen locker bis zu zwanzig Prozent heraus. Das macht die Figuren klarer und bringt vor allem auch Dialoge auf den Punkt. Man muss nicht jeden Berg und jedes Kleidungsstück über drei Seiten beschreiben.

Hast Du schon immer als ersten Schritt Exposés verfasst?
Ja, von Anfang an. Meine Exposés sind sehr ausführlich, meist vierzig bis fünfzig Seiten lang. Ich lege jede einzelne Szene fest, die meisten Figuren und mittlerweile auch fast immer das Ende. Oder eine Version des Endes, manchmal ändert sich das später beim Schreiben.

Du weichst also schon von Deinen Vorgaben ab?
Zu neunzig Prozent halte ich mich an den Plot. Innerhalb der Kapitel kann sich einiges verändern, aber der Anfang und Ausgang der Szenen entsprechen meist dem Exposé. Dadurch wissen auch die Verlage ziemlich genau, was sie von mir bekommen werden, und es gibt nachträglich keine Diskussionen darüber, größere Teile des Romans umzuschreiben, weil irgendwem plötzlich irgendetwas nicht gefällt.

Arbeitest Du mit Charakterbögen?
Ich hab das ein, zwei Mal versucht, aber dann gemerkt, dass ich bei der Arbeit am Manuskript kaum noch hineinschaue. Bei längeren Geschichten wie etwa der Arkadien-Trilogie kopiere ich mir während des Schreibens einzelne Absätze, die die Charaktere definieren, in eine zweite Datei, die vor allem dann hilfreich wird, wenn ich den nächsten Band beginne. Die Hauptfiguren sind aber meist auch schon im Exposé umrissen, durchaus auch mit allerlei Details.

Wie bist Du auf einen Antagonisten wie Libatique (Asche & Phönix) gekommen, den ich persönlich sehr gut gelungen finde?
Die Faustregel heißt: Der Schurke muss Held seiner eigenen Geschichte sein. Er sieht sich selbst im Recht. Jeder Antagonist braucht eine Motivation, und sei sie für Außenstehende noch so bizarr. Libatiques jahrtausendealter Wunsch ist es, eigene Kunst zu erschaffen, nur ist er nicht in der Lage dazu; deshalb verschlingt er die Talente von Menschen, die begabter sind als er.

Wie sieht Dein Schreiballtag aus?
Ich korrigiere morgens erst die Seiten vom Vortag, das dauert durchaus ein bis zwei Stunden. Danach versuche ich, zehn Seiten zu schreiben. Das geht nur mit einer Menge Selbstdisziplin, aber ohne die ist man als professioneller Autor eh verloren.

Ich bin seit 1995 hauptberuflich Schriftsteller, vorher war ich Journalist. Ich musste damals um zehn Uhr vormittags in der Redaktion sein, bin aber zwischen fünf und sechs aufgestanden, um vorher ein paar Seiten zu schreiben. Irgendwie hab ich es geschafft, das frühe Aufstehen seitdem beizubehalten.

Hast Du Schreibworkshops gemacht, als Du mit dem Schreiben begonnen hast?
Nein, nie. Ich habe eine Reihe amerikanische Bücher über Dramaturgie und ähnliche Dinge gelesen, aber auch erst Jahre nach meinen ersten Romanen. Das klingt immer alles klug und schlüssig, aber ich hab die Erfahrung gemacht, dass ich mich beim Schreiben dann doch wieder mehr oder minder auf mein Bauchgefühl verlasse. Vor allem bei der ersten Fassung des Exposés. Wenn ich es anschließend noch mal durchgehe, lege ich eher bestimmte Regeln und Maßstäbe an, vor allem wenn ich das Gefühl habe, irgendetwas funktioniert nicht. Dann mache ich mir ganz konkret Gedanken über Spannungsaufbau, Charakterisierung und so weiter.

Hast Du Testleser, denen Du Deine Texte gibst?
Hatte ich lange nicht, aber vor einigen Jahren habe ich begonnen, die Texte eben doch einmal einigen Leuten zu geben. Das sind alles Menschen aus der Buchbranche, die einen professionellen Blick darauf haben und mir auch – glaube ich – ziemlich ehrlich ihre Meinung sagen. Daraufhin ändere ich durchaus Dinge, meist eher Details, aber manchmal auch ganze Szenen.

Liest Du selbst noch viel?
Nicht so viel wie früher. Die allermeisten Bücher beginne ich nur interessehalber, lese aber nur wenige bis zum Ende. Anders ist es mit Hörbüchern. Ich laufe jeden Tag anderthalb Stunden mit meinem Hund durch die Felder, und seit ich dabei Hörbücher höre, schaffe ich auch endlich wieder komplette Romane.

Liest Du die Übersetzungen Deiner Bücher?
Nur die Englischen, aber auch das ist eher so ein Querlesen.

Was war die außergewöhnlichste Sprache, in die eines Deiner Bücher übersetzt wurde?
‚Arkadien erwacht‘ ist auf Baskisch erschienen, das ja nur noch in einem kleinen Teil Spaniens gesprochen wird. Ich habe keine Ahnung, wie hoch die Auflage war, aber viel kann das nicht gewesen sein. Dann gab es Bücher auf Hebräisch oder auch in einigen kleineren asiatischen Ländern, von denen ich gar nicht weiß, ob sie eine eigene Sprache haben oder eher Thai oder Chinesisch benutzen.

Stellst Du Dir diese Ausgaben dann auch ins Regal?
Ich müsste von jeder Ausgabe ein Exemplar haben. In der hintersten Ecke meiner Bibliothek gibt es eine Regalwand, in der sie alle stehen. Aber ich würde mir meine eigenen Bücher nie ins Wohnzimmer stellen.

Wie viele Manuskripte liegen bei Dir unverkauft/unveröffentlicht in der Schublade?
Keins. Ich schreibe erst, wenn ich einen Vertrag habe. Ich schließe zuerst die Verträge mit den Verlagen ab, in der Regel für mehrere Bücher, und dann mache ich mich an die Arbeit.

Das heißt, Du verkaufst nur die Idee an den Verlag?
Oft ist es nicht einmal eine Idee. Genau genommen verkaufe ich mich, meinen Namen oder wie man das nennen möchte. Mit Carlsen habe ich etwa anfangs Verträge über drei Bücher abgeschlossen, es gab weder Inhalt noch Titel. Das gesamte Konzept ist erst später entstanden.

Hin und wieder stelle ich mündlich eine bestimmte Idee vor – so war es zum Beispiel bei der Sturmkönige-Trilogie –, gelegentlich schreibe ich auch mal eine Seite auf mit einer ungefähren Richtung, aber in den letzten zehn, zwölf Jahren war das eher die Ausnahme.

Ich mache das ja nun schon eine Weile und habe bei über fünfzig Büchern zweimal die Abgabetermine überschritten – und dann höchstens um zwei, drei Wochen. Wenn man als Autor erfolgreich mit Verlagen arbeiten will, braucht man eine gemeinsame Vertrauensbasis. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass sie ein ordentliches Manuskript bekommen. Das ist eine Frage der Professionalität, die ich umgekehrt ja auch vom Verlag erwarte.

Im „Spiegel“ stand vor einer Weile, dass in Deutschland geschätzt einhundert Autoren hauptberuflich vom Schreiben leben können. Ich weiß nicht, woher die Zahl kam und wie realistisch sie ist, aber Tatsache ist, dass sogar bekannte Autoren oft noch einen zweiten Job haben. Hauptberuflich können das nur Leute machen, die kontinuierlich arbeiten. In der „Welt“ gab es einen Artikel über Julia Kröhndie unter mehreren Pseudonymen schreibt. Da wurde dann die absurde Diskussion geführt, ob das Vielschreiberei sei, mit diesem typisch deutschen Tenor, wer zwei bis drei Bücher im Jahr unter verschiedenen Pseudonymen und in verschiedenen Genres schreibe, müsse zwangsläufig schlecht sein. Das ist völliger Unfug und noch dazu eine Unverschämtheit. Keiner, der professionell in der Branche arbeitet, würde so etwas allen Ernstes behaupten. So etwas kommt meist von Lesern, die keinen Schimmer davon haben, was Geschichtenerzähler antreibt, oder gern auch von Journalisten, die zehn Jahre an einem unveröffentlichten Manuskript hantieren und Selbstzweifel oder mangelnde Disziplin mit Kunstanspruch verwechseln.

Vielen Dank für das tolle Gespräch. Es hat Spaß gemacht!

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Asche & Phönix

Januar 21


Autor: Kai Meyer
Erscheinungsdatum: November 2012
ISBN-13: 978-3551582911
Verlag: Carlsen
Gebundene Ausgabe: 464 Seiten

Klappentext:

 

Ganz klar, kein Jugendbuch von Kai Meyer geht mittlerweile ungelesen an mir vorbei. Mit der Arkadien–Reihe habe ich mit meiner Tradition nur die Hörbücher zu hören schon gebrochen und auch „Asche und Phönix“ bestätigt mir erneut keinen Fehler damit gemacht zu haben. Außerdem reizt die Idee ungemein und bildet eine schöne Abwechslung.

Ash ist eine gewiefte Kleinkriminelle und wird von Parker Cale, „dem“ Filmstar auf frischer Tat ertappt. Parker, gefrustet vom Ruhm, bricht zu Beginn mit seinem erfolgreichen Vater, der aus allem Gold macht. Mit Ashs Hilfe gelingt es ihm das Hotel zu verlassen, um den Papparazzi zu entgehen. Ash hilft im zunächst nur damit er sie nicht anzeigt, bleibt aber dennoch an seiner Seite, um hinter die merkwürdigen Geschehnisse zu kommen, die sie mit Parker erlebt. Da ist zum einen Parkers Schwächeanfälle, die sich durch ein wenig Blitzlichtgewitter beheben lassen und Parkers weiblicher „Schatten“, eine Frau, die nicht altert und ihn seit er denken kann nicht aus den Augen lässt. Von London fliehen sie vor Parkers Vater  nach Lyon, von da fliehen sie vor dem Handlanger des Mannes, dem Parkers Vater seinen Erfolg zu verdanken hat. Je weiter sie sich Monaco nähern, desto mehr finden sie über den Pakt heraus den Mr. Cale mit dem mysteriösen Libatique geschlossen hat. Aber nicht nur das Entrinnen des Todes schweißt die beiden zusammen. Ash passiert das Undenkbare, etwas wonach sich viele Mädchen sehnen: Sie verliebt sich in Parker und er in sie.

Erster Satz: Das Smiley stand in Flammen

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
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Idee:
Mich hat die Idee um einen Filmstar sehr gereizt. Sicher denkt man gleich an die Stars aus Twilight und Co. Aber da ich mittlerweile weiß, was ich von Kai Meyer erwarten kann, war mir klar, dass wieder verschiedene Stricke zueinander führen, die eine tolle Geschichte ergeben. Die körperliche Abhängigkeit vom Ruhm, fand ich genial.

Plot: Rasant, rasant und beim Lesen hatte ich ein Gefühl wie beim letzten Teil der Arkadien–Reihe auch. Danke, Herr Meyer, für diese grandiose Verfolgungsfahrt. Mal wieder fehlen mir die Worte. Im Grunde bleibt einem nichts anderes übrig als zu lesen. Es entsteht ein heftiger Sog, denn ein Ereignis reiht sich an das nächste. Dabei gibt es kaum Verschnaufpausen und die sind auch gar nicht nötig. Wieder einmal versteht es der Autor die Ereignisse wunderbar abzustimmen und ineinanderzuflechten.

Schreibstil: Was soll ich sagen? Ich kenne zwar nur die Jugendbücher, aber der Stil ist einfach nur toll. Erzählt wird in der dritten Person im Präteritum, wobei man manchmal eher bei Ash ist und an anderen Stellen mehr bei Parker verweilt. Etwas ungewöhnlich empfand ich die Teile, die kursiv gedruckt waren und zudem im Präsens geschrieben wurden. Allerdings waren diese Stellen toll eingefügt und haben einem den Blick auf das Geschehen außerhalb des Agierens von Ash und Parker gegeben.

Charaktere: Ash hat mich etwas an Rosa Alcantara, Meyers Hauptprotagonistin aus der Arkadien-Reihe, erinnert. Sie zeichnet sich, genau wie auch Rosa, durch ihre Andersartigkeit aus. Ash ist eine gewiefte Kleinkriminelle, die sich sicher durchs Leben schlägt. An Parker ist ihr die Persönlichkeit wichtig und nicht der Rummel um seine Rolle als Phönix. Sie verliebt sich nicht gleich in ihn, was mir sehr gefallen hat. Ihre Neugier, hinter die Geheimnisse zu kommen und die Hartnäckigkeit, die sie dabei an den Tag legt, fand ich total sympathisch. Kleinigkeiten wie ihr Hang mit einer alten Polaroid Kamera zu fotografieren oder ihr lila Lippenstift, bringen ihr Tiefe. Er verleiht damit seinen Charakteren eine ganz eigene Note, die somit allein schon genug wirken, um die Figur fassen zu können.

Parker ist für mich richtig gut gelungen. Was mir zuerst wirklich gut gefallen hat, dass er mit 20 allein vom Alter erwachsener angesiedelt ist, als manch andere Charaktere in anderen Geschichten. Vor allem sein innerer Kampf mit den Gefühlen umzugehen, die die Enthüllungen nach und nach bei ihm auslösen hat mich mitgenommen. Er macht in meinen Augen eine noch größere Entwicklung als Ash durch.

Libatique ist der Antagonist schlechthin. Grandios ausgedacht und genau richtig. Das Einzige was ihn mir sympathisch macht, dass er so bösartig und brutal ist. Zu viel möchte ich gar nicht verraten.

Auch die kleinen Nebencharaktere sind toll, haben jeder eine wichtige Funktion und genug Charakter um ihnen eigene Geschichten auf den Leib schreiben zu können.

Hintergrund:
Kai Meyer ist bekannt dafür, Mythen zu finden und auf sich auf seine Weise zu eigen zu machen, um darum eine wunderbare Geschichte zu formen. Ich habe keine Ahnung, wo er dieses Mal gewühlt hat, aber die ganze Handlung und die Charaktere sind perfekt aufeinander abgestimmt. Gekonnt holt er das Unreale und Absurde in das normale Leben. Außerdem vermute ich mal, dass Herr Meyer viel Urlaub in London und Frankreich verbracht hat. Die Strecke, die Parker und Ash an der südlichen Küste Frankreichs zurücklegen, kenne ich selbst und muss sagen, dass ich mit diesem Buch sofort wieder da war. Ich konnte das Land förmlich schmecken.

An dieser Stelle muss ich auch die Ausflüge in das Amerika der Hippiebewegung nennen, die mir persönlich sehr gefallen haben, da ich die Zeit und Musik gerne mag. Was mich aber am meisten gefreut hat, dass Kai Meyer den Film „Legende“ erwähnt hat. Ich habe diesen Film gefühlte 50 Mal gesehen und finde ihn heute noch toll. Danke, Herr Meyer, dass ich für einen kurzen Moment wieder in meine Jugend zurückgeholt wurde.

Fazit: Lest dieses Buch! Ich konnte Asche und Phönix nicht aus der Hand legen und war froh mit meiner Entscheidung, es auf dem Kindle zu lesen. Bei jeder Gelegenheit konnte ich ihn zücken und weiter mit Ash und Parker vor Libatique fliehen und mich verlieben. Welch wunderbare andere Story. Welch tolle Charaktere.  Und ich mag es kaum erwähnen, aber ich finde es schade, dass es ein Standalone ist.  Sehr gut fand ich den kritischen Blick auf Ruhm, der zweifelsohne zentral hinter der Geschichte steht. In Asche und Phönix wird deutlich, dass nicht Berühmtheit glücklich macht, sondern Freundschaft und Liebe viel wertvoller sind. Ich gebe hier keine Empfehlung, nein ich glaube ich muss euch nötigen, dieses Buch zu lesen.

 

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Arkadien fällt

Dezember 17



Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Carlsen Verlag GmbH; Auflage: 1 (26. September 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3551582034

 

Erster Satz:

Achtung:Spoiler Aufklappen

Fundlings Beerdigung.

 

Wie viele andere habe ich mich auf den Abschluß der Arkadien-Reihe gefreut. Tja, und dann beim ersten Satz direkt ein Spoiler? Das musste sein, denn der dritte Band fängt gleich mit einer Überraschung an.

 

Kurzinhalt:

 

Nach einer Beerdigung werden Rosa und Alessandro zu einem Treffen gelockt, was sich als Falle herausstellt Ihre eigenen Clans haben sich gegen sie gestellt und zwingen sie auf ein rasante und ereignisreiche Flucht zu gehen. Es treibt sie über die ganze Insel und immer weiter in die Geheimnisse um TABULA, den arkadischen Dynastien und Fundling hinein. Fast alles löst sich bis zu einem actionreichen Finale auf.

 

So sehr ich mich auch auf den letzten band gefreut habe, habe ich auch getrauert, weil es eben der letzte Band ist. Die Arkadien-Reihe war die erste Reihe von Kai Meyer die ich gelesen habe. Bisher habe ich alle gehört, da ich Andreas Fröhlich als Sprecher der Hörbücher sehr mag. Da aber in dieser Reihe die Mafia eine Rolle spielt, musste ich die Bücher lesen. Zum Glück! Ich mag Themen, in denen die Mafia eine Rolle spielt und bin deshalb sehr begeistert von den Büchern. Rosa ist keine typisch weibliche Protagonistin, was mir sehr gefällt. Sie hat ecken und Kanten, erlebt schlimme Dinge und hat eine kriminelle Vergangenheit. Auch entspricht sie nicht dem perfekten Schönheitsideal. Alessandro hat zwar grüne Augen(sorry, ich mag blau lieber), aber er spricht an und ich finde, der Panther passt perfekt zu ihm. Ich bin nicht unbedingt ein Freund von Gestaltwandlung, aber Kai Meyer beschreibt sie wunderbar. Man erlebt von Buch zu Buch wie Rosa sich immer besser mit der Schlange zurechtfindet und im letzten Teil beherrscht sie die Verwandlung selbstverständlich.

In Teil drei bekommt man kaum eine Atempause. Sofort ist man im Geschehen und die Geschichte nimmt einen rasanten Lauf. Es passiert so viel, das ich es gar nicht alles aufschreiben kann. Ich habe mir beim Lesen immer mehr die Geschichte wie einen Film vorgestellt. Und auch ehrlich gesagt, welchen FSK der Film bekommen würde. Ganz Mafiamäßig gibt es viel Blut, Tote und auch Küsse in eigentlich unromantischen Momenten. Ich finde es gut, das alles so unverschleiert beschrieben wird. Stellenweise gab es Dialoge die mir zu lang waren und irgendwann hatte ich den Moment, wo ich von zu viel Information erschlagen wurde. Sicher würde sich ein zweites Mal lesen noch mal lohnen, aber alles in allem habe ich die Zusammenhänge doch fassen können.

Über den Schluss lässt sich sicher streiten. Es wird noch eine Komponente mit ins Spiel gebracht, die etwas merkwürdig scheint, aber:

Achtung:Spoiler Aufklappen

warum sollte es in einer Geschichte, in der es Gestaltwandler gibt, nicht auch Götter geben?

Was mir viel mehr Kopfzerbrechen bereitet sind die unbeantworteten Fragen. Es gibt definitiv noch welche und ich würde mich wirklich über einen vierten Band freuen. Vielleicht überlegt sich das Herr Meyer noch ein mal.
Vielleicht werde ich die Reihe irgendwann noch mal lesen. Der Hintergrund der Geschichte ist gut recherchiert und eines meiner Reiseziele auf der Liste der Orte, die ich einmal sehen möchte ist Sizilien jetzt umso mehr vertreten. Der Mafiahintergrund ist genial. Einzig ein bisschen mehr Romantik hätte nicht geschadet. Aber ich liebe diese Reihe und zähle sie zu meinen absoluten Tops.
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