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Unschuld

Mai 6

Unschuld

Price: EUR 12,95

Broschiert: 154 Seiten

Autor: Usch Luhn

Verlag: Ueberreuter (Januar 2012)

ISBN-13: 978-3800056606

 


Erster Satz: Wie lange kann man die Luft anhalten, bis man tot ist?

 Im Rahmen unseres Interviews mit dem Ueberreuter-Verlag und der Autorin Usch Luhn, haben wir ihr aktuelles Buch als Rezensionsexemplar erhalten. Ich war ziemlich neugierig, vor allem weil das Gespräch mit der Autorin und Herrn Johann Larcher so viel Spaß gemacht hat. Die Autorin schreibt realistische Geschichten für das jugendliche Lesevolk, was sicher aber nicht heißt, dass sich auch Erwachsene mit den angesprochenen Themen auseinandersetzen und vielleicht auch identifizieren können.

Klappentext:


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Idee
Plot
Schreibstil
Charaktere
Hintergrund
Rating: 2.8/6 (1 vote cast)
 

Idee: Diese Geschichte ist anders als alles was ich bis jetzt gelesen habe, und auch während ich diese Rezension schreibe, weiß ich nicht so genau, was ich davon halten soll.

Die Idee entspringt einem realistischen Boden und ist sicher nicht an den Haaren herbei gezogen. Es gibt bestimmt den einen oder anderen Jugendlichen der eine ähnliche Situation schon mal  erlebt hat.

 

Achtung:Spoiler Aufklappen

Des Weiteren finde ich die Extremen, die hier in der Geschichte zusammen kommen etwas sehr krass. Da gibt’s den Mitläufertyp, den Schläger, den Hardcore-Kiffer und die ‚Schlampe‘. Alles vier Typen die einen gewissen Stereotyp verkörpern (was auch zum Teil erfüllt wird). Normalerweise hat man in einer Geschichte ein oder vielleicht auch zwei dieser Charaktertypen, aber direkt vier davon auf einen Haufen empfinde ich als etwas too much.

Plot: Erik ist der Hauptprotagonist der zwei gute Kumpel hat. Brian und Tony. Tony ist seit einiger Zeit mit Roswitha zusammen, die aber heimlich an Erik interessiert ist.

Die Geschichte beginnt mit einer nächtlichen Gartenzwerg-Hinrichtungsaktion im Garten der Biologielehrerin der Jungs. Sie schlagen den Gartenzwergen den Kopf ab, „teeren“ und „federn“ eine teure Schwanenfigur die auf dem Teich rumschwimmt und verteilen rote Farbe um den Teichrand.

Mit dieser Aktion nimmt die Geschichte ihren Lauf. Bei Brian in der Garage werden die Hinrichtungsutensilien aufgehoben und als seine Mutter von der Polizei festgenommen wird, werden die anderen drei Jugendlichen mehr und mehr nervös.

Die Situation spitzt sich zu und Tony droht Erik und Brian mit Schlägen, wenn sie nicht dicht halten. Roswitha wird eifersüchtig auf Eriks Freundin Isabelle und schmiedet daraufhin einen Racheplan, der am Ende nicht so ausgeht, wie sie es angenommen hat.

Für meinen Geschmack ist die Geschichte einen Touch zu realistisch. Ich war nie jemand der mit Drogen rumexperimentiert hat oder der ausgezogen ist, um nachts irgendwelches Eigentum fremder Leute zu verschandeln. Deshalb ist es sehr schwer, mich in die Charaktere hinein zu versetzen und mit ihnen zu fühlen.

Schreibstil: Kurz: Sehr gewöhnungsbedürftig, denn er ist mehr als umgangssprachlich. Teilweise musste ich sogar einen Satz mehrmals lesen um zu verstehen was das jetzt heißen soll. Mitunter habe ich auf einer Seite fünfmal das Wort ‚Scheiße‘ gezählt. Ein Wort das in den heutigen Sprachgebrauch gehört wie das Amen in die Kirche, ich aber nur in einem gewissen Maß in einem Buch lesen möchte.

Charaktere: Meiner Meinung nach sind die Charaktere sehr überzeichnet, was man aber vielleicht auch braucht, damit die Geschichte bei der Zielgruppe richtig ankommt. Sie erscheinen mir sehr extrem in allem: Ihrer Handlung, Ausdrucksweise und auch in ihrem familiären Hintergrund.

Alles im Allen bleiben die Charaktere in ihren Rollen und es ist jeweils klar, welcher der Personen gerade spricht.

 

Achtung:Spoiler Aufklappen

Da gibt es zum einen den Hauptprotagonist Erik, der meiner Meinung nach der „Mitläufer“ in der Clique ist. Sein Elternhaus ist nicht das Beste, der Vater betrügt die Mutter die daraufhin die Scheidung will.

Brian, der Kiffer der Clique wird im Buch als dauerbreit bezeichnet, der eine eigene kleine Cannabiszucht auf dem Balkon betreibt. Da er aber auf sein eigenes Zeug allergisch reagiert, ist er dazu übergegangen seinen ‚Eigenanbau‘ nicht zu rauchen, sondern zu schnüffeln (an dieser Stelle muss ich gestehen – ich habe keine Ahnung wo der Unterschied liegt). Seine Mutter ist eine Künstlerin, die einen kleinen Spleen hat und wohl etwas neben sich steht.

Tony ist der Schlägertyp der Gruppe, der mit Roswitha zusammen ist. Das Mädchen wird immer wieder als ‚Schlampe‘ bezeichnet und auch, dass sie schon mit jedem im Bett war, der auf der Schule rumläuft. Ihr Vater ist der Bürgermeister der Stadt und deswegen wird dargestellt, sie kommt aus allem mit einem blauen Auge davon, weil sie ja das liebe Töchterlein ist.

Isabelle scheint die einzige zu sein, die völlig rausfällt. Sie zeichnet zwar komische Comics, scheint aber sonst ‚normal‘ zu sein, so wie ich mir einen normalen Charakter vorstelle. Auch ihre Ausdrucksweise ist ‚normal‘ was wie Balsam für meine Seele war, wenn Dialoge von ihr kamen.

 Ich denke schon, dass es diese Art Charaktere im wirklichen Leben auch gibt, und dass sie sicherlich heute häufiger vorkommen, als noch zu meiner Jugendzeit. Ich hoffe aber, dass diese Charakterdarstellung die auf mich überspitzt wirkt, auch wirklich überzeichnet ist, und es sich nicht um eine wirkliche Darstellung der heutigen Jugend handelt.

Hintergrund: Der Hintergrund ist realistisch. Wir haben zerrüttete Elternhäuser, Charakterbilder (Mitläufer, Schlampe, Schläger, Kiffer) die aus dem Leben sind und eine Handlung die völlig ohne Fantasyelemente auskommt. Ich würde sagen es ist gut recherchiert und es bleiben keine Lücken übrig.

Fazit: Ehrlich gesagt, hat mich das Buch nicht umgehauen. Das lag zum einen an der sehr umgangssprachlichen Ausdrucksweise der Charaktere, zum anderen an dem für mich eher untypischen Lese-Genre. Ich streite nicht ab, dass das Thema welches Usch Luhn hier aufgegriffen hat, nicht realitätsnah ist, dennoch kann ich mich persönlich nicht damit identifizieren, was sicher auch an meinem Alter liegt. 

Da ich Bücher lese um dem Alltag zu entfliehen und einen ‚Seufz-Moment‘ zu erleben, bin ich auch nicht groß zu begeistern mit Büchern, die Realitätsgeschichten aufgreifen.

Was aber nicht heißt, dass es mich nicht zum Nachdenken angeregt hat. Es zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, sich mit seinen Kindern richtig zu ‚beschäftigen‘ damit sie die richtigen Werte mit auf den Weg bekommen und nicht zu Gartenzwerg-Mördern mutieren.

Wer also nach einer kurzweiligen, realistischen Geschichte sucht und auch nicht vor Umgangssprache zurückschreckt, für den ist das Buch genau das richtige.

Oder wenn hier Lehrer oder Referendare unter den Blog-Lesern sind, die noch nach Stoff für den Deutschunterricht suchen, sind mit diesem Titel gut bedient. Genau das Richtige für die Jugend, um bei der Sache zu bleiben.

Wie hat Usch Luhn in unserem Interview gesagt: Man muss andocken können.

Das hat sie mit diesem Buch definitiv geschafft.

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Ueberreuter Verlag

März 25

Sonntagmittag hatten wir die Möglichkeit ein besonderes Interview zu führen. Beim Wiener Carl Ueberreuter Verlag nahm sich Johann Larcher, Vertriebs- und Marketingleitung und die Autorin Usch Luhn die Zeit unsere Fragen zu beantworten. Usch Luhn saß durch Zufall am Stand des Verlags und war ebenso aufgeschlossen wie Johann Larcher.

Haben Sie das Gefühl, dass Deutsche mehr schreiben und Sie in den letzten Jahren mehr Manuskripte erhalten, als es früher der Fall war?
Johann Larcher: Die Tendenz im Fantasy Bereich ist steigend, da es auch mehr Veröffentlichungen gibt als früher.

 

Wo sehen Sie den Trend für die kommenden ein bis zwei Jahre?
Johann Larcher: Dystopien sind der Trend seit einem halben Jahr im Bereich Fantasy. Die Säule der Kinder- und Jugendbücher wird stärker bzw. größer, da auch mehr Erwachsene diese Bücher lesen. Ich denke aber auch, dass die sozial engagierten Bücher, realistische Geschichten – Pubertät oder zwischenmenschlich Themen – beliebter werden.

Usch Luhn: Die Geschichten konkurrieren aber nicht, eher stehen sie nebeneinander. Gerade Schulen greifen immer häufiger die Themen auf. Denn wenn die Leser packende Geschichten lesen, in denen sie sich wiederfinden, dann werden sie auch angenommen. Man muss andocken können.

 

Auf dem Buchmarkt sieht man immer mehr ausländische Autoren. Warum?
Johann Larcher: Lizenzmärkte sind wichtig. Wir haben eher deutsche Autoren in unserem Programm. Der Lizenzmarkt ist sehr teuer. Denn gute Stoffe müssen entsprechend bezahlt werden.

Usch Luhn: Das deutsche Publikum erfährt nicht, wenn unsere Buchlizenzen ins Ausland verkauft werden. Meine Sachen zum Beispiel werden ins Hebräische übersetzt. Oder viele osteuropäische Verlage publizieren meine Bücher.

Johann Larcher: Die Engländer oder Amerikaner zum Beispiel verkaufen mehr Lizenzen an uns, wohingegen unsere Stoffe in diesen Ländern nicht platziert werden können. Dafür aber verkaufen wir Bilderbücher nach China oder Skandinavien. Andersrum werden die Lizenzen aus diesen Ländern kaum erworben. Im angelsächsischen Raum gibt es ein sehr großes und gutes Autorenpotenzial. Es gibt eine Vielzahl hervorragender deutsche Autoren, aber der Markt hat Platz für mehr.

Usch Luhn: Die Vielfalt ist wichtig. Es freut mich immer, wenn ich andere erfolgreiche Autoren kennenlerne.

 

Wie sehen Sie den Markt für neue, unbekannte Autoren?
Johann Larcher: Manuskripte gibt es genug, aber der Aufwand, sie zu prüfen, ist sehr groß. Empfehlungen schaden nicht, aber sind nicht vorrangig. Wichtig für den Verlag ist, dass der Neuling eine gewisse Professionalität vermittelt, ansonsten kommt nichts bei rum.

Usch Luhn: Als ich angefangen habe, habe ich mich mit 30 Seiten beworben. Meine Geschichte war nicht mal fertig und ich hab’s trotzdem geschafft. Und das mit meinem Erstling. Kommunikation ist wichtig. Man muss aufgeschlossen sein.

 

Wie stehen Sie zum Thema, deutsche Autoren sollen mit deutschen Settings arbeiten und nicht mit amerikanischen oder kanadischen Settings?
Johann Larcher: Das Setting muss glaubhaft sein. Es muss stimmen und passen. Dann ist das kein Problem.

 

Auch hier ein herzliches DANKE für die Zeit und das wunderbare, signierte Rezensionsexemplar von Usch Luhn ‚Unschuld‘, wozu in den nächsten Wochen eine Rezension folgen wird.

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