Aisling Breith lesen, schreiben, hören

Himmelsfern

September 16

Himmelsfern

Price: EUR 18,95


Autor:  Jennifer Benkau

Erscheinungsdatum:  16.September 2013

ISBN-13:  978-3839001431

Verlag:  Script5

Gebundene Ausgabe: 496 Seiten

Klappentext:

 

Himmelsfern – allein der Titel ist so wunderschön. Unterlegt von einem wundervollen Cover, dass einem zuruft: Lies mich! Jennifer Benkau ist die  bei mir meistgelesene Autorin in diesem Jahr, wobei sie sich ganz leise in mein Herz geschlichen hat. Umso mehr habe ich mich gefreut, ihr neuestes Werk unabhängig vorab lesen zu dürfen. Ich werde mich bei meiner Beschreibung kurz fassen, denn die Geschichte sollte absolut nicht gespoilert werden.

Noa lebt mit ihrem Vater in einfachen Verhältnissen. Sie liebt das Poi-Spiel und laute Musik. Während eines U-Bahn Unglücks wird ihr von einem Unbekannten das Leben gerettet. Ein Schutzengel – so glaubt sie. Noa macht sich auf die Suche nach ihrem Retter und trifft dabei auf Marlon. Ihr Leben nimmt eine Wende und sie wird in eine unglaubliche Geschichte gezogen.

Erster Satz: Das Gefühl überkam mich flüchtig wie ein Déjà vu von fallenden Federn und gleichzeitig drängend, als drücke eine Hand gegen meine Brust.

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
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Idee:  Puh, das wird schwierig zu erklären, ohne etwas zu verraten. Grundsätzlich finde ich die Idee, die mit dem Erinnern zu tun hat, sehr schön. Das, was Marlons eigentliches Problem stellt keine neue Idee dar. Aber ganz egal, es ist ein Buch von Jennifer Benkau und das allein ist Grund genug es zu lesen. 🙂

Plot:  Bis zur Hälfte fand ich die Geschichte richtig super, teils lustig, frisch, jugendlich und dynamisch im Tempo. Dann empfand ich einige Längen, die ich erst anmeckern wollte, was sich aber im Rückblick als passend empfindet. Der Schlussteil war dann wieder schneller im Tempo und auf den letzten Seiten dermaßen emotional, dass ich tatsächlich kaum noch lesen konnte, weil ich vor Rührung weinen musste.

Schreibstil:  Jennifer Benkau schreibt einmalig, das kann ich nur immer wieder betonen. Sie erzählt als Ich-Erzählerin Präsens. Dabei bleibt sie ihrem Stil an sich die meiste Zeit treu. Die Erzählstimme ist jedoch sehr jugendlich und unbeschwert am Beginn, was wunderbar zu Noa passt, man aber von Dark Canopy, Dark Destiny und Stolen Mortality nicht gewöhnt ist. Während der Länge im hinteren Mittelteil habe ich ein wenig von dem Zauber vermisst, den ihre Schreibe sonst mitbringt, aber Frau Benkau findet zum Schluss zurück, um auf den letzten Seiten so pur emotionsvoll den Leser zu packen, dass man das Buch ganz aufgewühlt zuklappt.

Charaktere:  Eine Poi spielende Hauptprotagonistin! Da kann ich nicht anders, als sie zu mögen. Ich würde es selbst gerne können, hab aber keine Geduld dazu. Dann der Name: Noa. Mag ich auch gerne und ganz abgesehen davon, dass sie laute Musik mag, ist sie Jennifer Benkau gut gelungen. Sie wirkt authentisch mit ihren Macken und auch den rotzfrechen Kommentaren.

Dass Marlon so wichtig wird, meint man zunächst gar nicht. Ich mochte ihn, aber er ist nicht unbedingt der Typ, den man anhimmelt. Er hat seine aggressiven Aussetzer, die man im späteren Verlauf des Buches versteht. Außerdem möchte er Noa beschützen und das am besten auch vor sich selbst.

Olivier erscheint mir etwas zu passiv, da hätte man etwas mehr draus machen können, gerade weil er der Antagonist ist.

Ganz toll haben mir wieder Nebencharaktere gefallen: Noas Vater, mit dem ich mich sicher gut verstehen würde, da er doch einen jugendlichen Touch hat und Rosalia, Noas Freundin, die zwar das Klischee der quietschenden besten Freundin erfüllt, aber dennoch ihren Charme hat.

Von Emma würde ich gern mehr hören, diesem Mädchen, dass sich ihrem Schicksal mit Stolz hingibt.

Hintergrund:  Leider muss ich an diesem Punkt etwas meckern. Ich finde es hinkt hier und da mit der Logik, vor allem wenn es um das Vergessen und Erinnern geht. Dinge die erst als so unmöglich angedeutet werden, passieren dann doch. Das hat mich ganz persönlich etwas genervt. Es wird alles erklärt, keine Frage, aber dennoch befindet sich das für mich alles auf ganz dünnem Eis. Mir hat der Antagonist zu wenig Motivation für sein Handeln, oder es ist zumindest so bei mir angekommen.

Was jedoch sehr gut recherchiert wurde, ist das Poispiel. Ich hatte angenommen, das dem eine wichtigere Rolle zuteil wird, aber dem ist nicht so. Dennoch kann man Noa hautnah erleben, wenn sie das Feuer schwingt.

Fazit: Trotz der Längen und dem Hintergrund, die für den Punktabzug verantwortlich sind, kann ich diesem Buch eine wirkliche Leseempfehlung geben. Es könnte mehr gemeckert werden, wenn man ein Erbsenzähler sein möchte. Viel einfacher ist es jedoch sich tragen zu lassen und Zeuge einer Geschichte zu werden, die so bitter und ehrlich ist und zeigt, das Zeit manchmal so irrelevant ist.

Für alle, die über Längen hinwegsehen, tiefe Gefühle lieben und einen nicht ganz so düsteren Jennifer Benkau Roman erleben möchten.

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Interview mit Jennifer Benkau

Juli 12

Richtig toll war das Treffen mit Jennifer Benkau. Bei einem Kaffee im ruhigeren Teil der Messe, sprachen wir über das Schreiben und ihren Weg in die Verlagswelt.

Liest Du Deine veröffentlichten Bücher selbst noch mal?

Es kommt vor, das ich irgendetwas nachgucken will. Natürlich bei einer Lesung. Richtig festlesen kann ich mich, wenn zwischen Schreiben, Überarbeiten und das gedruckte Buch in Händen halten viel Zeit vergangen ist. Manchmal ärgere ich mich dann über Formulierungen, denke aber an anderen Stellen: „Wo kommt das denn her? Das hab ich geschrieben?“

 

Wieviel Zeit vergeht von der ersten Rohfassung bis zum ersten Leser?

Zwischen ein paar Jahren und ein paar Monaten. Das ist ganz schwer zu sagen. Das nächste Buch, was von mir im Sommer erscheint, habe ich im Winter 2008 geschrieben. Mein Erstling ist erst jetzt soweit, dass er veröffentlicht werden kann. Ich habe lange für das Überarbeiten gebraucht und ihn dann auch ein Jahr liegen lassen, nur um wieder von vorne anzufangen. „Dark Destiny“ habe ich im letzten Frühjahr bis Sommer geschrieben. Das war relativ schnell.

 

War es von Anfang an als Zweiteiler geplant?

Angeboten wurde es als Trilogie oder Dilogie. Als ich es angefangen habe zu schreiben, war es noch nicht für den Verlag, sondern für mich. Ich merkte dann, dass die Geschichte keinen dritten Teil braucht.

 

Wie stehst Du zu Trilogien?

Ich persönlich mag lieber Einzelbände. Bei Trilogien lese ich oft nur den ersten und letzten Band, weil der Zweite mich meist nicht so begeistert. Für Autoren ist es bei einer Trilogie natürlich spannend, was in der Wartezeit zwischen den Fortsetzungen passiert. Es bildet sich eine Fangemeinde, und wenn der zweite Teil erscheint, zieht der Erste noch mal an.

Die Gefahr beim Einzelband liegt darin, dass er eine Zeit im Buchhandel liegt und dann doch relativ schnell wieder in Vergessenheit gerät. Das ist zumindest mein Gefühl.

 

Liest Du selbst noch Bücher?

Ja. Natürlich weniger, wenn ich viel schreiben muss, weil der Termin drückt oder ich eben das Bedürfnis habe, alles rauszulassen. An solchen Tagen sehe ich dann abends lieber einer Serie. Aber normalerweise muss es ein Buch pro Woche sein.

 

Hast Du noch einen anderen Job oder arbeitest Du hauptberuflich als Autorin?

Mittlerweile hauptberuflich. Mein Mann übernimmt im Haushalt ebenso viel wie ich und meine beiden großen Kinder sind relativ selbständig. Wir arbeiten beide mehr als vierzig Stunden in der Woche, da muss man hier und da Abstriche machen. Das Mama – Taxi kann ich zum Beispiel nicht anbieten.

 

Welchen Beruf hast Du ursprünglich ausgeübt?

Ich habe eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau gemacht. Sicherheit und ein solider Beruf sollte es sein. Während mein Mann Karriere gemacht hat, habe ich die Kinder großgezogen und ganz nebenbei mit dem Schreiben angefangen.

 

Überarbeitest Du noch viel, gerade jetzt bei dem Erstling?

Die Überarbeitungsphasen hören nie auf. Gerade den Erstling habe ich 50 Mal überarbeitet. Der einzige Roman, den ich nie leid werde. Bei allen anderen kam der Punkt, an dem man keine Lust mehr hatte und das Manuskript in– und auswendig kannte.

 

Streichst Du gerne?

In der Regel schon, aber gerade wenn aus dem Lektorat ein Vorschlag zum Streichen kommt, kann es wehtun. Wenn ich aber dann die gekürzte Version lese, sehe ich, wie gut es war, den unnötigen Ballast loszuwerden.

 

Musst Du für manche Szenen kämpfen, dass sie bleiben?

Kämpfen nicht wirklich, aber wir legen unsere Argumente dar und treffen uns meistens auf der Mitte.

 

Wird eins Deiner Bücher in andere Sprachen übersetzt?

Mein erstes veröffentlichtes Buch: „Nybbas Blut“. Eine klassische Dark Romance Geschichte. Das wird gerade für den amerikanischen E-Book-Markt übersetzt. Ich habe schon die erste Leseprobe bekommen. Den eigenen Text, den man in und auswendig kennt, auf englisch zu lesen ist unglaublich spannend und aufregend.

Die Hauptübersetzungsarbeit macht eine Deutsche. Eine Amerikanerin macht praktisch als Muttersprachlerin das Lektorat.

 

Ich finde es schön, das „Dark Canopy“ ein englischer Titel ist! Wer hat den Titel gefunden?

Das war mein Arbeitstitel. Eigentlich sucht der Verlag den Titel aus, weil man als Autor keinen Überblick hat, welche Titel es schon gibt und was gut am Markt ankommt. Bei „Dark Canopy“ war ich überrascht, als ich das Cover bekam und der Arbeitstitel darauf stand. Ich habe direkt meine Lektorin angerufen und nachgefragt. Die bestätigte mir, dass der Titel so bleibt, was mich sehr gefreut hat.

 

Hast Du als Autor Mitspracherecht beim Cover?

Nein. Ich kann natürlich sagen, wenn etwas gar nicht geht, aber dafür muss man einen guten Grund haben. Bis jetzt habe ich mich immer auf den Verlag verlassen. Bislang gefallen mir auch alle sehr gut. Das erste Cover gefiel mir damals zunächst gar nicht, aber es hat sich herausgestellt, dass das Buch durch Titel und Cover gut lief. Die Leser Leute wussten, was sie zu erwarten haben.

 

Jetzt erscheinen „Stolen Mortality“ und „Himmelsfern“. Was bedeuten diese Bücher für Dich?

„Stolen Mortality“ ist mein Erstling und bei dem kann ich immer noch lachen und weinen. Da existiert eine starke emotionale Bindung. Aber auch „Himmelsfern“ (ebenfalls Arbeitstitel), das viel später geschrieben wurde, bedeutet sehr viel. Damit habe ich meinen Agenten bekommen und auch den Verlag „Script 5“. Der Agent hat „Himmelsfern“ innerhalb von ein paar Stunden genommen und der Verlag ebenfalls. Freitags wurde der Titel angeboten und Dienstags war der Vertrag bei mir.

 

Der Cliffhanger bei Dark Canopy ist ja sehr gemein! Wie kam es zu der Entscheidung?

Wir mussten den Cut irgendwo in dem Bereich machen und dann habe ich diese Stelle bewusst gewählt.

 

Der Klappentext von Dark Destiny ist ja auch nicht ohne! Woher kam der?
Den hat die Lektorin geschrieben. Er ist gemein und ich hätte das so nicht gemacht.

 

Bist Du jemand der plant? Plottest Du?

Ja, ich muss. Es geht gar nicht ohne. Der Verlag würde das Buch nicht kaufen, wenn er nicht ungefähr erfährt, was passiert.

 

Hältst Du Dich beim Schreiben dann daran?

Es kann natürlich passieren, das eine Figur eine bessere Idee hat und anders handeln möchte. Dann geht der Plot natürlich zur Seite. Es wird spannend, wenn ich selbst nicht weiß, was auf den nächsten zehn Seiten passiert. In solchen Situationen kommt bei mir dieser Schreibfluss auf, mit dem ich 20 Seiten am Tag schreibe, weil ich selber wissen will, wie es weitergeht. Dann ist das Schreiben nicht mehr Arbeit und es ist aufregend, wenn jedes Buch und jede Freizeitaktivität links liegen gelassen wird.

 

Entwickelst Du Charakterbögen?

Gar nicht. Es kommt schon mal vor, dass ich ein Begleitheft mit den Nebenfiguren mache, die ich selbst nicht so im Kopf habe. Die Hauptcharaktere kommen so wie sie sind bei mir an und ich habe nicht das Gefühl, dass ich da viel dran machen muss. Ich mache mir mehr Gedanken um die Nebenfiguren als um die Hauptfiguren, weil diese einfach stimmig sind. Da muss ich nicht überlegen wie sie reagieren.

 

Entwickeln Deine Charaktere Eigenleben?

Ja, sie stellen sich dann schon mal quer und entwickeln einen Knoten im Gehirn. Dann passiert auf einmal nichts mehr und alles fühlt sich falsch an. Oft hilft es zwei Seiten zurückzuspringen und etwas zu ändern, damit wieder alles passt.

 

Wie hast Du Dich mit Deinen Sachen beworben?

Ich habe erst recherchiert. Wer bietet welches Programm? Was kann ich in etwa erwarten? Ich habe erst mal nur eine E-Mail geschrieben. Darin habe ich erklärt, dass ich auf der Suche nach einer Agentur bin, was ich habe und in welche Richtung es geht. Recht schnell kam die Antwort mit der Bitte um Exposé und Leseprobe. Zwei Stunden später kam schon die Zusage. Es ist nicht die Regel, das es so schnell geht, aber der Agent hatte gerade Zeit und der Text gefiel auf Anhieb.

„Dark Canopy“ habe ich dann auch angeboten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich aber erst 100 Seiten Rohfassung. „Himmelsfern“ war fertig und vom Verlag direkt genommen. „Dark Canopy“ wurde auf der Messe mit angeboten. Der Verlag wollte es mit der Bedingung, dass es im Sommer (innerhalb 2-3Monate) fertig sein müsse, weil sie das gerne vorziehen würden. Zu dem Zeitpunkt konnte man Dystopien noch gut auf den Markt bringen. Ich habe es dann tatsächlich fertigbekommen, sodass es im März 2012 erscheinen konnte. So rutschte“Himmelsfern“ erst nach hinten.

 

Was ist es für ein Gefühl, in acht Wochen aus einer 100 Seiten Rohfassung einen Roman zu schreiben?

Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe, wie aus dem Hobby Arbeit wurde. Bei „Dark Canopy“ kamen dann auch noch private Gründe dazu, die mich beim Schreiben gehemmt haben. Ich habe viel zu spät angefangen, und wenn man das dann so „runterschreiben“ muss, ist man zum Schluss froh, wenn es vorbei ist.

 

Wie läuft es dann ab, wenn die Rohfassung fertig ist?

Die Rohfassung bekommen meine Testleser und die überarbeitete Fassung geht dann zum Verlag. Dort wird mit dem Lektorat zusammen daran gefeilt. Wobei man bei Änderungen aufpassen muss, da sie sich durchs ganze Buch ziehen. Logikfehler in Büchern findet man in der gedruckten Fassung im Endeffekt dann, wenn zu viel daran gearbeitet wurde. Das passiert eben. Der Verlag hat noch eigene Testleser, die vorab eine Tendenz geben, wie das Buch ankommt.

 

Wie war das in Deinen Anfängen. Hast Du Testleser in Schreibforen gesucht?

Ich habe mit Fanfiction angefangen zu schreiben und dort findet man sich so. Ich habe noch eine Testleserin aus dieser Zeit und mittlerweile drei Kolleginnen, die den Sprung in einen Verlag geschafft haben.

 

Bist Du noch in Schreibforen unterwegs?

Nicht mehr den gleichen Seiten wie früher, aber grundsätzlich schon. Es gibt für veröffentlichte Autoren eigene Foren, wo man wieder andere Kollegen kennenlernt. Das ist ganz spannend, weil man dort seinen früheren Idolen über den Weg läuft. Ich bin immer noch in der Büchereule vertreten und versuche ein bisschen Zeit zu finden.

 

Liest Du noch „beta“ für andere?

Wenig. Ich habe noch zwei bis drei liebe Kolleginnen, mit denen ich gegenseitig Korrektur lese. Das ist dann aber eher so, dass man ein Problem hat und um Rat fragt. Oder man wird gefragt, ob man ein Buch vorab lesen darf, was immer ganz schön ist.

 

Wie viele Manuskripte hast Du noch in der Schublade liegen?

Drei Fertige, aber die sind alle nicht auf dem Level, den ich abgeben würde. Eins habe ich geschrieben als ich 16 war, dass ich vor ein paar Jahren endlich zu Ende gebracht habe. Das ist zwar nett und ich lese es gerne, aber nichts, was ich abgeben würde.

 

Hast Du Schreibworkshops mitgemacht?

Nein ich habe „Learning by doing“ und „Try and Error“ angewendet. Einfach viel Kritik holen. Ich habe immer die Kritik von denen geholt, die am Ehrlichsten waren. Die Kritik, die am meisten wehtut.

 

Du hast Erfahrungen mit zwei Verlagen, arbeiten die unterschiedlich?

Es ist ein sehr kleiner und ein sehr großer Verlag und die arbeiten natürlich unterschiedlich. Das ist auch das, was ich von Kollegen höre. Jeder Verlag hat seine Vorgehensweise und auch jeder Lektor arbeitet unterschiedlich. Beim Sieben Verlag arbeite ich mit der Lektorin am fünften Buch zusammen, da ist nicht mehr so viel im Text markiert. Wir sind so gut aufeinander abgestimmt, sie streicht nichts mehr an von dem sie weiß, dass ich es nicht streichen möchte und Stellen, die sie immer wieder streichen wird, schreibe ich direkt anders. Es ist schön, wenn man weiß, wie der andere tickt. Dann ist es auch kaum noch Arbeit. Es ist aber auch schön, wenn man von einem anderen Lektor wieder neue Anreize bekommt.

 

Vielen Dank für dieses tolle Gespräch!

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Stolen Mortality

Juli 11

Stolen Mortality

Price: EUR 14,90



Autor:
Jennifer Benkau

Erscheinungsdatum: 28. Juni 2013

ISBN-13: 978-3864431111

Verlag: Sieben Verlag

Taschenbuch: 360 Seiten

Klappentext:

 

Oh ja, wenn Jennifer Benkau drauf steht, habe ich gewisse Erwartungen. Ganz klar, dass ich „Stolen Mortality“ lesen musste. Zum einen, wegen dem wunderschönen Cover, zum anderen, weil Vampire drin vorkommen. Ach ja, und natürlich wegen Jennys unnachahmlichen Stils.

Jamian und sein jüngerer Bruder Junias sind Kienshi, Vampirwächter. In dem kleinen Nest Glen Mertha herrscht ein einvernehmliches Nebeneinander, solange die Blutsauger die Menschen nicht töten. Doch dann nimmt Jamian die Schuld eines Fehlers seines Bruders auf sich, die ihm Unsterblichkeit einhandelt. Er ist nun verdammt auf ewig 19 zu sein. Keine rosigen Aussichten. Lange kann Jamian nicht darüber nachdenken, den es taucht ein weiblicher Partisane Vampir auf. Vampiere die keine regeln akzeptieren. Ungewollt rettet er die hübsche Blonde und das Schicksal nimmt seinen Lauf
.
Erster Satz: Flüsterworte in einem Wald, irgendwo in den Highlands

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
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Idee: Ich fand besonders die Idee der Kienshi toll. Ein Gegenpart zu den Vampiren, den ich so noch nicht kannte. Vor allem, weil sie nicht unbedingt die »Guten« sind

Plot: Ich brauchte meine Zeit, um in das Buch reinzukommen. Man weiß nicht genau wohin will die Geschichte und um was geht es jetzt genau. Dann setzt plötzlich ein Sog ein. Es gibt mehrere Handlungsstränge die durch die Perspektiven der verschiedenen Figuren dargestellt wird, bis sich alles zusammenfügt. Es gibt Blut, es gibt Leidenschaft und eine Verschwörung. Genau die richtigen Zutaten um eine spannende Geschichte zu erzählen.

Schreibstil: Grandios. Wieder bin ich total beeindruckt, wie man so etwas auf die Beine stellt. Zumal es der Erstling der Autorin ist und in dem steckt meist ein besonderes Herzblut und sehr viel Überarbeitung. Durch diesen tollen Stil, den sie auch noch aus dem Erstling herausgekitzelt hat wird es nie langweilig, selbst wenn der Plot eine Länge hat. Ein wahrer Genuss des Lesens.

»Stolen Mortality« wird in der dritten Person im Präteritum erzählt. So kann sich die Autorin auch der verschiedenen Sichtweisen der Figuren bedienen. Die Geschichte bleibt meist bei Jamian, aber findet auch bei Junias und Laine statt. Dabei werden die verschiedenen Sprünge zwischen den Schauplätzen wunderbar ineineadergefügt. Das erzeugt Spannung und treibt das Lesen voran. Vor allem fiebert man so mit mehreren Charakteren mit, kann auf zwei Liebesgeschichten hoffen und wird dabei wieder so gut unterhalten, dass ich auch an Stellen lachen musste, aber auch aufgeregt und vor allem traurig war. Ein unbeschreiblich gefühlvoller Stil mit Tiefe, der einen mitreißt und berührt. Es macht Lust auf mehr, auch wenn Jennifer Benkau Wege in der Handlung geht, die man nicht gehen möchte. Ihre Schreibe ist einfach zu gut um es ungelesen zu lassen. So gibt es Momente, in denen man das Buch gegen die Wand hauen möchte, nur um es dann doch wieder in den Arm zu nehmen.

Charaktere: Ganz besonders hat mir die Beziehung der beiden Brüder zueinander gefallen. Jamian, der früh das Erbe seines Vaters annehmen musste und Junias, der schon mit sechzehn, anstatt achtzehn zum Kienshi wurde. Beide Brüder entsprechen ihren Rollen. Jamian, der führsorgliche Große Bruder, der auch ein Stück Vaterrolle übernommen hat, lässt immer wieder seine Jugendlichkeit durchblitzen. Die meiste Zeit ist er beherrscht, umsichtig und meidet unvorsichtige Dinge. Doch Laine bringt seine Gefühlswelt durcheinander, seine Sichtweise und lockt seine naive Seite hervor.

Junias ist ein so wunderbar gelungener Jugendlicher. Seine Naivität, Impulsivität aber auch Schüchternheit sind geeignete Faktoren um ihm dem Leser nahe zu bringen. Ich mochte ihn sehr gern und er ist mein heimlicher Star der Geschichte. Schlägt er sich nachts gemeinsam mit seinem Bruder die Nächte um die Ohren, um in Glen Mertha Frieden  zu bewahren, entpuppt er sich für Amy, dem Mädchen was er mag,  als wahr gewordener Mythos. Eine schöne und süße jugendliche Liebesgeschichte entsteh zwischen ihnen, die einfach echt wirkt.

Was mir bei Laine besonders gefallen hat, das ihre Wurzeln und ihr Alter hervorkam. Die Begegnung mit Jamian und seine andere Art, die sich von anderen Kienshi unterscheidet, bringt ihr Weltbild durcheinander. Zum einen blutliebendes Monster, ohne Rücksicht auf Leben, ist sie zum anderen eine junge Frau geblieben, die plötzlich ihr Herz verliert und dadurch wiedergewinnt.

Hintergrund: Mir ist bei diesem Roman besonders aufgefallen wie nah Frau Benkau mir Schottland gebracht hat. Ich habe richtig Lust auf Urlaub dort bekommen. Das Setting scheint mir mehr als sehr gut recherchiert. Auch die Hintergründe der Figuren sind sehr gut und durchdacht.

Die Idee der Kienshi ist klasse und ebenso gut umgesetzt. Sie hat Hand und Fuß und war für mich neu. Bei manchen Dingen hätte ich gern etwas nachgefragt, aber das waren Details, die für die Geschichte irrelevant waren.

Fazit: Wunderbar! Man merkt diesem Werk zwar etwas den Erstling an, aber Jennifer Benkaus Stil ist unverkennbar. Endlich wieder ein Vampiroman, den man gelesen haben sollte. Eben weil er nicht der Norm entspricht. Er ist düster, blutig und brutal, aber ebenso liebevoll und schön. Die Kampfszenen sowie auch die heißen Szenen zwischen Laine und Jamian sind plastisch. Ein Muss für jeden Jennifer Benkau Fan.

Für alle, die Vampire satt haben, und sich eines Besseren belehren lassen wollen.

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Dark Destiny

Mai 19

Dark Destiny

Price: EUR 18,95



Autor:
Jennifer Benkau

Erscheinungsdatum: März 2013

ISBN-13: 978-3839001455

Verlag: Script 5

Gebundene Ausgabe: 464 Seiten

Klappentext:

 

„Dark Canopy“ hat mich so sehr begeistert und zudem ist es eine Dilogie. Ich musste Dark Destiny also lesen. Dazu kommt, dass ich mich wirklich in den Stil von Jennifer Benkau verliebt habe. Um die Wirkung des Klappentextes nicht kaputtzumachen, wird meine eigene Zusammenfassung ebenfalls nicht lang ausfallen.

Joys Welt ist in Stücke gerissen. Mit Neéls Tod und Mathials Veränderung in einen verhärmten Clanführer wieder Willen stirbt auch ihre Hoffnung. Sie kann nicht mehr bei Mathials Clan bleiben. Zu sehr fühlt sie sich dort eingesperrt und unverstanden. Hinter den Aktionen des Clans steht sie schon lange nicht mehr. Sie versucht Antworten bei Jamies Clan zu finden, der in Joy jedoch nur eine wertvolle Ware sieht. Ihr einziger Weg führt zurück in die Stadt, in der sie mit Graves Hilfe ihr Anrecht auf die Stadtmarke geltend macht. Joy fängt an ein neues Leben aufzubauen mit einer neuen Hoffnung.

Erster Satz: Ich hatte immer gedacht, der erste gewonnene Gerichtsprozess würde meine Zweifel verstummen lassen.

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
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Idee: Als Gesamtpaket finde ich die Idee, die hinter dieser Dilogie steckt sehr gut. Wenn man sich wirklich nur auf den zweiten Teil konzentriert, finde ich die Idee dahinter nicht überraschend. Einiges, was passiert konnte man erahnen.

Plot: Das Buch beginnt zunächst mit einer Situation drei Jahre nach der eigentlichen Geschichte. Dort wird auch der Titel des Buches aufgefasst und man möchte unbedingt wissen, was passiert ist. Eine sehr glückliche Lösung, die den Leser unweigerlich bei der Stange hält. Ich muss gestehen, dass ich mich zeitweise gefragt habe, was die Story will. Wo ist die Leine, an der man sich langhangeln kann? Grob gesehen hat das Buch in meinen Augen eher zwei Teile. Von diesem Standpunk aus gesehen ist die Geschichte  stimmig. Allerdings fand ich diesen teils planlos wirkenden Plot für die Story gerade deshalb sehr passend. Er gibt die Stimmung der Geschichte wieder. Das hin und her, was die Figuren durchleben. Die Richtungen der möglichen Zukunft. Der Plot lässt den Fortgang der Story somit echt wirken und ist nicht nach Schema F aufgestellt. Da geht es in die eine Richtung, dann wird dort verweilt, nur um wieder in eine andere Richtung zu gehen mit einem Ziel, was man als Leser nicht erreichen möchte, die Geschichte aber nicht anders zulässt.

Schreibstil: Woah! Ich liebe diesen Stil. Ehrlich gesagt, gehört Jennifer Benkaus Schreibe für mich zu den Besten. Immer noch kann ich meine Empfindungen zu ihrem Stil nicht wirklich in Worte fassen.

Dark Destiny wechselt regelmäßig die Sichtweise. Einmal aus Joys Sicht, als Ich-Erzähler und dann gibt es Teile in der dritten Person, um das Geschehen außerhalb Joys Radius zu erzählen. Beide Perspektiven sind ins Präteritum gesetzt. Die Geschichte lebt durch ein wortgewandtes Kleid. Man riecht das Feuer, fühlt die Kälte und ist bei jedem Charakter in dessen Gefühlswelt eingesogen. Frau Benkau benutzt Metaphern, die einen teilweise vor den Kopf stoßen, weil man sie so nicht erwartet,  aber gleichzeitig denken lassen: genial.

Eine absolute Ausnahmeautorin für mich, die in meinen Augen die ganz erfolgreichen und langjährig bekannten Autoren unseres Landes in den Schatten stellen kann. Definitiv ist ihr Name nun für mich ein Garant für ein gutes Buch.

Charaktere: Wie auch im Auftakt „Dark Canopy“ sind die Charaktere bestechend gut durchdacht. Auf der einen Seite mit unsympathischen Zügen bestückt, machen das dadurch plausible Handeln die Figuren so authentisch. Man mag sie, obwohl man ihnen den Kopf abreißen könnte. Man will sie schütteln und rütteln. Man will  ihnen sagen, welch irrsinnige Gedanken sie doch haben. Da sind so viele Facetten angelegt, so tiefgehende Persönlichkeiten. Selten gehen einem die Figuren so unter die Haut. Jennifer Benkau schafft das wirklich auf eine leichte Art und Weise, trotz dieser verworrenen Gefühle, den Leser in die Protagonisten zu katapultieren.  Auch die Entwicklung zu sehen, ist interessant. Man kann sich gar nicht entscheiden, welcher Charakter am Besten ist.

Joy, die plötzlich ihre eigenen Clanmitglieder nicht mehr versteht. Mathial, der den Weitblick verliert und mit der Clanführerschaft überfordert ist. Cloud, dem eine Präsidentschaft immer wichtiger wird und seine Ideale vergisst. Neél, der in Joys Gedanken so lebendig weiterlebt.

Hintergrund: Ich hoffe, das ist mir im ersten Teil nicht untergegangen, aber mit Dark Destiny erfährt der Leser, zu welcher Zeit die Geschichte spielt. Die „Kultur“ der Percents wurde schon in Dark Canopy beschrieben. All die Beschreibungen und Umstände, die zum Schluss hin aufgedeckt werden, wirken auf mich durchdacht. An dieser Stelle möchte ich ein paar Worte zum umstrittenen Ende schreiben. Die Geschichte ist definitiv zu Ende, so viel sei gesagt. Es ist ein Ende, was man nicht will, aber wenn man die Entwicklung der Charaktere und deren Gefühlswelt betrachtet, lässt sie kein anderes Ende zu. Und im Endeffekt steckt so viel mehr dahinter. Es drückt in meinen Augen die tiefe Liebe der beiden Hauptprotagonisten zueinander  stark aus.

Fazit: Grandios! Der Schreibstil ist unbeschreiblich. Die Charaktere eigenwillig, sperrig und dennoch ans Herz wachsend. Die Geschichte anders, ebenso eigenwillig und mit  einem unerwarteten Schluss. Diese Reihe würde ich jedem ohne ein Wort zu erklären in die Hand drücken mit den Worten: Igel Dich irgendwo ein und lies das! Genieß es, Hasse es und lass Dich vom Alltag entführen. Die Liebesgeschichte ist so echt und zeigt wahre Liebe. Als Dystopie kann man, wenn man mich fragt, diese Dilogie nicht sehen. Für mich zeigt es viel Zwischenmenschliches auf. Dinge, von denen man lernen kann. Dark Destiny geht wie auch schon Dark Canopy, unter die Haut und dringt tief  ein. Keine Leseempfehlung, nein, ein Lesemuss!

 

 

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Dark Canopy

März 7

Dark Canopy

Price: EUR 18,95



Autor:
Jennifer Benkau

Erscheinungsdatum: 1. März 2012

ISBN-13: 978-3839001448

Verlag: Script5

Gebundene Ausgabe: 534 Seiten

Klappentext:

 

Endlich habe ich „Dark Canopy“ gelesen. Letztes Jahr gab es einen großen Hype um das Buch. Zurecht! Ich bin sprachlos und gerade deshalb fällt mir die Rezension so schwer. Diese Gefühle auszudrücken, die in mir losgetreten wurden … mir fehlen die Worte.

Joy lebt in einer dunklen rauen Welt. Ihr Leben ist vom Überleben bestimmt. Als Clanmitglied schützt sie sich und die anderen Menschen vor den Fängen der Percents. Denn diese furchteinflößende Rasse hat die Herrschaft über die Welt an sich gerissen. Während einer Rettungsaktion für ihre Freundin Amber gerät sie jedoch in eine Falle und wird erwischt. Aber anstatt als Sklavin eines Percent, landet sie im alten Gefängnis als Soldat, was als Frau absolut unüblich ist. Die Idee des  Mentors eines Percent. Neél ist von der Idee seines Übergeordneten gar nicht überzeugt und empfindet sie als Demütigung. Er muss Joy so gut trainieren, dass sie im Chivvy, der traditionellen Menschenjagt, so gut ist, um als letzte übrig zu bleiben. Denn nur dann winkt ein angenehmeres Leben und ein hohes Ansehen für den Percent. Je länger sie bei ihm ist, desto mehr verändert sich ihre Sichtweise. Aber warum fühlt sie plötzlich in seiner Gegenwart diese Wärme und kann ihn nicht mehr hassen?

Erster Satz: Ich hatte immer behauptet, der erste Percent, der in meinen Wurfradius tritt, würde ihn nicht lebend verlassen.

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Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
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Idee: Mich hat die Geschichte stark an den Film erinnert, den ich sehr gemocht habe: „Enemy Mine“ von 1985. Hinter der Geschichte von Dark Canopy steckt ebenso eine tiefe Aussage über Respekt verschiedener Rassen und Sichtweisen. Die Idee ist nicht neu, aber gefällt mir gut.

Plot: Das Buch startet mit einem Prolog. Joys erster brenzliger Begegnung mit einem Percent, in der die beiden Feinde sich leben lassen. Jahre später lernt man Joy und ihr Leben als Rebellin kennen bevor sie in die Welt der Percents eintaucht. Man ist direkt mitten drin und wird sofort in die Welt hineingezogen. Die ganze Atmosphäre und Stimmung ist fühlbar. Was mir sehr gut gefallen hat, war die Länge. Es vergehen mehrere Monate, in denen Joy trainiert wird. Das macht die ganze Story authentischer. Hier und da wird zeitlich gesprungen, aber durch die optische Trennung der Absätze merkt man das sofort. Für mich ist „Dark Canopy“ filmreif. Eine gute Vorlage um einen tollen Kinostreifen daraus zu machen (was ich insgeheim hoffe). Nicht zu schnell, dennoch in keiner Weise langweilig. An den spannenden Stellen packend und beim Kampf schnell und durchdacht.

Schreibstil: Erzählt wird hauptsächlich aus der Sicht Joys als Ich-Erzähler im Präteritum. Yeah! Meine Lieblingsperspektive. Es gibt allerdings auch Teile, die in der dritten Person aus der Sicht Mathials, Joys Rebellenfreund, geschildert werden. Ich gestehe, dass ich diese Teile mit etwas weniger Begeisterung gelesen habe. Das lag aber nur daran, dass ich viel lieber Joys und Neéls Beziehung so spannend fand.

Jennifer Benkau hat einen Stil, den ich als besonders nennen möchte. Ihre Beschreibungen sind nicht langweilig und es stellt sich allgemein recht schnell ein starker Lesesog ein. Mir fehlen einfach die Worte. Sie hat es geschafft tiefe Gefühle in mir auszulösen, mich immer wieder zu den Charakteren hinzuziehen und so sehr in die Welt abzutauchen, dass ich alles andere um mich herum vergessen habe. Ich kann eigentlich in jeder Situation immer und überall lesen aber bei „Dark Canopy“ hatte ich das tiefe Bedürfnis mir beim Lesen Ruhe um mich herum zu gönnen. Ein tiefer Wunsch der Geschichte ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Wie kann man nur so gut schreiben? Jennifer Benkau ist ein Beweis, dass es gute Autoren in Deutschland gibt, die eine ganz besondere Art der Sprache herüberbringen.

Charaktere: Ich kann kaum in Worte fassen, was ich bei den Charakteren empfunden habe. Auch hier fällt mir das schwer. Sie sind so gut. Durchdacht von vorne bis hinten mit den nötigen Details, dem passenden Handeln, um sie so plastisch vor der Nase zu haben. Ich hätte nahezu nach ihnen greifen können. Selbst kleine Nebenrollen gewinnen durch einfache, aber einprägsame Mittel an Wichtigkeit und bleiben nicht vergessen. Hinter jeder Figur wird der innere Antrieb sichtbar.

Mir hat es sehr gut gefallen, dass Joy schon 20 ist.  Das ist erwachsener als das sonst häufige 16-18Jahre. Nicht nur durch die Perspektive ist man ihr nah, auch durch ihre deutliche Zeichnung steckt man förmlich in ihr drin. Die Entwicklung, die sie durchmacht, ist absolut nachvollziehbar und wirkt echt.

Neél, vor allem als Percent, ist mir sympathisch. Außerdem habe ich nicht damit gerechnet so einen guten männlichen Charakter zu finden. Er hat Macken und Kanten und Ecken, die ihn authentisch machen. Aber er hat auch die gefühlvolle, weitsichtige und aufgeschlossenen Seite an sich. Intelligent, geduldig und vor allem stark.

Allein wegen der starken Charakterdarstellung sollte man das Buch lesen.

Hintergrund: Der Hintergrund wird zwar an einer Stelle recht detailliert erklärt, was ich in manch anderen Bücher als Infodump empfinden würde, hier jedoch nicht so. Es ist perfekt in das Geschehen eingeflochten. Andere Details hier und da wirken weiter vertiefend. Die Zeiträume sind gut gewählt und machen alles nachvollziehbar und klar. Mir würden noch ein paar Fragen zu den Percents einfallen, aber das soll hier nicht ins Gewicht fallen. Details wie Umgebung oder das Überleben, Kämpfe, Reiten usw. sind sehr gut recherchiert.

Fazit: In diesem Buch steckt so viel mehr. So viel Tiefe. Es ist nicht einfach nur eine Dystopie. Für mich schwingt eher auch Si-Fi mit. Natürlich Liebe. Zwischenmenschliches. Ich kann gar nicht genug Gründe aufzählen, warum man es lesen sollte, aber wenn ich mir einen rauspicke, dann wirklich den Tiefgang der Story. Wer am Ende auf fiese Cliffhänger steht, für den ist Dark Canopy ein Muss. Wer düstere Dystopien mag, für den ist es ein Muss. Wer auf tolle Charaktere mit Tiefgang steht, für den ist es ein Muss. Und letztendlich kann man durch den Status als Zweiteiler alle Leser erfassen, die genug von Trilogien und Serien haben. Ich bin auf die Fortsetzung gespannt und wette, dass ich das Buch sicher schnell lesen werde. Die Geschichte um Joy könnte bei mir durchaus auf dem Re-read Regal landen. (Und ich lese selten zwei Mal). Danke für diese tolle Geschichte.

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LINNA SINGT von Bettina Belitz (Buchtrailer)

August 9

LINNA SINGT von Bettina Belitz (Buchtrailer) – YouTube.

 

Auch ich mache bei der Aktion mit. Ich bin schon sehr gespannt auf das Buch und so froh, dass es ein Einzelband ist. Drückt mir die Daumen, dass ich eines der 10 Rezensionsexemplare gewinne!

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Das Mädchen mit den gläsernen Füßen

Juni 30





Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Autor: Ali Shaw
Verlag: Script5 (9. Januar 2012)
ISBN-13: 978-3839001318
Originaltitel: The girl with the glass feet

 

Erster Satz: In jenem Winter berichteten die Zeitungen über einen Eisberg von der Größe einer Galeone, der voll knirschender Erhabenheit an den Klippen von St. Hauda‘s Land vorbeitrieb, über ein Wildschwein, das verirrte Wanderer aus dem Felsenlabyrinth unterhalb des Lomdendol Tor herausführte, über einen verblüfften Ornithologen, der in einem Schwarm von zweihundert Krähen fünf Albinos gezählt hatte.

Oh ja, das ist tatsächlich der erste Satz. Schon hier bekommt der Leser einen Vorgeschmack wie die restlichen Sätze aufgebaut sind. Wenn ich mir meine Schreibratgeber so ansehe, verstehe ich wieder einmal nicht, wie es das Buch geschafft hat, nicht auf den Absagenstapel zu landen.
Der Klappentext ist etwas irreführend und ich sage gleich: Das Buch spaltet die Meinungen. Ich mochte es, Danny hingegen hat nach hundert Seiten aufgehört zu lesen – etwas was sie sonst nie tut.
Zum Inhalt: Midas und Ida lernen sich auf St.Haudas Land (nicht googeln, ist fiktiv), Midas Heimat kennen. Dort sind alle Bewohner etwas eigenartig, ganz und gar nicht stereotyp. Ida kehrt nach ihrem Sommerurlaub auf die Insel zurück, um das Geheimnis ihrer sich in Glas verwandelnden Füße zu lösen. Sie lernt Midas einen stillen in sich gekehrten Jungen kennen. Durch ihre aufkeimende Freundschaft/Liebe holt sie ihn aus seinem Schneckenhaus heraus und bringt sein bis dahin gefestigtes Weltbild durcheinander. Er fängt an, die Welt mit seinen Augen anstatt durch das Objektiv seiner Kamera zu sehen. Dabei muss er einiges an Vergangenheit aufräumen.

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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
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Idee: Grundsätzlich finde ich die Idee gut. Was Neues und auch das fiktive St. Haudas hat seinen Charme. Eine eigenwillige Idee, das muss man schon sagen.

Plot: In meinen Augen nichts Spektakuläres. Es wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt, das gefällt mir. Immer wieder taucht man in Ida, Midas, Midas Vater und weiteren Charakteren ein, dennoch fehlte mir der „Sog“. Ein schwer zu beschreibendes Gefühl. Der Drang weiterzulesen war da, aber es gab etliche Szenen, bei denen ich mich (teilweise schon während des Lesens) gefragt habe, ob man das nicht auch hätte streichen können. Es gibt keinen Showdown, sondern ein teilweise erwartendes aber auch befürchtetes Ende.

Schreibstil: Was soll ich sagen: Adjektive. So viele, dass es selbst mir aufgefallen ist. Ich muss nicht alles „gezeigt“ bekommen, manchmal mag ich es, wenn einfach geschrieben wird, wie die Dinge sind. Doch hier war es einfach „too much“.
Hier frage ich mich, was letztendlich den Lektor veranlasst hat, das Manuskript nicht wegzulegen. Vermutlich ist es ihm so wie mir ergangen. Ich weiß nicht, was es ist, aber ich mochte die gläsernen Füße gerne lesen. Vor allem die Dialoge sind hervorragend und würden allein bei mir volle Punktzahl bekommen. Vergeblich sucht man nach dem Beiwerk (sagte er, bemerkte sie). Damit geizt der Autor. Zurecht, denn die Dialoge funktionieren ohne diese Schnörkelei.

Charaktere: Schwierige Charaktere mit eigenwilligen Eigenheiten. Ida erscheint mir am Normalsten. Allerdings ist sie von der unternehmungslustigen Abenteurerin durch ihre Füße etwas melancholischer geworden. Midas wird sehr schön durch sein Hobby, der Fotografie, charakterisiert. Seine Vergangenheit und Kindheit hat ihn spürbar geprägt und das setzt der Autor wunderbar um. Auch alle anderen Charaktere werden überzeugend dargestellt. Selbst die Tochter seines Freundes trägt schon ein Päckchen mit sich.

Hintergrund: Ali Shaw hat gut gearbeitet. Ich habe nach St. Haudas gegoogelt. Ich dachte, die Insel gibt es wirklich. Eine tolle Leistung, wie er sein Setting beschreibt und für die Geschichte nutzt. Leider sind bei mir Fragen offen geblieben. Es gibt gewisse Dinge, die ich gerne gewusst hätte und einige Sachen, die in dem Buch vorkommen, scheinen mir ganz schön und eine tolle Idee, aber ohne tieferen Grund zu sein. Es ist schon gut, wenn mal Fragen offen bleiben, aber bei diesem Buch würde ich den Autor ganz viele Fragen zum Hintergrund stellen.

Fazit: Schön. Ungewöhnlich. Eigenwillig. Nicht das Erwartete. Es ist leider enttäsuchend, dass nicht alles was im Klappentext vermerkt ist, thematisiert wird. Denn – so finde ich – die fiktive Welt von St. Haudas wird nur unzureichend ausgeschöpft.
Trotz der stellenweisen Längen konnte mich die Geschichte packen. Einzig eine Sache hat mir das Lesevergnügen geschmälert: Das Ende.

Ich mag die gläsernen Füße, vor allem wegen der eigenwilligen Charaktere und der Dialoge (man muss sich darauf einlassen können). Das Buch hat ein wunderschönes Cover, eine so liebevolle Aufmachung mit dem silbernen Schnitt und der absolute „Eye Catcher“.

Danny hingegen mochte das Buch nicht. Die extreme Adjektivverwendung und die Stimmung, die erzeugt wurde, hat ihr kein Lesevergnügen bereitet. Eher das Gegenteil war der Fall.
Wie gesagt, das Buch spaltet die Meinungen.

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Loewe Verlag

April 2

Heute haben wir das Interview mit drei wirklich bezaubernden Außendienstmitarbeiterinnen vom Loewe Verlag. Der Verlag mit Sitz in Bindlach hat seit einigen Jahren das Imprint Script 5, mit so wundervollen Büchern, wie die „Dornenkuss“ – Reihe und das neuste Buch „Das Mädchen mit den gläsernen Füßen“ wovon es in den nächsten Wochen auch eine Rezension geben wird.

 

Haben Sie das Gefühl dass Sie mehr MS im Jahr erhalten als früher?

Ja, gefühlt haben wir schon das Gefühl, dass es mehr geworden ist. Genau können wir das aber nicht sagen, weil wir im Außendienst tätig sind, und so von den Einreichungen nicht viel mitbekommen.

Wie viele der eingereichten unverlangt eingesendeten MS werden auch wirklich von Ihnen verwirklicht?

Sehr wenig. Die Zahl liegt im einstelligen Prozentsatz. Wir haben einfach nicht die Zeit oder den Atem neue deutsche Autoren aufzubauen.

Woran liegt das?

Zum Teil sicher daran, dass das eingesendete Material nicht gut genug ist. Wir arbeiten viel mit Agenturen zusammen, die uns neue Projekte anbieten, da sie bereits vorsortieren und uns nur das anbieten, was wirklich ins Programm passen könnte. Mittlerweile haben wir aber auch Scouts, die für uns unterwegs sind.

Scouts?

Das sind Menschen, die auf Literaturauktionen sitzen. Dort werden 3-Seiten Exposés vorgestellt und dann heißt es Hop oder Top.

Die Buchhandlungen sind voll mit ausländischen Autoren, warum?

Sicher ist es einfacher und günstiger Lizenzen zu erwerben, als einen unbekannten Autor aufzubauen. Denn man darf auch den wirtschaftlichen Faktor nicht außer Acht lassen.

Wo sehen Sie den Trend für die kommenden ein bis zwei Jahre?

Die Dystopien sind sehr aktuell zurzeit und werden durch die Verfilmung von ‚Die Tribute von Panem‘ sicher nochmal einen Aufschwung erwarten können. Auch die Dreiecks-Liebesgeschichten werden noch immer gerne gelesen und werden nicht so schnell auslaufen. Langfristig sehen wir eine Entwicklung aber eher zum Bereich ‚Realistik‘.

Wie stehen Sie zum Thema, deutsche Autoren sollen nur über deutsche Settings schreiben?

Sicher würde es den Leser freuen, wenn er ein deutsches Setting von einem deutschen Autor lesen kann. Im Grunde sind wir aber offen auch für andere Settings. Es muss aber authentisch sein.

 

An dieser Stelle möchten wir uns bei Frau Knaust, Frau Pennekamp und Frau Kluttig-Bordás für ihre Zeit  recht herzlich bedanken.

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